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Neue jüdische Presse · 1914-07-10 · Heft 27 (10.7.1914) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 27 (10.7.1914)
Date
1914-07-10
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nt. 27 _ —*' Durch solche Gedanken aber gelangte er zu noch größerer Demüt, zu noch tieferer Ergebung". Es siel ihitt ein, daß" seintz Beharrlichkeit, das Vorhaben doch noch auszufüHen, pbwohl er durch des Propheten Mund wußte,, daß Israel'seines Schutzes nicht bedurfte, dass sicher und geborgen in der Gotteshand war, sehr stark nach Anmaßüng, wenn nicht gar nach Gotteslästerung aussah, daß'' er darum sein jetziges Geschick als gerechte und wohlverdiente Strafe hinnehmen müsse. Schließlich auch, warum sollte er den Tod fürchten? Israels Gott war' nicht nur den Lebenden, sondern auch den Toten barmherzig." Tod bedeutet nicht das Aufhören alles Seins, da er sich ja auch dann noch in der Hut Gottes befand. Nur die eine Gnade wollte. er noch erflehen: stark und tapfer zu bleiben, um den Frevlern zu zeigen, wie ein echter Jude für sein Vaterland, für seinen Gott zu sterben versteht! Er hatte schwer Mit sich gekämpft, — er war ja noch so jung, und das schöne, sonnige Leben lag noch vor ihm —, Her nun war der Kampf vorüber, und er stand als Swger da. f-' „Bringt mir eine Harfe!" rief er mit fester Stimme. In der Meinung, daß er sein Totenlied anstimmen wolle, befahl Tartan, daß man seinen Wunsch erfülle. AiKseinem eigenen Zelt ließ er eine Harfe bringen^ die> er selbst dem Jüngling überreichte. » Tie Sonne war dem Untergänge nahe, und die rötlichen Strahlen färbten das Stückchen Himmel, das über den Köpfen der sich herandrängenden Krieger vom Zelte aus noch sichtbar war. Uriel dachte daran, daß er das herrliche Gotteslicht nie mehr sehen werde, und nur schwer konnte er einen Seufzer unterdrücken. Leise ließ er seine Finger über die Saiten gleiten, und schon der erste Klang legte sich wie süßer Balsam auf sein erregtes Gemüt, und eine heilige Ruhe erfüllte sein Herz. Von den Feinden sich wegwendend und den Blick gegen Jerusalem gerichtet, ließ er eine Weise voller Wehmut erklingen, zu der er mit seiner klangreichen Stimme voller Rührung und Wehmut jene aufrichtenden und hoffnungsfreudigen Psalmen Davids sang: „Ich erhebe meine Augen zu den Bergen", Von wannen mir Hilfe., kommt)" Es war ein Anblick, wohl geeignet, auch das Herz eines assyrischen Kriegers zu erweichen: ein Jüngling in der Vollkraft seines Lebens,°Mit vollem Bewußtsein ~ Frankfurter AkaelttifcheS FamilienSlatt. am Grabesrande stehend, dennoch seinem Gottvertrauen mit einer Engclsstimme Ausdruck gebend, und sein Ende mit Ruhe und Ergebung erwartend. Alle Anwesenden lauschten mit verhaltenem Atem dem köstlichen Gesang, und solche, die der hebräischen Sprache mächtig waren, fühlten sich bis ins Innerste tief bewegt und erschüttert. Als deriletzte Ton verklungen war, rief Tartan: „Fürwahr, singst Worte, wohlgefällig ftir die Götter und bezaühtzrnd auch für die Menschen. Singe weiter." . 'Mi Und Uriel sang .weiter: Ijjjf „Höre meinen Ruf, o Gott, und vernimm mein Flehen! Aus der Tiefe meiner Seele rufe ich Dich an. Wenn meine Herzschläge versagen, meine Kraft schwindet. Dann hebe Du mich zu Deiner Wohnstätte, zu Deinem Himmel empor." Als Uriel endlich die Harfe aus der Hand gelegt hatte und gefaßt und ruhig die Anwesenden betrachtete, da sah er, daß die Hauptleute eine Weile miteinander flüsterten, bis Tartan mit lauter Stimme sprach: »/Dieser Jude darf heute noch nicht sterben. Erst muß der König ihn sehen und hören." „Du hast recht, Tartan," stimmten einige bei. „Er muh vor dem König singen, der den Gesang, so sehr liebt." „Tein Leben ist also bis morgen verlängert," sprach Rabfchake grimmig, da er überstimmt worden war. „Aber glaube nur nicht, daß sich Dein Geschick von heute mrf morgen ändern wird." „Ich danke Dir," sagte Uriel, als follte es> eine Antwort zu Rabschakes Bemerkung sein, während sein Auge aber auf Tartan geachtet war, der sich über die Ruhe und Fassung des Jünglings in einer solchen bedrängten Lage nicht genug verwundern könnte. „Bewacht ihn wohl," schärfte Tartan einigen Kriegern ein, „aber behandelt ihn freundlich, bis ich Euch meine weiteren Befehle gebe," Sancherib. In seinem glänzenden, mit überladener Pracht ausgestatteten Zelte lag Sancherib am nächsten Morgen nach Uriels Gefangenschaft auf einem weichen Ruhebett, das an Schönheit und Kostbarkeit kaum seinesgleichen, fand. Doch der Bewohner all dieser Pracht fühlte sich nicht ftoh und heiter, und stöhnend und ächzend wälzte er sich von einer -Sekte zur andern. Seite 5 WohMugs-EInrlelitniigNi ln künstlerisch. ioSassnng Verkaufvon knnstgeverbliehen' Erzeugnissen. Antiquitäten. Friedrich Bernhard, Frankfurt a.M. _Tel. Hanaa 5574. BSraenatrasse 11. Sowohl im Innern als - auchim \ Vorgemach des königlichen Zeltes herrschte unheimliche Stille und düstere Ruhe, und die zahlreichen Diener und Leibwachen wagten es kaum, apf den Fußspitzen anMtreten und ein Wort leise miteinander zu flüstern. In der letzten Nacht hatte der König einen bösen Traum gehabt, den weder Priester noch Wahrsager zu heuten vermochten. Stundenlang hatte Sancherib sich von ihnen allerlei Erklärungen geben lassen, ohne aber ''hadaürch seine Ruhe wieder zu erlangen. Er war ganz allein, da er alle, die ihn mit leeren Redensarten beschwichtigen wollten, zornig twn sich gewiesen hatte, Rabschake, seinen Günstling, nicht ausgenommen. So lag er nun auf dem weichen Polster, die Haare zerwühlt, die Augen von schwarzen Rändern umgeben, von schlimmen Ahnungen kommenden Unglückes-gepeinigt." Aber auch die Einsamkeit hatte ihm keinerlei Erleichterung gebracht; ' ja, seine Niedergeschlagenheit hatte sogar noch Angenommen. In der Stille und Einsamkeit schiert er bald höhnende, bald klagende, bald wieder drohende Stimmen zu vernehmen, darum! war er jetzt wieder ftoh, daß sich hinter dem goldgestickten Vorhang aus lyrischem Purpur die Stimme seines Oberpriesters, Tiglassi-Nin, vernchmen ließ^ der uM die Erlaubnis bat, eintreten zu dürfen. Sancherib nickte bejahend. Tiglassi-Nin, ein Mann in den besten Jahren, mit langwallendem Haupthaar und flatternden Gewändern, die den Priesterstand kennzeichneten, betrat den Schlafraum des Königs, warf sich mit dem Angesichte zur Erde und verharrte in dieser Stellung, bis der König ihm aufznstehen befahl. „Bist Du. etwa auch nur gekommenum mehr Ohr Mit Märchen und Albernheiten vollznstopfen, wie es die andern bisher taten? Wenn so, bann istäuch Deine Mühe umsonst. Sage jenen falsches Propheten und Gauklern, daß ich ihre Betrügereien? -durchschaute und bald Abrechnung mit ihnen halten rverde!" (Fortsetzung folgt.) M\m VMM-' . ' -MM 1.1 1. Fernsprecher Hansa 2869. Merianstrasae 80, parterre Instandhaltung1 von Dächern im Abonnement einschliesslich aller erforderlichen Spenglerarbeiten, ausgenommen Blitzableiter, Spitzen und Wetterfahnen. 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