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Neue jüdische Presse · 1914-09-11 · Heft 36 (11.9.1914) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 36 (11.9.1914)
Date
1914-09-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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♦ Seite 2. Frankfurter Israelitisches FamilienKakt, Die folgende Geschichte des jüdischen Volkes bietet keinen Raum mehr für den Gedanken von Eroberungskriegen. Die unheilvolle Trennung des Reiches, die Unterwerfung durch die großen assyrischen und chald.äischcn Weltmächte vernichteten die Selbständigkeit des Volkes, und seitdem bis zur Zerstörung des jüdischen Reiches durch die Römer galt alter Kampf des Volkes nur dem Versuche, seine Freiheit gegen die übermächtigen Feinde zu behaupten; mit welch geringem Erfolg wissen ivir alle. So ist die Geschichte unseres Volkes vielleicht die einzige in der gesamten Weltgeschichte, die von Eroberungskriegen, von der Unterdrückung anderer Völker nichts weiß, Die Lehre von der sittlichen Verwerflichkeit jedes Eroberungskrieges, die das Judentum verMrüiet hat, wurde vom jüo. Volke heilig gehalten. Auf der anderen Seite jedoch haben wir auch nie die andere "Lehre des Judentums vergessen, daß, so verwerflich der Eroberungskrieg ist, so geboten und heilig auch der Vertcidigungskanrpf ist. Durch Jahrhunderte hindurch haben wir mit einer Zähigkeit sondergleichen, mtt bewundernswertem Mut und unvergleichlicher Ausdauer gegen eine Welt von Feinden gekämpft: daß wir in diesem Kanrpfe unterlegen sind, ist wohl unser Unglück, aber nicht unsere Schande. 4- So sehr wir Juden auch stets den Krieg verworfen haben, unsere alle Geschichte wird fast ganz ausgefülll von Kriegen, zu denen wir gezwungen wurden. Unter einer Welt von Räubervölkern.und Erobererstaaten konnten wir unsere Friedensliebe nicht betätigen. Aber eins haben wir wenigstens vermocht: in der Art des Kriegsführung unsere ethische Ueberlegenheit zu beweisen. Es ist eine Lüge, wenn man behauptet, wir hätten nie zu kämpfen gewußt; wir waren iml Altertum tapfere und tüchtige Kämpfer gewesen?; wahr aber ist. daß unsere Kriegsführung sich von der anderer Völker bedeutsam unterschieden hat. In der Art seines Kanrpfes pflegt man einen Menschen wie ein Volk am besten Lu erkennen; denn da gibt es sich wie es ist, in .seinen Instinkten und Trieben, frei von allen angelernten Konventionen. Die Betrachtmrg der Art 'der jüd. Kriegsführung wird uns in klarster Weise all die großen ethischen Qualitäten unseres Volkes vor Augen führen. —n. —th. © © HM. S'S ja s <d «.Sc •-! ett ca iiH El**® uf-g-s£ ■I ii ©JÄ cw Aus de» Ereignisse« des Tages. Das Gebot der Einigkeit. Die 41ot macht einig, pflegt Man zu sagen. Dieser Satz nmß wohl verstanden werden. .Er darf nicht so aufgefaßt werden, daß in der Not die Menschen sich lediglich aus ihrenu Selbsterhaltungstrieb heraus zusammenfinden, um sich gegen die Gefahren und Nöte, die sie bedrohen) zu schützen. Die große Erscheinung, daß sich in den Stmüxm der Not die Menschen über alle trennenden Schranken hinweg zusamm-enfinden, nur aus niedrig egoistischen Gründen erklären, heißt die menschliche Natur entwürdigen und mißachten. In Wirklichkeit liegt dieser Erscheinung ein tieferer Grund edlerer' Art zugründe. Es ist nicht um die Angst vor den Gefahren, die die Menschen in solchen Stunden näher aneinander bringt; sondern cs ist vor allem vas Bewußtsein der inneren Zusammengehörigkeit, das dies bewirll. Die große erzieherische Bedeutung der ütot liegt ebeir darin, daß, sie den einzelnen Menschen lehrt, wie nichtig und bedeutungslos .lwch jeder einzelne ist, gegenübergestelll den großen Aufgaben und großen Wien dieses Lebens. In der Not offenbart sich das Lüben in seiner unverhüllten iltacktheit; und vor dieser grandiosen — oft auch in furchtbarer Weise grandiosen — Größe des Lebens empfindet sich der einzelne in all seiner Nichtigkeit und überkommt ihn das Gefühl seiner Zugehörigkeit zur großen menschlichen Familie, erfaßt ihn der Trieb zur Vereinigung, zum Zusammenschluß mit den anderen. Sellen war die Kulturnrenschhcit von einer größeren, gewaltigeren Not beherrscht wie gegenwärtig. Der Völkerkrieg, wie ihn in diesen Dimensionen noch niemals die Geschichte .gesehen hat, hat uns in eine Not versetzt, die zu groß und zu furchtbar ist, als daß wir sie jetzt bereits in all ihren Erscheinungsformen und Wirkungen übersehen könnten. Und diese Not hat denn auch einen Trieb zum Zusammenschluß, der Menschen, den Drang zur Einigkeit in uns in einem Grade erzeugt, wie er nur selten in solcher Stärke in der Geschichte zu beobachten ist. Wir, die Kinder des individualistischsten aller Jahrhunderte, haben über Nacht allen Individualismus überwunden und sehnen uns pur nach Gemeinschaft und Zusammenschluß. Der einzelne gilt uns nichts mehr, die Gemeinschaft alles. Und nientand.hat uns je ein leuchtenderes Beispiel dieses Gcmeinschiaftswillcns. dieses Einhcitsdranges gegeben als unser Kaiser. Das Wort des Kaisers ist denn auch zur Parole geworden für das gesamte deutsche Volk. Und wenn auch einzelne antisemitische Hetzer und Jntriguauten, 'denen das Zankstistcn zur zweiten Natur geworden ist, sich noch inrnrer nicht zu dem Worte des Kaisers bekehren wollen und durch Schauermärchen und Kindermatzchen weiterhin Unfrieden säen und Streit schaffen wollen, so find sie doch so minimal an Zahl und so bedeutungslos an Qualität, daß man über sie füglich hinwcgsehen kann. Im allgemeinen wird der Ruf nach Einigkeit von allen Parteien befolgt. Die führenden antisemitischen Organe haben feierlich erklärt, jede antisemitische Acußcrung jetzt unterdriickcn zu wollen, der Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie hat seine Tätigkeit eingestellt, und die Vertreter aller Parteien bemühen sich, die geschlossene Einigkeit, die der Reichstag in der Sitzung vom 4. August bewiesen hat, bis zum Frieden zu wahren und zu sichern. Wir Juden, die von der Not des Krieges vielleicht härter getroffen werden als alle anderen Völker, sollen uns das Beispiel, das das große deutsche Vaterland uns bietet, unbedingt zum Vorbild nehmen. Selten waren wir in unserem Innern so zerklüftet wie in den Wochen vor dem Kriegsausbruch. Es ist jetzt nicht die Stunde, prüfen zu wollen, wodurch und wieso diese inneren Streitigkeiten, die noch in aller Erinnerung sind, entstanden, oder gar, wer an ihrem Entstehen die Schuld trägt. Es mag uns genügen, zu wissen, daß sie da lvarcn. Und damit ergibt sich für uns die heilige Notwendigkeit, Sorge dafür zu tragen, daß ihnen jetzt ein Ende gemacht wird. Dies tut uns nicht nur not für die Zeit des Krieges, sondern auch für die nächste Zukunft, die dem Kriege folgen wird. Ungeheure Aufgaben werden uns da erstehen, denn niemand wird furchtbarer durch den Krieg betroffen als das osteuropäische Judentum, als unsere Brüder in Polen und Galizien. Die furchtbaren Wunden, die dieser Krieg ihnen schlagen wird, zu lindern, dazu wird die gemeinsame angestrengteste Hilfeleistung seitens der gesamten Judcnheit nötig sein. Die Voraussetzung für die Erfüllung dieser Pflichten, die uns nach dem Kriege bevorstehend zu schaffen, dazu ist jetzt bereits die Zeit gekommen. Und diese Voraussetzung lautet: Einigkeit, Geschlossenheit. Wir hüten in der vorwöchentlichcn Nummer dem Gedanken Ausdruck gegeben, daß die jüd. Solidarität durch alle Gefahren, die ihr durch! den Krieg drohen, hindurch gewahrt und gepflegt werden muß Allein dies genügt nicht: auch die innere Einigkeit, die uns in den letzten Monaten verloren zu gehen drohte, muß von neuem hergestellt und gesichert werden. Und dies muß uns umso leichter fallen, als das eigentliche Hemmnis, das bisher bestanden, das Moments das vor allein diese Streitigkeiten verursacht hat, nun geschwunden ist. Dieses Moment war ja der Kam^f gegen den Zionismus, und in diesem Kampf in erster Reihe der Vorwurf antipatriotischer GesinnunL,' den man zegen die Zionisten erhoben hat. Der Krieg hat bewiesen, wie grundlos dieser Vorwurf war, und selbst heftige Gegner des Zionismus gestehen es jetzt, tvie falsch sie die patriotischen Empfindungen der Zionisten bisher beurteilt hatten. Diese Frage kann also nicht mehr Grund zu Zank bieten. Ueber die anderen trennenden Ideen hinweg hedoch wird Ich jetzt Wohl eine gemeinsame Kr. 36. Ar. 36- Basis der Eintracht und Einigkeit finden lasse, Weitaus tiefere Gegensätze als der zwischen Zu Plötzlich nisten und Autizionisten sind jetzt in unsere, immte einc Vaterlande übcrbrückt worden; und was da inögli, ck Pcgeiste war, wird in unserer jüdischen Welt doch wo! Offenbarung auch noch zustande zu bringen sein. dj wird si. Leider ist nian bisher dem Beispiel der dcu hm Ghcttl schcn Einigkeit bei uns nicht überall gefolgt. Wol rmen Leut ist in der jüdischen Presse alle Polemik cing, kr Armee, stellt worden, aber jene Organisation, die alle! »ssischen Ti zum Zwecke des Kanrpfes gegründet worden ist, bi Ungcwä steht noch fort: wir meinen natürlich das Anti ic sich als zionistische Komitee. Wir halten cs st cgion oder wohl angebracht, daß dieses Komitee sich das Ve tclbet habe halten des „Reichsverbandes zur Bekämpfung d istct das f Sozialdemokratie" zum Vorbild nehme, der ja in cilung sein ähnlichen Argumenten gegen die Sozialdemokrat!cmberg da gekämpft wie das Antizionistische Komitee gegk iif demSchl den Zionismus. Der Reichsverband .hat erklär 3 versehen angesichts der patriotischen Haltung der Soziald ö besorgen mokratie seine Tätigkeit einzustellen. Es wä mndeten vi schön, wenn das Antizionistische Komitee ein gleich nie Abteil: täte. Es würde damit bekunden, daß auch wir Jüd urchfahrcnd in dieser Zeit allgeincincr Not alles vcrgcssi en polnisch wollen, was uns trennt und nur das pfleg. In de wollen, was uns bindet. Es wäre beklagcnswe, suden die wenn tvir Juden die einzigen wären, die in dies iauert und Zeit nicht alles täten, um das heiligste Geb l der Erde der Stunde, das da lautet: Einigkeit und ,,G änden der schlosßnheit, mit ganzen: Ernst und voller Ko, all auf S scquenz zu erfüllen. lOi M Strickwolle. deutsches Fabrikat, zu billigsten Preisen abzugeben fl. & J. Rothschild, Frankfurt a. ffl. Gr. Fried bergerstr. 23, 1. Stock Brief aus Oesterreich. Wien. Den In keinen: Lande Europas dürften die Jud, “”“e" ^e'c‘'j so früh zum Kriegsdienst herangezvgen Word ' 0 sein wie in Oesterreich. Schon Ferdinand II. (i gierte 1590—1637) hat ihnen als Anerkennui fiir ihre Tapferkeit Freiheiten und Privilegien vc liehen. Ferdinand III. (1637—1657) verlieh ihn, granf für die tapfere Verteidigung Prags gegen Schweden eine Fahne. Diese Fahne ist noch Heu in der Prager Altncuschule zu sehen. Josef (1764—1790) zog die Juden endgültig 311 Waffendienst heran. Als jüdische Offiziere, die sich in den Krieg, b bieteg 1866, 1878 (Okkupation von Bosnien) hcrvo ragende Verdienste erwarben, seien hier u. a nannt: Feldmarschall-Leutnant Edler v. Schweiz Generalmajor Alexander Ritter von Eis — nebe bei bemerkt, nach seiner Pensionierung ein eist tätiges Mitglied der zionistischen Organisation Husarenmajor' Edler v. Chlumberg, Oberstleutm Wilhelm Ritter von Hartmänn, Major Josef Ko Major Jakob Schloßberger. men großen nd Wirken ti ctg wahren Rew'Uor! Jil UllfCi’CtU Wir Juden stehen also in: Kriege unser :eUi.n Mann. Nicht umsonst hatten sich die Römer unser Reich erst zuletzt gewagt, und diese a jüdische Tapferkeit, sie ist heute noch Wahrhk Das wird auch der jetzt mit Rußland wüten Krieg zeigen. Die Begeisterung unter den Juden Oesti reichs ist, man möchte sagen grenzenlos. Ein Bi chen dieser Begeisterung gab vorige Woche Ro Roda, der Kriegskorrespondent der „Neuen Frei' Presse", in dieser Zeitung, indem er den Er ionwag^geö druck der Siege bei Krasnik und Nowosielica elegenheit au einem kleinen jüdischer: Städtchen schilderte, < >cht schließen schreibt: „Alsbald sammelte sich eine schwarze Trau^..,v,i ,Tm von Menschen vor den: Schloßportal und ruhte nick egonneu.. H bis unser Oberst erschien. . . Als die zunie sich jüdische Bevölkerung hörte, wie groß die gewo n9ci feite russische Macht gewesen, wie zahlreich unsc Trophäen, da gab es eine:: Freudentaumel, u vergeßlich jedem, der ihn miterleben durste. 2 Juden schlugen Trommeln und Tschinellen, Fa neu wurden geschwungen, aus Hunderten von Ke len scholl die Bolkshymnc, Hochrufe auf den Kail ezw. wiederc fl,. _ ~C\Yf 1 f f * .11.A.t.Attn Geheimra und seine Armee. Alt und jung hielten einand umfangen. Langbärtige Männer sprangen » »itororbojcni tanzten, sangen und schwangen einen wild glichen H Reihen, zwei alte Leute bliesen Trompeten daz^ fletmu-* icinsam in icteten „Sck Hristen da Die Kund cdneten L u i rankreichs 111 lebe zu den img sür dii lll dies tüj lit beit best uch seine 0 cß sür die lieb er doch idischen Prol lerksamkeit v D icsctzlich hat, wb achte >1, d iuhctag zu < roße Schwie r vor, daß eihung des gt wird. Die Rich m Freitag 1 aucrii müsse, »chen. Die jüdis atiou,im sJn Person Berlin. r- Alfred ern, Alfr ellvcrtr, u vorigen 8111^7

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