Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 30 (31.7.1914)
- Date
- 1914-07-31
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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*cäö. Seite 4. ÜBtfll UmvbI Ecankfiirta. äGrosse Friedbergerstr. 16-20 . IIUlCl DlBACl, Stassenbahnlinie 10 und 15 bis vors Hans. Altrenommiertes Hans im Zentrum der Stadt. — Moderner Komfort. — 110 Zimmer mit 160 Betten zu Mk. 2.50, 3.00 und 3.50, garniertes Frühstück eingerechnet. Besitzer: Gustav Thiamem Einatmen des heißen, trockenen Staubes, aber er führt kein Blut nnd Lin Feuer mit sich." „Die Beschaffenheit des kommenden WindUanches kenne ich nicht," sagte Uriel gelaffcn, „aber daß er kommen wird, ist so sicher, wie die Sterne unbekümmert die Bahnen wandeln müssen, die unser Gott ihnen voZgezeichnet hat. Darum, König, fliehe mit Deinem Lager, solange es noch Zeit ist!" Der Jüngling sprach diese Worte, als wären sie «ne göttliche Offenbarung, sodaß die Zuhörer, halb verzagt, von einer unerMrlichcn Angst befallen wurden. Sancherib faßte sich, zuerst nnd sprach: „Hat der Prophet noch mHst über mich ausgesägt?" „Jawohl. Er sagte, daß unser Gott einen Ring durch Deine Nase ziehen und einen Zügel zwischen Deine Lippen legen wird, daß er Dich zwingen wird, den Weg in Schmach und Schande zurückzulegen, den Du gekommen bist." ' „Das mir!" rief Sancherib, voller Wut aufspringend, daß- Uriel unwillkürlich einen Schritt zurückwich- „Bin ich denn ein erbärmlicher Sklave oder eine wllde Bestie, daß er mir Ring und Zügel anlegen will? Wer wagt es, mich so zu verhöhnen nrch zu verspotten?" „Ich habe nur nach Deinem BefkM gesprochen, und ich 'habe Dir nur das berichtet, was ich vernommen, uni Dich zu warnen." „Bei Aschur! Dieser Lügen-Prophet soll seine Kühnheit büßen!" wütete der Assyrer. „Ich werde ihn aus seiner Fttsenhöhle zerren, und er soll den Pest- Hauch eines glühenden Schmelzofens verspüren, der wirksamer sein wir als der, den er mir im Traume angedroht hat! Nicht ich, sondern König Chiskija soll einen Ring vn seiner Nase, das schmachvolle Wzeichen eines Sklaven, tragen und neben meinem Staatswagen bis nach Ninive herlanfeu! Was aber Euren schwächlichen Gott anbelangt, ich verachte und verfluche chn, und seinen Tempel werde ich dem Erdboden gleichmachen!" Uriel hatte bei diesen gräßlichen Worten beide Hände aus die Ohren gelegt. Auch der assyrische Priester konnte seinen Mißmut nicht verbergen und ver- -suchte, den König durch ein eigenartiges Mittel zu beschwichtigen. „Ich bin froh," sprach, er, „daß ich den König wiü»er als Mann, als Herrscher sche, der ungeziemende Worte nicht ruhig und schwächlich hinnimmt. Dennoch bitte ich Dich, mächttger König, selbst im Zorn auch nicht den geringsten der Götter zu beleidigen,, weil auch ein solcher genügende Macht besitzt, um den Sterblichen zu bestrafeu Ich bitte aber auch um, Nachsicht für diesen Knaben, der nur auf Deinen ausdrücklichen Befehl diese Worte gesprochen Hat, und, wie ich meine, auch in guter Absicht, um Dich zu tparnen.".. * „Gegen den.Knaben hege ich keinen Groll und will ihm auch kein Leid zufügen lassen," versicherte Sancherib, bemitzt, sich selbst zu mäßigen. Er ließ sich wieder auf seinen Sessel nieder und fuhr fort: „Nein, ich zürne Dir nicht, Jude, und bin Dir Wohlgesinnt, und, wenn Du mir ergeben blechst, will ich Dich auch reich belohnen." „Reich bttohnen willst Du den gefangenen Juden!" rief Tiglassi-Nin, der wieder ganz assyrffcher Priester war und den Juden haßte. „Jawohl, und cs ist mein ausdrücklicher Wille, daß er mir beständig zur Sette bleibt, über nicht als Sklave, sondern als lieblicher Sänger, als Freund, und später vielleicht auch als Ratgeber, der kühn genug ist, die Wahrheit zu sagen, auch da, wo chm Gefahr droht. Uriel, willst Du mir treu bleiben, als Entschädigung für das Wohlwollen, das ich für Dich - hege und für das Gute, das ich Dir noch erweisen werde?" „Du erweisest zu viel Güte und Gnade einem Gefangenen," erwiderte Uriel Jjefwnmert. „Nimm ihn mit Dir," wendete sich Sancherib zu dem Priester, ohne des Jünglings Einwand Wetter zu beachten. „Trage auch, für' sein Aeußeres Sorge, daß f “ N. ROSENAU Englische Herren - Schneiderei lO.OoeUieatnuatt IO. .. gAwihmii '-ATmfBtaimg. . Massige Preise. ffttmJfurter ZpMWHeL gNiißettSWt er würdig erscheint, mich auf meiner Fahrt' durch das Lager zu begletten." Der schlaue Priester merkte, daß der gefangene Jüngling den Weg zu Sancheribs Herzen gefunden hatte, der es liebte, sich von plötzlichen Engebungen leiten zu lassen; er wußte auch, daß alle Einwendungen, von welcher Seite diese auch kommen mochten, erfolglos bleiben würden. Dennoch schien ihm die ganze Sache so ungeheuer, so befremdlich, daß er trotzdem Mut faßte, um noch ein warnendes Wort laut werden zu lassen. „Mächtiger Herrscher der Erde, gestatte mir, zu bemerken, in dieser Sache nicht allzu schnell zu handeln. Warte wenigstens, bis der Jude seine Treue zu Dir bewiesen 5}flt" „Ich habe gesprochen," 'erwiderte Sancherib kurz, mit einer Betonung, die keinen Widerspruch duldete. Als der König wieder allein war, schlug er an ein kupfernes Becken, um durch dessen Ton die Diener herbeizurufen, die ihn badeten und salbten und für die Fahrt1 ankleideten. Als er fertig war, betrachtete er sein Gesicht in einer feinpolierten Silberplatte, die ihm als Spiegel diente. In der Gegenwart des Königs mußte Tiglassi-Nin seinen Unmut über den neuen Günstling unterdrücke»; jetzt aber, mtt dem letzteren allein in einem Nebenzelt, sprach er seinen Unwillen offen aus. „Der König hat an Deinem Gesang und an Deiner Person Wohlgefallen gefunden; auch mtt Deiner Rede ist er zufrieden, und er wird Dir gewogen bleiben. Aber vergiß nicht, wenn auch er Dir verttaut und nur Unschuld und Treue in Deinen Augen sieht, so werden andere Dich scharf bewachen. Du bist ein Fremder und ein Jude, und wir wissen nicht, zu welchem Zwecke Du Dich in der Nähe des Lagers herumtriebest; so oft Du in der Nähe des Königs, wellen wirst, werden scharfe und schlaflose Augen jede Deiner Bewegungen bewachen, und in dem Augenblick, da Du Deine Hand zu einer Untreue erhebst, wird ein Dolch, Pfeil oder Schwert Dein Herz durchbohren. Du bist jetzt gewarnt und weißt, was Dir bevorsteht." Uriel erschauerte innerlich, und auch sein Gesicht wurde krechebleich. Nicht etwa der Gefahren wegen, die ihm allenthalben auflauerten, sondern über die Unmöglichkeit, sein Vorhaben ausführen zu können gegen einen König, der sich gegen ihn so gnädig und wohlwollend zeigte. Das Gemach, in. dem er sich jetzt befand, das ihm als Wohnraum dienen sollle, so lange er sich der Gunst Sancheribs erfreuen durfte, war mit orientalischer Pracht und Kostbarkeit ausgestattet. Es befand sich ganz in der Nähe des königlichen Zeltes. Uriel aber bettachtete es Mtt Gleichgülttgkett und schien es auch kaum zu merken, daß ihm die goldstrotzenden Kleider eines assyrischen Edelmannes angelegt wurden. Ihm schien alles ein Traum, auch dann noch, als einige Diener ihm ein opulentes Mahl von der königlichen Tafel vorsetzten, ' von dem er aber keinen Bissen genießen wollte, wenn er sich nicht einer Ueberttetung der religiösen Vorschriften schuldig machen sollte. Bisher war ihm ja alles gelungen. Er Hütte jetzt zu jeder Zeit freien Zuttttt zum König und konnte leicht eine Gelegenheit finden, seine Absicht auszuführen. Dennoch schien es ihm wett schwieriger als vorher geworden. zu sein. Er Hütte erwartet, einen grimmigen, grausamen Tyrannen zu finden, den er schon bei dem ersten Anblick hassen und verachten wollte, dessen Schandtaten ihm, Uriel, den Arm stärken und die Ausführung des Vorhabens rechtferttgen werden. Statt dessen aber hatte er einen Menschen gefunden, der ihn mit Gunst überhäufte und seine Freundschaft wünschte. Freilich war Sancherib ein arger Gotteslästerer, der die Todesstrafe, reichlich verdiente; aber sündigte er denn nicht aus Unwissenheit? Er war ein stolzer Welleneroberer, von allen umschmeichelt und gefürchtet, mußte er sich da nicht wie ein Gott Vorkommen? ‘ Uttels Herz wurde schwer, und seine Seele war ttef bekümmett. „Dennoch," ttef es laut in sttneM Innern,' „wenn ich chm auch zu Dank verpflichtet bin, so darf ich, meines Kolkes wegen, meinen Plan nicht aufgeben! Ach, wenn ich chm doch im offene» Kampfe entgegentteten dürste!" Der Sklave. Uttel wurde bald zum König befohlen, der zur. Ausfahrt fertig war. Jede Spür von Mißstimmung war aus seinen Mienen verschwunden, und er be- Hobert GrerlAoli I Frankfurt am Main, Mainzerlandetraeee 166.1 Telephon-Amt I, 5375. ■ Kunstu.Bauschloaserei, Eisen-Konstruktionen, Schau- ■ fenster-Anlagen.Werkstattfflrkunstge'werblicheMetall-1 arbeiten in Eisen, Bronce, Messing, Reparaturarbeiten. > grüßte den liebgewonnenen Jüngling mit einem freundlichen Lächeln. „Die bösen Geister sind gebannt," sagte er. „Db nun die Opfer für Aschur mir die Erlösung verschafften, oder ob der Zorn gegen Mttnen König und gegen Deinen Propheten mein träges Blut in Wallung gebracht hat, ich weiß es nicht. Aber ich fürchte mich nicht mehr, und größer als je ist bei mir das Verlangen, Chiskija, den Juden, und Sethos, den Aegypter, bis in den Staub zu demüttgen. Ich habe es mir geschworen, Dein Land zu unterwerfen, doch Dich, Uttel, will ich tausendfach entschädigen, weil Du Wohlgefallen gefunden hast in mttnen Augen. Ist erst der Feldzug beendet, dann sollst Du mir nach Ninive folgen, wo Du der Nächste meinem Throne sein wirst." „Nicht doch, o König!" bat Uriel. „Lieber will ich Dir dorthin als Sllave folgen, wenn Du nur Mein Vaterland verschonen willst." Sancherib bettachtete den Jüngling fast zärtlich und sprach: „Gerade durch Deinen Geist und Mut liebe ich Dich noch mehr. Ich wäre froh. Hätte ich Söhne, die Dir gleichen! Zage nicht, Uttel, Du wirst es bald lernen, zu vergessen, daß Du ein Jude bist, um Dich im Besitze meiner Gunst zu freuen." Uriel wandte sich ab, um das Lächeln des Königs nicht zu sehen, und er erwiderte ernst: „Nie werde ich vergessen, daß ich ein Sohn Judas bin, oder daß der Gott Israels mein Gott ist! Menschengunst! Wer weiß es, ob die Deinige auch nur ein Jahr überdauern wird! Ich kann nie ein Assyrer werden; ja, ich würde dadurch bald Deinen ganzen * Zorn wachrufen."! 1; [; „Dessen brauchst Du nicht zu fürchten. Jch"häbe mir doch bereits von Dir Worte sagen lassen, die kein Assyrer^ selbst der Höchste nicht, gewagt hätte. Doch jetzt komm, ich will Dir zeigen, wie groß meine Macht iD"^ Das ganze Lager war empött, den jüdischen Gefangenen im Wagen neben dem König zu sehen. Die weißen lybischen Rosse wurden von Nebo, dem Rosselenker des Königs, gezügelt, und nur Uttel allein stand hinter dem Sessel des Königs, das seidene Schirmdach über Sancheribs Haupt haltend. Alle Lunten es sehen, daß der König sich oft zu dem Jüngling wendete, mit dem er freundlich sprach, und'' alle waren sie außer sich, daß einem Juden solche Ehren erwiesen wurden; aber keiner wagte es, seinen Unmut laut werden zu lassen. Sie schwiegen auch beruhigt, da eine größere Reiter-Abteilung dem Wagen folgte, die den jüdischen Jüngling scharf beobachtete. Sancherib merkte es, und er war ftoh darüber. . Berauscht durch Uttels lieblichen Gesang, entzückt von dessen Schönheit, Mut und Offenherzigkell, vergaß er doch keinen Augenblick, daß Uttel einer verachteten, unterdrückten Rasse angehörte, der bei allem Werttauen doch erst noch erprobt werden mußte. Als sie die Runde im weithin sich dehnenden Lager machten, wo die Legionen in langen Reihen zur Musterung aufgestellt waren, sah Uttel, wie alle, Gemeine und Hauptleute, beim Herannahen des Königs auf ihr Angesicht niederfielen, um sich erst wieder aufzurichten, als der königliche Wagen berttts vorüber war, während die Rttterscharen sich ttef niederbeugten, sodaß sie die Mähnen ihrer Pferde berühtten. „Siehst Du, wie alle mich ehren," sprach der König befriedigt. „Selbst die Stolzesten und Vornehmsten sind nur wie Staub unter Meinen Füßen." „Wersen sie sich auch zur Erde nieder, wenn Du auf dem Schlachtfelde erscheinst?" fragte Uttel. „Nein. Auf dem Schlachtfelde bin ich nur ein Ktteger. wie sie alle." An einem entfernten Punkte, wo viele Söldlinge aufmarschiert waren, ließ Sancherib halten, um einige Wotte zu ihnen zu reden. H „Entbiete allen im Lager meinen königlichen Gruß," befahl er einem der Hauptleute. „Lasse alle mttne- Ktteger wissen, daß mein Mißmut wieder von Mir gewichen ist, daß ich mich wieder Meines Lebens M Dittnüi Hai. v. KM I Sohll/enatr. 18m Telephon I, 8630. fl Seifen, Lichte, Kammnnd Bfirstenwaren, fl Besen etc. Cosmetlsche SpeziaUtäten. ■