Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 33 (21.8.1914)
- Date
- 1914-08-21
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 geendet; „und ihr wendet wohl erst wieder verständiger werden, nachdem ich euch bis in den Staub gedemütigt habe. Ihr seid töricht, euch mit den Siegen eurer Vorfahren zu brüsten und einem Gotte euch anzuvertrauen, der euch längst verließ. Wo war denn dieser starke Gott, als mein tapferer Vater zehn eurer Stämme aus Samaria fortführte uns über alle Weltteile zerstreute? Wo war er, als ich euer Land verwüstete und zweimalhunderttauscnd Gefangene fortführte?" „Ich habe cs doch meinem Herrn bereits durch meinen Gesang angedeutet, daß unser Gott — menschlich gesprochen — jetzt schläft, bis wir unsere Sünden bereut und Buße getan haben, dann aber wird er erwachen, und ihr alle werdet erzittern!" „Was sagt der Jude?" riefen die Häuptlinge voller , Wut. ■! •' „Das ist eine Drohung!" rief auch Rabschckc. „Er wagt es, dem König der Erde zu drohen! Sag' an, o König, soll nicht dieser gemeine Sklave vor Deinen Augen sterben?" Sancherib winkte ihm zu schweigen, und nur Tartan erhob seine Stimme: „Mein König spricht, daß er diesen Gefangenen ausgezeichnet habe; doch eine solche Lästerung wird er sicherlich nicht ungestraft hingehen lassen!" Uriel atmete schwer, und einen Augenblick war die Farbe aus seinem Gesicht gewichen. Bald aber raffte er sich wieder auf und blieb standhaft bei all den feindlichen Blicken, die ihn von allen Seiten trafen. Er versuchte kein Wort zu seiner Verteidigung und erwartete ruhig und gefaßt, was kommen werde. Für eine Weile herrschte im Zelte eine unheimliche Stille, bis Sancherib wieder seine Stimme hören ließ: „Aus Liebe für Dich vergebe ich Dir Deine Unart, Uriel. Du kannst nichts dafür, denn diese Anmaßung ist Dir ja von Deinen Lehrern eingeprägt worden. Ihre Gedanken sind es, die sich in Deinen Worten widerspiegeln, darum soll Dein ganzes Volk dafür büßen." (Fortsetzung folgt.) Christ. Wilhelm Leux Telet. Hansa 8567. Hoflieferant. Goethestr. 21 Herren-, Damenu. Jjvreeschneiderei. Spezlal-SportgeschäfL Anf Wunsch koschere Verarbeitung. ~-= Cheder. Skizze auä dem Osten von Leopold Zucker. Das Wort „Cheder" hatte für mich stets den Märchenklang weftentellter Zeiten, entschwundener Jahre; das dunkle Leuchten einer Erinnerung, die so außerhalb jeder Beziehung zur Wirllichkeit steht, daß sie wie ein nmrißloser Schemen in die Gegenwart hineinragt. Nur in den Träumen und Stunden stlllen Zurückdenkens wird dieses Etwas, dieses Phantom zuwellen lebendig; seine Farben werden warm und beweglich und formen sich zu einem wellen, fernen Hintergrund, aus dem . uns unsere Jugend und Kindhell seltsam versonnen und wehmütig ins müde Anllitz blickt. Wie anders aber, wie viel stärker und drängender hie Empfindung, wenn wir zu dieser Stätte selbst zurückkehren; wenn unsere Augen die Räume Wiedersehen, in denen unser Geist den ersten Keim empfing, unsere Ohren denselben Worten lauschen, die einst unsere jungen Herzen in Wallung brachten und unseren Geist in Ehrfurcht erschauern ließen. ... Ich gehe gerade durch eine alte, halbverfallene .Straße in einer Stadt im Westen Galiziens. Es ist ein herrlicher Sommertag. Der Himmel ist so rein blau, wie wenn er den blanken Wellen des Meeres entstiegen wäre. Die lleinen Häuser stehen wie verzaubert im gleißenden Licht des Tages. Es ist kein Mensch ringsum zu sehen. Nur einen Kuckuck hört man in kurzen Zwischenräumen aus der Ferne rufen. — Horch!, da plötzlich tönt ein seltsam unregelmäßiger, bald in den höchsten Tönen sich Aerstürzenden, bald jäh verstummender Gesang durch die von leisen Geräuschen! unterbrochene Stille des Tages. Ich schreite rasch aus, nach der Richtung, woher die Töne kommen, bis ich vor einem Häuschen angelangt bin, aus dessen offenen Fenstern laute Kinderstimmen ihren Chumisch-Unterricht hinaussingen. Ich halte einen Augenblick ganz still und horche gescannt. Es sind die allen Wolle in der alten Melodie: „Wadabaer haschem el Mosche." Und diese so schlichten Worte senken sich schwer auf meine Seele und lösen eine heftige Bewegung in meinem Innern aus. Und warum? Ist es Trauer um die entschwundenen Kinderjahre, Trauer um das rasche Schwinden der Jahre Frankfurter Israelitisches FamilieMM. überhaupt, das hier im Angesicht der entflohenen Kindhell so hell ins Bewußtsein tritt? . . . Ich betrete das Haus, öffne die zum Chederraum führende Türe und bleibe im ersten Augenblick vom Anprall der dicken Luft, die hier herrscht, von leichter Betäubung umfangen. Doch habe ich mich rasch wieder gefaßt, denn der Chederlehrer steht vor mir, und unter vielen devoten Verbeugungen, die mich in etwas unangenehmes Erstaunen versetzen, stanimclt er eine Menge Bitten und Entschuldigungen in polnischer Sprache. Ich will ihm abwehren, doch er läßt mich nicht zu Worte kommen. Er verweist auf seine Frau und Kinder. Er ruft meine Barmherzigkeit an. Ich sei doch auch nur ein Mensch. Gott würde es mir schon vergelten. Erst war ich ganz ratlos, verzweifelt, denn ich konnte nicht begreifen, warum der Mann meine Barmherzigkeit und Menschlichkeit anllef, aber dann fing ich an, die Sache humollstisch zu nehmen. Aber seine Bitten und Beschwörungen rührten mich auch wieder, und ich trachtete daher nur, der wunderbaren Situation ein rasches Ende zu machen. Dies gelang mir, als ich erfuhr, daß mich der gute Mann für einen Gerichtskommissar hielt, der auf seiner Jnspellionsreise auch sein Cheder, auf seine hygienische und sanitäre Einrichtung hin, besichttgte. Als er in seinem Redestrom einen Augenblick inne hielt, ergriff ich die Gelegenheit, um ihn in jüdischer Sprache zu versichern, daß ich nichts weniger als ein Kommissar und nur hereingekommcn sei, weil mir die Art seines Unterllchtcs besonders gefallen hätte. Bei diesen Worten ging eine förmliche Umwandlung mit dem Chederrcbbe vor. Er wollte gar nicht mehr hören auf das, was ich zu ihm sagte. Daß ich „jüdisch" sprach, dieser Umstand genügte, daß er nunmehr jede Höflichkeit, die er dem vermeintlichen Kommissar gegenüber in so übertriebener Weise entgegengebracht hatte, als einfach überflüssig erachtete. Er begnügte sich jetzt mit den Worten: „Nu, nu, wenn ihr seid a Jüd, is es doch was anders. Gelobt'sei Gott!" Auch die Kinder, die bis jetzt stumm, und etwas erschrocken dagesessen und mit einer Art grausiger Spannung das Schauspiel verfolgt hatten, begannen nun zu. lärmen und riefen durcheinander: „Der Datsch is a Jüd. Der Datsch is a Jüd!" Meine Mitteilung, daß sein Unterreicht Eindruck auf mich gemacht habe, hatte nicht verfehlt, ihm das Bewußtsein seiner ganzen Wichttgkeit zurückzngeben. Denn null begann er seine Lehrtalcnte ms gute Licht zu rücken, indem er mit besonders starker Betonung und in einer eigenarttg schönen Melodie seinen Schülern den Chumischtext hersagte. Auch mochte er die Schläge, mit denen er hie und da einen seiner Ansicht nach wenig aufmerksamen Schüler traktierte, aus überzeugterem Herzen und mit kräfttgerem Schwung ausgetellt haben, als er es vielleicht unter normalen Verhältnissen getan haben würde. Und ich mußte der Zeit gedenken, da ich selbst das Opfer vielleicht ähnlicher ehrgeiziger oder eitler Anwandlungen meines Chederrebben war. Und ich ftagte mich, ob auch diese Kinder gleich mir als Fremde in ihre Heimat dereinst zurückkehren und ob eine leise Regung des Unmutes auch in ihren Seelen den reinen Quell von Liebe und Anhänglichkeit trüben werde. Aber schließlich, sagte ich mir, wie lange, wie lange noch wird diese alte Jnstttution, das Cheder in dieser Form bestehen bleiben. Wie alles Alte, schwindet auch das Cheder dahin. Nur noch selten findet man heute schon diese Anstalten, die trotz ihrer Mängel und längst eingebüßten Lebensfähigkeit doch auch eine Fülle des Guten und Schönen gewirkt haben und die Wiege einer Romantik darstellen, die in ihrer bizzarren, fremden Schönheit unvergänglich bleibt. Cafe Kaisergarten am Opernplatz Erstklassiges Eamillen-Caf4 -- Nachmittags Konzerte. - - - Fr. Hanselmann, Besitzer. Förderung der Landwirtschaft in Palästina und Nachbarländer«. Nachwort zu meinen 12 Leitsätzen.*) Don Dr. Menko Plaut Wbteilungsvorsteher au der Kgl. landw. Versuchsstation Hohenheim). Ich habe in meinen 12 Leitsätzen (s. „Welt" 1913, Nr. 26) die Ziele gekennzeichnet, die eine umfassende land- *) Erschienen in Nr. 24. . Jte 38 Nr. Z 12 wirtschaftliche Kolonisation im Auge haben muß, wenn in möglichst kurzer Zeit durch Hebung des Bodenwertes und der Größe des Ertrages pro Flächeninhalt das Land sich Kapital und die Notwendigkeit einer Industrie schaffen soll. Die Förderung der Landwirtschaft ist die erste Ausgabe einer grundlegenden Kolonisation. Die Einführung einer intensiveren Bewirtschaftung ist die Vorbedingung für ihr Wurzelschlageu. Sagt doch schon Friedrich der Große in einen! am 5. Dezember 1775 an Voltaire gerichteten Brief. „Indes ist die Landwirtschaft die erste Kunst von allen, und ohne sie gäbe es keine Kaufleutc, keine Häslinge, . keine Könige, Dichter und Philosophen. Wer seine Ländereien verbessert, der macht Eroberungen von der Barbarei." Daß die in der Arbeit geforderten Maßnahmen nicht über Nacht konimen würden, daß sie Jahre oder Jahrzehnte zur Verwirklichung brauchen, ist llar. Die vielen Zuschriften, die ich zu beiz Vorschlägen erhalten habe, erkennen die Notwendigkeit derselben.an, doch llingt in verschiedenen derselben der Zweifel an der Möglichkeit der Durchführung. Eine derselben lautet: „Es ist über allen Zweifel erhaben, daß die organi- ' satorischen Maßnahmen, die Sie Vorschlägen, eine conditio sine qua non für eine Bewirtschaftung Palästinas sein müssen, Ivenn sic in der internationalen Weltwirtsäiast und auch im Lande selbst zu etwas kommen will. Aber ich meine, heute fehlt für eine solche Organisation nock das Objekt. Es mögen noch so schöne Ansätze in dem alten Lande vorhanden sein, zu einer solchen großzügigen und weitschauenden Konsolidierung gehört doch quantitativ eine ganz andere Materie, wie sie jetzt vorhanden ist. Es steckt in Ihren Leitsätzen zu viel Zukunft." Da meine Vorschläge nach! genauen und der landwirtschastlichen Praxis entnommenen Erwägungen entstanden sind und alles andere als Zukunftsmusik bedeuten sollen, so möchte ich doch im folgenden die Möglichkeit der Durch sührung noch etwas beleuchten. Dem deutschen Juden sind die Grundzügc landwirtschaftlicher Organisation trotz vielfachem Handel mit landwirtschaftlichen Produkten fremd. Gehören doch die Führer -und geistigen Leiter von Landwirtschaftskammern, Genossenschaften und landwirtschaftlichen .Vereinen, sowohl politisch wie gesellschaftlich, zu Kreise», die ihm iin allgemeinen verschlossen bleiben. Dank.der Tatkraft eine- Max Eith, des Begründers der deutschen Landwirtschaft-- gesellschast, ist der Gedanke der Notwendigkeit landwirtschaftlicher Organisation dem kleinsten Bauer, als Mitglied eines landwirtschaftlichen Vereins, in Fleisch und Blut übergegangen. Die Macht und der Segen der landwirtschafllichen Vereine, der Landwirtschastskammern und der Versuchsstationen haben in den letzten 30—40 Jahren eine Erhöhung der Ernteerträge um das Vielfache herbeigeführt Wie stark die Zunahme.der Ernteerträge durch Düngung und Züchtung in Deutschland ist, geht aus einer Zusammenstellung hervor, die ich einem Borttag des, Vorsitzenden der Gesellschaft zur Förderung deutscher Pflanzenzucht der Herrn Kühle, Gunsleben, entnehme-): Es wurden in Deutschland geerntet im Durchschnitt der Jahre: Weizen pro Hektar 1885—1890 15,1 dz 1905—1910 20 „ Es betrug die Mehrernte in dieser Zeit pro Hektai in Doppelzentnern für: Weizen 4,9 'dz Roggen - 4,9 „ Gerste 4,5 „ Hafer 5,1 „ Kartoffeln 37,2 „ Es ist das ein alljährlicher Zuwachs am deutschen Nationalvermögen von ca. 1450 Millionen Mark-). So hat intensiver Landwirtschastsbxtrieb gewirkt. Wann wer-" den die Länder des Orient so erschlossen sein? Man sieht wohl im Laienpublikum den Erfolg des Bauern, weiß aber nicht, daß vielleicht kein Stand so mit der Wissenschaft zusammenarbeitet, wie der viel angefeindete Bauernstand. Seine sämtlichien Produkt! (Dünger, Saattut usw.) unterliegen im Kauf und Verkauf dem Urteil des Sachverständigen der Versuchsstationcii, und erst nach dem begutachtenden Urteil werden d« Preise der Ware festgesetzt. Heinrich Loewe sagt in seinem Aufsatz „Hochschm- Öen": „Ist'doch jedes großzügige Werk bis zu sein« endung ein Stück Utopie." Daß die Forderungen der Leitsätze keine Utopie sind, soll an einigen Beispielen gezeigt werden. gesehene! wirtschaf Kell daß die wurde. R c n t a ausgl Ro. Fr Gl 15 Also bc Hör Wurde nich Wurde mit Wurde säu Ma wie au und wi iraktisch von kü muß v ein Ja betracht in gleil freie Ri und ei sicht ui Scheine Es. ist einer r an den Ich chemisch Gehalt beleucht deutsche ans Kl „E Cheinikl schaft alle in asche, 5 auf de Weinba das Be gegeben als sol Wirkung cs mit allgemc ist ein! lid)en dieser i Türkei De kann, und a stellten künstlic sinnlos von h Im § 2 wurde die Errichttng einer landtvirtschastmeman lichen Äulturabteilung durch den Nationalfonds gefordert Ich selbst hielt ursprünglich die Organisation sür d« Aufgabe der Palästina Land Development Company, doch teilte ick),. auf Veranlassung .der. Redaktion dem Nationalfonös, die diesen als Instanz für geeigneter hielt, za Diese meine Ansicht deckt sichmit der von Dr. Nawratzki, der in seinem grundlegenden Buch „Die jüdisch Kolonisation in Palästina", München, 1913, p. 323 st. die Leitsätze ganz zum Ausdruck bringt. Der Kulturabteilung war als Aufgabe 5 zugewiesen die Anstellung von Düngungsversuchen: a) mit Stickstoffdünger; b) mit Kalisalzen; c) mit Phosphorsäure; d) mit physikalisch-chemisch wirkenden Düngern Wie sehr der Boden Palästinas, der Düngung bedar geht aus Mitteilungen hervor, die vor kurze»! Kella von der Ackerbauschule Wilhelm» bei Jaffa in dem a» 2) 'S. Bericht über die 28. Wanderversammlung da deutschen Landwirtschaftsgesellschaft. Jahrbuch der de« scheu Landwirtschaftsgesellschaft Bd. 28, p. 488. . ») Abzuziehen wären ev. die Düngungskosten, i>« waren die Düngerstätten (Kalilager usw.) früher unbenufl also werllos. , . . : fälscht De über Herrsch! regeln Deutsch denke durch, völlig vor kn kanisck» Zahld die Sö auch - industr dusttie tinopel Palästi Türkei günstig Warun 4) Brief