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Neue jüdische Presse · 1914-04-14 · Heft 32 (14.4.1914) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 32 (14.4.1914)
Date
1914-04-14
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. zugrunde richten. Denn: „Adannoili, lau iro". Gott ist mit Mr, ich fürchte nichts mehr. ' Die herrlichen Worte unseres Hallet, die wir jahrelang gesagt haben, ohne vielleicht ihren vollen Sinn empfunden zu haben, jetzt erleben wir sie bis ins Tiefste. Die Not hat uns geeinigt, sie hat uns den Weg zu Gott gewiesen, Gott hat uns geantwortet, wir fenneit keine Furcht Mehr. Und wir wissen: bald wird der Tag kommen, da wir den Ältlichen Lohn unserer Butze und Reinigung empfangen werden, da wir wieder jubelnd unser Hallelujoh werden nngen können, als Ueberwinder der Not, als Sieget! Saloniki. Sein Untergang infolge der griechischen Herrschaft. Im Balkankriege ist besonders heiß, um den Besitz Salonikis, der bedeutendsten Handelsstadt des BaÄms, gestritten worden. Statt, daß Saloniki — wie es das Interesse der Stadt und auch das Interesse Oesterreichs erforderte — freie Handelsstadt geworden wäre, kam es in den Besitz Gri^henlands. Die 60,000 Juden der 100,000 Seelen zählenden Stadt mußten eine Plünderung nach der anderen'über sich ergehen lassen, — und wie weit es unter der neuen Herrschaft heute bereits gekommen. ist,' das eHählt Wilhelm Bela's jüngst erschienene Schilderung „D er To d e skamp f einer StÄ&t", der wir nachstehend folgen. Niemand konnte die gewaltige Bedeutung SalonNs als Handelshafen verkennen, als kommerziellen Schlüssel zu dem weiten ausnahmssähigen Hinterland, das hinaufreichte bis nach Serbien, bis nach Albanien. Da kamen die letzten Kriege und ihre Folgen, und SaloniK ward von seinem Hinterland vollständig abgeschnitten. Die frühere mazedonische Kündschaft ging so verloren, und die griechische Regierung tat dann das wettere dazu, den Handel der Stadt zu schädigen. Die Ratten verlassen das sinkende Schiff! — Die Auswanderung der Saloniker Kaufleute geht immer regelmäßiger vor sich. Kein Schiff verläßt den dortigen Hafen, das nicht eine Anzahl Kanfleute nach Smyrna oder 'nach Kvnstanturopel brächte, und viele verlassen die dem Untergang geweihte Stadt auf dem Landweg, um nach Europa zu übersiedeln, sich dort eine neue Existenzbasis zu schassen. So geht's schon seit Monaten! Die einst so blühende Handelsstadt hat geschlossene Läden und Bureaus, ihre ganze Physiognomie hat sich von Grund aus geändert. Beschleunigt wird Salonikis Niedergang noch außerordentlich durch die Auswanderung der Spaniolen und der Mohamedamr aus Mazedonien, die den furchtbaren Grausamkeiten und Verfolgungen seitens der griechischen Behörden entfliehen. Damit werden Saloniki die letzten treuen Elemente entzogen,. und die Tatsache läßt sich nicht /mehr leugnen, daß, Griechenland bei der Erdrosslung Salonikis ganz planmäßig vorgcht, zugunsten des Handels im Piräus. Man scheint eben von dem Gedanken auszugehen, daß ein blühendes Saloniki, dessen Handel in den Händen spanischer und mohamedanischer Kaufleute lag, Ws fremde Begierden aufpeitschen würde. Verhältnismäßig wenige Monate haben genügt, um der allen Stadt ein ganz neues Gepräge zu Zehen. Statt des lauten 'Geschäststreibens, das von früh bis zu Sonnenuntergang die Stadt init Geschrei erfüllte, tönen jetzt Schreie nach Brot durch die Strichen. So ist aus der Stadt des Reichtums eine Stadt des Elends geworden. unsortiert 12.$ sortiert 15$ G.M.HOLZ J HOFLIEFERANT JFRANKFURTaM unsortiert 12 % , Aranssurter KraMssches ^MllimSkakt. AriS de» EreigViffe» des TageS. 1. Ein einzigartiger EeSenktag. In diesen Tagen, da unser Vaterland von ruchlosen Feinden überfallen wird und in den Kampf ziehen mutz zur Rettung seiner nationalen Selbstständigkeit, haben wir Juden die Gelegenheit, einen seltenen Gedenktag zu verzeichnen, der, wenn er uns auch an eine Zeit der Not und des tragischen Schicksals für unser Volk erinnert, uns dennoch durch seine Einzigartigkeit mit Stolz und Kraft erfüllen muß: am 10. Ab waren es 25 00 Jahre seit dem Tage, da.der erste Tempel zerstört wurde. Ein wunderbarer, einzigarttger, unvergleichlicher Gedenktag! Welch anderes europäisches Volk vermöchte einen solchen Tag zu verzeichnen, einen Tag, der an eine große historische Begebenheit erinnert, die vor zweieinhalb Jahrtausenden sich ereignete. Es überkomnü uns die ganze Weihe und Ehrfurcht vor der ewigen Größe unserer Geschichte, vor dem schier metaphysisch anmutenden Schicksale unseres Volkes, wenn wir dieser Tatsache gedenken. 25. Jahrhunderte! Und noch gehört dys Ereignis nicht einmal dem Beginne unserer Geschichte an. schon waren Jahrhunderte wechselvoller Schicksale verflossen, als es eintrat, schon bedeutete es ja vielmehr einen gewissen Abschluß in unserer historischen Entwicklung. _ . Und üojn eigenen Volk schweift unser Geist zu den anderen.Völkern, .die damals Zeugen des Falles unseres Tempels, zum Teil seine Verursacher waren. Wo sind unsere Besieger, die damals über uns zu triumphieren wähnten, wo.sind unsere Feinde, die über unseren Fall frohlockten? Der Lauf der Jahrhunderte hat auch! sie untergehen lassen, nur Gräber' und Trümmer zeugen von ihrem Dasein; wir aber durchschritten die Jahrhunderte, überwanden die Gefahren der Zeiten, uns konnte das Schicksal alles Irdischen nichts antun, wir leben bis zum heutigen Tage, leben heute intensiver, hoffnungsfreudiger denn je. Wahrhaft, wo wäre der Jude, den nicht angesichts dieses Ber- . gleiches ein . gewaltiger Stolz überHinre, der Stolz, einem Volke anzugehören, das die Jahrtausende überdauert hat, wo der Jude, dem nicht die Seele anschwlllt von ZukUnftshöffnung und Siegesgewitzhett, hem nicht der Glaube gestärkt wird an die ewige Existenz unseres Volkes! Gerade in diesen Tagen haben wir besonderen Grund, jener alten Zeiten zu gedenken. Jetzt, da unsere Söhne und Brüder ausziehen zum Kampfe auf Tod und Leben, erinnern wir uns der Heldengeschichte unseres Volkes, seiner ruhmreichen Heldenkämpfe, eines Juda Makkabi und Bar-Kochba. Und nichts kann uns in diesen schweren Tagen mit tieferer Zuversicht und innigerem Glauben erfüllen, als die Betrachtung unserer Geschichte. Gewißwir haben trotz allem Heroismus oft Niederlagen erlitten. Aber wir blieben erhalten in ungeminderter Kraft und Große. Mir blieben, weil die Sache des Gerechten auf unserer Seite War. Die Geschichte keines anderen Volkes vielleicht vermag den Glauben an den schließjichen Sieg des Gerechten so sehr zu festigen wie die unsere. Noch brauchen wir Gottlob diesen Trost nicht unmittelbar. Noch sind wir überzeugt, daß unser Vaterland siegen wird. Aber was auch imMer koMMen mag i— und wer vermöchte in solchen Zetten heute zu. sagen, was morgen sein wird, — wir dürfen ruhig dem Kommenden entgegenblicken: haben wir doch den unauslöschlichen Glauben, datz das Gerechte schließlich den Sieg davontragen muß, einen Glauben, den uns die Erinnerung der Zerstörung unseres ersten Tempels vor 2500 Jahren von neuem festigt und'stärkt. 2. Dringende Hilfe. Unzählig sind die Leiden, die der Krieg, der so rasch >2Usgebrochene, gebracht.hat. Und wenn sich auch .Millionen von Händen regen, um all das Unglück, das er gebracht, auch nur ein Wenig zu lindern, wenn auch jeder jetzt bereit ist, 'das Seinige zu tun zur Linderung der allgemeinen Not, es wird nur ein geringer Teil des Elends sein, den man wird beseitigen können. Zu den vielen Bedauernswerten, die der Krieg unvermutet überrascht und in eine hilflose Situation gebracht, hat, zählt auch eine größte Anzahl unserer östlichen Brüder, die, sei es schon seit Jah- Nr. 32. ffc. 3 lrgene B Igebanfen benbe M ßiiellende Lieber d |jjrüc£cnat SBüri Ije» Wal hige iüfj Irrreicht L'trbc c Ijirecken | lonbere j Igerüstet loben, j gon ein gleiterim langen 5 Mtcn I« (nur vier giiügen, litcitb so blassende reu, 'sei es nur auf der Reise begriffen, in unsereins Vaterlande weilen. Da sind zunächst all die zahlreichen osteuropäischen Juden, die in Deutschland leben 'und! bislang als Kleingewerbetreibende, Handwerker. Hausierer ihr Brot sich kümmerlich verdient haben. Fast alle sind sie jetzt brotlos geworden, und als Ausländer können sie auch nicht die Hilfeleistung der Städte und allgemeinen Wohltätigkcitsverciuc in Anspruch nehmen. So ist ihre Lage eine wahrhast verzweifelte. Von allen verlassen,'stehen Hunderte solcher Familien vor dcM Hungertode. Neben ihnen aber befinden sich gegenwärtig in Deutschland eine große Zahl von — meist wohlhabenden — russischen Juden,. die wie alljährlich die deutschen Badeplätze ausgesucht haben und nun durch den plötzlichen Ausbruche des Krieges in die peinlichste, hilfsloseste Situation versetzt worden sind. Von jeder Verbindung mit Rußland abgeschnitten, stehen diese Leute, die fast alle wohlhabend, ja reich sind, ohne einen Pfennig da; ihr russisches Geld wird von niemand angenommen und sich Kredit zu verschaffen, 'ist ihnen als Fremden naturgemäß .unmöglich. Wir erhielten in den letzten Tagen von vielen Badeplätzen Nachrichten, Hilfsschreie solch Bedauernswerter, von denen manche wahrhaft am Verhungern sind. Hier einzugreifen, halten wir für die dringendste Pflicht der jüdischen Gemeinden und Organisationen. ^Dieser Armen, die keine Schuld an ihrem'Unglück trifft, und als Fremde hilf- und schutzlos sind, müssen wir uns annehmen. Der Umstand, datz sie russische Bürger sind, kann uns davon nicht abhalten. Denn — wir dürfen dessen sicher sein — niemand fleht inniger um den Sieg der deutschen Waffen und um die Niederlage Rußlands, als die russischen Juden, und nirgends hat Deutschland auftichttgere Freunde als in ihnen. .' Es ist eine sofortige und umfassende Hilfeleistung, die hier nottut. Den Armen, Unvermögenden, meist schon seit langen Jahren hier Ansässigen, muß Arbeitsgelegenheit gegeben werden, und falls dies unmöglich, müssen von den Gemeinden und Organisattonen für sie Hilfskassen eingerichtet werden. Den auf der Reise Befindlichen, fast durchwegs Wohlhabenden, ober muß gegen Garantien das zu ihrem Unterhalt Nötige geliehen werden, oder aber die Gemeinden Müssen bestimmte Hotels mit ihrer Verpflegung beauftragen und für die nach Beendigung des Krieges zu erfolgende Bezahlung garantieren. Dock Icutrcifjcr bringen vereint auf bat! migestün lief) sin! erste Vc Gesunde, bitte gc gen Mi runde, erscheine JEigenar! zu ents Denkart rurtcr i IMittelpr (die Ma (wenig s (Kreis (Nur mo (verschied IJubentn (.werk b (gerade peele t l(cbcit§. Von (Wochen (steus d (allwöche (grötzen („Seicher (sonst fr (»er nn! (trachtnn (verschaff (ven du (weiden Die Form der Hilfeleistung mutz naturgemäß im einzelnen noch Wohlerwogen werden, aber daß sie überhaupt — und zwar möglichst rasch — erfolgen muß, ist unseres Erachtens selbstverständlich. Wir hoffest, daß die maßgebenden Persönlichkeiten des deutschen Judentums sich unserer armen Brüder anuehmen und sich bald über die Modalitäten der Allion schlüssig werden. Wir Juden waren ob unserer Wohltätigkeit stets berühmt und bewundert, und die jüdische Solidarität ist gar oft — auch von Nichtjuden — gepriesen und verherrlicht worden. In diesen Zeiten werden wir unseren Wohltätigkeitssinn stärker bekunden müssen als je. Und es wäre schimpflich für das deutsche Judentum, wenn es seine unglücklichen östlichen Brüder in ihrem Elend schutzlos ließe.' Wenn wir auch natürlich die heilige Pflicht haben, mttznarbeitcn an der 'allgemeinen großen Kriegsfürsorge; die Pflicht, uns dieser von allen anderen Verlassenen anzunehmen, dürfen wir darob nicht vergessen. Und wir sind überzeugt: Wie wir allezeit unser Deutschtum und Judentum harmonisch'haben verbinden Wunen, so werden stnr auch jetzt unsere beiden Pflichten: die allgemein vaterläniäsche und speziell 'jüdische, voll und ganz zu erfüllen vermögen. (magage. (lich in (froher (turnier (kehrt w (ein, no (laute U (erheben (sonst a (auch h (Hände t Do, (grell b (schon i (alle Bc (wälzung (kaum z (stänblich (Rachrich (schleppet (versamn (doppelt (wißheit 13 nt tute (die an (renben (erquicket Reg (ist der (benstöre (auch dt mssische »sie bas Lu kön (scheu H Brückeuauer Badebrief. Die Woche vor den schicksalsschweren Tagen. Ein langgczogener Pfiff der Lokomotive. „Station Wernarz!" ruft .der Schaffner, ,harten nach Bad Brückenau abgeben!" Alles atmet auf. Die Hundstagetemperatur, noch gesteigert durch die unheimlich drückende Schwüle des vollbesetzten langsam dahinschnaubenden „Zügle", ist entsetzlich. Da winkt schon die Perle der Rhön, das heilkräftige, reizvoll ge- Tri Jen, ai Mrzt Woffnm persono sstuch n als bea Jaum!" alschola (chwerer

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