Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 32 (14.4.1914)
- Date
- 1914-04-14
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Denn es ist immer etwas Beglückendes, — besonders naä) dem sozialen Gesetz der Juden —, ein Bechor, eilt Erster zu sein. Nun ist er erschienen, — und er ist mehr als einfacher Schriftsteller — er ist Dichter und zwar ein wahrer Lyriker in jüdisch-deutschem Jargon. Jacob Gropperist ein schlanker blauäugiger und blondhaariger zweiundzwanzigjähriger junger Mann, der durch seine ganze Erscheinung mehr als sympathisch zu nennen ist. Obwohl seine Gesichtszüge gar zu zarte sind, sieht man doch genau, wie sic stark ins männlich Energische hinüberragen. So ist auch sein ganzes Wesen: Bei aller wahren kindlichen Naivität, ist er sich seines Berufes als Dichter fest bewußt und sucht sich energisch emporzuraffen aus dem ihm umgebenden kleinlichen Milieu und aus der Athmosphärc eines schlecht genug bezahlten niederen Bankbeamten. Gropper besitzt neben einer gründlichen jüdischen Bildung auch sehr gute anderen Kenntnisse, die er sich regelrecht auf der Schulbank aneignete. Das ist viel, wenn man die kleinlichen Verhältnisse seines Elternhauses in dem winzigen Städtchen Mihaileni am Siret berechnet. Diese seine guten Kenntnisse fast würden sie ihm zuui Nachteil gereichen; denn man hat bei seinen Gedichten oft das Gefühl, daß der Dichter ebenso leicht in deutscher Sprache dichten könnte, wenn nicht diesen leicht zu beseitigenden Nachteil seltene1 Vorzüge überwiegcn würden. Vor alleni ist es die Fülle von solchen Jargonausdrückcn, von denen man sich erinnert, daß man sie von Großeltern oder Urgroßeltern gehört habe. Lolch' echt jüdischen und nicht weniger die typisch im Jargon vorkommenden hebräischen Ausdrücke, die bei seinen Gedichten wunderbar passend hincingeflochten sind, entschädigen uns ob manchen gar zu deutsch klingenden Ausdrucks. Gropper ist Lyriker; seine Größe und Zukunft liegt in seiner Macht als Naturdichter. Ein Jargondichter, der vom Lcbett der iBlumen erzählt, das ist wirklich etwas Besynderes, Originelles. Nun möchte ich mir erlauben, aus der Fülle der Gedichte, von denen manche erst in der ganz letzten Zeit in Zeitungen Galiziens und Rußlands veröffentlicht tvurden, einige hier wiederzugebeu: Morgen-Blunten. Morgcnblumen bliht! Ihr sent mein Gcmit, In der Frih wie frisch, un munter, Bold boigt ihr dem Kop aruntcr, Speter sent ihr wieder frisch. Lauter Grins u» Zwit . . . Bliht nor Blumen bliht. Wie verschieden scheen die Farben: Lila, weiß un rosa Karben?) Bold. . . verwionet un verdreht. Morgcnbluincn bliht! Wert vin Glik nit mid. Haut sent ihr dem Morgens Blumens, Morgen, nechtens-) Hant-parsumcn, Jbermorgen . . . gur nit mehr . . . Weil der Morgen fliht Bliht'sche Blumen, bliht, Speter wet ihr wellen blihcn, Kolte Winter wellen") ziehen, Un es wet schoin san zi spet. ... Zu mein Jugend. Un wenn der Tag is leicht verschiounden, Un finster hcrscht darieöcr Nacht, Wert still a lechtil angezunden. Der mont chotsch schwach vin Tug die Pracht: ') Karben — Einschnitte. -) Nechtens — gestern. 3) Wellen — werden. Un wenn die Zat ist gich verfloigen Un Schikuchn herscht of Schrit un Trit In s'hot kan Maarow —. seit geboigen. Die Jugend sich wie'n bheen Minit. Dann is stockfinster in dem Harzen, . Begruben ligt die Jugend lang. Un of dem Kewer, ot dem schwarzen Zankt kaum a lechtil: — a Gedonk. Dir toiter Jugend, a Ner — tumid Zind ich dir un du ina sat, S' soll brennen, zitern vin dem Umid, Dermonen mich an dir vin wat. . . Jassy_Korresp. HE. Wiere, Optiker, Liebfrauenstr. 1. Brillen, Plncenez, Operngläser, Feldstecher 1 in jeder opt.-mechan. Spiel waren I Preislage Eisenhahnan, Dampfmaschinen, Latarna-Magica, ate- Bmtte Chronik. Bor 40 Jahre«. Berlin, 20. Mai 1874. Heute kamen im Wgeorbnetenhause die Petitionen ' zur Beratung, in welchen der Vorstand der israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M.» E. Schwarzschild n. Gen., die israelitische Religionsgesellschaft zu Wiesbaden, der Kultusverein zu Schlimm, die Vorsteher der Synagogengemeinde zu Wunstorf bei Hannover und der Vorstand der israelitischen Knltusgemcinde zu Bierstadt bei Wiesbaden beantragen, daß ihnen das Recht des Austritts ans der Religionsgesellschaft aus konfessionellen Bedenken zuerkannt werde. Sie fordern ferner, ' daß es den Juden nach dem Gesetze von 1847 zwar gestattet ist, aus dem Judentum zu treten, daß sie aber nicht aus ihrer Religionsgemeinde treten dürfen, wenn sie nicht die gesamte Religionsgemeinschaft sämtlicher Juden zugleich anfgeben wollen, ein Umstand, der zu den verschiedensten Uebelständen Anlaß gebe. Die Kommission beantragte, diese Petitionen der Staatsregierung mit der Aufforderung zu überweisen, dem Landtage baldigst eine Vorlage zu machen, durch welche auch den Juden in allen Teilen der Monarchie der Austritt aus einer Religionsgemeinde aus konfessionellen Bedenken ohne gleichzeitigen Austritt aus dem Judentum ermöglicht wird und die in (einzelnen Landesteilen etwa entgegenstehenden gesetzlichen Bestimmungen ~ aufgehoben werden. Nachdem Abg. Laster, Reg.-Kommissionär Haas e, Abg. Miguel und Mg. Lehfeldt für den Kvmmissionsantrag gesprochen hatten, wurde dieser fast einstimmig angenommen. klM MM H, v. KM I Soh/llonMtnm 18m Telephon I, 8630. H Seifen, Lichte, Kammnnd Bfirstenwaren, H Besen etc. Coaroetlsche Spezialitäten. H Kunst und Literatur. Religiöse Bilder. Predigten von Dr. Georg Wilde, Rabbiner in Magdeburg. 102 Seiten. Mk. 3 geb. Berlin, -M. Poppelauer. Dichterische Gestaltungskraft in Gedanke und Wort ist diesen Predigten, die sich häufig wie literarische Essays lesen, nachzurühmen. Doch ist der Genuß kein ungetrübter, - denn Verfasser ist ein sogenannter liberaler Rabbiner, und es mangelt ihm überdies an jüdischem Wissen, — nnd so spielt nicht die Anschauungsweise , des Judentums, sondern sein subjektives Denket» die ausschlaggebende Rolle. Man höre nur, was aus der Forderung Gottes an Abraham, ihm seinen einzigen Sohn zu opfern, tun so Abrahams Gehorsam vor eine Prüfung zu stellen, bei Wilde wird. Er schreibt: „Eine seltsame Erzählung ist's, eine Kunde aus jener Zeit, in der ein Mann sich losriß vom finsteren, blutigen Aberglauben, sich erhob zu sittlich-religiösem Empfinden. Die Stimme des Versuchers hatte gesprochen: „Geh', opfere Deinen Sohn", die Stimme des Gewissens, die göttliche Stimme hatte ihm zugerufen: „tue dem Knaben nicht das geringste", bei dem Vater soll er bleiben, soll nicht sterben auf hohem Berge, am fremden Altar. Buchprobe aus Wilde „R e l i g i ö s e B i l d e r" S. 88. Schon das Kind wird erkennen, daß es geboren wurde ohne seinen Willen und daß es auch sterben muß gegen seinen Willen, Anfang und Ende des Lebens unfrei. Es wird sehen, daß die Dinge ringsum kommen und gehen ohne seinen Willen, es wird erkennen, daß der Mensch, auch wenn er tausend Hände und tausend Augen hätte, dennoch die Fäden nicht alle entwirren kann, an denen sein Leben hängt. Er wird fühlen, daß irgendwer, irgendwas sein Leben hin und her - schiebt. Und wenn es dann fragt: Vater, wer ist das, was ist das?, so werden wir achselzuckend sagen: Das Schicksal. Und wollten wir nun dem Kind, das doch alles mit seiner Phantasie schauen will, auf seine Frage darstellen, was das Schicksal ist, so müßten wir ihm sagen: Da droben im Himmel, da ist ein großes ungeheures Götzenbild, ganz aus schwarzem Eisen. In seinen Augenhöhlen sind keine Mgen, es ist blind; mit seinen Ohren kann'» nicht hören. Es hat hunderttausend eiserne Arme und Hände, mit denen greift es hinunter, kann nicht )eiE|en mit seinen leeren Augenhöhlen, hört nicht, wie die Menschen zu ihm rufen; dort zermalmt es einen Menschen, da zerdrückt es eine Blume, den einen verschont es, den anderen vernichtet es; blind, willenlos. Wäre das ein frei Geschlecht, das nicht an Gott, sondern an das Schicksal glaubt? Muß das nicht ein Geschlecht werden, dem das Leben so sinnlos, so unerträglich erscheint, daß es lieber die Bande löst, die es an den Felsen des Lebens kettet, daß sie, die Freiheit suchen im Nichts, im Tod? Wird sich nicht unendlich freier fühlen ein Geschlecht, das glaubt, daß dort oben ein gütiger Gott lebt, dessen Geist die ganze Welt erfüllt, der alles nach seinem Willen lenkt, auch wenn wir diesen Willen nicht immer verstehen, zu dem wir beten können, der nicht aus leeren Augenhöhlen, sondern mit gütigen Baterangen zu uns niederblickt, von dessen Wesen unsere Seele ein Abbild ist? 1813. Ein Cyklus von Ernst L i s s a u e r. 76 Seiten 1.50, geb. 2.60 Mk... Jena, Eugen Diederichs. Echte Poesie und zwar echte Kriegspoesie. Zum Beweis sei ein Gedicht hier wiedergegeben: ' Lützower Handstreich.. Nebel dünstet aus Wegen und Aun, Eine Lützower Reiterschar Trabt auf Roda im Morgengraun. Das Korps hält, vier reiten vor. Der Major, Leutnant, Trompeter, Husar. Am Tor die Wache wird niedergehaun, > Ueber das hallende Pflaster rasaunen Die Braunen. Breit^ auf dem Marktplatz, in Zügen formiert, Rheinbundtruppen stehn aufmarfchiert. Steil pariert - Lützow den Gaul und kommandiert: „Stillgestanden!" Rascheln weht Durch die Kolonne: sie steht. > Nochmals Kommando: „Gewehr — ab!" Prompt zuckt und prallt Ruck, Griff» Klapp. Und wieder harsch und barsch: „Ihr seid gefangen! Mteilung — marsch!" SÖgc Trompeter bläst; vierhundert marschieren Hinter den vieren. Kaiser Friedrich Quelle — — Offenbsch s. X. ——— Gegen Gicht nnd Bhenmntisrau bewahrt. Alleiniger General-Vertreter: Friedrich Stahl» Frankf.a.M., Günthers!).-Allee 37. Tel.Hansa959n.714. Wocheu-Kaleuder. (Zeitangaben nach dem Loacb.) Samstag, den 15. August — 23. Atr.)r Sabbat-Anfang in Frankfurt a M. 7 Uhr 10 Min. Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 8 llhr 25 Min. m Berlin 8 Uhr 20 Min. Wochenabschnitt: Eikew. — Gott verheißt Segen für die Treue gegen sein Gesetz. Die heidnischen Götzen sollen vernichtet, den Bewohnern des Landes furchtlos entgegengetreten werden. Es wird erinnert an die wunderbare Führung Gottes durch die Wüste. Wiederholung der Geschichte des goldenen Kalbes nfw. Rausch-Chaudesch Ellul: Samstag, 22. Aug. und Sonntag 23. August. Wochengottesdienste in Frankfurt a. M. Morgens: 6 Uhr (Synagoge Unterlindau, Synagoge Bockeüheim 6 Uhr 30 Min.: Hauptsynagoge 7. Uhr: Synagoge Königsteinerstraße 7 llhr 30 Min.). Abettds 7 Uhr (Synagoge Unterlindau, Synagoge Bockenheim, Synagoge Königsteinerstraße 7 Uhr; Hauptjynagoge 4 Uhr). jBB Spezialität: LffleinRorken. Francke & Weber1 Gr. Frledbergerstr. 7—11 Tel. Hansa 4095. Frankfurter FmuUieuuachrichte». Geboren. E. Sohn Mex Salomon (Oppenheimer). — Richard Kupfer (Strauß), Schumannstr. 34 a. E. Tochter, Dr. Simon Bamberger (Marens), Langesttaße 57. *• Gestorben. Bernhard Landsberg. — Johanna Löwenstein, geb. Ransohoff, 85 I., Cronbergerstr. 37. Auswärtige Familieuuachrichteu Geboren. E. Sohn Adolf Mayer (Levinger), Landau. — Joseph Baer (Wormser), Halberstadt. — Julius Meyer (Sachs), Berlin IV., 62. Srlber ne Hochzeit. 23. Aug. (1. Ellul): Lehrer B. Wolfs u. Frau, Aurich. Ge st o r b e n. Sigmund Beer, 53 I., St. Ingbert. — Leopold Rothschild, 41 I., Köln. \ Speudeu. Bertha Rosenheimer Wwe. s. A. lRationalfondsbüchse) 22.- Jk Carl Grebenau, »teiuweg 1 UnpfinluwBleii,. Bold- und SilüBraaren Atelier für Neuu. Umarbeitungen Eckhaus Rossmarkt beeid. Sachverständiger ■ Reparaturen. .. ... Telephon Hansa 6069. Auswahlsendungen gerne zn Diensten. Israelftlsohs Kuttusgegcnständs. 2649