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Neue jüdische Presse · 1914-07-10 · Heft 27 (10.7.1914) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 27 (10.7.1914)
Date
1914-07-10
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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®«te 2. versagen, wonach Zionisten und Gemeindeorthodoxekttnpassives Wahlrechtbesitzen? - Me M>. OeffkMichM darf verlangen, daß ihr Äe Leitung der Agudoh Lar und . unzweideutig er- Wrt, was die Agudas-Jisroel fein soll: eine Organisation der Trennungsorthodoxie oder ein Weltverband des traditionellen Jiwentums. Und wenn sie sich für das entscheid^, was die Agudoh allein .sein kann, will sie überhäufst existieren: eine Weltorganisation der gesamten Orthodoxie auf demokratischer Grundlage M sein, Hann möge die Leitung auch endlich den Mut chaben,' alle Nörgler und ZNtriguanten, die ihre Entstehung am liebsten vereiteln möchten, von sich zu schütteln und über ihre Gegenentwürfe, Rundschreiben und Artikel hinweg zu Positiven Taten zu schreiten. Nur so kann sie die Fehler zweijährigen Politisierens wieder gut machen. Sie darf sicher sein, daß alle wahrhaft.Frommen, alle,, die es mit ihrem Volk und der Thora gut meinen, ihr auf diesem Wege folgen werden, der allein zur Gründung einer wahrhaft großen Volksorganisation der jüdischen Orthodoxie führen kann. Ei» Interview. — Zur Bildungsfrage der russischjüdischen Hugend. — Warschau, im Juli. Dieser Tage las ich in einer hiesigen Tageszeitung, daß. der Wirkliche Staatsrat Jakob Teitel in Warschau eingetroffen sei. Ms so der Name Jakob Teitel in meinem geistigen Bilde erschien, stieg die entlegene Wolgagegend mit ihren Schatten und .Strahlen in meinem Gedächtnis lebendig auf. Bor zwei Jahren war ich dort. Bei den Oasen .der Wüste, sagt man, waren die Anfänge der menschlichen Kultur. Die Wolgagegend ist eure Wüste, und die.Oase für Kulürr und Humanität in dieser Wüste war er, der Richter Jakob Teitel. In aller Munde hörte ich seinen Namen mit Ehrerbietung aussprechen, die ganze Bevölkerung vergötterte ihn. Sogar Jndenfteffer wie der Mönch Jliodor und der Bischof vermögen, auch diese verehrten ihn. 35 Jahre lang beKeidete er sein Richteramt. Doch jetzt, bei der neuen ruMchen Politik, trat die Reih« auch an ihn heran; er mußte,.weil er sein Judentum nicht verlassen wollte, abdanken. Wochen lang dauerten die Banketts, die die dortige Intelligenz gu .Ehren Teitels — des letzten Juden, dem ein Regierungsamt anvertraut war — veranstaltete. Fast höre ich noch jetzt die flammenden Reden, die gehallen wurden. . . * Dieses alles wurde beim Lesen der Zeitungsnotiz in meinem Gedächtnis wieder lebendig,. — und..'so nahm ich denn die Gelegenheit wahr, den seltenen Mann zu besuchen. — „Nach meiner Demission", — begann er —, „begab ich mich nach Moskau und widmete mich ganz dem gesellschaftlichen, hauptsächlich! dem jüdischen Leben. Bor allen Dingen beschäftigte mich die Frage, „wie der Jude höhere Bildung erreichen soll." Die Lage unseres Volles ist so schlimm, wie schon lange nicht. Zur Zell der Pogrome, als man unser Hab und Gut plünderte, kam die ausländische Judenhell den unglücklichen Brüdern, entgegen. Jetzt, wo man unser geistiges Bermögyr vernichtet, .sollen wir still und ruhig die Hände in den Schoß! legen? Die gesamte Judenheit müßte uns auch jetzt wie damals helfen, müßte es besonders unserer nach höherer Bildung strebenderr Jugend ermöglichen, ihr Ziel zu erreichen, wenn nicht in Rußland, wo jetzt die Türen der Hochschulen für Juden verschlossen find, so im Auslande. Wenn das Ausland nunmehr auch die Aufnahme russisch-jüdischer Studenten beschränkt, so 'trägt die Schrckd daran die große Unordnung unserer Jugend, indem diese sich in wenigen Üniderslläten anhäuft. Da muß Ordnung geschaffen werden! Am Anfang jedes Semesters muß den Studierenden gesagt werden, wohin sie Lehen dürfen, in welcher Hochschule es noch fteie Plätze gibt und in welchen Universitäten sie freundliche Aufnahme finden werden. Für diesen Zweck muß es eine jWffche Institution geben. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Welchen Mut wird es schon dem Schüler im Gymnasium verleihen, wenn er es wissen wird, daß eine Gesellschaft Sorge trägt, .daß er später in einer Universität 'Aufnahme findet; er wird seine Studien sorglos fortsetzen und niemals' an »verräterische Mittel denken, die jetzt von vielen .und so häufig ergriffen werden. Haben wir denn jetzt ein Recht, diejenigen Studenten zu beschuldigen, die sich taufen lassen, nm in einer russischen Universität Aufnahme zu finden? Wie viel schlaflose Wchte kostete es viele von ihnen, bis sie ans solche Kompromisse eingingen? Wll, wir haben. keine Schuld' daran? Wir älteren, reichen und diplomierten Juden, was haben wll denn für. die unglücklichen Studenten getan? Haben wir versucht, ihr Leiden zu erleichtern? Wll besser situierten Juden sind mit der armen Bollsrnaffe in .eine mächtige Einheit zusammengeschmolzen. Durch die ersten, ich betone, nur durch die ersten leiden die zweiten. Den Haß und Zorn gegen reiche und diplomierte Juden entgeltet der arme und hilflose Jude. Als lebendige Illustration hierzu möge folgende Tatsache dienen: Im Landesgericht zu Saratow wurde eine Anklage gegen einen Polizeibeamten eingereicht. Wll, das ganze Richterkollegium, darunter auch ich, verurteilten ihn zu einer Strafe. An Rache gegen mich war nicht zu , denken: ich }vat Richter. Nun begann er, sich an den Juden seines Bezirks zu rächen: täglich wurden Inden nach dem Polizeiposten .geführt und, als Rechllose erklärt, nach dem Ansiedlungsrayon ausgewiesen. Wie gesagt, im Zorne gegen den diplomierten Juden, der sich schon eine Stellung in der Gesell-' schaff erworben hat, werden die Begrenzungen gegen den jungen Juden gemacht, 'der ein solcher diAomierter Jüde werden will. Was mit der Begrenzung beabsichtigt wird, ist klar: man will den Geist des Jüden vernichten. Deshalb ist dies keine Schulfrage, die durch Fachleute gelöst werden ftnrn, nein, es ist eine jBolksfrage, und das Volk, das ganze Volk mutz darauf energisch reagieren. Sie ftagen mich über meine Meinung über die Gründung einer eigenen Universität in Westeuropa? Darauf kann ich Ihnen mit einem Lehrspruch aus dem „Talmud" antworten!: „Jeden, der uns nur einen Satz, nur einen Buchstaben gelehrt hat, müssen wir schätzen und als Lehrer ehren!" Jeder Ort, wo sich unser Wissenschaststempel befinden wird,?wird uns heilig sein, sei es in Belgien, Schweiz oder.anderswo, — wenn nur dem russischen Judentum dazu verholfen wird, seiner Jugend höhere Bildung zu geben. Ich persönlich bin auch nicht dagegen, daß man eine Hochschule in Palästina gründet, — nur dürfen Reibereien und Parteipolitik nicht das positive Schaffen stören. Eines möchte ich noch erwähnen: Die Petersburger jüdische „Gesellschaft zur Beförderung für höhere Wissensch a f t" hat jetzt eine Kommission gebildet, unter dem Namen: „Kommission des Aufklärungsfonds". Das Ziel dieser Kommission, kurz zusammengefaßt, kann in folgender Weise formuliert werden: Mitwirken zur Aufnahme russisch-jüdischer Studenten in die ausländischen Hochschulen. — Zweckmäßige Verteilung derselben anf verschiedene Universitäten. — Bearbeitung der Frage wegen Gründung privater Hochschulen in Rußland oder im Anslande. — Starke Unterstützung der im Auslände Studierenden. — Aus Wunsch von gesellschaftlichen Anstalten ' im Auslande wird das Petersburger Präsidium sechs Personen ernennen zur gemeinsamen Bearbeitung der..Fragen, die .die betreffenden ausländischen Anstalten interessieren. Das ist - ein Auszug der Statuten .dieser „Kommission. Dieser.Gedanke beschäftigt mich jetzt ganz, denn nur in ^solcher 'Weise kann diese wichtige Frage gelöst werden, und es wäre sehr wünschenswert, daß sich unsere Gesellschaft dafür interessiere. Ist es doch unsere heilige Pflicht, . alle Möglichkeiten anzuwenden, um das Maß von kulturellen Kräften im russischen Judentum zu stützen. ' D. Schapiro. Nr. 27. Nr. plötzlich ca. 560 jüdische Familien aus Kiew aus Brief aus RrchlimL Man erinnert, sich, daß vor einigen, Monate!! gewiesen wurden. Diese Familien haben jetzt trog aller Bemühungen bei den obersten Instanzen läng« Kiew verlassen müssen. Was sollten auch die Bef mühungen helfen, da gerade die schärfften Juden! repressalien von oben ausgehen. Bei den nute ren Instanzen hätte ja häufig noch der Rubel qei Holsen. Die - damaligen Ausweisungen zeigtcii nur den Beginn des Sommerhalbjahres an, denn die „humane" Regierung versteht , sich bei. Eis imq Schnee noch wenigstens zum Aufschub. Seitden aber regnet's Ausweisungen. In sieben Tage, sollen 29. jüdische Famllien Kadoschtsche k| Lodz verlassen. Aus Petersburg sind 9i j ü d. Handwerk er, weil sie angeblich ihil Handwerk nicht betreiben, plötzlich ausgewiesen worf den. Und über den tausenden Juden den Stadt Nikölajew schwebt augenblicklich das Schwert der Ausweisung. Das sind. nur einig« Musterbeispiele aus der leider sehr großen Listei in der besonders auch die Badeorte figurieren! die möglichst judenrcin gehalten werden sollen. Zu dem Antisemitismus der Regierung ist jetzi noch der desPolentums gekommen. Wirtschaft! lichcr Boykott, Gesuche von Dorfgemeinden um Aus Weisung der jüdischen Bevölkerung, Einäscherung jüdischer Häuser und ihrer Insassen, — dies sinq alltägliche Dinge geworden. Die Regierung, dia sonst das Polentum unterdrückt, läßt ihm hie« fteie Hand. So ist es denn nicht verwunderlich! daß .das Warschauer Kreisgericht dieser Tage einen weiblichen Hyäne mit Namen Nateschewskaje für bia bestialische Ermordung der 60jährigen Jüdin Freuj denreich nur drei Jahre Gefängnis zuerkannte, also die Juden gewissermaßen vogelsrei erklärte. Alle diese Zustände, wie sie jetzt in Ruß land herrschen, schaffen wie einst in Spanien eiii Marannentum. So .kommt es denn häufig! daß.die, die als Jüden nicht lebten, wenigstens als Juden begraben sein wollen. .Das iß mit einem guten Trinkgeld beim Popen ohne weif teres zu erreichen. In letzter Zeit weigern sia aber mit Recht die jüdischen Gemeinden, dieseii Täuflingen eine Begräbnisstätte zu gewähren. Dia jüdischen Gemeinden in Petersburg und in Odessa haben bereits dementsprechende Beschlüsse gefaßt! Aber auch den lebenden Maraunen wird'/ jetzt bei der großen Zahl von Taufen recht schweif gemacht. So hat dieser Tage die Heilige Sys node beschlossen, von Zeit zu Zell nachforschcq zu lassen, ob die Täuflinge wirllich den ortho thoxen Glauben beobachten. Falls sich herausstelleil sollte, daß der Ueberttitt nur aus materiellen Gründen geschah, soll Verlust der durch die Tausf erhaltenen Rechte eintreten. Rat! D. B sion liche lästi den 3 Harvc Bog! fielt wird studiei der S stute s keit ir ziehen, haben, ganisa Ca JEi 6 Salon fortges lassen gehen, gegen flöße die Ir türkisch Tatsaö noch i düng I Gesinn bericht! haben, Panzer Zeitun pressali lich ji D diesen zwische in bes schwe wird d maßreg und bi die R e D tere F.r jüdische rabbine türkisch Brief aus Palästina. Die Milchwirtschaft in den jüdischen K lonien befindet sich in erfteulicher Entwicklung! Allein in der Kolonie Ekron wurden im erstes 1 u Jahre nach Einrichtung der Milchwirtschaft 52,0» Liter Milch produziert. In diesem Jahre wird Erttag noch größer werden. In Jerusalem, pu dessen hygienische Entwicklung ein stärkeres Milch angebo.t eine wichttge Voraussetzung ist, gibt ci bereits 72 jüdische Mlchverkäufer, die täglich ca 1000 Rottel (1 Rottel faßt ca. 3 Liter) Milch setzen. Bon nichtjüdischer Seite werden in Jerusalem täglich etwa 600 Rottel verkauft. Da auf mehreren jüdischen Kolonien in neuest! Das i In Zell die Weftzncht mit großem Eifer »betrieben wird» und der Milchbedarf in den Städten, vor allem i» melt u„ Jerusalem und Jaffa, bei weitem noch nicht ge deckt werden kann, eröffnet sich der jüdischen K Ionisation eine neue bedeutsame Einnahmequelle Ueberdies sind durch die gesteigerte Biehhaltu in den Kolonien auch größere landwirtschaftlic Erfolge zu erzielen, da die Kolonien bisher fa| ausschließlich auf künstliche Düngemittel wiesen wären. Die Eisenbahnlinie, die von Ful (Merchawjah) gebaut wird und bisher nur bis äuge «hulcha namentli Ds.ch enin dem Verkehr übergeben war, reicht jetzt ]fn,re9!in bis zu der Station Schlldk. Der Verkehr auf de gesamten Sttecke dürste noch im Laufe dieses Iah uteij res ausgenommen..werden. der jüdi verstreut die jüdi der Unke Vürdigu Die von ölte vchriftei Herzfeld, für das und Erx u. a. ei handeln l.; Din

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