Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 31 (7.8.1914)
- Date
- 1914-08-07
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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ns. 31 jl, Nch ssen igen ) en Den* uns Teil sie araus resse i us and) »lgen ^öln. iiän-- mial uzen »nds . In ickelt sichtfvrtvor die stenz sonlldns Fest» Festcandieste» N. . hat irzem traße einer von hat ehei anertag und > der sung, tschen prach! die tliche mmel acl. irltdje «hast als aisers tschen t die Gottder öwe-, und den idbau -stellt.! zum früher den lh ne lüsscn Borkt Wege Tiet Sohne t voräesen: daß »Mas reifen, te ein lande, nicht t vom . PariS. Bei der. große» Revue in Longchamp am 14. Juli wurde die 6. Jnfanterieäbteilung befehligt von General Bloch, ein Genieregiment von Oberst L e v i Und das 22. Artillerieregiment von Oberstleutnant Geismar aus Dambach i. Elf. Bei derselben Gelegenheit wurden zu Offizieren der Ehrenlegion befördert Oberst Valabregue vom 43. und Oberst Katz vom 8. Regiment. Zu Rittern der Ehrenlegion wurden ernannt Hauptmann schmoll und Blum, sowie der Artillerie-Ingenieur Marcel Mayer. Befördert wurden zu Bataillons- Chefs im Genie-Korps die Oberingenieure für Brückenu. Chaussee-Bauten Coblentz, Dreyfuß u. Loewy. „VICTORIA« Erste Berliner Wfisoherei und Glanz-Plätterei Han» Tel. 2002. |g GutleUtStraSSG 18. HanaaTel. 2002 Spezialität: Kragen, Manschetten und Hemden. Der Windhauch. Historische Erzählung von M. Pulvermiknn. (Fortsetzung.) . Zur Herstellung größerer Werke, zur Errichtung der Zelte, zur Erbauung von Palästen, Tempeln, Bädern und Vergnügungsstätten wurden natürlich gefangene Juden, Chaldäer, Aegypter usw. verwendet. Diese verfertigten Bausteine, allerlei Mauerwerk, sie schachteten Kanäle aus, gruben Wille und Verschanzungen und errichteten kolossale Steinbilder, Löwen und Stiere mit Menschenköpfen und Drachenflügeln und andere Embleme der assyrischen Götzen. Ueber jeden Trupp Gefangener waren eine Anzahl Aufseher gestellt, die die Arbeiter mit Stock und Peitsche zu größerem Fleiße antrieben. Sancherib selbst fuhr oft hinaus, um die Fortschritte der Riesenbauten zu besichtigen. Biele Sklaven würden auch im Lager mitgeführt, um Lasten zu tragen und die gemeinen und groben Arbeiten zu verrichten, die ein Feldzug mit sich bringt. Eine große Anzahl war jetzt mit dem Ausschachten eines Grabens beschäftigt, um große Verschanzungen anzulegen. Während aber die andern Sklaven Hände und Füße frei bewegen konnten, waren die jüdischen ^Gefangenen, wegen der Nähe ihres Landes, gefesselt, um jeden Fluchtversuch zu verhindern. Wie in Ninive -n auch hier die Frohnvögte mit der Peitsche hinter hnen. so fand sie der König, als er nach der Besichg der Truppen hierhergefahren war, um auch diese erke in Augenschein zu nehmen. Als sie sich diesem Platze näherten, schien für riel der geeignete Augenblick gekommen zu sein, um sein Vorhaben ins Werk zu setzen. Lautes Jammern nd klatschende Peitschenhiebe drangen ju ihm aus mein Arbeiterhaufen, zugleich aber bemühte sich ein lter Sklave, aus den Händen des Aufsehers sich losiumachen, dessen Peitsche immer und immer wieder auf -n entblößten Rücken des Wehklagenden niederfiel, ie Aufmerksamkeit des Königs und seiner Leibwache ar diesem widrigen Schauspiel' mit Aufmerksamkeit zuewendet. Ein scharfer, forschender Blick auf die Umgebung -berzeugtc Uriel, daß jetzt die beste Gelegenheit wäre, en Streich gegen den König auszuüben, ehe ihn selbst in Pfeil der Wache treffen konnte. Seine bebende and griff nach dem Dolche, den er stets verborgen im usen trug. Noch ein Augeirblick und die Tat wäre lcschehen. Wer gerade in diesem Moment wendete cr mißhandelte Sklave sein Gesicht gegen den König nd kaum hatte Uriel dieses Gesicht erblickt, als er it einem lauten Schmerzensschrei vom Wagen sprang, i Peiniger einen kräftigen Rippenstoß versetzte, daß zu Boden taumelte, um dann den Sklaven leidenhaftlich mit beiden Armen zu umschlingen. selbst der König blieb stumm vor Erstaunen beA cscm befremdlichen Vorgang: ein gebeugter Greis mit neeweißen Locken und Bart, das faltige Gesicht von chmutz und Tränen kaum kenntlich, Hände und Füße lrch eine schwere Kette gefesselt, in Lumpen gehülltwach, elend, an die Brust des edlen Jünglings preßt, den ein König erst mit seiner Freundschaft glückt und zu seinem Liebling erkoren. „Weine, nicht mehr," suchte Uriel den Sklaven zu ^'chwichtigen, „er wird Dich nie mehr schlagen." „Nein, nicht schlagen, hoher Herr, weil ich Dich gerührt", flehte der alte Mann, aus den Armen ^es Beschützers sich zu befreien suchend. „Uriel, bist Du wahnsinnig geworden?" fragte Sanungehalten. Frankfurter Israelitisches FamilieMakt. „Ich bin nicht wahnsinnig, aber mein Herz wUl : vor Gram vergehen," erwiderte dieser mit schluchzender l Stimme, dein König zugewendet, aber den Sklaven noch immer an sich drückend. „Siehe, großer König, auf dieses elende, mißhandelte Geschöpf! Siehe, was Du aus einem Fürsten gemacht, den Juda geehrt und geachtet, in dessen Adern das Blut des königlichen David rollt! Siehe, was aus ihm geworden!" „Laß mich," flehte inzwischen der Unglückliche, als das Auge des wütenden Ilufsehers das seine traf. „Ich will arbeiten, damit mich die Peitsche nicht wieder beißt." „Wer' ist denn dieser Mann?" frug Sancherib. „Er scheint Dich doch gar nicht zu kennen." „Es ist Naftali, mein Vater, den Du als Gefangenen nach Assyrien geführt hast! Er kennt mich nicht, weil er durch Deine grausame, unmenschliche Behandlung an Geist und Körper gebrochen ist! Ach, daß icher erleben muß, ihn so zu sehen!" Uriel konnte seine Tränen nicht länger zurückhalten und drückte seinen unglücklichen Vater noch.fester an seine Brust. „Laß mich Lehen, hoher -Herr, damit die Peitsche nicht wieder mein Fleisch zerschneidet." „Es tut mir leid, daß Du Deinen Vater in diesem Zustande wieder findest," sagte Sancherib, nicht ohne Bewegung. „Mer stille Deine Tränen, Uriel, er ist frei. Nimm ihn mit Dir, vielleicht, daß eine liebevolle Behandlung ihn wieder Herstellen kann." Uriel sah den König dankbar an, vermochte aber kein Wort zu sprechen. Sancherib wendete sich jetzt zu seiner Leibwache und befahl: „Nehmet diesem die Fesseln ab 'und bringt ihn in Uriels Zelt. Sagt auch meinen Heilkundigen, daß sie sich mit ihrer ganzen Kunst und Geschicklichkeit diesem Kranken widmen sollen." Zu dem bestürzten Aufseher gewendet, fuhr er fort: „Du scheinst Deine Befugnis überschritten zu haben, weil Du ein steinhartes Herz in Deiner Brust trägst. Die gebührende Strafe wird Dir werden, noch ehe die Sonne untergeht." -»Großer König der Erde!" jammerte dieser, „was habe ich verbrochen, daß Dn mein Leben nehmen willst? Ich habe doch nur meines Amtes gewaltet.^ „Was schert mich Dein miserabeles Leben! Du sollst jetzt selbst die Peitsche kosten, mit der Du andere so unbarmherzig gepeinigt hast. Sklaven sollen arbeiten; aber Greise verdienen doch eine gewisse Schonung! Fort mit Dir!" Uriel versuchte trotzdem für den Aufseher ein gutes Wort einzulegen; aber Sancherib schnitt ihm die Rede ab, indem er befahl, dem Aufscher die Fesseln anzulegen, die man eben Naftali abgenomMen hatte. Dann sprach er wieder freundlich zu Uriel: „Bis Dein Vater so weit hergestellt ist, daß er sich in meinem Zelte zeigen kann, bleibst Du bei mir. Du kannst Deines Vaters wegen ohne jegliche Sorge sein." „Ach, großer Herrscher, Du bist edel. Du bist gut!" schluckte Uriel. „Warum aber fließen Deine Tränen noch immer so reichlich?" „Ach, ich weine, weil — weil — ich Dich zu — zu — lieben beginne, während ich Dich als Bedrücker meines Volkes hassen müßte!" Der Herr der Erde, wie Sancherib sich gern nennen ließ, war durch diesen leidenschaftlichen Ausbruch keineswegs verletzt, und ein freundliches Lächeln umspielte seine Lippen. Der Streit der Hauptleute. Als Sancherib von der Besichtigung heimkehrte und sein Zelt betrat, fand er Tartan und Rabschake dort anwesend, in einem heftigen Streit miteinander, den der König schlichten sollte. Tartan und Rabschake waren die beiden Wge-- sandten, die mit einer ziemlich großen Kriegesmacht nach Jerusalem gezogen waren. Sie wollten das Urteil des Königs in einer persönlichen Sache vernehmen. Ter Streitfall war folgender: Als die Söldlinge in kleineren Wteilungen den Rückmarsch angetreten hatten, wurde von einem derselben ein wunderschönes jüdisches Mädchen gefangen und ins Lager gebracht. Beide, Tartan und Rabschake, erhoben ihre Ansprüche auf dasselbe. Neu eröffnet! Cafö Corso Ecke Kaiseratrasse und Koseistrasse. Fraax Krist* Seih Ssobald sie das Kind erblickt hatten. Jeder suchte seinen Anspruch zu rechtfertigen. Sancherib ließ sich auf den Thron nieder, von Uriel und vielen Edelleuten umgeben. Er befahl Rabschake, als dem älteren, zuerst zu sprechen. „Mir gehört das Mädchen," rief dieser, „well ich der ältere und in einem hühern Rang stehende Befehlshaber bin. Ich war es auch, der die königliche Botschaft an Chiskija überbrachte, und daher war ich von weit größerer Autorität als der einfache nrllüärische Befehlshaber, der nur zum Schutze des Abgesandten da war." „Es ist wahr," nahm Tartan jetzt das Wort, „daß ich nur der Befehlshaber der Soldaten war. Darum aber hatte ich nur allein meine Befehle zu erteilen und die Verantwortung für alles zu tragen. Rabschake hatte nur eine Botschaft zu überbringen. Wenn also die Krieger, die unter meinem Befehle standen. Gefangene machten, dann ging auch diese Sache nur mich allein an, darum gehört die Beute mir oder dem König und keinem andern." „Das sind Spitzfindigkeiten oder Wahnsinn!" schrie Rabschake, schwieg aber sofort, als Sancherib ihn verweisend anblickte. „Allerdings," fuhr Tartan boshaft fort, „Rabschake ist der ältere, aber soviel älter, daß er schon dem Grabe zuwantt, während die Gefangene noch ein Kind ist, sodaß er ein gebrechlicher Greis sein wird, ehe das Mädchen zur Jungfrau heranwächst. Der Tod ist ihm nahe, und das Kind wäre dann wieder heimatlos." Rabschake warf dem Sprecher einen giftigen Blick zu, wagte aber nicht, ein Wort zu sprechen. Tartan fuhr fort: „Ich stütze daher meinen Anspruch noch mehr darauf, daß mein Palast in Ninive ein viel angenehmerer Aufenthalt für eine schöne Sklavin ist, als bei dem abgelebten Rabschake." „Ich begreife es nicht, wie ein Kind einen solchen Streit entfachen konntet sprach Sancherib. „Verspricht es denn wirllich, eine solche Schönheit zu werden, daß mein weisester Ratgeber und mein tapferster Feldherr sich darüber entzweien? Bringt das Kind her, daß ich es betrachte." .Dieser Befehl schien beiden Streitenden ganz und gar nicht zu gefallen, da sie genau wußten, daß Sancherib den Streit auf die einfachste Weise schlichten würde, indem er die Gefangene für sich selbst beanspruchte.- Auch Uriels hatte sich eine große Aufregung bemächtigt. Sein Atem ging schwer, und seine Augen waren jetzt unausgesetzt auf den Eingang des Zettes gerichtet. Er brauchte nicht lange zu warten, der Vorhang teilte sich, und die Gefangene trat ein. Was er gehofft und befürchtet hatte, bewahrheitete sich, — es war Malka, die dort stand. Ter Jüngling vermochte kaum, einen Schmerzensruf zu unterdrücken, sein Herzschlag schien zu stocken, und die Zunge klebte ihm am Gaumen. Das Kind hatte ihn noch nicht bemerkt, da es die Augen furchtsam auf den König gerichtet hiell und bald diesen, bald jenen betrachtete. Das Gesichtchen bekundete Schmerz, Furcht und Widerwillen, hatte aber von seiner engelhaften Schönheit dennoch nichts eingebüßt. „Jetzt verstehe ich es, daß jeder von Euch das Kind besitzen möchte," sprach Sancherib, nachdem er das Kind eine ganze Weile prüfend angesehen hatte. „Sie ist in der Tat wunderschön! Wer bist Du, Kleines Doch Malta, die das Assyrische nicht verstand, gab keine Antwort und schlug die Augen nieder. „Ich will fort, zu meiner Mutter," bat sie in ihrer Landessprache. „Uriel, sprich Du zu ihr und ftage sie . . ." Malkas Freudenruf unterbrach seine Rede. Sie stürzte auf den Jüngling zu und umschlang ihn leidenschaftlich mit ihren beiden Armen. „Wer ist sie denn?" richtete Sancherib wiederholt seine Frage an Uriel, nachdem das kindliche Entzücken in stilles Weinen übergegangen war. „Sie ist die Tochter Gamliels, eines angesehenen Handelsmannes." „Ist sie deine Verwandte?" „Nein. Ich begrub ihren Vater, den Deine Krieger erschlagen haben. Ich rettete dann ihre Mutter, die sicherlich auch nicht mehr am Leben ist, deren Wunsch es aber war, daß Malta meine Frau werden sollte." „So verhält sich die Sache," sprach Sancherib grollend, fragend die Streitenden ansehend, die. jetzt Uriel noch weniger fteuMich anblickten. „Was ist mit ihrer Mutter geschehen?" rief Uriel zornig. „Sie wurde ja in derselben Rächt von dev-' selben Wteilung ebenfalls gefangen?"