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Neue jüdische Presse · 1914-07-17 · Heft 28 (17.7.1914) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 28 (17.7.1914)
Date
1914-07-17
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. MWülM-AMM Schllleratr. 18m Telephon I, 8630. Seifen, lichte, Kamm-' nnd Bfirstenwaren, Besen etc, ^Cosmetlsche 33pe«!alitaten.; Sklavinnen, besteige Deinen Streitwagen, und labe Dich durch den Anblick Deiner Krieger, dann wird! der böse Geist von Dir weichen, und Du wirst wieder der tapfere König der Ettie sein, von Äschur geengt." „Du hast vielleicht gut gesprochen, Tiglassi-Nin; doch ich Hasse den Gedanken an Speise und Trank, von den. Sklavinnen will ich keine scheu, und der Anblick meiner Krieger, der Zeugen meines Ruhmes, würde mich noch mchr anfregen, da mir ja der Untergang all dieser tapferen Krieger im Traume verkündet wurde. Ich bitte Dich, überlasse mich meinem Schicksal." „Geruhe denn zu vernchmerk, was ich Dir noch zu berichten habe," Scharrte der Priester. „Die Kunde von Deiner Niedergeschlagenheit Hat das ganze Lager in Schrecken versetzt, und auch die Tapfersten fühlen sich dadurch entmutigt und bedrückt. Sollen die Aegypter gerade jetzt mit den Juden sich vereinigen, um Dich anzugreifen, dann wäre ein Unglück unvermeidlich." „Es würde sich dann nur der nächtliche Traum verwirklichen" „Sage das nicht. Nicht alle Träume sind Warnungen der beleidigten Götter. Alle Heilkundigen werden es Dir bestätigen, daß Träume auf einen überladenen Magen zurückzuführen sind; ferner, dich solche auch durch einen erkrankten Körperteil bewirkt werdvr. Auch bei Dir wird das eine oder andere die Ursache Deines Traumes sein!", „Tiglassi-Nin, Du weißt es, daß ich den Freuden einer gut besetzten Tafel nicht abhold bin, daß ich, mich Über nie unmäßigen SchwÄgereiep hingebe. Warum also sprichst Du zu wir wie zu. irgend. einem Stadtschreiber, der seinen Leib aüfgÄläht und mit schlechtem Wein sich berauscht hat, sodaß er seiner Sinne nicht mehr; mächtig ist?" „Vergib, großer König!" rief der Priester schnell, erstaunt, daß Sancherib seine beleidigenden Aenßerungen so geduldig, hinnMm. „Diesen Sinn sollle meine RÄe nicht haben. Ich, meinte nur, da Du doch jung und kräftig List, so wäre es verzeihlich, wenn Du gegen die Natur gesündigt haben solltest, und' Dein Traum wäre die natürliche Folge." Diese nichtssagende Ausrede machte auf Sancherib keinerlei Eindruck, und er sprach: „Ich wünschte, ich könnte einen einzigen Weisen finden, dm nur die nächtliche Erscheinung erklärt, oder diese mich vergessen Machen könnte!" „Auch der letzte Wunsch könnte leicht erfüllt werden. Tartan erzählte mir, daß sie gestern einen jungen Juden als Gefangenen einbrachten, der wie ein Prophet spricht und wie ein EngÄ sirtgt. Die Hauptleute wollten ihn schon als Spion hinrichten lassen, doch sein Gesang und Harsenspiol hat sie alle bezaubert."' Ein lieblicher Sänger, «n geschickter Harfenspieler, ein kluger Wahrsager und bei alldem noch ein Jüngling? Seine Sieger ließen sich doch sonst nicht von Milde und Mitleid beeinflussen! — Sancherib dachte ein wenig nach, und sein Interesse wurde wach. „Bringe ihn her," befahl er kurz. „Sollte er auch meine Träume nicht deuten können, so vermag er mich vielleicht durch seinen Gesang zu erheitern. Schon langst habe ich mir einen neuen Sänger gewünscht, die allen mit ihren ewigen Wiederholungen langweilen mich. Sollte er aber auch einen prophetischen Geist besitzen, so wird er auch den Grund meines Mißmutes kennen, und es wird dann leichter sein, Abhilfe zu schaffen. Ich zweifle nicht, daß es irgend ein Gott der hiesigen Gegend ist, der mich quäll, und nur einer, der ihn kennt, vermag ihm auch zu versöhnen. Er soll kommen." „Ich eile, den Wunsch, Meines Herrn zu erfüllen," sagte Tiglassi-Nin ''mit froher Miene. Sancheribs Gesicht war noch immer dm Wand zugekehrt, das aber hiell dem Priester »nicht; ab, ihM dennoch knechtische Unterwürfigkeit M ä&egeugen, indem er den Fußboden faft mit der Stirn berührte, atz er rückwärts dem Ausgange zuschritt.. , . Die Vorhänge fielen zusammen, und der assyrische König war wicker allein in seinem Zelte, das mit der überladenen -Pracht eines orientalischen Für- Christ. Wilhelm ’Leux Telef. Hansa 8567. Hoflieferant. ' Goethe?tr. 21 Herren-, Samen- 11. Jjvreeschneiderei. Spezlal-SportgescbSfL . — : Anf Wunsch koschere Yerarheitnng. -- Frankfurter Israelitisches Familienblatt. sten der damaligen Zeit ausgestattct war. Tie vier Wände bestanden aus Seidenstoff, mit Gold- und Silberfäden durchwirkt, die in erhabener Stickerei allerlei Episoden des Krieges und der Jagd zeigten. In der Mitte stand ein Tisch aus Elfenbein, mit Goldfiguren aüsgelegt, neben diesem ein Thronsessel, der an Kostbarkeit alles überragte, Bänke aus Ebenholz mit Perlmutter ausgelegt, auf denen Decken aus kunstvoll zusammengefügten Pfauenfedern lagen. In allen Ecken und Winkeln standen noch vielerlei Geräte aus Gold und Silber, die von der feinsten Schmiidekunst zeugten, während über dem Lager ein Baldachin aus blauer Seide ausgespannt und reich Mit Edelsteinen besetzt war. Als Tiglassi-Nin wieder erschien, hatte Sancherib sich bereits erhoben und saß in einem Lehnsessel, gespannt den Eintretenden anblickend. Seine Mutlosigkeit war zum Teil bereits von ihm gewichen, und er zeigte wieder das entschlossene Gesicht eines jungen Mannes, kaum den Jünglingsjahren entwachsen. „Großer König," meldete der Priester, „der Jude wartet draußen." „Er soll kommen." Uriel trat ein und verbeugte sich mit Anstand, doch nicht mft ftlavischer Unterwürfigkeit. „Wie heißt Du?" „Uriel aus Jerusalem." „Was suchst Du hier in meinem' Lager?" „In!Dein Lager bin ich unfteiwillig als Gefangener gebracht worden, und da ich von, Deinen bösen Träumen erfahren habe, bin ich hier, 'um Dir diese zu deuten, da ich , erst vor wenigen Tagen eine Prophezeiung vernommen, die sicherlich auf Deinen Traum Bezug hat." „Tu selbst bist also kein Wahrsager?" „Nein, ich bin ein einfacher, unwissender Jüngling." „Doch wohl nicht so unwissend, um nicht spionieren zu können!" „Ich bin nicht gekommen, zu spionieren, sondern . . . ." „Wer meine Hauplleute wollten Dich als Spion hinrichten lassen," unterbrach ihn Sancherib. „Indessen bevor ich die Sache weiter untersuche, sollst Du mir . ein Lied singen." Es wurde eine Harfe gebracht, und Uriel sang wieder den Psalm: „Ich erhebe meine Augen zu den Bergen", und wiederholt auch mit dem rührenden Flehen eines^Unglücklichen, dessen Seele voller Trauer ist, noch den andern Psalm: „Aus der Tiefe rufe ich Dich an". Durch die Worte des Psalmisten und durch den eigenen Gesang fühlle er sich selbst emporgehoben und von neuer Hoffnung beseelt, sodaß seine Stimme nicht nur Wehmut und Rügung, sondern auch Jubel und Begeisterung bekundete. Wie einst bei David, nach Errettung aus Feindeshand, wurde es auch bei diesem Jüngling ein entzückendes Jubellied, ein rauschender Triumphgesang, ßt vergaß Sancheribs Macht und die ganze feindliche Umgebung, und von einer höheren Eingebung durchdrungen, sang er unaufgefordert weiter: „Ter Herr ist' mein Fels und meine Zuversicht, Meine Burg und mein Erlöser. Gott allein ist meine Kraft, dem ich verttaue, Der alle meine Feinde vernichtet!" Sancherib war von dem Gesang nicht minder bewegt. als seine Feldherren gestern. Nicht nur durch des Sängers Stimme, nicht nur durch dessen einnehmendes Wesen, sondern noch mehr durch die Worte des letzten Gesanges. Er wendete sich zu Tiglassi-Nin und sprach: „Hier siehst Dü ein sterbliches Wesen, denk die Götter hold sind." Er fuhr fort und sprach zu Uriel: „Deine Götter scheinen mit Dir sehr zufrieden zu sein." „Ich hoffe es wohl> aber ich Wage es nicht zu glauben, daß der Allmächtige seine Gnade mir zuwendet." „Welcher Gott ist' es denn, dem Du huldigst?" „Mein Voll und ich kennen nur einen einzigen Gott!" ' . „Kein Wunder," sprach der König -lächelnd, „daß das jüdische Voll so schwach ist, wenn es nur einen' einzigen Gott hat. Da sind wir Assyrer doch besser daran, wir haben sehr viele, und sogar die Aegypter, Eure Freunde, haben auch eine große Anzahl." „Das sind doch kerne Götter! Das.find schwache Gebillie, von Menschenhänden verfertigt, die machtlos sind. Höchstens sind es böse Geister, die Ihr als Götter verehrt." - (Fortsetzung folgt.). Xr. 28 JH. Wflere9 Optiker, Liebfrauenstr. 1 Brillen^ Plncenez, Operngläser, Feldstecher I in jede, opt.-mechan. Spielwaren } Preising kimdÄM, PampfmaseMnen, Laterna-Magica, Kinematocraphen eti Adolf Kunst und Literatur. Friede mann: Das Leben Theodo Herzls. Jüdischer Verlag, Berlin und Leipzig, 1914 1J.1 V3S mit förmipit« imh (S^nrftrp/tTffor 0._ on leibt g« aS Me mb i c 141 S. mit Namen- und Sachregister. Was Herzl uns, was er der gesamten Judenheit bl deutet, braucht heute nicht mehr besonders betont j, werden. Tausende von Zungen haben es in diesen Tagel gekündet, ein Blick in die jüdische Welt genügt, um e erkennen zu lassen: es wird die Spur von seinen Erde« tagen nicht in Aeonen untergehen. Doch fehlte uns bi jetzt jegliches Hilfsmittel, sein Gedächtnis klar in un eil zu bewahren, zumal uns Jüngeren wurde es oft schwei sein Bild fest zu umreißen. Zum 10. Todestage des großen Führers schenkte an Adolf Friedemann, der in Deutschland der eng« Mitarbeiter Herzls auf seinem eigentlichen 'Gebiete, a, dem Felde der diplomatischen Politik, war, die erste ßere Zusammenstellung der Wirksamkeit Herzls. In treuer Einfühlung in die Seele des Großen gibt zunäch der Verfasser den Entwicklungsgang des dem Judentu, Entfremdeten zu unserem Volke hin. Die psychologischen, Zeichnung trifft uns umso stärker, als die meisten vo uns den Weg kennen, den Herzl schritt. Dann schilde, der Biograph in getreuer Weise die zionistische Wir samkeit, die zum Schlüsse ein wahrhaftes : Martyriui darstellte; dabei gewinnen wir, soweit es die ZeitumstänM, bereits erlauben, manch wertvollen Einblick in Gesche, nisse, deren äußerer Verlauf bis jetzt rätselvoll erschie Wenn Prof. 'Kellners großes biographisches Werk ei« erscheinen wirb, werden wir sicherlich noch mehr erkenne, was heute noch verhüllt bleiben muß. Trotz dieser Rü, sichtnahme hat der Verfasser ein volles, abgerundet-Rh,. Lebensbild vor uns hingestellt, das das Ziel erreicht ha w das der Verfasser ihm gestellt: „Herzls lebenswarme E scheinung zu erhalten, wie sein engerer Kreis sie sah Zusammengesaßt durch eine feste, ausgewählte Sprarl wird dieses Bild „zum Ausdruck seines wie unseres Wo lens, als der Blutzeuge des Judentums, das leben toi und sich selbst treu bleiben." In einem mehr als 30 Seiten starken Anhang tob durch eine Sammlung von Briefen und Urkunden d Eindruck nach allen Seiten dieses starken Lebens vertie und greifbar gestaltet. Durch Beigabe einer gelungen! Reproduktion des bekannten Profilbildes Herzls und du, eine mustergiltige Ausstattung hat der Verlag der Orx »isation auch seinen Teil zum Gelingen dieses Jubiläum, Verkehrs beigcsteuert. Dem Buche wird auch, in nb' zionistischen Kreisen der Erfolg nicht mangeln. Frankfurt a. M. Theo Harburg er. Dieses Buch ist im Grunde keine wirkliche Biogr, phie, es scheint mir jedenfalls der Wert dieses Buch nicht darin zu liegen, daß die äußeren Lebensereb »nisse geschildert werden — wenngleich es ja wohl aui eine solche Biographie von Herzl noch nicht gibt - sondern darin, 'daß gerade „das Leben", das June, leben Theodor Herzls uns vor Augen geführt wird; w erleben die Entloicklnng Herzls mit, wir sehen den Fön tigen Organisator schon in den Akten des vom Vierzeh, jährigen Herzl gegründeten Schülervereins „Wir"; toi sehen ihn die Welt bereisen und sie sich erobern bun Wort und Schrift; wir fühlen es, wie es keinen Kamj und keinen Widerstand für ihn gibt, um zum Ziele z gelangen, und wir stehen gleichsam an dem Totenbet dieses Kämpfers und bekennen mit ihm: In mid os ld come the death. Das wird alles sehr einfach vom Ae fasser, der Herzl sehr nahestand, geschildert, nur an zto Stellen erhebt sich die Erzählung zu schönen und überd« durch ihre Schlichtheit gerade besonders wirkenden Worte, das ist: Herzl in Wilna (P. 84/5) und Herzl aus de, Totenlager (P. 100/1). Ein besonderer Vorzug ist fr Anhang, der unveröffentlichte Briefe, auch, Familienbries ein Faksimile eines an Friedemann gerichteten SchriM, bens, das das Material für den Artikel „Herzl" i Konversationslexikon geben sollte u. a. mehr enthält. D man den Menschen Herzl aus diesem Buche verehren len ist mir ganz sicher. So ist dieses Buch ein herrliches schenk, das der „Jüdische Verlag" den Anhängern He, durch die Hand des Verfassers in diesen Gedenktag! widmet. Möge es die weiteste Verbreitung finden und Wunsch erwecken, daß einmal das gesamte Aktenmater über Herzl veröffentlicht werde, ich meine besonders Briefe an ihn und von ihm. A P- K.-C.-Blätter. Monatsschrift der im Kartell-Convn vereinigten Korporationen. 4. Jhrg., 10. Heft. Jnhmt: Soziales im Judentum (Dr. Salier). - „Am Scheidewege" (Dr. Arnold Lazarus). — Biereh lichkeit (Erich Weltmann). — Die Palästinakolonisatb (Walter Friedemänn, Karl Löwenstein). — Verbandst richten usw. Aus elix A. igung 1 ches Au ine wer der lorbert i Dr. „Di, letzt! «schließ nt mim „Se ur it weite d ajl zwei x ein Ufte l eitlebent frage, 1 iertel nur iner gef Und „Di rgang g, ichenderi chaftlich dem: ökow „Ur issen b t hen Bo eteiligte ygienift Die ab. Bücher TV es tro ndere Z rgrund Fr Als ungsmo ich-Luis zuli 1-91 Sch en erst A äjenfreu bä keusch ei ittfer dl fudenhe Me um dl iveckmpf Um ier Za' ii 8 mren 2 ier* d, men ii >en 230 )°zu I OfPenbaeher Druckluft-Anlagt I BHinhlch a, H. Telefon 123. (Anschluss mit Frankfurt) | Bewährteste TepplShrelnlgnng (100,000 qm jährlich) ■ sowie unQbertroffena Battenn. Battfedarnrelol’ gang mittelst Druckluft und Wasserdsmpf. Allgemeine Mitteilungen.;U 1 P, für Li 07 Pfu 70 Wd hnitt 1 7: m Es che ur and, ufgenoi hm Fi ehrfach m wo estande "!s. M 1l Wonnen an ,d! as Anf der im Juli—August in'München stattsin! den Ausstellung „Das Gas" wird unter ander! ein origineller Münzgasmesserpavillvn die merksamkeit der Besucher fesseln. Die Fassade dieses villons, der von den Berliner Städttscheu GasweriHlollMn 3 °lgl°s joraiett' errichtet wird, besteht aus einem Riesengroschen, deß Dimensionen der Summe aller in den , letzten 10 Jahr *) 91

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