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Neue jüdische Presse · 1914-07-25 · Heft 29 (25.7.1914) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 29 (25.7.1914)
Date
1914-07-25
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. Idee — und unter ihnen namentlich auch Kommerzienrat Louis Feist s. A. — niemals gewollt und ausgesprochen. Nachdem.einmal von vornherein zur Ausübung dieser Vorherrschaft ein besonderes Organ in dem Rat der Thoragelehrten geschaffen wurde — das ist schon bei bin ersten Vorbesprechungen in Homburg geschehen —, darf dieser Rat nicht zu einem bloßen Dekorationsstück werden. Me Thora soll nicht im Winkel liegen bleiben, die Vertreter der Halachäh nicht in ihre vier Ecken gebannt werden; nein, nritschaffend und mitverantworllich sollen.sie bei allen Unternehmungen der Agudoh Mitwirken, und sie müssen darum berechtigt sein, alle Fragen vor ihr Forum zu ziehen und in allen Angelegenheiten ihr Urtell abzugeben, die den Din, die Halachah angehen. Wer, wie es in den letzten Wochen von verschiedenen Seiten des öfteren geschehen ist, die Behauptung aufstellt, diese Stellung des Rabb. Rates komme erst in dem polnischen Statutenentwnrf — im Gegensatz zu dem ersten Entwurf des Komitees — zum richtigen Ausdruck, irrt. Denn, er weiß nicht zu unterscheiden zwischen einer Laren, prägnanten Ausdrucksweise und einer weitschweifigen, alles sagenwollenden und darum unklaren Kasuistik. Das Prov. Komitee war immer bereit, dem Rabb. Rat jederzeit den ihm gebührenden Einfluß einzuräumen. Es wäre übrigens sehr verhängnisvoll, dem Glauben Nahrung geben zu wollen — wie das unlängst in dieser Zeitung geschehen ist —, als ob nur der dort angeführte engbegrenzte Kreis von Fragen den Din berühre. Auf dieser Falschmeinung beruht ja zum'großen Tell das Unglück des modernen gesetzestreuen Judentums'; sie hat in allererster Reche zu seiner Konfessionalisierung beigetragen, sie hat verschuldet, daß die Stellung der Talmide-ChachoMim entwertet worden ist. Zn welcher Weise aber soll der Thorarat — diesen Namen möchten wir an Stelle des etwas Üerikal Singenden Rabbinischen oder Rabbiner- Rats in Vorschlag bringen — seine Funktionen ausüben können, da doch seine Mitglieder über die halbe Well zerstreut wohnen? Dies wird wohl schwerlich in anderer Form möglich sein als der, die ebenfalls schon zu Beginn her Bewegung vor zwei Jahren vom Prov. Komitee beschlossen wurde: dem Thorarat werden iM geschästsführenden Ausschuß — dem eigentlichen Arbeitszentrum der Agiüwh.— und im Zentralkomitee einige Sitze eingeräumt. Gegen eine derartige Bestimmung wird wohl in der Theorie nichts einzüwenden sein. Aber in der Praxis! Die Anordnung hat doch nur dann Sinn, wenn am Sitze der Agudoh Mindestens .ein arbeitsfähiges und arbeitswilliges Mitglied des Thorarates wohnt, ein Mitglied, das das Vertrauen seiner Kollegen im Thorarat wie im Komitee in weitestem Maße genießt, das die Intentionen beider Gremien kennt und wechselseitig zu vertreten imstande ist, und das nicht nur regelmäßig an den Sitzungen teilnimmt, sondern auch an den laufenden Arbeiten Tag für Tag sich beteiligt, bannt es überhaupt Einblick in die Geschäfte gewinnt. Die von dem polnischen Entwurf vorgeschlagene Zdee, die Vertretung deD Rabb. Rates im Geschastsführenden Ausschuß in monallichem.Turnus durch je ein anderes Mitglied vornehmen zu lassen, ist pricktisch undurchführbar und wertlos, aber sie zeigt den Weg, der zu betreten ist, um ein fruchtbringendes und ersprießliches Zusammenarbeiten des Komitees und Rabb. Rates in der Zukunft zu gewährleisten. Wer die Weltfremdheit der Thoragelehrten! Nun, die ist ein .Märchen. Schreiber dieses hat im Laufe der Jahre hinreichend Fühlung mit.Thoragelehrten aus dem Osten geh<ttt, chassidischen wie misnagdischen, um zu einem Urteil berechtigt zu sein. Das sind keineswegs zelotische Eiferer, die auf der Kanzel stehen, um von da aus auf jeden, der nicht voll und ganz zu ihrer Fahne, schwört, einen Bannstrahl zu schleudern. Oder die jeden, der in irgend einer religiösen oder religiöspolitischen Frage eine eigene Meinung zu haben wagt, verketzern. Gerade unter ihnen finden sich BLänner, die in tief ernstester Frömmigkeit mit .sich selbst sehr strenge zu Gericht gehen und die denkbar größten Entbehrungen sich auferlegen und dennoch — nein deswegen f— das abweichende Denken und das Tun gut jüdischer Männer in denkbar müdester Weise verzeihend beurteilen. Haben wir doch Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nr. 29. wiederholt von iMzannern aus diesen Kreisen die Behauptung, aufftellen hören, kaum einer der Großen des Ostens werde in der Agudoh aus politischen Gründen für Exklusivmaßregeln gegen andere Jeröim zu haben sein. Denn diese angeblich weltftemden Herren kennen eben die Not der Zeit und ihre Gebresten sehr wohl. Sie stimmen wohl ausnahmslos der Ansicht zu, der ihr Senior, der ehrwürdige R. David Friedmmrn, einmal Ausdruck gegeben hat, als er sagte, die Agudoh sei nicht bestimmt zu trennen, sondern nur zu einen. Zn der Hand solcher Männer darf man die Mitverantwortung für die Geschicke der Agudoh Wohl legen, sie werden in ihrer Gesamtheit nie versuchen, über Dinge zu urteilen, .deren Verständnis ihnen fernliegt. Lasse man sie nur erst gewähren, und dränge man nicht, daß man auf einmal all die schwierigen Fragen, die seit Jahren drückend auf dem traditionellen Judentum des Ostens liegen, im Handumdrehen gelöst werden. Auf die Frage, wann eine Angelegenheit den Din derart berührt, daß der Thorarat einzugreifen und der Agudohleitung den einzuschlagenden Weg vorzuschreiben hat, läU sich in der Theorie keine Antwort geben. Praktisch aber wird sich die Sache leichter machen, als man in weiteren Kreisen zu glauben geneigt ist; denn heute schon, so darf man ruhig behaupten, herrscht zwischen dem Thorarat in seiner Gesamtheit und dem Prov. Komitee nicht ein Zustand des gegenseitigen Mißtrauens und der Verärgerung, als vielmehr der auf gegenseitigem Vertrauen beruhende Wunsch, in gemeinsamer Ärbell firr die gemeinsamen Ziele das Beste zu erreichen. Dieses Vertrauensverhältnis wird noch zunehmen, wenn einmal der Thorarat endgültig konstituiert sein wird und sich in direktem persönlichem Verkehr Mit dem Komitee praktisch an der Arbeit beteiligt; auf diese Mitarbeit, als wichtigsten Faktor zur Herstellung einer möglichst innigen Verbindung zwischen Thorarat und Komitee, ist, ganz im Gegensatz zu anders gearteten Meinungen, das größte Gewicht zu legen. Es wird überhaupt jedermann einleuchten: , würde zwischen den beiden obersten Behörden der Agudoh Mißtrauen obwalten, so würde selbst das beste Statut auch mit .den aüfs genaueste abgezirkelten Kompetenzen, beider Gremien wertlos sein. Wie man andererseits bei gegenseitigem Vertrauen und wechselseitiger, wohlmeinender Unterstützung auch mit dem denkbar schlechtesten und unbrauchbarsten Statut ohne jegliche Kompetenzfestsetzung Großes leisten kann. Bleibt als zweite Aufgabe der bevorstehenden Hauptversammlung die Schaffung einer alle Kreise der Orthodoxie zufriedenstellende Zusammensetzung der zukünftigen Leitung der Agudoh derart, daß alle Zereim, die guten Willens sind, sich ihr ohne Bedenken anschließxn können. Herr Dr. I. Breuer drückt in seinem Kommentar zum . neuen Statut' die Hoffnung aus, und ihm schließen sich Aeußerungen in einem ihm. geistesverwandten Platte an, als ob schon durch die bloße Existenz des in dem polnischen Statut vorgesehenen Wahlvorschlagsausschusses die sogenannten Gemeindeorthodoxen von der Beteiligung an der Agudoh abgeschrectt würden, und daß. somit auch die früher sogenannte .„ungarische" Frage gelöst fei. Merkwürdig nur, daß die scheinbaren Machthaber in der ungarischen Orthodoxie in diesem Punkte anderer Meinung sind und ihre Getreuen von der Beteiligung an der Agudoh abzuhalten versuchen. Das ist ja auch ganz klar, da die Ungarn für ihre Zwecke mit dem abschreckenden Popanz nichts anfangen können. Wenn wir dem. Wortführer der Budapester orthodoxen Landeskanzlei, dem bisherigen unentwegten Verteidiger ihrer Forderungen, Herrn Dr. I. Breuer.— der.eigens für die Verteidigung des ungarischen Verlangens die neue Theorie von den Sozial- und Jndividuellvrthodoxen -ausspintisiert hat — Glauben schenken dürfen, so wäre es eine Lebensftage fstr die ungarische Orthodoxie, daß durch das Statut der Agndas Jisroel, das heißt durch die organisierte.Gesamtorthodoxie vornehmlich zum Zwecke der politischen Verwendung gegenüber den Staatsbehörden des eigenen Landes der Grundsatz proklamiert werde: Nur die den besonderen orthodoxen Gemeinden angehörenden Juden können als orthodoxe Inden angesehen werden (mag ihre religiöse Lebensführung dieser Prätension noch so sehr widersprechen), die anderen sind es nicht (mögen sie auch tadellose Jersim. sein). Auch die kühnste Pilpulistik des Herrn Dr. I. Breuer vermag andererseits nicht mehr darüber hinwegzutauschen, daß sein.Väter, und er mit ihm, im gegebenen Moment die ehedem als Lebensftage für die ungarische Orthodoxie bezeichnete „ungarische" Forderung aufgegeben hat. Nach dieser Aenderung der politischen Taktik ist es demnach zu verstehen, daß.die Machthaber der ungarischen Landeskanzlei die Vorschläge, die ihnen Rabb. Breuer mundgerecht machen wollte, als eine Preisgabe ihres Standpunktes, als einen Verrat an ihrer Sache betrachten mußten, denn nun erkannten sie, daß sie nur eine Schachfigur in dem Spiel der Breuerschen Politik bildeten, und daß es ihrem vermeintlichen 'Vertreter in Deutschland lediglich darauf ankam, gewisse Personen in diesen! Lande von der Leitung der Agudoh fernzuhalten. Dabei sei bemerkt: selbst hei einem. Anschluß der Ungarn, deren Fehlen von vornherein das Kalkül des Herrn Dr. 'I. Breuer durchlöchert, bestünde für die Zurückweisung der „Gemeindeorthodoxen" nicht die geringste Befürchtung; denn, wie gute Kenner der ungarischen Baale-Battim. versichern, sind diese durchaus nicht für die Ausschlußpolitik begeistert: im Gegenteil! Es ist übrigens total abwegig, wenn jetzt von der einen Seite die Hoffnung, von der cnttferen die Befürchtung geäußert worden ist, Zweck, und Wirkung der in dem polnischen Entwurf eingesetzten WcchlvorschlagskoMMission würde die Fernhaltung der sogenannten Gemeinde-Orthodoxenaus der Leitung der Agudoh sein. Schon heute sitzen solche — und zwar entschiedene Gegner des unbedingten ten Austritts — in größerer Zahl im Provisorischen Komitee, und nach der.Hauptversammlung werden sie genau ebenso in der 'Leitung vertreten sein, und wenn wir noch das Glück hätten, Kommerzienrat Feist s. A. unter uns weilen M sehen, so wäre kein anderer wie er der Vorsitzende der Agudoh. Den Herren Breuer kommt es auch darauf gar nicht an. Wenn es nach ihrem Sinn geht, so sollen nur die Personen in Frankfurt — und nur in Frankfurt — getroffen werden, die nicht Mitglieder der Religions-Gesellschaft sind. Bettachtet man diese wahre Wsicht der Breuerschen Ungarnpolitik in Verbindung mit der Tatsache, daß lediglich in Frankfurt es gesetzlich zulässig ist, beiden Gemeinden anzugehören, während es im übrigen Deutschland und jn Ungarn unzulässig ist, so ergibt sich daraus zur Evidenz, was für einen Nonsens die ganze „ungarische" Forderung bedeutet hat, und was von ihrer inneren Wahrheit und der zu ihrer Unterstützung erfundenen rechtsphilosophischen Theorien des Herrn Dr. I. Breuer zu halten ist. Und darum halten wir den angegriffenen Paragraphen der Statuten ttotz des Höhnlachens Dr. I. Breuers für außerordentlich werttoll. Denn danach muß jeder Widerspruch gegen einen zur Wahl Vorgeschlagenen sofort motiviert werden, und der Thorarat muß sofort ohne weitere Förmlichkeit über die Berechtigung der Ablehnungsgründe seine Entscheidung fällen. Heute wird nach unseren Darlegungen jeder Nichtvoreingenommene, zugeben, daß jedenfalls das Prov. Komitee niemals den festen Boden verlassen hat, auf den es sich in seiner Erklärung vom Oktober 1912 gestellt hat, daß es sich durch die jahrelangen Querelen keineswegs in andere Bahnen hat drängen lassen als die, die es sich unter dem Vorsitze von Kommerzienrat Feist s. A. selbst vorgeschrieben hat. _ Aus de» Ereignissen des Tages. Zur Situation in der AgndaS JiSroel. Wir veröffentlichen an leitender Stelle einen beachtenswerten Artikel: „Zur Situation in der Agudas-Jisroel", der es versucht, die bisherige Stellungnahme des Provisorischen Komitees sowohl gegen die Angriffe Dr.. Breuers wie auch gegen unsere Kritik (vgl. die Leitartikel der Nr. 26 und 27) zu verteidigen. Wir können nicht zugeben, daß ihm das letztere irgendwie gelungen sei. Die unklare Haltung des Komitees in der wichtigsten aller Fragen, der Statutenftage, vermag der Artikel keineswegs zu widerlegen. Es bleibt nach wie vor Tatsache, daß auf der einen Seite — das auf treue doh Wahl Jsaä geber polni Punl spruc durch seiten den!; Schn uns Komi nicht wir Agui Haus die katc doh des mein bei c den - treue Prin Meir für gesar soll, jede wird. groß gefta ruhig doch J^tde zelne lich i ftdocl wisj Ae.n es si Wese was Treu Thor wir fähig nung bei sondl dem thorech des Hab recht den. nicht, scheii solch« len; sitori Sinn die 8 gepri für dieH Veto gelas zur niem wahr ausg Grus zunä dies ttchft thod, die i engh

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