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Neue jüdische Presse · 1914-04-14 · Heft 32 (14.4.1914) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 32 (14.4.1914)
Date
1914-04-14
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Frankfurter Israelitisches Familisnblakt. der Militärverwaltung zur Verfügung gestellt. Der Unterricht fällt vorläufig aus. Wie' in allen Gemeinden des Vaterlandes haben auch Mr Männer und Jünglinge die Ihren verlassen, um dem Rufe unseres Kaisers zu folgen. Viele jüdische Mitbürger sind zu Reserveoffizieren befördert worden. Eine Familie hat zehn verheiratete Söhne ins Feld geschickt, einer dieser ist der Kultnsbeamte Baum von der Synagoge A. Vom Kaufmann Bär kämpfen fünf Söhne für die Sicherheit des Vaterlandes.; An Liebesgaben beteiligen sich die jüdischen Bewohner in irriger Weise. Die Firma M. Rosenberg, Zigarrenfabriken, hat am 3. August dem 5. Armeekorps als erste Liebesgabe 100,000 Stück Zigarren zur Verfügung gestellt. Ferner erhielt das Korps 2500 Pfiind Pfeifentabak. — Die Likörfabrik Hartwig Wunterowitsch, Aktiengesellschaft, hat 1000 Flaschen ihrer Fruchtsäste zur Erfrischung der durch Posen fahrendcn Truppen dem Roten Kreuz zur Verfügung gestellt. — 12 Waggons mit Holz, einem Wert von 5000 Mark entsprechend, hat Herr Holzhändlcr Adolf Salomon der Heeresverwaltung gestellt. Krefeld. Die Synagogengemeinde überwies dem Roten Kreuz als vorläufige Spende 1000 Mark, dem Ausschuß für Erfrischung durchziehender Krieger 300 Mark; 3000 Mark wurden bereitgestcllt für die Unterstützung bedürftiger Familien von Mitgliedern der Synagogengemeinde, die ins Feld ziehen mußten. Ferner zähst die Gemeinde allen unter den Fahnen stehenden Angestellten, auch den Mitgliedern des Synagogenchores, die vollen Bezüge bis zur Beendigung des Füdzuges. Die jüdischen Frauenvereine gaben bisher 1300 Mark für verschiedene Kriegszwecke. Die Niederrhein-Loge überwies dem Roten Kreuz 500 Mark als erste .Gäbe. Fürth. Geheimrat Nathan, Ehrenbürger der Stadt, spendete 100,000 Mark für Kriegslazarette und zu Unterstützungen von Familien der Kriegsteilnehmer. Breslau. Bankier Heimann spendete dem Roten Kreuz 50,000 Mark und dem Vaterländischen Frauenverein 10,000 Mark. Wie». Die ,Züd. Ztg.", das Organ der österr. Zionisten,' schreibt: „Die herzliche Freude der Erkenntnis können wir Zionisten nicht unterdrücken, daß wir jetzt — im Momente der Erprobung — unsere . Reichstreue ungrschwächt bekunden können. Man hat uns von jüdischer Seite bisweilen vorgeworfen, der Zionismus sei unt diesem Patriotismus unvereinbar; der Patriotismus von Männern, die wollen, daß sie selbst oder ihre Kinder den Staub des Vaterlandes von den Füßen schütteln, um ihn gegen den Zions zu tauschen, das sei ein Patriotismus zwester Güte. Nun denn, wir flehen zu unserem Bekenntnis. Ja, wir wollen unseren Kindern den brennenden Schmerz ersparen, nicht als vollwertige Staatsbürger geschätzt zu ' werden, ja, wir sehnen uns nach einem Vaterland, ■ in welchem die Wellen der patriotischen und nationalen Begeisterung nicht nur ineinander spielen, sondern in gleichem Rhythmus, sich gegenseitig verstärkend, emporschlagen. Doch unser „Patriotismus zweiter' Güte" ist echt, tief und klar, well niemand das Gefühl für das hohe Ideal des Staates, well niemand das Gefühl der Treue, der Pflichterfüllung und des rückhaltlosen^ Opfermutes so innig empfindet als der dafür durch sein Sinnen und Trachten geschulte Zionist." Rotoert Gerlaoli Fmkfnrt am Main, Mainzerlandstrasse 166. Telephon-Amt I, 5375. -■ Kunstu. Bauschlosserei, Eisen-Konstruktionen, Schaufenster-Anlagen, Werkstatt für kunstgewerbliche Metallarbeiten in Eisen, Bronce, Messing, Beparaturarheiten. I Kravksttrter Berichte. Mädchenklub. 11m irrigen Annahmen entgegenzutreten, teilt man uns unt, daß der Klub wie immer geöffnet ist, daß die Unterrichtsstunden ihren Fortgang nehmen und allabendlich das-übliche Wendbrot verabreicht wird. _ Außerdem arbeiten Mitglieder der verschiedenen' Jüd. Jugendvereine jeden Nachmittag im Klublokal. Nachmittags und abends wird dort, gern Anweisung gegeben, wie man sich an der Kriegsfürsorge beteiligen kann. Der Erew. Am Samstag ist es nach dem jüdischen Gesetze nur unter gewissen Bedingungen erlaubt, außerhalb seiner Wohnung zu tragen. Seit 50 Jahrenist hier in Frankfurt das Tragen am Samstag verboten gewesen. Nunmehr hat Rabbiner Dr. Nobel wieder die Bedingungen geschaffen, die das Tragen in der Stadt Frankfirrt am Samstag gestatten. Es erscheint dieser Tage eine Broschüre, in der er seine Maßnahmen, durch die er den „Erew" wieder.eingerichtet hat, halachisch begründet. - I Offenbaeher Druckluft-Anlage I I OffSnüttCll >. 5L Telefon 123. (Anschluss mitFrankfurt). I I Bewährteste TapplehpalnlBUDfi (100,000 qm jährlich) I 1 sowie unQbertrofiena Battanu. Bettle dornrelnl-1 Ihm MOBB mittelst Druckluft und Wasserdampf. InfOl IlrOYOl Frankfurt a. M., Grosse Friedbergerstr. 16-20 ilUlbl 111bAbi, Stassenbahniinie 10 und 15 bis vors Hans, Altrenommiertes Haus im Zentrum der Stadt. — Moderner Komfort. 110 .Zimmer mit 160 Betten zu Mk. 2.50, 3.00 und 350, garniertes Frühstück eingerechnet. . Besitzer: GumtavThlBmB. „VICTORIA“ Erste Berliner Wäscherei und Glanze Plätterei Hansa Tel. 2002. Jg GDlISDtStrSSSB 11. Haast Tel. 2002 Spezialität: Kragen, Manschetten und Hemden. IßUÜIßfoll. Ü Der Windhauch. Historische Erzählung Von M. Pulver münn. (Fortsetzung.) Malka und Naftali. Uriel begab sich mit Malka nach seinem Zelt, wo sein Vater schon anwesend war.. Der alte Mann, war in weiße Gewänder gehüllt, Bart und Haar waren sauber zugestutzt und die Wunden mit Balsam bestrichen. Der Heilverständige hatte ihm auch ein Beruhungsmittel gegeben, und jetzt schlief er. „Dieses ist mein Vater," sprach Uriel zu dem Kinde, glüBselig, daß der alte Mann jetzt ein ganz anderes Aussehen erlangt hatte. Naftali schlug die Augen auf, erhob sich hastig von seinem Lager und rief: „Gnade, hoher Herr! Gib mir die Hacke, daß ich wieder zur Arbeit gehen kann!" Uriel stieß einen schweren Seufzer aus und erklärte dem Kinde: „Er wurde als Gefangener nach Assyrien geschleppt und durch grausame Behandlung soweit gebracht, daß er alles von früher vergaß. Er kennt auch mich nicht mehr und weiß nicht, daß ich sein Sohn bin." „Hoher Herr, nicht wieder schlagen!" flehte der Unglückliche weiter, mit furchtsamen Blicken die fremde Umgebung betrachtend. „Lege Dich nur wieder hin. Keiner wird es mehr wagen. Dich zu schlagen! Der König hat Dich frei gegeben," sprach Uriel, ihn wieder sanft auf den Divan niederdrückend. „Du bist bei mir, Deinem Sohne. Erinnerst Du Dich nicht mehr an Deinen kleinen Uriel?" „Laß mich gehen, sonst kommt der Aufseher mit der Peitsche!" * „Mein armer, armer Vater!" Malka küßte den Unglücklichen, und der schmerzliche Ausdruck seines Gesichtes machte einem sanften Lächeln Platz. Er legte seine welke Hand auf das Kindeshaupt und sprach sinnend: „Nicht wahr, es ist kein leerer Traum!" Er blickte zagend ans Uriel und dann wieder lächelnd auf Malka, die sich zärtlich an seine Brust geschmiegt hatte, und fuhr fort: „Mein Gebet ist erhört worden. Ich bin fchon im jenseitigen Leben, und dieses ist ein Gottesengel voller Barmherzigkeit, der den elenden Sklaven bemitleidet!" „Ich bin kein Engel," lächelt Malka, „sondern ein kleines Mädchen, das wie Du eine Gefangene der Assyrer war. Habe keine Furcht, denn bei Uriel sind wir geborgen." Abermals küßte sie das eingefallene Gesicht des Greises, der sie fester an sich drückte. „Du scheinst das beste Heilmittel für ihn zu sein," sagte Uriel. Diener brachten jetzt Speisen und allerlei Leckerbissen aus der königlichen Küche, die sie auf einen niedrigen Tisch in der Mitte des Zimmers niedersetzten. Zwei der Diener blieben zurück, um ihnen aufzuwarten. Uriel runzelte die Sttrn, da er durch die Anwesenheit der Assyrer eine schlimme Wirkung für seine „Kinder", wie er Malka und Naftali nannte, befürchtete. Das Mädchen aber nahm den Greis an der Hand und führte ihn zur Tafel, wo er sich ruhig niederließ und von den Speisen aß, die sie ihm vorlegte. „Ich wäre glücklich, wenn auch mein Vater lind meine Mutter hier wären," sagte Malka, plötzlich in Tränen ausbrechend. „Wo mögen sie nur sein? Weiht Du es, Uriel? Glaubst Du, daß sie wieder beisammen sind?" „Ich weiß ganz bestimmt, daß sie von den Assyrern nichts mehr zu fürchten haben," war seine schnelle, ausweichende Antwort. „Mache Dir keinen Kummer darüber. Wenn es Gott gefällt, dann werden Deine Augen sie einst Wiedersehen." Er brach ab. In Gedanken fügte er hinzu: „Daß noch viele, viele Jahre vergehen mögen, ehe solches geschieht!" Die ganze Wahrheit konnte er ihr nicht sagen. „Bis dahin," fuhr er wieder laut fort, „will ich Dir Vater und Mutter und später sogar noch mehr sein. Deine Mutter hat ja oen Wunsch ausgesprochen, daß Du meine Frau werden sollst, wenn Du groß bist. Natürlich," fügte er. lächelnd hinzu, '„wenn Du tnichl haben willst." Ar. 32. 9h „Ach, ich freue mich so!" rief das Kind froh. „DiiMkines bist ja so groß und gut! Wann machen wir Hochzeit?"»iüs „In sechs Jahren, dann bist Du sechzehn Jahre alt."»Arlui „Solange sollen wir warten?" Warten denn allelhäusi Männer solange?" »»nts. „Vater Jakob hat doch auf Rahel sogar vierzehulstn Jahre gewartet." Idaß „Aber er hatte doch Leah." »es dl „Bei mir wird es auch ohne Leah gehen." »ehns - Uriel ließ eine Harfe bringen, und während seine»Zchr Finger die Saiten berührten, sprach er: „Wenn die »Dem Assyrer wieder aus dem Lande unserer Väter ver-lnach trieben und die sechs Jahre um sind, dann singe|eiil ich Dir das Lied des weisen Salomo: „Erhebe Dich, meine Liebe, meine Schöne. Denn siehe, der Winter ijilsache dahin, die Regenzeit ist vorüber, die Blumen sprießen!,^!), auf der Erdfläche, die Zeit des Vogelfanges ist ge-»Ar, kommen, und die Stimme der Turteltaube wird wieder Ihaar gehört in unserem Lande." I |cinc Der Gesang schien den alten Naftali gewaltig aus-lst. zuregen, als ob zarte, längst vergangene Erinnerungen! mfln in ihm erwachten. Zugleich aber flößte er ihm Furcht |hi„A ein. Aengstlich ließ er seine Blicke hcrumschweifen, unb|roajj als Uriel aufhörte, sprang er auf und rief jammernd „Laß mich fort! Wenn sie mich finden, muß ich wieder Izura die Peitsche spüren." V„nd Uriel blieb schweigend sitzen, und eine düstere Wolke g„jxd lagerte sich auf seine Stirn, die noch vor wenigen Minuten von freudiger Hoffnung verklärt war. Es war! Mt wieder Malka, die den aufgeregten Alten durch cineN^gx sanfte Berührung beschwichtigte. |tucn „Setze Dich wieder hin, und ich werde Dir zulhaui trinken geben," sprach sic, wie zu einem Kinde. g berc „Du bist verständiger, als Deine Jahre, vermuten |{fjm lassen," sprach Uriel zu ihr. „Ich bin froh, daß Tu I auf meinen Vater so bedacht bist." |in Eine plötzliche tiefgehende Traurigkeit bemächtigte IsM sich des Jünglings, da er wieder an sein Vorhaben!,yiel dachte, das ihn hierhergeführt hatte. Was sollte aus I gaI seinem Vater, was aus Malka werden, wenn er jeincul mai Plan zur Ausführung brachte? Er selbst war ja bereit, lg0| sein Leben für sein Volk zu opfern; dieser Gedanke war»gat ihm schon lange vertraut geworden und hatte bereits I |cj„ seine Schrecken verloren. Aber durfte er seinen Vater I cnjj in die grausame Sklaverei-zurückstoßen, durfte er dieses |j,eu süße Kind einem wohllüstigen assyrischen Satrapen als Spielzeug auslicfern? War er denn überhaupt sicher, ■ daß cs dem jüdischen Volke irgeiid welchen Nutzen lz„ bringen werde, sollte Sanchcrib durch die Hand eines | <gci Juden seinen Tod finden? Anstatt den Rückzug anzu treten, würden sie doch sicherlich noch eine gräßlichere | Qje| Rache an dem ganzen jüdischen Volk nehmen wollen. Ungestüm verließ er das lächelnde Kind und den wieder beruhigten Greis und begab sich nach einem andern Zelt, nur sich dort ungestört seinen düstern Gedanken hinzugeben und den schweren Scelenkampf weiter zu kämpfen. Sollte er oie Tat vollbringen und alle Folgen auf sich nehmen, so schrecklich diese auch sein mögen, oder sollte er Naftali's und Malka's wegen seine Hand Sanchcrib in Freundschaft darreichcn? Diese Gedanken wurden bald von andern verdrängt, die ihm die Schamröte ins Gesicht trieben! . Hat auch David gezögert, den Riesen Goliat zu erschlagen aus Furcht, daß cs seinem Volke noch schlimmer ergehen könnte? „Nein! Ich wanke nicht!" rief er entschlossen. „Ich vollbringe es zum Heile meines Volkes, und der Gott meiner Väter wirb mir seinen Beistand verleihen!" (Fortsetzung folgt.) Zei Elektr. Licht-, Kraft-, Schellen- und Telefon-Anlagen. Tel. Taunus 4389. ff. Referenzen. 8avign78trasse 51. Ei« lyrischer Jargoudichter Rumäniens. Das rumänische Judentum ist auf dem Markte der | Gcistesproduktion nur schwach vertreten. Die wenigen, die das westliche Europa als Gelehrte oder Literaten | kennt, sind mehr Okzidentalen als Rumänen zu nennen, da sie zum größten Teil ihre Erziehung und Aus-1 bildung außerhalb des Landes genossen haben. Wohl gibt es im Lande selbst eine ziemlich große Anzahl von > jüdischen Journalisten, Schriftstellern und sogar manche echten Dichter — ich brauche nur Ronctti Roman (aller-! dings nicht mehr am Leben) und Stcuermann-Rodion zu nennen —, aber die meisten von ihnen siild doch mehr rumänische Literaten, die das Jüdische oft nur dilettantenartig behandeln. Besonders aber in rein jüdischer oder hebräischer Sprache hat das rumänisches Judentum beschämend wenige Vertreter auszuweisen. Was sind Namen eines Welwil Sbarzscher oder |

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