Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 34 (28.8.1914)
- Date
- 1914-08-28
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2._ reirs cingotroffoh : «vr c r ft c fl y o ft c 'S-i cg in rrruugi'K. Mit »ine: Schnelligkeit, die selbst für die kühnsten Lpnmrften unter uns überraschend ,var, «st er gifonimctt: Noch waren keine drei Wochen seil der M.-bümachung verbei, kaum war erst der erste Aufmarsch der Millioneni>eere bcen" dct, da war er bereits erstritten: der erste Sieg. Und überschaut man heute, nach dreiwöchentlicher Kriegszeit. die Kriegslage, so möchte man nur staunen ob der wunderbaren Erfolge, die wir bereits erstritten haben: ganz Belgien bis ans eine Stadt ist von uns erobert, zwei grosse Festungen sind gefallen, in der gewaltigsten Schlacht, die die Weltgeschichte je gesehen, ist ein herrlicher Lieg errungen, die stärkste, gesürchteste der 'feindlichen Armeen ist in die Flucht geschlagen, tver l>ätte solches vor drei Wochen zrr prophezeien gewagt? Wahrlich, all die Kleinmütigen und 'Zweifelnden, all jene, die in der Kleinheit und Niedrigkeit ihres Alltagslebens den Glauben an die sittliche Wettordnung, au den Sieg des Gerechten, verloren hatten, können und müssen in dielen.Tagen wieder Glaubende und Bert rauende werden: wann hat die Gerechtigkeit je herrlicher triumphiert als jetzt? Nun, da »-er erste gewaltige Sieg errungen ist, werden »vir alle mit noch stolzerclH Mute, mir noch festerer Hoffnung in die Zukünft schauen. Wie sehr wir auch von Anbeginn an von unserem Siege überzeugt waren, es gab doch viele unter uns, die angesichts der Welt von Feinden, die uns gegenübertrat, doch von einem gewissen Gefühle der Beklemmung und Sorge beschlichen wurden und ängstlich fragten, wie wohl dieser Karnpf zrveier gegen alle enden möge. Jetzt, nach dem Siege auf der ganzen Linie, wissen wir cs alle, wie innerlich morsch unsere Gegner sind, wie überlegen wir mit «nserer Organisationskunst und Disziplin, mit unserem gerechten Zorn und unserer idealen Begeisterung sind. Diese Erkenntnis, die sich jetzt nicht mehr allein aus Vermutungen und Beobachtungen zu stütze« braucht, sondern von gewaltigen, herrlichen Tatsachen getragen wird, wird aber eine wichtige Folge haben: sie wird der Nervosität ein Ende bereiten, die uns alle bislang mehr oder minder beherrscht hat. Jetzt wird wieder Ruhe, Sicherheit in unsere Seelen einziehen. Und diese Ruhe tut uns not. Sie ist diejenige Tugend, die unsere Krieger, die für uns im Felde bluten, in erster Reihe von uns fordern dürfen. Tie Besten und Stärksten sind ausgezogen zum.Kampf fürs Vaterland: wir, die Zurüchzebliebenen, haben vor allem die eine große Ausgabe, die Güter, die sie zurückgelassen haben, zu verwalten und zn pflegen. Der Krieg schlägt unserem geistigen Leben ohnedies schon Wunden ohne Zahl, ist an sich schon ein namenloses Unglück für unsere Kultur. An uns, den friedlich in der Heimat Verbliebenen, ist es, alles zu tun, um die Schäden zu verringern und, soweit wir es ver mögen, einen Stillstand unserer Kultur, der nottvendigermeise einen Rückschritt bedeuten muß, zu verhindern. Diese Mahnung, die jetzt von von geistigen Führern des deutschen Volkes an alle gerichtet wird, ist ganz besonders auch für uns Juden. Auch unser innerjüvisches Leben ist in einen Still stand geraten, und zwar wird.derselbe sich naturgemäß nicht Lufhebcn lasse»!. Aber tun wir wenigstens das, was wir vermögen. Noch gibt es genügend Ok'bicte unseres innerjüdifcheu Lebens, auf denen wir auch in diesen Zeiten weiterhin wirken und arbeiten können, und wo eine Fortsetzung der Arbeit möglich ih, da ist sie auch eine Pflicht. Gewiß, tausend neue Ausgaben sind jedem einzelnen durch den Krieg erwachsen. Aber darüber dürfen wir die allen, fortbestelrenden nicht ver gessen. Jeder Krieg bedeutet ohnehin emen Riß in der kulturellen Entwicklung. Unsere höchste Pflicht ist cs, so weit es uns augehr, diesen »liß zu überbrücken und für die Monriiiuiräi unseres all gemein fnlhiuilni, wie unseres r>ezifisch inner jüdischen 'Lebens zu sorgen. Der Bkgivu der mesftauische» Aeit. Unter dem Beginn der messiarns.iren;{n: ver stehen wir Juden eine in der die Moral, die vorher nur vom einzelnen Menschen veilangt Frankfurter Israelitische- FamilienKatt.___ wurde, nunmehr auch die Grnndlage irr den Beziehungen der Völker zu einander darftellt und so für alle Zulun st die blutigen Kriege verhindert. wie ja auch schon längst^ zwischei Menschen und Menschen nicht mehr das Faustrecksi gilt. Der Beginn der mefsianischen Zeit durch den gegenwärtig entbrannten Pölkerlrieg wird interessanter Weise von zwei Seiten angekündigt. die die entgegengesetzten Weltanschauungen in sich verkörpern. Einer der hervorragendsten Talmudge tcn Ungarns und die Frankfurter Zeitung haben zu gleick-cr Zeit das gleick-e Wort gesprockst'n. Der greise 'ungarische Talmudwcise sagte zu seinen Talmudschülcrn. "er habe die Empfindung, der jetzige Krieg sei der Beginn der mcu'ia»rischen Zeit. Jede:- möge deshalb sich läutern, damit der Messias bald koinme. Und die Frankfurter Zeitung schließt einen „Das Weltgericht" betitelten Leitartikel: „Die große Sache der europäischen Freiheit und (Gesittung ist vor dem obersten Tribunal der menschlichen Geschicke abhängig gemacht, die Tagsatzung anberaumt. Ter Weltteil wird ein anderes Antlitz haben, wenn das Urteil gesprochen ist, und jetzt schon darf man die Prophezeiung »vagen: wenn dieser Krieg für die angegriffenen Zentralmachte siegreich endet — und er kann nicht anders enden —, so wird er der letzte europäische Krieg gewesen sein, denn die Reuordnmrg. die dann folgt, wird ungelöste Fragen nicht offen lassen. Die jetzt ans dem Schlachtfelde fallen, dürfen das Bewußtsein ins Jenseits mitnehmen, daß sie nicht nutzlos geopfert sind: der Weltfriede, ein neuer Tag für Gesittung und Kultur, ist der Scgenspreis ihres Sieges!" «i» ,» Me MUizischr» Jede« Das Zen tralkomitee der galizischen Zionisten, hat folgende« Aufruf erlajsen: Juden! Unser greiser Monarch, ruft seine Völker unter die Waffen. Ruft sie nach Langer und reiflicher Neberlegung, nachdem seinem Haust und dem Bestand der Mouarchße vo« alle« Seite» Gefahr droht. Und somit ergeht auch der Ruf an das jüdische Bold: Mit NngKmld erwarteten wir diese Minute! Endlich ist für das jüdische Holt die Zeit gekommen, seine unbegrenzte -jede und tiefe Dankbarkeit gegenüber seinem Herrscher, der uns mit allen anderen Nationen seines Reiches gleichstellte und voüle Rechte verlieh, zu bezeugen. Endlich ist die Zerr gekommen, wo das jüdische Volk die Liebe zu diesem Lande und Solidarität mit dieser« Reich bekunden kann, an dessen Freud und Leid wir stets Anteil nähme«. Endlich ist die Zeit gekommen, wo das jüdische Volk keinen Brüdern und Schwestern, die »mter der Knute des Zaren stöhnen, von der Bedrückung und Erniedrigung befreien, ihnen Rechte und Freiheit verschaffen kann. Endlich ist die Zeit gekommen, wo das jüdische Bolk mit dem Zaren Abrechnung halten kann. Zum Krieg rit dem Zarismus ruft uns der Kaiser auf? Mit diesem Zarismus, der seit Jahrzehnten unsere armen Brüder märten, ihre Ideale mir Füßen tritt, ihre Seelen beschmutzt, ihr Vermögen raubt, ihre Frauen vergewaltigt, ihre Kinder hiufchlachtet, ihrer Religion spottet, ihre B-'cgangenheit geringschätzt und vor ihnen die Zukunft verschließt. Die besten unserer Söhne und Töchter schmachten in deu Gefängnissen, ihr Stöhnen schlägt an unser Dhr. Nujere Hilfe ist ihre einzige Hoffnung, und unsere größte Pflicht. Und nun, wo wir Zeugen dieser rreltdetvegenden Epoche sind, begrüßen wir diese Stunde mit Frohlocken. Tie Geschichte läßt uns Zeugen dieser Begebenheit seirl. Aber uicht nur als Zuschauer! Rußland, grotzer lebendiger FriedhvN Rußland, einzig großes Gefängnis! Die Geschichte läßt uns Vollstrecker ihres^Wotlcns sein. Seien wir es voll und ganz! Oessnen »vir das Gefängnis! Befreien wir die unschuldigen Insassen, unsere Brüder und Schwestern' Der Krieg, den »vir begaanen, ist heilig; - zwei Kräfte messen sich. Hier Gerechtigkeit - dort Brutalität, hier Kultur — dort Barbarei, hier Iivilrsatiou — dort Unrecht, hier Ethik — dort Gewalt, hier ein 8tjährrger Monarch. Vcrlorperuug der Ehrlichkeit n,rd Pchchltrerie - dort ein lächerlicher Clown, das Werkzeug der schwarzen Hundert. Juden! In diese»» Krieg darf niemand von Euch fehlen; Wer wafseniähig iir, der gehe irr den Kamps »nd opfere sein Blut nie och yol-cu Ideale des Vater« Alles wird gehen wie Makkabäer und Bartochba und um~D die Dankbarkeit des siidifchert Voltes gegen feine Wohltäter bezeugen. U,»d Ihr zu Hause Bleibende scheuet kein öletd, keine Zejl, feik'.e Gesnndhe'ir, keine Energie, keine Begeisterung Tie höchste»! Gäter zu verteidigen gilt es? Mir Luft und Begeisterung ziel,er, wir in diesen blutige,» Kai'ip». Nr. 34. aüv Feanz J«üf! Für Oesterreich! Fnr .fruv»;«*. i-i’.' Für J«.'Ugl»ck! . t Raiue,» dü'ier Ideale - jkoe« nur u* Jkn Kr,«g. Leli'sttx-iler-gun,». ’flrgffitmrHfl und Au?Er>.ng. - 2» beiiehlr »,»•> unser §re,»er Mo»»arch' 2 o pcfü'bll uns unsere Zukunir? 2o l'oft'iiii'i: uns unsere Märtyrer'. 2o besieh!» uns nnler Glaube? Der «r»» t» Kr«>ks»rt » M. Wie u nie re Leser »viisen, ist reit dern l l. Anguß rn Frankjnrt ein Ec uw cmgerichtet. der das Trage» am Sabbath »nöglich macht. Leider hat diese so sehr zu begrünende <?i»»richtu»lg eines Eruw zu Differenzen gerührt, an der jedoch die Initiatoren des Ganzen »m üou Schuld »iud. Das Ravbinat der „!uellgionsgefeM fchail" hat durch eine Bekanntmachung.gegen Pen Sr»» Verwahrung eingetegt und »h dem ihm elgenkümsiche* kategorischen Tone erNart, daß Trage»» «» Sabbath iu unserer Stadt strengstens verböte:» »st." Zu den vaiack.ischen Einwe»wu»mcn das Aabbinars hat Herr Rabbiner Dr. Röbel, der die Är^emrichru^ in ihrer rcligiorrsgeseptichen Seite vordereilet u»»d geleitet hat. solvoht in de-rr im Druck erschienene,» Gnrachte»» über die Materie wie a»rch irr^ einem halachischre Vortrag am ^vergangenen Sabbath Stellung genomme» u,:d ihre Uuhatrbarteit schrage»»d nachgewiesen. Reben der Bekarrnrruachung jedoch ist im ..Fsraelif eine Darstellung der Vorgeschichte der örnweinrichru^ erschienen. Zu dieser Darstellung »vird uns wtt maßgederrder Seite geschrieben: „Der Artikel des „Israelit' entlzält mancku: U». richtigteiren uud ist geeignet, ein falsches Bild wml der Entwicklung der Angelegenheit zu geben. Wir b». schränken uns. unter khkrmeidung ieglicher Polemik, die uns in dieser Zeit nr»d bei einer solchen Frage durchaus unangebracht erscheint, darauf, die sinzel«»-.. ttnrichtigkeiteir in der Darstellung des „Israelit" rnlp« rügzustetten. Zunächst ist es nich>t wahr, daß „der Gedankt einen Lr»»»v eilizurichten, von einem vorübergehend hier .domiziliert gewesenen ungarischen Talmud-ChoH«r stammt", vielmehr harte ihn Herr Rabbiner Dr. Rodel bereits vorher erfaßt und in Bearbeitung genommen wofür er Doknmente besitzt, die das Gegenteil beweise» Daher war es auch brrrchaus nicht maßgebend, wen» einige Privatpersonen, d»e all», in i« eigene» Name» gehandelt habe,», dem Rabbinate der ReligionsgeseVschaft z,»sicherten, daß „die religiöse Prüfung dauernde Beaufsichtigung des Sruw diesem Radbi,^ obliegen sollte." Zu einer solchen Maßnah»« liegt durähaus keine Veranlassung vor. da anch die Pers« des Herrn Rabbiner Dr. Nobel genügende Garantie bwtet. daß der Eruw bestimmungsgemäß eingerichtet uud beaufsichtigt werden wird. Bohl aber wurde dem Vorst a»ck> der ReligionSgeseslschafr vom Bereit» „Titkuw» L-chabboS", der de»r Eruw unterhalten wird, der Sorichlag gemacht, daß aruh er Anteil nehmen möge an ver Verwaltung des Eruw, ein Vorschlag, der ja leider abgelehnt worden ist. Daß eine Beaufsichtigung des Eruro durch Herr« Rabbiner Dr. Breuer deswegen nötig rväre, „weit fast die Gefmntheir aller, für die ein Eruw Jnrerefle hat. der Religionsgefellfchaft angehören", entspricht ebenfaMs» uicht den Tatsachen, da in Wahrheit wohl eine ebenso große, wenn nicht größere Zahl derer, für die der Eruw Wert hat, der Hauptgemeiiche — viele danede» allerdings auch der ReligwnsgesMfchaft — angehören und ihnen die Beaufsichtigung durch Rabbiner Dr. Nobel als völlig zuverkSsfig erscheint. Nachdem die Verwaltung und das Rabbiuar der ReligwnSgefellsthast im Winter 1M3/lL bereits »w» dem Plane der Errichtrmg eines Eruw in Kenntnis ae- ,'etzt nwrden sind, „habe" — berichtet der „Israeli — „ein Vorstandsmitglied der Rekigionsgesettschast eine» der maßgebende» Berater des Herrn Rabb. Dr. Nobel darauf mlfmerkfam gemocht, daß es sich empsedüe. ohne Verzug mit Herrn Nadb. Dr. Breuer über die iu Betracht kommenden hakachjschen Fragen zu verhandeln": dieser Mahnurrg sei jedach uicht entsprachen nwrde*. Damit verhält eS sich folgenderrnaßen: Bei einem znfülligen Zusaivnrentreffen bemerkte das Sorftandsmitg!»«» der ReligionSgefettschaft Herr» Jakob Posen gegenüber, daß er es für gut hielte, roenn Herr Posen mit Herrn Rabb. Dr. Breuer die in Betrach« kommenden Frage»- bespreche. Dieser rein privaten Anregung nachzukomurea, hielt jedoch Herr Jakob Posen nicht für angebracht, da ec hierzu nicht offiziell aufgefordert rvorden sei u«d als Dafarr der Gernernde nicht die Rokwenbigkeit ri*» lebe, die Meinung deS Herr» Radb. Dr. Breuer über die halachifck)e» Fragen einzulwlen. Er glaubte viel, mehr, daß es voUkoinmen genüge, »von»» r»»ai» na.U Ausarbeitung des G»»tack>te«s dasselbe Herrn Radb D-r. Breuer zur Durchsicht unterbreite,» wollte, wozu man sich ja bereit erklärt hatte. Als jedoch späterhin, n«* erfolgter of,»Heller Aufforderuug, Herr Jakob Posen sich bereit erklär» hatte, Herrn Radb. Dr. Breuer auf- .-.Usllchen, kiest ihm dieser mitteilen, daß er nicht iu der Lage fei. ihn zu einpfange«. da er d« in -etracht lomrnendthalachische Materie r,och »licht genügend dulthstudiert habe, ei*« jeltsainer Grund für Herr» Rabbiner Dr. Breuer, ver bereit» iin Winter von dem Projekt des Eruw wußte und bereits de« Stadtkreis besichtigt hatte. Der „Israelit" erhebt sodann den Korwms. daß '»an „die Vorbereitungen zur Fertigstellung und In» kraftsepung des Ernw wie zur Drucklegung de» rmlsitnickn-n Gutachtens in aller Stille;n Ende gefndr, h»rbe. ohne daß man es der Mühe »vert fand, der Reiig.snsgesellfchajt i»»d ihre»»» Rudbinat die rviederholk vsrfprocheneu Införaiütiouen zu tiefer» oder gar die?Rri-