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Neue jüdische Presse · 1914-07-10 · Heft 27 (10.7.1914) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 27 (10.7.1914)
Date
1914-07-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Ctttt 4. Frankfurter ZfraeNtrsiHeS FamiÜeMckt. / Wse» a. Ruhr. Das Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk, A.-G., dessen Generaldirektor der getaufte Jude Goldenberg ist, hat das Engagement des Jngenixürs I. Rostznthal rückgängig Gemacht, nachdem! der'Generaldirektor Goldenberg gehört hatte, daß Rosenthäl Jude ist. ' - Köln. Die St uuu ssteur r sür das Etatsjahr 1914/15 ist mit 87,43»/» der Einkommensteuer gegen 25,48°/» im Vorjahre festgesetzt worden. , Hagenau. DerÄeziDprÜsident ernannte Brandmeister Arthur Hemm erd in ger / zum Oberbrandmeister. Ehemnitz. Wie wir dem Berichte des Gemeinde» Vorstandes entnehmen, sollte für diejenigen, die aus be-' ruflichenGründen den Freitagabendgottesdienstt nicht besuchen — und das ist fast die ganze Gemeinde I alle vier Wochen ein zweiter Freitagsabendgöttes-s dienst um 8>/r Uhr mit Predigt, Orgel und Chor rin-! gerichtet werden. Es fanden zwei solcher Gottesdienste? statt, die nur schwache besucht waren. ' Die Herren vom Vorstand scheinen immer noch nicht? zu verstehen, daß, wo Line jüdische Religiösität mehr ist, alles Entgegenkommen fruchtlos ist. Budapest. Ja Ärad verschied im 84. Lebensjahre Dr. med. E. Schuster, der als erster Jude Ungarns im Jahre 1848 das Aerztediplom erhielt. Die Aerzte Dr. Isidor Glaß und Dr. Jak. Weiß-Budapest erhielten den Titel „Könrgl. Rat"'. Ezeraowttz. Caesar Pomeranz, der neue UniversitÄsrektor, war 1860 in Husiatyn geboren. Er hat seit 1906 den Lehrstuhl für Chemie an der .hiesigen Universität inne. London. Sir Charles Henry, ParlamentSmitalieb und Präsident der Jüdischen Volksküche, gab anläßlich des Großjährigwerdens seines Sohnes ein glänzendes Gartenfest, bei dem nicht weniger als fünf Mitglieder des gegenwärtigen Kabinetts anwesend waren. Bei der Schulschlußfeier und Prämienverteilung der Jüdischen Freischule, der größten Volksschule Engümds, waren Lord Rothschild, der Präsident der Schule ist, und seine Frau anwesend. Rothschild hielt eine Ansprache, in der er über die Bedeutung der Bildung sprach. London. Als Sir Julian Goldsmtd 1896 starv, hinterließ er außer zwei mit Juden verheirateten Töchtern (die eine mit Sir Charles Jessel verheiratet) eine un° verheiratete Tochter. Diese Tochter trcck durch den Einfluß Hier katholischen Gouvernante zum Katholizismus über,'mürbe Nonne und übergab ihre .großen Einnahmen ihrem Orden. Jetzt ist sie geisteskrank geworden, und es schwebt ein Prozeß zwischen dem Orden und der Familie, da der Orden auch jetzt noch, das Einkommen seiner Nonne in Anspruch nimmt. Kiew. Pierzeh« Polizisten erhielten Haststrafen von 5 bis 10 Tagen, weil sie Juden länger in Kiew wohnen ließen, als es der Paß erlaubte. Kiew (ShtgLj. Leo Brodski hat in Palästina — bei Haifa — tausend Desjatin Land gekauft. Bukarest. Der König verlieh den ungarischen Staatsbürgern Getreideexporteur Sam Reichenfeld-Braila und Bankdirektor Jos. Adler-Braila Orden, dem ersteren die Medaille 1. Klasse für Verdienste in Handel und Industrie und dem letzteren die Medaille „Aufschwung des Landes". Konstantinopel. Rechtsanwalt Jfaac Effendi Ferrari wurde zum Oberstaatsanwalt ernannt. Rew-Aork. Im 49. Lebensjahr verschied nach langer Krankheit der angesehene Arzt Dr. Simon Marx. Chicago. Richter H u g o P a m vom Obergericht wurde an das Appellationsgericht berufen. Neu eröffnet! ■ Cafö Corso I Ecke Xaiserstrasse and Moselstrasse. H - 11 iini ki in/ B JmiSeton. Der Windhauch. Historische Erzählung von M. Pulvermann. (Fortsetzung.) Tiefer Anblick war wohl geeignet, einen Assyrer mit Stolz und Freude. zu erfüllen, dem Hebräer aber imr Kummer und Furcht einzuslößen. Uriels Herz wurde schwer, und er mußte sich eingestehcn, daß es für Züdck zwecklos war, Sancheribs Zorn herausgefordert Kl Hüben, daß es aber an Wahnsinn grenze, auch nur einen Augenblick dem Gedanbm Raum zu geben, diesen mächtigen Herrscher inmitten seiner Scharen töten zu können. Bald aber wurde er wieder von neuer Hoffnung beseht, da -er an die frühere» glücklichen Tage dachte, da Israel, kaum der Sklavenketten frei, in der Kriegskunst gänKich ungeübt, dennoch tapfer kämpfte und seine Feinde besiegte. Er Lachte an den Seher Bileam, der im Aufträge des Moobiterkönigs Israel fluchen sollte und es segnete, indem er sprach: „Wie lieblich sind deine ZÄte, Jakob, deine Wohnungen, Israel! Gleich I Offenbaeher Druckluft-Anlage ■ I OtfsnbaDh >. M, Telefon 123. (Anschluss mitFi'ankfurt). I Bewährteste TsppIChrslnlgonB (100,000 qm jährlich) ■sowie onObertroflana Bettenu. Battfederaralnlgunp mittelst Dracklnft und Wasserdampf. den Talern, die weithin sich ckusdchnen, wie ein Garten, am Strom gelegen, wie Aloebäume, die der Herr gepflanzt wie Zedern, vom Wasser reich ' befruchtet!" An diese Scgensworte für seine tapfern Vorfahren dachte jetzt der. Jüngling, und in seiner Begeisterung, von tiefer Rührung ergriffen und alle Vorsicht vergessend, wiederholle er diese Worte laut und feierlich, die glühenden Augen ans das assyrische Lager gerichtet. Doch die Begeisterung mußte ball» wieder der Furcht weichen, und sein Seelenkampf begann wieder aufs neue, je länger er diese Kriegeshaufen betrachtete und die geringe Streitkraft Judas sich vergegenwärtigte. Wiederum machte sich der Zweifel? gellend, ob er zurückkehren oder weiter gehen. sollte, bis ihm die Entscheidung aus der Hand genommen wurde. Er war so in Gedanken vertieft' gewesen, daß -er das Geräusch herannahender Schritte überhörte, uttd als er endlich aufblickte, da sah er sich von einer Anzahl assyrischer Krieger umringt, deren Schwerter auf ihn gerichtet waren. Es wurde Uriel sofort klar, daß Widerstand ganz zwecklos wäre, daher ließ er die Gedanken an Kampf bald fahren und, ohne seine eigene Waffe zu berühren, gab er zu versteh«!, daß er sich ergeben wolle. Die Assyrer aber wollten dieses nicht verstehen, und schienen entschlossen, den Jüügling ohne viel M>erlesens ins Jenseits zu befördern^ „Es ist ein Spion!" schrie der eine, und die andern wiederholten es. „Ein hebräischer Spion! Schlagt ihn nieder!" „Noch nicht," widersprach ein anderer, mehr besonnen. „Erst soll der Befehlshaber ihn befrage», vielleicht, daß wir durch ihn etwas über sein Volk erfahren. Wir wollen ihn ins Läget schaffen." „Ich bin kein Spion," sagte Uriel in assyrischer Sprache, „und bin hier, um Eurem Mnig eine Botschaft zu überbringen, für die. er mir dankbar sein wird." „Tann bist Du ein Verräter Deines Volkes!" „Auch düs bin ich nicht!" rief Uriel, der Mühe hatte, seinen Zorn zu unterdrücken. „Ich bin gekommen, um Sancherib zu warne«, und es wird gut für ihn sein, wenn er meine Warnung beherzigt, und es wird auch gut sein für mein Volk." „Wie sollen wir dieses wohl verstehen? Entweder Du Äst ein Spion, oder Du willst Dein Volk verraten, und in beiden Fällen darf man Dir nicht »trauen. Komm, die Befehlshaber sollen über Dich entscheiden." Sie banden ihm die Hände auf den Rücken und führten ihn ins Ärger. Es traf sich unglücklich für den Gefangenen, daß die assyrischen Wgesandten am vorige« Tage aus Jerusalem zürückgekehrt waren mit der Nachricht, daß König Chiskija es wagte, die Tore vor ihnen zu schließen und es ablehnte, sie zu empfangen oder sie auch nur einer Antwort zu würdigen. Sie wußten freilich nicht, daß Chiskija schon bei Nennung von Sancheribs Namen erbleichte, und daß sein ablehnendes Benehmen nicht das Resultat beleidigender Herausforderung, war, sondern durch Zögern verursacht, um! den Bescheid des Propheten abzuwarten. Sein Schweigen wurde von den Assyrern als Wlehnung aufgefaßt, und Harum kannte ihre Wut gegen die. Juden keme Grenze« und keine Rücksicht. „Mag der jüdische König nur warten, bis Sethos, der Aegypter, mir die Fußsohlen geküßt hat," hatte -Sancherib, rasend vor Wut, ausgerufen, „dann soll auch Chiskija es tausendfach büßen. Demütigung und Tribut hatte ich chm ja ohnedies zugedacht, doch jetzt soll er als Sllave neben meinem Wagen herlausen und mir dienen bis zum Ende seiner Tage!" Diese Siebe hatte sich int ganzen Lager herumgesprochen, und die wütenden Krieger hatten sie mit Beifall ausgenommen. Es war daher nur natürlich, daß der Anblick eines Juden ihre bösen Leidenschaften wachrief und noch steigerte. Unter anderen Umständen hätte man den Jüngling vielleicht als harmlosen Hirten angesehen; man hätte ihn geneckt, chm hier und da einen Possen gespickt, schließlich! aber doch laufen kaffen. Jetzt, aber war ihre Stimmung gefährlich, und für Urick war wenig Hoffnung vorhanden, daß sie ihn anders als einen-Spion behandckn würden. Er "konnte auch schon sein Urteil im Gesichte all der Hauptleute lesen, zu denen man chn führte. Ein Kr. 2? . Kriegsgericht wurde in ein großes Zetz^einberufen, wohin auch viele andere Krieger sich drängten. Ein jugendlicher Hauptmann, namens Tartan, net zu einem Aufschub des Urteils, da es doch! nicht ausgeschlossen sei, daß der König selbst den Gefangenen befragen möchte. Es schien, als ob Uriels Anmut und männliche Schönheit sowie seine unerschrockmen Augen einen günstigen Eindruck auf den Sprecher.! gemacht hätten. Diesem Vorschlag aber wurde von Rabschake, dem ersten Ratgeber des Königs, widersprochen, der' älter als Tartan und weniger zur Milde geneigt war. Rabschake war auch der Ueberbringer der Botschaft an König Chiskija gewesen, darum war sein Zorn besonders groß gegen jeden aus dem jüdischen Volke. Die andern Beisitzer stimmten Rabschake bei, schon, um in das eintönige Lagerleben, ein wenig Abwechslung zu bringen, daher lautete das Urteil auf sofortigen Tod am Kreuze. Ms Uriel die harten, mitleidslosen Gesichter seiner Richter sah, konnte er ein leises Beben nicht unterdrücken, und er empfand die Quälen; die die Jugend leidet, wenn sie sich dem sicheren Tode verfallen sieht. Wer er faßte sich bald wieder, und auf seinen bleichen Lippen wurde sogar ein schwaches Lächeln sichtbar, als er die Bärte der Assyrer betrachtete, die alle gleich geschnitten und sorgfältig in zwei Hälften gekräuselt waren. Konnten Männer, die sich in solchen weibischen Eitelkeiten gefielen, wohl jene kühne« Landeroberer sein? ,/Jth will zu dem König gebracht werden," sprach Uriel'.kühn, als seine Richter, trotz des bereits gefällten Urteils, 'sich immer noch unentschlossen zeigten, „Ich bin gekommen, um Sancherib zu warnen und ihm die Worte mitzuteilen, die der große Prophet Jesajas über ihn gesprochen hat." Uriel konnte kaum hoffen, mll dem Leben davonzukommen; daher war er entschlossen, wenigstens vor seinem' Tode noch sein Vorhaben bei Sancherib zur Ausführung zu bringen. „Der Tod schreckt mich nicht," sprach er zu sich selbst/! „wenn ich nur mein Vaterland von dem Unterdrücker befreie. Gleich Simson will auch ich sprechen: „Mag meine Seele mit den Philistern sterben." /"£j1 „Deine Frechheit ist .- groß, und Du wirst den König nicht sehen," entschied/! Rabschake. „Solches Gewürm wie Du ist nicht würdig, vor sein Angesicht gebracht zu werden. Du scheinst! auch sehr verschlagen zu sein, aber uns wirst Du nicht hintergehen. Du bist ein Jude und doch unserer Sprache mächtig. Das verdächtigt Dich noch mehr, und Dein Urteil ist unabänderlich." „Dennoch bestehe ich darauf, :vor den König geführt zu werden, weil ich ihm eine Mitteilung zu machen habe." „Sage uns, was Du weißt, und wir werden es dem König berichten," sagte auch Tartan, einen durchdringenden, aber nicht unfreundlichen Blick auf den Jüngling werfend. Uriel schwieg, und die mühsam auftecht erhaltene Fassung verließ ihn bei diesen Worten. „Aha, Du Hast Dich abermals verraten!" rief Rabschake frohlockend. „Mache Dich zum. Sterben bereit. Nur Deiner Jugend hast Du es zu verdanken, wenn wir Wir eine Stunde Zeit geben, um Dich mit Deinem Gotte abzufinden." Es wurde kein Widerspruch erhoben, obwohl Tartan nicht ganz zufrieden zu sein schien. So war denn alles vorbei. Sein Tod wird dem Vaterlande keinen Vorteil bringen, aber tiefes Leid und Trauer für seine Mutter und Freunde. Tränen stürzte« ihm aus den Augen. Es war bitter, eines solchen schmählichen Todes zu sterben. Er Hatte sich der Hoffnung hingegeben, sein Volk zu hefteten und vielleicht durch ein Wunder selbst tim Leben zu bleiben, um als Held in Jerusalem einzuziehen, von dem ganzen Volke gefeiert, wie ja auch die drei Alten bei dem Beginne seiner Reise es sich ausgemalt hatten. Doch jetzt war alles vorbei, und es harrte seiner der Tod eines Verräters. In den ersten Augenblicken seiner Verzweiflung war er voller Bitterkett gegen sein Geschick. Warum hat der starke Gott Judas ihn verlassen und ihm seinen Beistand versagt? . Es ist ja wahr, daß er von Eitelkeitsgedanken nicht fr« war; aber er konnte doch mit gutem Gewissen behaupten, daß seine Haupttriebkraft die war, sein Volk zu retten und Jerusalem vor dem Untergange zu bewahren. Es war hart, es war sehr bitter: Bockenheim, Kaafimgentra8sel8, Tel.4827II. — Lichtbäder, — Dampfbäder, — Yierzellenbider. —

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