Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 34 (28.8.1914)
- Date
- 1914-08-28
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4. Frankfurter JsraelittsWes FamüieiMckt. VodvlUlss-LivrleKtllllseu ln kQnstlerlsel. Auffassung Verkauf von tamstgeverMeben Enengnissen. Antiquitäten. Friedrich Bernhard, Frankfurt a.M Tel. HanBa 5574. Bgrsenstrasae 1L Die Edelsten und Vornehmen Assyriens, einer wie der andere, fühlen sich bis in die Seele verletzt durch diese Demütigung, die Sancherib einst in seiner Trunkenheit eingeführt hatte, als die Gier über ihn gekommen war, seine Größe auch die Edelsten fühlen zu lasten. Und keiner wagte zu widersprechen oder auch nur mit Wort und Miene sich dagegen aufzulehnen. In solchen Augenblicken war Sancheribs Stimmung unberechertzar und gefährlich. Sofortiger Tod des Sträubenden wäre die Folge. Sein despotischer, tyrannischer Geist hatte selbst bei den Edelsten und Vornehmsten einen fllavischen Gehorsam erzeugt, so daß ein Stirnrunzeln des Königs alle erzittern machte. So konnte er nach Herzenslust in seiner unmenschlichen Begierde schwelgen: die hündische Unterwürfigkeit seiner Getreuen mit Wollust zu genießen. Der stolze und hochmütige Rabscheke war der erste, der den harten Fuß des Königs auf seinem Nacken fühllc, und alle andern folgten. Als der letzte der Feldherren diese Demütigung über sich hatte ergehen lassen, entstand ein Windstoß, der das ganze Zelt hin und herbewegte. Alle sahen erstaunt und verwundert zur Decke empor, aber keiner konnte sich dieses Naturereignis erklären. Sie beruhigten sich jedoch wieder, als diesem heftigen Windstoß die frühere Luftstllle folgte. „He, Uriel," lachte Sancherib gurgelnd, „ist dieses vielleicht der „Windhauch", den Dein Prophet über mich schicken wollte? Nun, mein Zelt hat er allerdings ein wenig erschüttert, aber auch dieses steht nach ziemlich fest. Uebrigens war es doch auch ohne Rauch und Flammen . und ohne allgemein Vernichtung, wie es mir der Traumgott vorgegaukelt hat. Ich wußte schon längst, daß euer Gott dazu viel zu schwach ist und es kaum wagen wird, den mächtigen Sancherib, den König der Elche, zu beleidigen. Ich habe gesprochen." Mißerfolg und-Flncht. Entsetzt über die Gotteslästerung und angeekelt von der unwürdigen Zermonie, der er eben bcigewohnt hatte, zog sich Uriel mehr-und-mehr zurück, und es gelang ihm, unbemerkt das Zimmer zu verlassen. „Meinen Nacken soll des Tyrannen Fuß nimmer berühren, sollte ich auch darum den Tod erleiden müssen!" murmelte er. --In seinem Zelte fand er „beide Kinder," wie er Nastali und Malke nannte, schlafend vor, und er konnte wieder ungestört über seine eigentümliche Lage Nachdenken. „Ist denn dieser assyrische Despot der böse Geist in Menschengestall, daß er sich erfrecht, über die ganze Well, ja über Gott selbst sich erhaben zu dünken? Wie soll ich es verstehen, daß ein solcher hartherziger Tyrann gerade mir mannigfache Beweise der Freundlichkett erweist? Sicherlich erachtet er auch mich nur als ein Spielzeug, das er rücksichtslos zerbricht und wegwirst, wenn ihm die Lust dazu ankommt." .Er wurde in seinem Nachdenken durch den Befehl des Königs unterbrochen, nach dessen Schlafgemach zu kommen. Mü Herzklopfen folgte Uriel dem Diener. Sancherib war bereits entkleidet und wälzte sich schlaflos auf seinem üppigen Lager, ohne Ruhe finden zu können. «Ich wlll mtt diesem Jüngling allein bleiben," rief er. barsch, und als die schlaftrunkenen Diener nur zu willig diesem Befehle gehorchten, bat er Uriel, wieder ein Lied zu singen. Uriel nahm die Harfe zur Hand und strich leise über die Saiten. Schon nach wenige» Minuten sah er, daß der König die Augen geschlossen und eingeschlafen war. . Er spielle weiter, aber noch leiser und sanfter, bis das schwere Atmen des Trunkenen erkennen ließ, daß er sich Wetter keine Mühe zu geben brauche. „Jetzt!" sprach der Jüngling, nachdem er den Vorhang gelüstet und in das Vorgemach geblickt hatte, wo die Diener schlafend auf dem Erdboden lagen. „Jetzt ist die Zett für mich gekommen, und ich wlll es als eine gute Vorbedeutung erachten, daß er sich mtt selbst in die Hände geliefert hat." Er stand bald über den schlafenden König gebeugt, mtt seiner rechten Hand fest den Dolch umllammernd, den er beständig bei sich trug. Sancheribs letzte I Offenbacber Druckluft-Anlage I Ottenbach ». M. Telefon 123.(Anschluss mitFrankfurt). I Bewährteste Tapplehrelnlgiing (100,000 qm jährlich) ■sowie unübertroffene Battenn. Bettfederarelnl- WMWM gong mittelst Druckluft und Wasserdampf. >s«| Hj Stunde hat geschlagen, und das jüdische Volk konnte wieder frei aufatmen.-—! „Gott meiner Väter," betete der Jüngling leise; „Du weißt es, daß ich diese Tat nicht aus Ruhmessucht und nicht meines Persönlichen Vorteiles wegen tue, sondern zum Helle meines bedrückten Vaterlandes'!" Sancherib machte eine Bewegung, und Uriel zog schnell den Arm zurück. Er mußte behutsam und vorsichtig zu Werke gehen, damit der Streich sofort und tätlich wirke. Der schlafende Mann nahm bald wieder seine ftühere Stellung ein, und der Arm mit dem Dolche hob sich wieder empor. „Du bist zwar ein Frenrdling, Uriel," lallte der Schlafende; „aber ich verttaue Dir, denn Du bist reinen Herzens." Entsetzt wich Uriel vom Lager zurück, kaum im-, stände, einen Schmerzensruf zu unterdrücken. An allen' Gliedern bebend, stürmte er durch das Borgemach und begab sich wieder in sein Zelt. Geistig gebrochen, seelisch niedergeschlagen,. warf er sich zu Boden und weinte bitterlich. „Nein, ich vermag es nicht! Ich kann ihn nicht, im Schlafe töten! Er vertraut mtt, und ich — — bin kein Held! Ein solcher würde wohl keinerlei Rücksicht gellen lassen, wo es sich um eine solche große Sache handelt. — — In Sancherib scheinen zwei Seelen zu wohnen, eine, die ich hasse, Und eine, die ich liebe. Wehe mir, daß ich nicht den vernichten kann, den ich hasse, ohne zugleich den zu töten, den ich liebe! Gott meiner. Väter, warum hast Du den Tyrannen gut und böse geschaffen! Wie leicht war es doch für David, den Riesen Goliat zu erschlagen, der nur ein einziges Stück Gottlosigkeit und Häßlichkeit war, während Sancherib, neben seiner grenzenlosen Sündhaftigkeit doch auch noch ein menschenfreundliches Herz besitzt. ... Was aber soll mit mtt jetzt werden? Soll ich inmitten der Feinde meines Stammes meine Tage ver-t bringen und tatenlos zu sehen, wie diese zur Vernichtung meines Volkes sich rüsten? Kann ich diese Schande überleben? Mich hat zwar mein Volt zu dieser Tat nicht beaufttagt, und ich bin aus eigenem Antriebe hergekommen; das macht zwar meine Schande weniger groß; aber immerhin noch groß genug, um mich selbst als Feigling zu brandntärien, der sich in dem entscheidenden Augenblickals Schwächling erwies, der den Gotteslästerer Und Feiüd seines Volkes verschonte, well dieser sich ihnt freNndlich gezeigt hatte. Nein, ich kann es nicht tun und will nur Trost finden in dem Bewußtsein, daß Gott einen würdigeren Boten senden wird» der sich nicht schwäch zeigen wird. Aber ist mit auch diese Tat nicht gelungen. Jo hoffe ich düch bei der ändern auf einen Erfolg: Ich will auf Sancheribs Freundschaft verzichten, Seilte Fleischtöpfe in Ninive sollen Mich nicht locken, uyd ich wlll lieber mit meinem Volke darben und hungern; nicht länger wlll ich mich in seinem Lächeln sonnen, sondern ttauern mit denen, die meines Fleisches sind. Noch iw dieser Nacht werde ich ihn verlassen. Ich kann nicht den Tod für mein Volk erleiden, aber ich will freudig sterben als Retter MLiUöö Äätöks llttd des Kindes, das ich bereits den Klauen der Wüstlinge entrissen habe. Und so flehe ich zu Dir, Gott meiner Väter, um Vergebung meiner Verblendung in der Vergangenheit und um Deinen Beistand für die Zukunft." Das waren Uriels Gedanken, als er in finsterer Nacht neben seinen schlafenden „Kindern" saß. Der Sturm, der am Nachmtttag die Zelte erschütterte, hatte sitz wieder gelegt und eine unheimliche Stille herrschte in der ganzen Natur. Das Haupt auf die Hände gestützt, saß Uriel da, ohne auf das Schwinden der Stunden zu achten. Er blieb auch schweigend und gedankenvoll, als die Zellwand leise emporgehoben wurde,und ein Assyrer durch die Oeffnung hineinschlich. Mtt geräuschlosen Schritten kam die unheimliche Gestalt näher. Kein Geräusch war an Uriels Ohr gedrungen, aber er hatte das Empfinden, als wären scharfe Augen auf ihn gerichtet, und als er aufsah, bemerkte er einen Mann mit gezücktem Dolche vor sich. Uriel schrie nicht auf, blieb auch auf seinem Sitze, nur senlle er den Kopf noch etwas ttefer und stürzte sich gegen den Angreifer, dessen Knie er mit eisernem Griff umllammerte. Von dem ungestümen Angriff überrascht, verlor der Mörder das Gleichgewicht und stürzte zu Boden, mit dem Kopf auf dem steinernen Krug. aufschlagend, so daß die Mordwaffe seinen Händen entfiel. Ehe er wieder danach greifen konnte, hätte Uriel ihn noch fester, umt schlungen und beide wälzten sich am Kode», bis Uriel Sh. 34 Cafi Kaisergarten amOpernplats Erstklassiges Famillen-Catö - Nachmittags Konzerte. _ Fr. Hanso/mann, Besitzer endlich den Feind unter sich hatte, dessen Hals er mit beiden Händen zusammcupreßte. Der Kampf war bald beendet. Durch den Fall halb betäubt,- unfähig den schweren Druck vom Halse zu entfernen, waren die Muskeln des Mörders erschlafft, und er war einer Ohnmacht nahe. Der keuchende und schwer atmende Sieger griff nach dem Dolche, aber überzeugt von der Schwäche und Hilfslosigkeit des Gegners, begnügte er sich, ihm Hände und Füße zu fesseln, ohne ihm den Todesstoß zu versetzen. Der Ohnmächtige schlug wieder die Augen aus und blickte den Jüngling stumm und flehentlich an. „Was habe ich Dir getan, daß Du nach meinem Lebe'» trachtest?" fragte Uriel leise, aber mit zorniger Stimme.- „Nichts," kam die heisere Antwort. „Du bist nur der Feind meines Herrn und Gebieters, nicht aber der meinige." „Und wer ist Dein Herr?" „Der große Rabscheke. Cr durstet nach Deinem Blut, denn Du bist sein Nebenbuhler in der Gunst des Königs. Hast Du ihm nicht auch die schöne, junge Sklavin entrissen?" „Säge Deinem Herrn, dem großen Rabscheke, dem großen Mörder, däß er in einem offenen Kampfe weniger Erbarmen von mtt erfahren wird als Du, sein erbärmlicher Skläve." Gr band dem Gefangenen noch ein Tuch um den Mund linb rüstete sich zu der Flucht aus dem Lager. .Er weckte seine» Bater und Malka, die ihm, nachdem sie sich angelleidet halten, wie zwei Kinder folgten. Sie standen am hintern Eingang des Zeltes und warteten mit Uriel auf einen günstigen Augenblick, um die Flucht anzutreten. Eben ging ein Wachtposten vorbei, dem man es bei dem hellen Schein des Mondes anmerken konnte, daß auch er dem Weine reichlich zugespkochen hatte. Urtel faßte Maltas Hand und bat seinen Vater, ihnen geräuschlos zu folgen. Sie eilten über den freien Plüß Und erreichten das Gebüsch, das die Schlucht einsäumte. Hier blieben sie einen Augenblick lauschend stehen- Im Läger blieb alles still, ihre Flucht war nicht bemerkt worden- Vorsichtig stiegen sie nun die Schlucht hinäb, Und bald hatten sie das assyrische Läger eine ziemliche Strecke hinter sich gelassen. Uriel ließ in seiner Wachsamkeit nicht nach und spähete aufmerksam nach dem Weg, der vor ihm lag. Als er eine» Augenblick stehen blieb, um zu überlegen, ob er noch im äusgstrockneten Strombett bleiben, oder wieder auf der andern Seite desselben hinaufklettern sollte, da gewährte er gerade vor sich die Umrisse eines Leinen Zeltes, in welchem sich sicherlich die äußern Wachtposten aufhieltcn. Sie setzten darum ihre Wänderung mit noch größerer Vorsicht im Strombett fort, UNd nach einer wettern halben Stunde konnte Urieh ein wenig freier ckttfatmen, da ihm die Flucht aus dem Läger gelungen z« sei» schien. Aber die Gefahre» der nächtlichen Wanderung waren damit noch nicht vorüber. Gerade als sie einen steinigen Hügel emporklimmän wollten, blieben alle drei starr vor- Schrecken, wie angewurzelt stehen, da sie das Brüllen eines Löwen in ihrer nächsten Nähe hörten. Diese fürchterlichen Töne im ersten Morgengrauen, in einer einsamen, menschenleeren, felsigen Gegend, war wohl geeignet, auch dem tapfersten Helden Angst und Zagen einzuflößen. Mit entsetzten Blicken faßte Malka nach Uriels Hand. (Fortsetzung folgt.) Christ. Wilhelm Leux Telef. Hansa 8667. Hoflieferant. Goetheatr. 21 Herren-, Damenu- Jjvreeschneiderei. Spezial-Sportgeschäft. : ' -= Auf Wunsch koschere Verarbeitung. ~~ Jüdischer Meiueidsaberglaube. Von Binjamin Segel. Siehe, sie schlummern nicht und sie schlafe» nicht, deine Tugendwsichter, o Israel! . . . . Da haben wieder einmal ein paar Gelehrte sich unserer moralischen Not angenommen und sie vor aller Welt bloßgelegt, damit msin sich ein abschreckendes Beispiel an uns nehme. Zn dem