Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 31 (7.8.1914)
- Date
- 1914-08-07
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Wohnungs-Einrichtungen ln kDnstlerlseh. iuflassung Verkauf von kunstgewerblichen Erzeugnissen. Antiquitäten. Friedrieh Bernhard, Frankfurt a.H Tel, Hansa 5574. Ttfirsanstrassn 11. Keiner der beiden Würdenträger hielt cs für angebracht, einem Juden Rede und Antwort zu stehen, - bis der König selbst die Frage wiederholte. „Meine Augen haben sie nicht gesehen," war Tartans Antwort. „Aber mir wurde berichtet, daß eine gefangene Fraö sich seLst den Tod gegeben hat." Ilriel unterdrückte einen Wehruf und preßte das Kind fester an sich, froh, daß es die Trauerbotschaft nicht verstand. Sancherib wütete, und die Wer auf seiner Stirn schwoll mächtig an. „Ich habe Euch keinen Auftrag gegeben, Juden zu Men oder zu berauben, ehe ich von König Chiskija eine Antwort erhallen habe! Ihr habt Euch vieler Vergehen schuldig gemacht, aber selbst wenn solche Taten gerechtfertigt wären, kann mein Spruch nur lauten, daß das Kind dem gehört, dem es die Mutter selbst angelobt hat." „O, König!" rief Uriel, „Du bist nicht nur groß, Du bist auch gut und gerecht! Ich danke Dir!" Wut und Widerspruch wurden aus den Gesichtem Rabschakes und Tartans deutlich sichtbar. Sic konnten es nicht begreifen, daß das Wort einer toten jüdischen Frau von irgend welcher Bedeutung sein sollte; noch weniger war es chncu klar, daß Sancherib dm Groll und Mißmut seiner angesehenstm Hauptleute eines jungen Juden wegm aufs Spiel setzen würde, dem er ohnedies seine Gunst schön Wer Gebühr geschenkt hatte. Wer während Rabschakc seinen Haß gegen Uriel deutlich erkennen ließ, hatte Tartan seine Selbstbeherrschung.bald wieder gewonnen und nahm die Entscheidung des Königs anscheinend mit großer Genugtuung Ms. „Wenn sie unr versagt bleibt," sprach er lächelnd, „ist es gleich, wer sie bekommt. Und der Jude Paßt gut zu ihr; wenn sie heiratsfähig ist, ist er auch noch nicht zu fett und all für sie. Der König hat Las Richtige getroffen." Rabfchake sah Tartan wütend an, mußte sich aber zu einer zustimmenden Verbeugung vor deM König •' bequemen. Er verließ bald das Zelt, doch mit einer Gebärde gegm Uriel, die keinen Zlveifel zuließ, daß . der Jüngling einen unerbftllichm Feind an ihm habe. (Fortsetzung folgt.) Christ. Wilhelm Leux Teilet Hansa 8567. Hoflieferant. . Goethestr. 81 Herren", 2)amen~ utivreeschneiderei. Spazlal-SportgeschäfL — — Auf Wunsch koschere Verarbeitung. ~ " ■ Im Frievrich - LMse« - Hospiz zu Dürrhelm. Die ersten Bäder sind schon morgms um 6 Uhr gerichtet; immer 6 Kinder zugleich erscheinen mit noch verschlafenen Augm im Baderaum. Doch verscheucht das angenehme Naß dm letzten schlaftrunkenen' Zug aus ihren Gesichtem. Ein lustig Leben entwickelt sich, Badewannm fließen über, Wassersalven werdm von hWm nach drüben getauscht, und trotz des cifrigm Wehrens der Schwester ist keine Ruhe in die Leine Gesellschaft zu bringen. Nach dem Badm geht es wieder zurück in die Schlafräume, wo die Kinder noch zwei Stundm rühm - müssen. Hier nehmen sie ihr erstes Frühstück, bestehend ans Kaffee und Butterbrötchen, ein. Beinahe unglaWlich sind die Mengen von Brötchen, die hier vertilgt werden. Dreißig für sechs allere Kinder waren nichts außergewöhnliches. Sechs besonders hungrige habm einen Rekord von 40 aufgestellt. Doch nicht alle Tage dürfen die Kinder Bäder nehmm; an dm für sie badefteien Tagen versammln sie sich um 8 Uhr im Speiscsaal, um ihr erstes Frühstück cinzunehmen. Ist nun schönes Wetter, so werdm die Kinder im Freien mft Spielen unterhallm, oder sie machen sich Wer die vorhandenen Schaukeln und Turngeräte her. Um 10 Uhr ertönt der Gong,' uni die Schar r,um zwellm Frühstück ins Haus zu rufen. Ein mit der Kinderseele etwas Vertrauter erkennt den Speisezettel schon an dm Mimm der Kleinen. Lang und länger weiden die Gesichter, steht das Barometer auf Brei, und recht ungeschickt sind an solchm Tagen die Klemm, demi. wie. mancher Teller wird „aus Frankfurter Israelitisches Familiensilakt. Versehen" umgestoßen und sendet seinen Inhalt zu Boden. Doch mit menschenfreundlicher Seele wird die Ratton doppelt nachgefüllt. Schokoladenpudding oder Eier rufen meistens ein wohlgefälliges Schmunzeln auf den Gesichtem der Kleinen hervor. Nach dem zweiten Frühstück geht es in den Wald, wo man sich mit Beermsuchen und Blumen- Pflückcn bis zum Mittagessen beschäfttgt. Halb ein Uhr ist die Zeit des Mittagessens. Suppe, Fleisch und Gemüse, Dessert, so viel das Herz beliebt. Kaum ist das Mittagessen beendet, geht es wieder hinaus ins Freie. Mit Tüchern, Kissen und Plaids bewaffnet, zieht die Karawane auf die gegenüberliegende Wiese, um, in der Sonne lang ausgestreckt, sich von den Strapazen des Vormittags zu erholen. Bis drei Uhr dauert die Siesta für die, die zum Inhalieren müssen; die andern dürfen sich bis halb vier Uhr der Rühe erfreuen. Allzu unterhaltend sind diese Ruhcstundm freilich nicht, dafür aber um so ergiebiger für die Gewichtszunahme. Um vier Uhr gibt es Kakao mit Gcleebrot. Jetzt ist der Hunger kaum zu befriedigen. Einen kleinen Begriff von dem gutm Appetit der Kinder kann man sich machen, wenn man bedenkt, daß an manchen Tagen 20 Laibe Brot zu 4 Pfund gegessen wurden. An das Vespern schließt sich ein größerer Spaziergang in den Wald an. Unter Obhut der Schwestern verbringen die Kleinen die Zeit bis zum Abendessen im Walde bei Spiel, Gesang und Marsch. Für die ganz Kleinen ist das Nachtessen um sechs Uhr gerichtet und besteht gewöhnlich aus irgend einer Mehlspeise. Fleisch gibt es nur am Freitag Mcnd. Um sieben Uhr ertönt der Gong zum letztenmale, um die größeren zum Abendessen zu rufen. Diese bekommen das Gleiche wie hie Kleinen. UM dreiviertel acht Uhr speisen die Schwestern, und kaum haben diese ihr Mahl beendigtest, heißt es zum großen Bedauern der Kinder: ins Bett. Vor dem Schlafengehen müssen sich alle Kinder nochmals waschen und kämmen; bei den Kleineren wird diese Arbeit von den Schwestern besorgt. Nun liegen alle Kinder im Bett. Aber bis zur vollständigen Ruhe im Hause bttmrf es noch einer geraumen Weile. Macht Schwester Oberin ihre letzte Runde durch die Schlafräume, so hat jedes der Kleinen noch einen besonderen Wunsche Hier, soll sic noch ein Geschichtchen erzählen und dort sich noch einige Minuten ans Bett setzen. „Ach, Schwester Oberin, schreiben Sie doch heim, daß ich noch einige Tage dableiben darf," oder „Gelt, Schwester Oberin, Sie schreiben morgen an meinem Brief," ertönt es aus Den SSetten. Hat Schwester Oberin alle Wünsche nach Möglichkeft beftiedigt und ihre Runde beendigt, so tritt schließlich vollständige Ruhe ein. Die Schwestern versammeln sich, bevor auch sie zu Bett gehen, nochmals bei Schwester Oberin, um sich über den vergangenen Tag auszusprechen. Um zehn Uhr ist alles dunkel im Hause; nur bei Schwester Oberin brennt noch die Schreibtischlampe, manchmal bis spät nach Mitternacht. Doch nicht immer vergeht der Tag so abwechslungsreich. Ist das Wetter weniger günstig, so heißt es, die Kleinen im Hause beschäftigen. Hierbei werden Knaben und Mädchen von einander getrennt. Die elfteren ergötzen sich mit Spielen und Uebungcn im Turnsaale, die Mädchen im Spielzimmer. Jede Woche findet auch ein Schreibtag statt. Briefe und Karten werden oft zur Begutachtung der Schwester Oberin vorgelegt. Das ist ganz gut; denn sonst würden manche zu unglaublichen Mißverständnissen Anlaß gegeben. Ein Junge, der etwas erkältet gewesen war, schrieb einmal: „Liebe Mutter, ich habe drei Tage sehr starke Lungenentzündung gehabt und dabei 61/2 Pfund zugenommen, also hole mich ab." Wäre dieser Brief in die Hände der Mutter gekommen, welch heillose Verwirrung hätte er angcrichtet! I Offenbacher Druckluft-Anlage I OffanblGh a. M. Telefon 123. (Anschluss mit Frankfurt). I Bewährteste TapplchralnlOanp (100,000 qm jährlich) ■sowie unQbertroflana Battena. Bettle derer elnlkaM guna mittelst Druckluft und Wasserdampf. Bunte Chronik. Sk« Tastserer des Krieges 1870/71. ’ Im „Daheim" veröffentlichte jüngst Generalmajor z. D. A. v. Wrochem einen Brief, in dem er ehrend eines Wischen Soldaten Namens Karfunkclstein gedenkt. Dieser „häßliche, Leine, jüdische Füsilier", der überdies Plattfüße hatte, galt als - eich schlechter Soldat und heckte Skt. 31. Nr. J hierdurch! und infolge seiner losen Zunge ein langes Straf, realster auf seinem Konto. Bei der Mobilmachung 187V sollte er in der Garnison Zurückbleiben, — doch er wehrte sich mit aller Macht dagegen und erreichte es, mit ins Feld ziehen zu dürfen. Was er dort leistete, darüber heißt es in dem Briefe: „Ich will den weiteren Gang der Schlacht hier nicht schildern, nur soviel darf ich sagen, daß Karfunkelstein sich durch seine Kaltblütigkeit und seinen Mut auszeichnete, daß er in den schwierigsten Augenblicken des Gefechtes seine Kameraden durch seine schlechten Witze aufheiterte und den Verwundeten in seiner Nähe trostreiche Worte sagte. Als später der tapfere Oberstleutnant von Grolman, trotz seiner schweren Verwundung, sein Bataillon zum letzten Sturm gegen den feindlichen Schützengraben vorführte, war Karfunkclstein unter den ersten am Feinde und stach den französischen Offizier nieder, der seinen Revolver gegen den Oberstleutnant gerichtet hatte. Da der Oberstleutnant viel Blut verlor und ich ihn nicht verbinden konnte, weil ich am rechten Unterarm auch leicht verwundet war, gab ich Karfnnkelstein den Iefehl, einen Lazarettgehilfen oder Krankenträger vom Verbandsplatz zu holen. Er führte den Befehl sofort aus und erschien nach einer halben Stunde wohlbehalten mit zwei Krankenträgern, obwohl er den Weg in der Feuerzone hatte zurücklegen müssen. Während der Marschtage nach der siegreichen Schlacht von St. Privat wurden von den Kompagnien Vorschläge zu Auszeichnungen für Mannschaften verlangt, die sich besonders hervorgetan hatten, und da sämtliche älteren! Offiziere der 10. Kompagnie schcher verwundet waren,! so hatte ich diese Vorschläge zu machen. Außer dem! Feldwebel und einem anderen Unteroffizier nannte ich aus! der Vorschlagsliste auch, den Füsilier Karfnnkelstein. Hierzu! aber schüttelte der Regimentskommandeur den Kopf und! ließ mich und den Füsilier zu sich kommen.. Nach aner-I kennenden Worten über sein tapferes Verhalten, sagte! er diesem, daß es vorläufig nicht angängig sei, einem! Manne, dessen Führung bis por kurzem so schlecht ge-I wesen, eine Auszeichnung zu verleihen. Er solle sich! aber weiter brav halten, denn nun sei sein Schuld-! konto ausgeglichen, und er werde von jetzt ab, wie jedtzk! andere gute Soldat, behandelt werden. Karfnnkelstein I aber zeigte volles Verständnis für die gütigen Wortei des Obersten von Zaluskolski und beschloß, danach zul handeln. In den nächsten Wochen bot sich ihm dazu! keine besondere Gelegenheit, da das Regiment Elisabeth I in den Schlachten von Beaumont und Sedan nur wenig I zur Tättgkeit kam. Um so mehr aber waren die Bec-I hältnisse bei der späteren Zernierung von Paris geeignet I die Entschlossenheit und Intelligenz des einzelnen MannesI zur Geltung zu bringen, und da Karfunkelstein diese beide»I Eigenschaften besaß, so gelang es ihm bald, sich! Beil Patrouillengängen und Erkundigungen durch seine Ber-s wegenheit und Schlauheit so auszuzeichnen, daß der Kom>! ®nieführer ihn wiederum für eine Auszeichnung in Vor-! ig brachte, und diesmal mit Erfolg. Aus der Handl des Obersten selbst erhielt Karfunkelstein am 28. Oktobeil das Eiserne Kreuz, und Freudentränen glänzten dabeil in seinen Augen." I Der Brief schließt, indem er schildert, wie Karfunkclsteii^ bei Le Bourget den Heldentod starb. Der österreichische Thronfolger und die jüdische Wirti».! Erzherzog Karl Franz Josef, der gegenwärtige östeol reichische Thronfolger, tarn nach seiner Vermahlung ittiil Erzherzogin Zita von Parma nach Kolomea in Garnisorl Das damals noch sehr junge Ehepaar unternahm einckl Tages einen Ausflug nach dem benachbarten S tätlichem Nadworna. Das Automobil am. Waldesrande zurücklasl send, kehrte das erzherzogliche Paar verstaubt, hungrizl und durstig in einer kleinen jüdischen Wirtschaft eiit| Nachdem die Wirtin, eine einfache, schlichte Jüdin, ß ihre Gäste gesorgt, setzte sie sich zu ihnen und erzählte sie habe einen Sohn, der auch, in Kolomea diene, aba beim Infanterieregiment. Für ihn habe sie fünf Krona zusammengespart, ob wohl der Herr „Zngsführer" so gst wäre, dem Burschen das Geld zu bringen?! „Recht gerne!" sagte der Erzherzog, „wenn Sie inis das Vertrauen schenken." Als die jüdische Wirtin die wohlgezählten fünf S brachte, hatte sie noch ein ziemlich großes Paket im A" und meinte, wenn der Herr schon so gut sei, die sü Kronen zu überbringen, ob er vielleicht die reine S auch noch, mitnehmen würde? „Die übernehme ich," rief lachend Erzherzogin Zit^ und streckte die Hände darnach aus. In Kolomea ließ der Erzherzog noch am selben Abeü den Mischen Soldaten kommen, richtete ihm Grüße ■ der Mutter aus, die Erzherzogin übergab ihm das P mit der Wäsche, der Erzherzog das ersparte Geld, aber mittlerweile in der Tasche des Boten Zinsen getragck hatte. Kaiser Friedrich |f aelle ——— Offenbach a. X. Gegen Sieht and Bheamatfsmng bewährt. Alleiniger General •Vertreter: Frladrloh Stabil Frankf.a.M., Gflntherab.-Allee 37. TeLHansa259n.714. Wochev-Saleitder. (Zeitangaben nach dem Losch.) Samstag, den 8. August (-- 16. Aw.) Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 7 Uhr 25 Min. I Sabbat-Ausgang in Frankfurt a. M. 8 Uhr 50 Min. in Berlin 8 Uhr 37 Min. Wochenabschnitt: Woeschanan. — Moses Bit das gelobte Land sehen zu dürfen. Ermahnungen, Gottesgesetze treu zu bleiben. Hinweis auf die Wuiu^ bei der Erlösung aus Egypten.' 10 Gebote msw. Der den Anfl „Nachan Morgen! hem gog' Abends heiv syn- Uni m 1 in der | nicht s F m SB1X 5 erstkl F Lnftgev tesching Autom. 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