Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 33 (21.8.1914)
- Date
- 1914-08-21
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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*e. 3l ^eite 2. das Unrecht, das sie uns bisher angetan haben, erkannt und zum 'Teil schon zugegeben haben, säst alle aber noch zugeben werden, ebenso werden die Gegner des nationalen Judentums uns jetzt darin beipslichten müssen, daß, der Vorwurf mangelnden Patriotismus ein unberechtigter und un- . gerechter war. Und diese Einsicht möge den Krieg überdauern. Wenn der Friede wieder eingezogen sein wird in unser Vaterland und. die inneren politischen und geistigen Kämpfe wieder beginnen werden, dann mögen die Gegner wieder gegen die nationaljüdische Bewegung auftreten; aber mit dem Borwurf der Vaterlandslosigkeit zu operieren, werden Fe hoffentlich für immer verlernt haben. Wir mögen in unseren Partcifehdcir was immer auch uns vorwerfen, an der Vaterlandsliebe der Zionisten wird in Zukunft weder Nichtjude noch Jude irgendwelche Zweifel erheben dürfen. Brief aus Oesterreich. Der erste fürs Vaterland Gefallene ein Jude. — 110,000 Juden im Heer. — Des Kaisers 85. Geburtstag. Wir sind im Krieg, in einem Krieg der Verteidigung gegen einen Wahrheit und Recht verachtenden, die heiligsten Meirschengüter vernichtenden Feind. Oesterreichs Juden stehen wie ein Mann. Wir Juden sind ja das Volk per Menschlichkeit, und so fühlen Oesterreichs Juden wie mit einer Seele, daß es um ihr Wertvollstes geht. So - haben sie denn auch — gewissermaßen als der Hohepriester der göttlichen Menschlichkeit —- das erste Opfer in diesem heiligen Kriege gebracht: der erste, der auf dem Felde der Ehre fiel, war ein Jude. Ueberall hörte man's mit einer Betonung, wie sie das jüdische Ohr bei seinen nichtjüdischen Mitmenschen hier in Oesterreich langst nicht mehr gehört hat: „Der erste Gefallene auf unserer Seit', weiW, das war ein Jud', der Sohn des Advokaten N. in Mariahilf." Wieviel Juden in Oesterreich-Ungarn unter Waffen stehen? Genaue Zahlen fehlen vorläufig, aber die Zahl von 110,000 dürfte das Ungefähr ergeben. Die jüdisch-nationalen Studenten-Verbindungen sind fast vollzählig eingerückt. Diejenigen von ihnen, die nicht waffenpflichtig sind, haben sich als Freiwillige gemeldet. Die jüdischen Studenten Haben überall gebeten, in der Front gegen Rustlmrd Kmpfen,zu dürfen. Unser Kaiser feiert am'18. August seinen 85. Geburtstag. Die Liebe seiner jüdischen Bevölkerung zu chm ist eine geradezu grenzenlose. Seine Gerechtigkeit und seine Güte haben ihm diese Liebe erworben. Stets war auch sein Reich ein freies Asyl für die jüdischen Vertriebenen des Zarenreiches. Möge der Krieg diesen Sklaven des Despotismus die Erlösung bringen! Der Sieg der österreichischen und der deutschen Waffen bedeutet nicht nur eine Rettung der hohen Kultur und Zivllisation Westeuropas, sondern auch die Rettung für das besiegte Rußland selber. Die Flucht der ausländischen Juden aus Norderney bei der Mobilmachuug. Bon Lehrer A. Rothschild-Achim, Bremen. Der diesjährige Sommer begann mit einem guten Besuch. Trotz der allgemeinen schlechten wirtschaftlichen Lage sah man unter den Kurgästen viele in- und aus« ländische Juden. Auch russische Chassidim in langen Kaftanen gewahrte man zu bestimmten Zeiten auf der Promenade. Mit den Kriegsnachrichten aus Oesterreich trat plötzlich eine Wendung in der angeregten Stimmung der Kurgäste ein. Bon Tag zu Tag wuchs die Erregung, doch an einen europäischen Krieg, mochte niemand glauben. Die beiden Zeitungshallen Scherl und Ullstein waren fast den ganzen Tag von Kurgästen förmlich umlagert. Als schließlich als erste Zeichen ungünstige Banknachrichten einliefern, rüsteten viele, größtenteils Männer zur Abreise. Vom 25. IM an kamen täglich Telegramme an. die zurückgebliebenen Frauen und Kinder aus der Heimat an: »Lage ungünstig, sofort zurücklommen"! Es war doch noch eine ganze Anzahl Gäste, die sich nicht aus ihrer Ruhe bringen ließ und immer auf eine gütliche Wendung der Geschicke hoffte. Am 30. Juli schwand die Hoffnung der Mehrheit. Schnellstens wurde gepackt und abgereist. Panikartig war' der Ansturm zu Frankfurter Israelitisches FaMilieiÄakt. den Dampfern, die die Gäste, die so plötzlich ihre Kur abbrccheü mußten, in die Heimat beförderten. Mir fiel ganz besonders die Ruhe der ausländischen Juden auf. Verschiedentlich fragte ich russische Juden: „Nun, wollen Sie nicht auch abreisen?", „Warum sollen wir abreisen, es wird schon alles gut werden." Am Freitag wurde Norderney als im Kriegszustand befindlich erklärt. Auch dieser Umstand vermochte unsere ausländischen Juden — in der Mehrheit Russen — nicht aus ihrer Ruhe zu bringen. Ws aber am Sonnabend Morgen der Mobilmachungsbefehl bekannt gegeben wurde mit dem Vermerk, daß alle Ausländer binnen 24 Stunden, die Insel zu verlassen hätten, sah man unsere ausländischen Juden nach Beendigung des Gottesdienstes auf den Straßen etwas flinker dahineilen. Der größte Teil kam zu mir und bat mich um Rat und Beistand. Ich sicherte ihnen meine Hilfe zu und begab mich alsbald zum Kommissar, der sich aber nicht sprechen, sondern durch seinen Portier auf die Bestimmung Hinweisen ließ, daß sich alle Ausländer um 11 Uhr zur Entgegennahme besonderer Verhaltungsmaßregeln vor dem Polizeigebäude einzufinden hätten. Besonders hart traf hie Bestimmung der Ausweisung Bele Rosenzweig, die seit 20 Jahren eine österreichische Küche für ausländische Juden unterhält. Trotz guter Fürsprache mußte sie ihre Restauration sofort schließen und am gleichen Tage Norderney verlassen! Schon vor 11 Uhr war das Polizeihaus von ausländischen Juden umlagert. Einen Trost erblickten sie in der Bestimmung einer 24stündigcn Frist, brauchten sie doch den Schabbos nicht zu entweihen. Als aber der Kommissar verkündete, daß alle Ausländer um 6 Uhr mit dem letzten von Norderney fahrenden Dampfer die Insel zu verlassen hätten, entstand eine tumultartige Aufregung unter den Juden. Sie sollten den Schabbos entweihen? Auf leinen Fall! Einer aus der Menge wagte es, dem Herrn Kommissar zuzurufen: »Zerr Kommissar, wir sind strenggläubige Juden und fahren am Sonnabend unter keiner Bedingung! Die Sabbatentweihung gilt uns als eine der größten Sünden." Einige versuchten, den besonders Erregten zu beruhigen mit dem ° Hinweis: „Wenn der Kaiser befiehlt, so muß jeder gehorchen, und das Fahren wäre in diesem Falle keine Sabbatschandung". „Was?" schrie mit fester Stimme der russische Jude, „über dem Kaiser steht Gott, und dessen Gebote müssen wir zuerst befolgen. Es mag konimen, was da wolle, ich werde am Schabbos nicht fahren." Der Kommissar vernahm die Worte, gebot in energischer Weise Ruhe und verkündete nach kurzer Beratung mit dem Jnselkommandanten Oberleutnant Schütze und dem Polizeikommissar, Freiherr von Solemacher: „Meine Herren, ich werde für sie um lOtys Uhr nach Sabbatausgang einen Extradampfer fahren lassen." Mit großer Befriedigung nahmen die Juden das Entgegenkommen auf. Um 11 Uhr brachte sie der Dampfer nach Norddeich. Ob sie noch alle vor Sperrung der Grenze in ihre Heimat gekommen sind, möchte ich, bezweifeln. Wer weiß, wo die Bedauernswerten geblieben sind. Einige beabsichtigten nach Holland zn reisen. Sie verspürten wenig Lust, ihre nun im Kriegszustände befindlichen heimatlichen Gefilde aufzusuchcn. Der Krieg und die deutsche« Jude«. Frankfurt a. M. Die israelitische Gemeinde hat in ihrem Krankenhause 150 Betten dem Roten Kreuz zur Verfügung gestellt. Sie ist an die äußerste Grenze des Möglichen gegangen, denn sie hat damit dreiviertel des gesamten Raumes gegeben. Berlin. Das Israelitische Krankenheim der Cbewra Kadischah der Israelitischen Synagogengemeinde (Adaß Jisroel), hat dem Kricgsministcrium — unbeschadet der Fortführung seines bisherigen Betrietzes — 25 Betten zur Aufnahme von Verwundeten zur Verfügung gestellt. Ferner hat das Krankenheim einen Samariterkursus für Frauen und junge Mädchen eingerichtet, für den Anmeldungen in so reicher Zahl eingegangen sind, daß bereits 5 Abteilungen eingerichtet werden mußten. Berlin. Ein Mitarbeiter der „Jüdischen Rundschau" schreibt: „Wn Sonnabend besuchte ich am Potsdamer Bahnhof die aus Antwerpen ausgewiesenen galizischen Juden. Mle rühmten die Ausnahme, die sie. in Berlin gefunden hatten, die rücksichtsvolle Behandlung durch die Polizei, die ihnen Die Erlaubnis gewährt hatte, ihre traurige Fahrt sür den Sabbath zu unterbrechen und die Sorgfalt, die die jüdische Gemeinde ihnen angedeihen ließ, indem sie für ihre Unterkunft und Verpflegung sorgte und durch ihre Beamten und Vorstandsmitglieder in liebevollster Weise sich! der armen Leute annahm." Berlin. Für die Frauen und Kinder der Wehrmänner zeichneten u. a. Rudolf Mosse 100,000 M-, Frau Gser- Nr. 33. Pose, stabt' bl init, das mgskriegl zehren,! käter bvi hrc Lieb »ünscht, zegeisteru Post! sog, Männer jabbiner xsangen leichte be een losch trud Mosse 10,000 M., Fr. Direktor Dr. Minden 20,000 Mark, Geheimrat Ed. Arnold 10,000 M., Firma Felix Lande 4500 M.» Generaldir. Sem Levi (Salamaiidcr- Schuh-Ges.) 5000 (u. 5000 f. d. Rote. Kreuz), Geh. 3iat Leop. Koppel 50,000 M., Dr. Lewinski 10,000 M., Dr. Sawmonsohn (Diskonto-Ges.) 10,000 £01, Ascher u. J,.s. Brasch je 12,000 M. und ihren gesaniten Verdienst ans .. einer sehr umfangreichen Mehllieferung an die. Stadt, lelbtiakeit Geh. Rat Koppel- 100,000 M„ Jaquier u. Secnrins ~ * 10,000 WL. u. Wilhelm Krojanker i. Fa. Konrad Tack u. Cie. 10,000 M. Berlin. Für das Rote Kreuz usw. stellten ihre Räume zur Verfügung: die Lehranstalt, für die Wissenschaft des Judentums, das. Jüd. Genesungsheim Berlin zn Lehnitz, die Jüd. Arbeiterkolonie in Weißens« nsw. BreSlau- WitweS Guttmann inSz illen (Oitvr> hat acht Söhne, und Witwe Jacobus in Zempelb u r g sieben Söhne und einen Schwiegersohn im Felde. Breme«. ° Der durch und durch antisemitische „Belkserzieher" von Wilhelm Schwaner bringt unter vielen anderen Briefen seiner ins Feld ziehenden Freunde auch einen von Rektor G. G., Charlottenburg, in dem es heißt: „Hier habe ich wieder meine Erlebnisse in Sachen Judenftagc gehabt. Während die Juden Aufrufe erlassen und opferwillig beisteuern, den Krieg und seine Schrecken zu lindern, wagen deutsche (blonde und blauäugige!) Kaufleute, 300 bis 400o/o auf die Lebensmittel zu schlagen! Deutsche Männer, Wilm! Und da sind nicht die Juden schuld dran. Es gibt Lumpen überall. Und ich glaube, der Wirt von 'Cochem war auch kein Israelit. Ich bin gründlich, aber sehr gründlich vom Antiseniitismus geheilt, und wenn wir aus dem Kriege siegreich hervorgehen, so weiß ich, daß auch der Jude sein Teil dazu beigctrageu hat. Daß er uns nicht über den Kopf wächst, dafür mögen wir selber sorgen, nicht, indem wir ihn bekämpft», sondern indem wir arbeiten und nüchtern sind, wie er. Und unverzagt arbeiten, das können wir auch noch vom Juden lernen. Sei nicht böse, Wilm, es paßt wohl nicht in die Zeit! Dock/, es paßt doch hinein,' denn es ist ein Rassenkricg, den wir führen. Aber einen gegen ein kulturloses indogermanisches Volk. Heil unseren deutsche» Waffen!" Achim. In der Synagoge wurden 48 Mk. gesammelt: Nathan Anspacher, dessen Sohn als Artillerist gegen die Russen kämpft, spendete 150 Mk., der israclit. Frauenverein 100 Mk. sür verwundete Krieger. Die Beträge wurden dem Landrat übergeben. Meine Familie stellt 17 Krieger — 3 Brüder (verheiratet), darunter 1 Unteroffizier, der jetzt an' der französ. Grenze kämpft, 6 Schwäger, darunter 1 Unteroffizier und 7 Vettern, darunter 3 Unteroffiziere. — Mein Vater, Vorsteher der jüd. Gemeinde in Hörsheim (Bayern), der 70 als Unteroffizier mitgemacht, mehrere Auszeichnungen besitzt, hat sich freiwillig gemeldet. A. Rothschild: Köln. Die Repräsentanten der israelit. Gemeinde beschlossen die Bewilligung eines Kredits von 25,000 Mk., um zwei Baracken sür zusammen 70 Verwundete ans dem Grundstück des Israel. Asyls zu errichten, sowie eines Kredits von 10,000 Mk. zur Unterstützung bedürftiger Familien, deren Ernährer zn den Fahnen einberufcn sind. Von dem Jüd. Wanderbund „Blau-Weiß" haben sich 50 Wanderer und 38 Wanderinnen zur freiwilligen Hilssarbcit zur Verfügung gestellt. Stuttgart. Unter Füh ung von Dr. med. Gustav F e l d m a n n sind zehn jüdische Krankenschwestern zum Dienst in der Front von hier abgefahren. Elberfeld. Die jüdische Gemeinde hat jedem Einberufenen 15 Mk. Verpslegnngskosten und einen Gutschein für Stiefel und zwei paar Strümpfe gegeben. Die Frauen erhalten vorläufig 10 Mk. und jedes Kind 3 Mk. monatlich. Aachen. Die vereinigten jüd. Wohltätigkeitsvere.ne spendeten je 5000 M!k. dem Roten Kreuz und dem Vaterländischen Frauenvcrein. kolk, sei iche Gefc Roga tadtrat mimten Renste "1;um „Sti instlerisck Hohe jnfanteri, iegiment ie Mam Men sicherlich mtnant ' ommando -chey zu Feldz jSeiieralmi Lemb olgendes »Ich! Wie »52! „Dan »Ich „Sini „Jaw „War »Für ( Ec: Per, Berli )rganisat ms nich Wien ege Betä emeinde er sch i« Jgn mitische illtusgen ebersetzui Der Liplne <O -S.). In unserer aus 25 Familien bestehenden Gemeinde sind vorläufig 13 Krieger ins Feld gezogen, darunter 6 Familienväter, Ersatzreserve und unausgeb. Landsturm kommen noch 20 Leute in Frage. Die Chevra Kadischa hat 2 00 Mark gespendet, 50 Mk. fürs Rote Kreuz und 150 Mk. für Liebesgaben an den Magistrat. Unter den 13 Kriegern sind 4 Unteroffiziere. Pose«, 16. August. An größeren Geldspenden zu Kriegszwecken seitens der jüdischen Mitbürger hiesiger Stadt sei auszugsweise erwähnt: Chemische Fabrik Milch! u. Co. 3000 Mark; Dr. Edmund.Pietrowski 500 Mark; Geheimer Kommerzienrat N. Kantorowicz 1000 Mark; Frau Medizinalrat Therese Mankiewicz 300 Mk.; Jüd. Gesangverein aus Mitteln des Vereins freiwillig an das Rote Kreuz 300 Mark. — Die Firma Cohn u. Jacoby hat der hiesigen Stadt 200 Pfund gemahlenen Kaff« gespendet. Die Spende ist zur Labung der zum Kriegsdienst Eingezogenen bereits verwendet worden. — Sonstige Liebesgaben an Lebensmitteln, Kleidungsstücken und Wäsche sind zahllos. — Ferner die jüdische Gemeinde in Briefen zur Sammlung des dortigen Vaterländischen Frauenvereins zum Besten, des Roten Kreuzes 500 Mark. Pose«, 16. August. Nur wenige Beispiele von der großen Begeisterung der jüdischen Einwohnerschaft in der Stadt und der Provinz Posen. Nach der Statistik ist das Zahlenverhältnis in unserer Provinz nenn Teile Polen, fünf Teile Deutsche und ein Teil' Juden. Trotzdem haben sich laut Mitteilungen 600—800 jüd. Jugendliche und verheiratete Männer der Provinz Posen der Baterlandsverteidigung zur ^Verfügung gestellt, — Diejenigen, die es bedauern, nicht aktiv an dem Kriege teilnehmen zu können» spenden mit vollen Häitden für die Bedürfnisse der mittellos zurückgebliebene Familie». >8 tägli eistun itsuchen! edürstig« nge Pre üb alle cser so c wcchren' - in gel isen, in rbeit In £ ltigen F tage 30 > verabr Währ ütungsst erden, oi ästigen Der , erks essen, Jahre 95 Le e Ausga eldschmil