Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 31 (7.8.1914)
- Date
- 1914-08-07
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2692297-2692872-2692903--08618-2703773- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
©eite 2. FvaMvrter ZSlvÄWHeS AchmAieMatt. Regen durchnäßt, hockten sie auf dem Felde und waren - glüAich, wenn sie noch einen Grasbüschel fmcken, über den sie sich wie Tiere Herrnachten. Ich habe nie gräßlicheres Elend gesehen. Aber das Elend in Warschau ist doch noch gräßlicher als alles andere, was ich sah. Suche ich nach Gründen, weshalb ich es so empfinde, so lautet., die Antwort: weil das Elend in Warschau überhaupt hoffnungslos ist. Das Elend der armenischen Flüchtlinge konnte man 'doch ein wenig lindern. Dem Elend jener türkischen Gefangenen. bei Adrianopel würde gar bald der Tod ein Ende machen. .Ader deM Elend in Warschau setzt weder Tod noch Zeit eine Schlanke. Für ganze Generationen von Menschen wird es Äler Voraussicht nach unabänderlich, unabwendbar dasselbe sein und Bleiben. . . . Ach kam nicht von Europa her nach Warschau, sondern aus Rußland. Ach war vorher in Petersburg, Moskau, Kiew und Kischinew gewesen, der Typus des Ghettojuden war mir also durchaus nicht mehr neu oder fremd. Und hoch verblüffte mich, bas Warschauer Elend über alle Zugriffe. Man stelle sich eine moderne GroUtadt vor. in der man nicht zehn Schritte gehen kann, nirgends, weder in der Peripherie noch im Zentrum der Stadt, weder nach 'Norden noch nach Süden, nach Osten oder nach Westen, bieder diesseits der Weichsel noch jenseits, ohne unausgesetzt auf junge und alle Männer im langen Kaftan zu stoßt«, die, das. Gesicht leichenfarben, die Augen wie verglimmende Kohlen, wie wilde Tiere im Käfig rasllos wegauf, wegab rennen, um irgendwo zehn Kopeken zu verdienen, um davon einen alten Hering und altes Brot zu erstehen, damit Frau und Kinder und Geschwister etwas zu essen haben. Es sind Tausende, die nichts anderes tun, und überall in Warschau rennen sie an einem vorbei. Bald hat man das Gefühl, sie laufen gar nicht mehr hinter den zehn Kopeken her, denn nur ein kleiner Bruchteil von den Tausenden kann sie ja wirllich' erjagen, sie laufen vor der Verzweiflung fort, die ihnen auf den Fersen sitzt. Einen Augenblick Rast und die Verzweiflung erwürgt sie. Also immer, immer weiter. Rennen, rennen! Und schließlich glaubt man, dies Rennen ist Selbstzweck geworden, sinnlos wie die Bewegung von Irrenhäuslern. Es dauerte zwei Tage, bis ich imstande war. auch anderes zu sehen. Ich sah, wie hier und da einer aus der rastlosen Schar mich für eine Sekunde mit einem irren Blick aus beiden Augen vom Kopf bis zu den Füßen Maß. Er erLinnte in mir den Fremden. Für einen Augenblick blitzte wohl in seinem Gehirn die Hoffnung auf, bei mir könne er sich irgendwie geljm Kopeken verdienen. Aber schon rannte er wieder weiter. Merkwürdig, ich bin nie von einem dieser Menschen angebettelt Worden. Sie wolltenzehn Kopeken verdienen, ein Geschäft machen, aber sie wollten nicht betteln. Ach sah dann auch die vielen kränllichen. verwMrlosten Kinder auf den Straßen, und die vielen elenden Weiber, die wie Lasttiere sich mühsam vorwärts schleppten und bettelten. Aber ich sich auch, wie das alles auf niemanden außer auf mich noch einen besonderen Eindruck zu machen schien, wie sich Warschau langst .an einen solchen Anblick gewöhnt Halle. So „te&t" das große jüdische Proletariat in Warschau, und überall in den Städten des Ansiedlnngsgebietes sieht es ähnlich aus. An den polnischen Städten aber ist. es am schlimmsten, denn hier gab es mich früher schon ein beträchtliches judisc^s Proletariat,' das nun sell 25 Jahren durch die Andenvertreibung aus Rußland ständig vermehrt wird. Man denke nur an alle die jüdischen Handwerker, die das Gesetz brotlos machte, indem! es ihnen das Wohnrecht in Rußland entzog.' Man dercke ari alle die lleineren Händler, Krämer und Kansleute, die aus Rußland Vertrieben wurden. In den altpolnischen Städten wurden sie alle zusamMengepreßt wie Heringe in einer Drnne. £UaUjUtQFnui1iAirt a. M.,Tilerliohe Guu 81. d. ITMMIgMM. Siud jüd. Kultnsbeamte im Sinne des KriegsgefetzeS als Geistliche anzniehen? Diese hochaktuelle, brennende Tagesfrage bedarf der schleunigsten Beantwortung seitens der zuständigen militärischen Behörden. Meines Erachtens sind alle reichsangehörigen jüdischen Kultusbeamten, soweit ihre Tätigkeit eine kultnelle oder seelsorgerische ist (Borbeter, Schächter und Prediger), ebenso als unabkömmliche Beamte zu behandeln wie etwa die kath. oder prot. Geistlichen. Welcher unermeßliche relig. Schaden kann in den jüd. Gemeinden entstehen, wenn (besonders auf dem Lande) die Beschaffnung des ritualmäßigen Fleisches unmöglich gemacht wird oder wenn unsere Synagogen aus Mangel an Leitern des Gottesdienstes geschlossen werden müßten. So opferbereit auch die jüd. Religionslehrerschaft des gesamten Deutschen Reiches ist, so bürste doch der jüd. Grundsatz: „Dino bemalchuso dino" („Der Dienst für das Vaterland verpflichtet) gerade im vorliegenden Falle eine gewisse Einschränkung erfahren. Ein älterer Kollege erzählte mir, daß 1870/71 die jüd. Knltusbeamten nicht einrücken mußten. Ob aber das Kriegsgesetz, bezw. irgend welche militärbehördliche Entschließung der Nichteinberufung zu Grunde lag, darüber dürften sich wohl die meisten Beteiligten — sowohl Gemeinden als Beamte — völlig im Unklaren sein. Es ergeht daher meine Bitte an alle Rabbiner und Gemeindeverbände, dafür Sorge zu tragen, baß auf Grund eines etwa bestehenden Gesetzes oder einer neu zu erlassenden militärischen Verfügung schleunig st alle jüd. Knltusbeamten von ihrer Einrückungspflicht befreit werden. Die Stunde.drängt. Noch ist der größte Teil der jüd. Knltusbeamten nicht ins Feld gezogen. In Bayern dürfte der „Landesverein" bezw. die Rabbinerkonferenz die maßgebende Stelle sein, die beim obersten bayerischen Militärkommando hierüber unverzüglich vorstellig werden sollte. Eventuell könnten die einzelnen Distriktsrabbiner selbstständig bei den (einzelnen) Bizirkskommandos den entsprechenden Antrag stellen. H. Translateur, Lehrer, Miltenberg a. M. Cafe KaSsepgapten . am Opernplatz Erstklassiges ITamilien-Cafö — ■' - - Nachmittags Konzerte. — Fr« Hanselmann, Besitzet. Aus aller Wett. Deutsches Reich. Berlin. Der Voranschlag für 1914 der vor vier Jahren gegründeten Deutschen Zentralstelle für jüd. Wanderarmenfürsorge - balanziert mit 29130 Jk 300 Jk sieht er als Beihilfe in außerordentlichen Fällen für Wanderarme nsw. vor, 11330 JL als Zuschüsse an Bedürftige Provinzralkassen, 9000 Jk Schenkung und Abfertigung an der Grenze und 8500 Jk für Berwaltungsünkosten. Seitens der Provinzial- und Landeskassen zuzüglich der Orte Berlin, Frankfurt und Hamburg sind im Rechjahre 173 861 Jk für die Unterstützung Durchreisender aufgewendet worden. In der vor einiger Zeit stattgehabten ordentlichen Mitgliederversammlung wurde u. a. folgende Resolution gefaßt: 1. Die Versammlung anerkennt in Dankbarkeit die Verdienste der Berliner Zentralstelle um die Wanderarmen- Organisation, erachtet indessen deren sofortigen weiteren Ausbau, namentlich die Gewinnung der noch ausstehenden süddeutschen Bezirke mit Provinzialkassen bezw. Landeskassen in München, Würzburg, Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim, Straßburg i. E. für notwendig. 2. Der D.-J. G.-B. und die Großloge sollen ersucht werden, die Vorstände der ihnen angeschlossenen Gemeinden und Logen die Errichtung dieser und anderer Provinzialkassen als unaufhaltbar notwendig zu empfehlen. 3. Neben der persönlichen Propaganda soll durch Massenverbreitung populärer Schriften, Verständnis und Interesse für die Wanderarmenorganisation geweckt werden. 4. Zwecks Ermöglichung des dringend nötigen und allseitig gewünschten Anschlusses von Frankfurt a. M. und den ihm angegliederten Vereinen an die Organisation der Zentrale soll auf die langjährig bewährte Selbstständigkeit und die lokalen Interessen jener Organisation Mch Möglichkeit Rücksicht genommen werden. Der Vorstand wird ersucht, diesbezügliche Verhandlungen zu führen. Hamburg. Interessante Zahlen gibt der Beruht des Jsr. Untcrstützungsvereins für Obdachlose. In den Jahren 1912/13 wurden in den Auswandererhallen an 59 969 Personen 274464 Portionen Mittagessen aus der rituellen Küche verabfolgt. Im Daniel Wormser-Haus erhielten in den Jahren 1912 und 1913 4401 Personen 10 709 Mal Nachtlager, außerdem wurden 12 373 Portionen warmes Frühstück und 17153 Portionen Mittagessen und 16999 Portionen Abendessen verabfolgt. Bekleidung erhielten in den Auswandererhallen 4910 Personen und im Daniel Wormser-Haus 5310 Personen, wovon etwa^die Hälfte in Hamburg ansässig war. Außerdem wurden im Daniel Wormser-Hans an 1951 Personen Bäder verabreicht und 2366 Personen erhielten Reiseunterstützüngen und schließlich' wurden aus dem Baronin Hirsch- Krankenfonbs 81 Personen 108 Tage im jüdischen Krankenhaus verpflegt. Natürlich erfordert eine derartige reiche soziale Tätigkeit des Vereins auch! entsprechend hohe Ausgaben und so verursachte das Daniel Wormser-Haus in Nr. .31. de« beiden Berichtsjahren eine Ausgabe von 23555 Jk, während die Unkosten in den Auswandererhallen sich auf 5856 Jk beliefen. Für die Aufsicht auf den Schiffen wurden 10 702 Jk verausgabt und für Reiseunterstützungen und Zehrgeld 8124 Jk Kol«, Das Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds, Pezejchnct Justizrat Dr. Bodenheimer, erläßt den folgenden >- Aufrus: „Infolge der kriegerischen Ereignisse haben wir uns veranlaßt gesehen, die russische Abteilung und einen Teil des Hauptbureaus nach dem Haag zu verlegen, wo sie unter Aufsicht des Herrn Jakobus H. Kann weiter arbeiten werden. Geldsendungen und Korrespondenzen aus Rußland sind daher nicht mehr wie bisher an die Adresse des Unterzeichneten, sondern an Herrn Jakobus H. K ann in Fi rinnLissa L Kann, Haag (Holland) zu richten. Die allgemeinen Arbeiten des Hauptbureaus erfolgen nach wie vor unter Leitung des Unterzeichneten in' Köln. Gelder, die bei unseren Landessammelstellen in allen Ländern eingehen, sind wie bisher an den Jewish Colonial Trust, London E. G. zu schicken. Wir bitten unsere Bertrauensmämier in der ganzen Welt dringend, ihre Sammeltätigkeit für unseren Fonds überall, wo dies Möglich! ist, energisch, fortzusetzen. In denjenigen Ländern, die in den Krieg nicht verwickelt sind, werden unsere Vertrauensmänner, wie wir zuversichtlich erwarten, mit verdoppelter Kraft die Arbeiten fortsetzen und die Eingänge vermehren. Sie werden sich vor Augen halten, daß von ihrer Tätigkeit nicht nur die Aufrechterhaltung des bereits Bestehenden und die Existenz von Hunderten unserer Brüder in Palästina abhängt, sondern' die Fortsetzung unserer ganzen Arbeit." : Lolberg. Das 40jährige Bestehen besonders festlich zu begehen, war für die Verwaltung des Jüd. Kurhospital von selbst gegeben. So fand denn ein feierlicher Festgottesdienst statt mit Rabbiner Dr. Baron als Festredner- und später im herrlichen Festsaale des Strandredner- und später im herrlichen Festsaale des Strandschlosses ein Konzert hervorragender Künstler zum Besten oer Anstalt. Der Krieg ««- die deutsche» Juden. Frankfurt a. M. Die i s r a e l i t. Gemeinde hat der Militärverwaltung in dem erst vor kurzem eröffneten Gemeindekrankenhaus in der Gagernstraße fünfzig Betten zur Verfügung gestellt, sowie ferner den Garten des Krankenhauses für die. Aufstellung von zwei Döckerschen Baracken. Die Israelit. Religionsgesellschaft hat für, Lazarett- und Quartierzwecke die Räume ihrer ehemaligen Synagoge in der Schützenstraße und den anschließenden Hörsaal zur Verfügung gestellt. Frankfurt a. SR-, 4. August Der größte Trauertag der Jndenheit, der Tag der Zerstörung Jerusalems und damit der Vernichtung des jüdischen Reiches, gab der Israelit. Relrgionsgesellschaft Veranlassung, beim Abendgottesbienste der so ernsten Stunde des deutschen Vaterlandes zu gedenken. Rabbinatsassessor Posen sprach in eindrucksvollen Worten; auf unserer Seite stehe die Gerechtigkeit, aus der Seite der Feinde der unersättliche Machthunger; wir Deutschen können zum Vater im Himmel die Hände rein erheben. Einen Tag später, Montag, veranstaltete die Israel. Gemeinde in ihren Synagogen gleichfalls feierliche Gottesdienste. Dste Synagogen waren überfüllt. Wahrhaft erschütternd war es in der Börneplatz-Synagoge, als das große Sündenbekenntnis gesagt wurde. Frankfurt a. M., ü. Aug. Auf Befehl deL Kaisers fanden heute in allen Gvtteshäusern unseres deutschen Vaterlandes Bittgottesdienste statt. Wie überall, so - waren auch hier in Frankfurt die Synagogen überfüllt. Eine weihevolle Stimmung, Gottvertrauen und ruhige Zuversicht herrschten unter der Masse der Beter. Frankfurt a. M Frau Estella Rothschild Wwe., die deu Krieg 1870/71 als Samariterin mitmachte und sich das Eiserne Kreuz erwarb, hat sich wieder für den Samariterdienst gemeldet. Offenbach. Dle jüd. Gemeinde hat ihre im Rohbau ferttge Synagoge dem Roten Kreuz zur Verfügung gestellt. München. Die jüd. Gemeinde hat als erste Gade zum Roten Kreuz 3000 Mk. gespendet. Persoualie« «. Kleine Mitteiluuge«. Hamvnra. Frau Karoline Rosenberg, früh« ein tätiges Mitglied der Chewra Kadischa, feierte den 99. Geburtstag. Hilbringen (Bez. Trier). Sämtliche fiebenSöhne der Witwe Ludwig Salomon haben gedient, müssen also jetzt in den Krieg. Wronke. Hermann Schani, Mitglied des Vorstandes der Chewra Kadischa, ist — 88 Jahre alt —- verschieden. Liffa. Ein räuberischer Ueberfall wurde auf dem Wege von hier nach Schmiegel auf den Geflügelhändler Tiet von hier verübt. Als nachts dieser sich mit seinem Sohne auf dem Wagen befand, fielen zwei Leute plötzlich mit vorhaltenem Revolver den Pferden in die Zügel und riefen: „Juden, Hände hoch, oder wir schießen!" Tiet glaubte, daß sich Bekannte einen Scherz erlaubten; er rief: ,P)as wollen Sie eigentlich?" und wollte die Zügel ergreifen, um weiterzufahren. In demselben Almenblicke krachte ein Schuß, der Tiet in die Hand traf. Rur dem Umstande, daß Tiet schnell weiterfuhr,'ist es zu danken, daß nicht noch weitere Schüsse trafen. Die Kugel hat sich Tiet vom Arzte entfernen lassen. SU. Pa, Juli fei ral Bl 22. Art Damba, Offizier gue v, Rittern Schml Marc- Chefs i Chaussel Erste Hanta Ti Spei Hist« Zu der Zel dein ui gene Ji verfertig teten K und err mit M Emblem! Gesangei die Arbc antriebei Fortschri Biel um Las Arbeiten Eine gi eines G anznlegei und Fü> Gesängen um jede standen > ihnen. So t'gung d Werke ii Als lriel de ein Boi mb ffal mein A ilter Skl jUMachen feil entt Ae Auf oar diese lewendet. Ein ibcrzeugt en Strei in Pfei fand gri iusen ti cschehcn. cr mißh nd kaui >it einer «nt Peil r zu Bi hastlich Selbs escm be sneeweiß chmutz i >rch ein Dach, preßt, glückt II «Wer ichwichti „Neil gerührt' »es Bes „Urie rib »»{