Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 28 (17.7.1914)
- Date
- 1914-07-17
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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f l i r,Z Seite 2. soll nicht der Kredit nationalisiert werden, sondern der HündÄ und Re Industrie überhaupt, und der Beginy hierM ist bereits mit den Aktiengesellschaften gemacht worden. Bor ftxrjem ist die Bestimmung ergangen, daß Mticngesellschasten, in denen Juden einen bestimmten Prozentsich der Aktien haben, zu jedem Bodenerwerb die besondere Zustimmung des Ministeriums einhvlen müßten, ferner aber, daß Juden nicht in den Auffichtsrat und Vorstand gewählt werden dürfen. Mit Liesen Bestimmungen ist äs facto eine Beteiligung von Inden du Aktiengesellschaften unmöglich gemacht, denn einmd können solche Gesellschaften, an denen viel jüdisches Kapital beteiligt ist, kaum einen gesunden Geschäftsbetrieb führen, wenn sie zu allen Boderckäufen die Genehmigung des Ministers einholen müssen, die dieser wahrscheinlich in den meisten Fällen verweigern wird, srdann können doch Juden unmöglich Aktien kaufen, wenn sie nicht die Möglichkit haben, die Geschäftsführung und Leitung der Gesellschaft zu bestimmen und zu kontrollieren, Maß diese Abschließung der Aktiengesellschaften vor der Beteiligung des jüdischen Kapitals «Ser auch für den gesamten russischen Handll in der denkbar ungünstigsten Weise wirken muß, verficht sich von selbst bei der bedeutenden Position, die die Juden im russischen Wirtschaftsleben einnehmen. Und so hat denn diese Bestimmung in der Tat einen Sturm der Entrüstung innerhalb aller Kreise des russischen Handels und der Industrie ausgcköst und vNf der Börse eine förmliche Panik hervorgerufen. Sämtliche große Organisationen der russischen Musleute und Industriellen haben gegen diese sinnlosen und brutalen Maßnahmen protestiert, Telegramme wurden an. die Regierung geschickt, ^Deputationen entsandt, nichts nutzte. Erst vor wenigen Tagen sprach eine Abordnung bedeutender Kaufteute und Industrieller bei dem Ministerpräsidenten vor, die energisch um eine Aufhebung dieser Bestimmungen bat. Der Ministerpräsident — melltet die Presse — antwortete ausweichend, das bleutet abschlägig. Was kümmert sie Rußlands Wohl, wenn es gilt, ihre eigenen antisemitischen Instinkte zu befriedigen und zugleich — und das ist das Entscheidende —, den Wünschen der mächtigen, einflußreichen Hoskamarilla entgegenAllkommen. Nachdem aber dieser erste Schritt getan ist, werden wohl andere bald folgen, und niemand kann Voraussagen, wohin diese 5Jk>Iitif führen will». Die Gefahren, die der Judercheit Rußlands aus diesem Kurs drohen, lassen sich gar nicht ermessen, und der Ausblick in ihre Zukmrst ist ein sehr trauriger und niederschlagender. Zu gleicher Zeit aber wütet noch in Polen der Boykott, der bereits eine große Zahl jüdischer Kleingewerbetreibender und Katckwmker ruiniert hat und dessen Ende gar nicht abzusehen ist. Gchetzt und ermutigt von einigen demokratischen, gewissenlosen Führrern, erblicken die fanatisierten polnischen Massen'.im Boykott eine Nationale Großtat und merken gar nicht, welche Wunden sie sich selbst damit schlagen. Die antisemitische Strömung in Polen ist im Steigen begriffen, imb eine baldige Besserung der Lage ist nicht zu erhoffen. Wohl über besaht die Gefahr, daß die Methiden der polnischen Demagogen ansteckend wirken, und der Boykott über Polen hinaus noch um sich greift. Bon der Regierung und den Behörden in der brutalsten Weise verfügt, von den politischen Parteien im Stich gelassen, van den fanatisierten und uufgehetzten Massen gähaßt, steht die russische Judenheit da, - schutzlos den brutalen Schlägen roher Barbaren wreisgegrben. Tiefer Schmerz ergreift einen, wenn NmN ihre gegenwärtige Lage überschaut, noch tieferer Schmerz und' Sorge aber, wenn man in ihre nächste Zukunft blickt. Leiden, Schikanen, Verfolgungen und kein Ende! Nur stärkste innere Eintracht, inniges Gottvertrauen und der fÄsenstste nationale Zukunftsglaube vermögen den russischen Juden die Kraft $u verleihen, ihre furchtbare Lage zu ertragen, ohne ihrem Bolle untren zu werden. M CM P « >M fl CM I =S ftc «de «CU § CU Ä a S g -2 f§ §;2 o Frankfurter Israelitisches FamilienAatt. Brief aus Ko»sta«tim>-el. Ein Gespräch mit N. Sokolow. Vorige Woche tat hier N achum Sokolow von Palästina an, wo er als Mitglied der Revisionskommission, die von Seiten des 'Aktionskomitees mit der Untersuchung aller zionistischen In- ' stitutionen Mieren und jüngeren Datums in Palästina wie auch mit .der Prüfung der verschiedenen Probleme des palästinensischen Kolonisationswerkes beauftragt worden ist, weilte. Wie mir Sokolow mitteilte, beschäftigte sich die Revisionskommission Mt der Sammlung von nröglichst erschöpfendem Material über sämtliche Zweige des Jischiuw. Die Arbeit 'hauste sich oft derartig an, daß sie notgedrungen unter den vier Mitgliedern der Kommission verteilt werden mußte. Es wurden, meint Herr Sokolow, bei jeder Frage die verschiedenen Meinungen und alle sich laut machenden Kritiken rücksichtsvoll angehört. Im allgemeinen wurde dabei der Eindruck gewonnen, daß die Darstellung so mancher Frage des Kolonisationswerkes ans der einen wi.e auf der anderen Seite nicht ganz frei von Uebertreibung sei. — Dieselbe Kommission wird nach sechs bis acht Wochen auch hier in Konstantinopel, dem Knotenpunkt der politischen zionistischen Tätigkeit, eine gleiche Untersuchungs- und Prüfungsarbeit aufnehmen. , Auf seiner Hinreise nach Palästina stattete Sokolow dem britischen Generalkonsul in Beyrut einen längeren Besuch ab. Als er auf der Rückreise in Beyrut wieder.einen Keinen Aufenthalt nahm, suchte ihn der Generalkonsul im Hotel auf und unterhielt sich mit ihm während mehr als einer Stunde, , dabei sein.hohes Interesse und seine uneingeschränkten Sympathien für das jüdische Kolonisationswerk in Palästina zeigend. In Palästina und in Syrien nahm Sokolow Fühlung mit manchen arabischen Faktoren, die sich im Durchschnitt über Ziele und Wege der zionistischen Bewegung ziemlich schlecht unterrichtet zeigten, und die ihm pm Schluffe so mancher Unterredung gute Versprechungen machten, .deren Einlösung allerdings erst abzuwarten ist. - Hier in Konstantinopel besuchte Sokolow, einer Einladung folgend, den amerikanischen Botschafter Mo r genthau in dessen Sommerresidenz in Jeni-Keng, wo' er mit letzterem einen fast ly* Stunden langen Gedanken- und Meinungsaus-, tausch über vornehmlich palästinensische Fragen hatte. Den gegenwärtigen Stand der Dinge in Palästina hält Sokolow für zufriedenstellend. M. Lewanon. Brief aus Amerika. Unter großer Beteiligung und» großer Begeisterung wurde in Rochester .die 17. Jahresversammlung der ^Föderation der amerikanischen Zionisten" eröffnet. Bei der Eröffnung ließ Uder Pastor der benachbarten Kirche die Glocken die Hätikwah spielen. Die Versammlung faßte n. a. folgenden Be-, schluß: „Das Aktionskomitee soll als Departement eine Abteilung für Schulwesen in Palästina errichten, das sich aus Vertretern des ganzen Judentums in Palästina und Vertretern des Aktionskomitees imd der zionistischen Föderationen zusammensetzt" Nach Schluß der Tagung fand ein Bankett zu 500 Gedecken statt, bei dem 2000 Dollar für zionistische Zwecke gespendet wurden. Zu Averne tagte die vor '16 Jahren von Rabb. Dr. H. Pereira Mendes gegründete und heute 1500Gemeinden umfassende „Bereinigung der orthodoxen jüd. Gemeinden". Dr. Mendes ist jetzt von der Präsidentschaft zurückgetreten, Dr. Bernard Drachman ist sein Nachfolger geworden. Schließlich tagte auch die 25. Jahresversammlung der Zentralkonferenz amerikanischer Rabbiner, der Organisation der Reform-Rabbiner. Die Organisation ist heute um vieles gemäßigter als früher. Die Mische Gemeinschaft Philadelphias hat einen schweren Verlust erlitten. Esther Naum> die dort seit 1870 auf dem Gebiete des Nr. 28 Kr. '28 jüdischen Wohlfahrtswesens unermüdlich Ntig tv ist nämlich im 84. Lebensjahre verschieden. „Russisches". am AI B. stezeschot kolomea iow. ine Warschau, 10. Juli. Aus dem Orte Gr,. (Kurland) wurden weitere sieben jüd. Fam lien, darunter Rabbiner Olschwang, hj ausgetrieben, t— Die Charkower Messe ist diesmal vo ständig mißglückt, da der Handelsminister! V? jüdischen Händlern den Aufenthalt in Char! f' nicht erlaubt hat. — Im Gouvernement Petrokow verg jetzt kein Tag, an dem nicht jüdische Famil aus irgend einem .Dorfe vertrieben werd darunter Familien, die seit Jahrzehnten ansä sind. — In Kiew sind 62 jüdische Handwe kerfamilien ausgewiesen worden. Kiew, 14. Juli. Eine furchtbare Erre ung beherrscht die hiesige Jüdenheit. Die Beh de scheint sich die Aufgabe gestellt zu haben, „heilige" Kiew ,',judenrein" zu machen. So sollen jetzt. gegen das Gesetz — u. Massenansweisungen — die Juden hinausgesch werden, die nur deshalb das Wohnrecht besitz weil ihre Kinder in Kiew die Schulen oder h, schulen besuchen. Denn Kiew ist ein Zentr für höheres Unterrichtswesen nicht..nur für gesamte Gouvernement, sondern auch für die nachbarten Gouvernements. An 40,000 jüi sche Seelen stehen jetzt vor der Ausweisu wenn die Behörde ihren Gesetzesbruch wahr nia Die Stadtverordneten haben sich bereits i der Angelegenheit, die für Kiew eine wirtsch liche Katastrophe bedeuten würde, beschäftigt erklärt, daß die Duma gegen diese Massen Weisungen protestieren müsse. erner m stanisla olme de Säri ijalizienommi en A amMen. Es Er; an d al ion ul AI Die unsoi sorl’i Mich Mün, d Lemverger Delegierteutag der A«g«l Jisroel. El iei M!r mder. >2 Erster Tag. Der Delegiertentag des galizischen Grups Verbandes nahm einen zu den besten Erwa gen berechtigenden Verlauf. Samuel Rockach-Lemberg hielt die nungsrede, und die Rabbiner L. Brande M. Babad-Lemberg, A. GrünbauM-M berg, ^Vertreter des provisorischen Komitees samtorganisation, hielten Begrüßungsanspcache»Dtl Dr. Meier Munk-Lemberg teilte mit, die Statuten der Landesorganifation von der gierung, genehmigt worden sind. Rabb. M. Schapira-Gliniany referii über den „Stand des Thorastudiums Galizien". Er schlug Verbesserung des Ui richtswesens und Ausarbeitung eines zweck sprechenden Lehrplanes vor. Wolf Götzler-Tarnow behandelte „Lage der Jugend in Galizien". .Er rollte ein trauriges Bild materieller Hilfsloß und geistiger Not, .die die Gemüter dieser Jul beherrschen und sie an den jüdischen Idealen zweifeln lassen. Er beantragte schnellste. GründM von Jügendgruppen. - I. I. Dhumiml-Przemyfl sprach i „Propaganda und Organisation". 3 er stellte eine Reihe von Anträgen. Den Referaten hatten sich lebhafte Deba! angeschlosscn. Um Mitternacht wurde die Sitzung geschlossen. Zweiter Tag. Auf der Tagesordnung standen Fragen Schaffung geeigneter Vorbedingungen für dieA dehnung der Propaganda, und die len. Die Reden derRäbbiner.Margoliesnow, Thumim-Kolomea und der Herren Kolomea.. und Kupferst ein-Lemberg fai reichen Beifall und ihre Anregungen allgen» "Zustimmung. Die hierauf vorgenommenen M ergaben folgendes Resultat': Landesvorstand: die Herren S.Rock« Lemberg (Vorsitzender), I. I, ThumiM-Pizel Qfj und I. Birnb aüm-Krata (stellvertr. Vvrsitzrn^ Josef Schönblnm-Lemberg (Schriftführer) Israel Landa,u (Kassier). Ms weitere glieder die Kerreik: M. Frenkel-Krakau, «stimmt ndes: Jsra onsession ersöhnur stes, an assahfest« u[ Antri ußerhalb eligionsl t befreie Neuj, nd de 7. T< ) Uhr vr An d m Unt ern b, chüler a Unte atten." Wie« alizik chtet. Außei tiftung. La . Sonbi »ft ber reiche befiehl an lmnziellc « Phil l»as .Jaffa sa nn Atz sitzen, on E "läge a Feie, nt nt. 8181^7 4276 648106