Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 26 (3.7.1914)
- Date
- 1914-07-03
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2692297-2692872-2692898--08550-2703700- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
«r- 26 ^Zweifel . sein;: - wenn Wir Juden einst wieder die Kraft und das Genie, Mythen zu schaffen, erlangen werden, so wird Theodor Herzl die' größte Gestalt des zukünftigen jüdischen Mythos werden. Und 'wenn einst der große Schöpfer unseres zukünftigen nationalen Epos erstehen wird, das Thema seines Epos wird der wunderbare Prozeß der Rückkehr der entfremdeten Judensöhne zu ihrem Volke und ihrem Lande sein, die zentrale Heldengestalt unseres nationalen Epos aber wird der Mann bilden, der diesen Prozeß in seinem .Leben und seinem Wesen symbolisiert und verkörpert, er, der größte Jude der Modernen Zeit: Theodor Herzl. _ —m —n. ' sortiert 15A G.M. H O LZ * HOFLIEFERANT FRANKFURTaM WOLFS-ECK unsortiert 12H GM.HOLZ Aus den Ereignissen des Tages. Zur Einstellung der Galvestonemigration. Vor einigm Wochen besprachen wir an dieser Stelle den beachtenswerten Artikel eines der Führer . der russischen Territorialisten, in dem dieser seine Parteigenossen zur Auflösung der Organisation und Wiederänschluß an den Zionismus anfforderte, da die Jto bisher nichts Positives habe zu leisten vermocht und es sich erwiesen habe, daß,ihre Ziele unrealisierbar 'feien. Dieser Tage nun kommt eine Nachricht, hie die volle Berechtigung der mutvollen Erklärung des russischen Jtoistenführers beweist, indem sie den Zusammenbruch der letzten, ja der einzigen positiven Aufgabe meldet, deren Erfüllung die Jto in den letzten Jahren ihre gesamte Tätigkeit gewidmet hat: in der letzten Woche ist von Rußland die 100. Emigrantengruppe nach Galveston abgefahren, die auchzugleich die letzte ist, da .die Jto mit dieser Gruppe die Leitung und Regulierung der Galvestonemigration einstellt. Man wird sich vielleicht noch des großen Getues erinnern, mit dem Zangwill und die Jto seinerzeit diese Galvestonemigration 'eingeleitet haben. In Galveston glaubte der Phantasievolle, leichtgläubige Romancier des Ghettos das neue Judenland gefunden und die Judenftage gelöst zu haben. Es wurde in Rußland eine große Zahl von. Auswanderungsburos eingerichtet — wozu die Jca und einzelne jüdische Philanthropen die Geldmittel gaben —, und die systematische Regulierung der Galvestonemigration begann. Seitdem sind 100 Gruppen. hinübergebracht worden, und niemand wird bestreiten wollen, daß damit ein verdienstvolles Werk vollbracht und die Jto. sich durch diese Arbeit Verdienste erworben hat^ .wenn man.auch keinesfalls' einzusehen vermag, aus welchem Grunde für die Leistung dieser Arbeit die Existenz einer besonderen interterritorialen jüdischen Organisation erforderlich wäre. Jedoch in den letzten zwei Jahren bereits' hörte man häufig von Schwierigkeiten,. die seitens der amerikanischen 'Einwanderungsbehörden dieser Galvestonemigration in den Weg gelegt wurden Der' Leiter der Emigration, Dr. Jochelmann-Kiew, mußte selbst einmal nach Amerika hüniber, und dank den Bemühungen von Männern wie. Jakob Schiff, Strauß u. a. gelang es denn auch, diese Schwierigkeiten zu beseitigen. Nun kommt die Nachricht,. daß die Jto gezwungen ist, die ganze Emigration einzüstellen, und zwar liegen die Grunds wie ausdrücklich gesagt wird, nicht etwa in einem'Versagen des Emigrationsmaterials, auch nicht im Mangel an Geldmitteln, .sondern in den .Verhältnissen in Galveston, und dies heißt wohl in der Haltung der Behörden. Warum diese der Emigration feindlich gegenübersteht, hat vor ftrrzer Zeit eine leitende Persönlichkeit der amerikanischen Einwanderungsbehörden recht offen Und fteimsttig erklärt. Die amerikanische Regierung — Frankfurter Israelitisches FamilienKatt. sagte sie— stehe einer starken Emigration von Juden nach Galveston unsyspäthisch gegenüber, weil bei dieser Konzentration einer jüdischen Bevölkerung in den menschenleeren Provinzen die Basis für eine Assimilierung der jüdischen Emigranten fehle und im Gegenteil eher zu befürchten sei, daß die dort lebenden Amerikaner sich an die jüdischen Einwanderer assimilieren würden. Dem aber müsse die Regierung entgegenarbeiten, da sie die Einwanderung fremder Elemente nur dann dulden Wune, wenn die Garantie ihres allmählichen Verschmelzens mit der eingesessenen amerikanischen Bevölkerung gegeben sei. Dieser Standpunkt der amerikanischen Behörde ist von ihrem Standpunkt, vom Standpunkt des Amerikanertums, durchaus begreiflich. Aber auf der anderen Seite ist es klar, daß damit die Emigration ihren hauptsächlichsten Wert für die Jto ver-. lieren muß. Denn die Jto, die ja eine nationale Organisation sein will, kann nur eine solche Emigration fördern, bei der die Voraussetzungen gegeben sind, daß die jüdischen Emigranten ihre nationale Eigenart bewahren und die Möglichkeit haben, ein nationales Milieu zu bilden. So stehen sich die Absichten der amerikanischen Regierung und die der Jto schroff gegenüber, und es ist so nur natürlich, daß diese ihre Tätigkeit einstellen mußte. Diese Einstellung der Galvestonemigration ist aber von einer Bedeutung, die weit über den Rahmen der tatsächliche Wirkungen, die sie nach, sich ziehen wird, hinausgeht. Zunächst bedeutet sie den Zusammenbruch der eitrigen positiven Tätigkeit der J'tö. Diese steht nunmehr da als eine Organisation, die äs facto nicht das geringste positive Programm hat, sondern darauf wartet, bis ihr von irgendwoher das leere, für die Lösung der .Judenftage geeignete Land zufallen werde. Ihr Mißerfolg bei der Galvestonemigration aber — und darin ruht die allgemeine symptomatische Bedeutung dieser Angelegenheit — wird ihr bewiesen haben, daß ein solches Gebiet in keinem der Kulturstaaten zu finden ist; daß alle Einwanderung nach Amerika wohl die wirtschaftliche Not der Emigranten lindern, aber die Judenftage auch nicht um einen Schritt ihrer Lösung näher bringen kann, weil die Bedingungen für die Assimilierung dort ebenso vorhanden — ja in weit stärkerem Grade vorhanden — sind, tme in ihren bisherigen Heimatländern. Das einzige Land, in dem heute die Möglichkeit besteht, ein eigenes nationales jüdisches Lebön und eine eigene jüdische Kultur zu. schaffen, ist eben Palästina. Dies ist heute keine Behauptung mehr, sondern eine offenkundige Tatsache, an deren Richtigkeit nach dem Sprachenkampf auch die Gegner des Zionismus nicht mehr. werden zweifeln können. Während die Hunderttausende von Einwanderern in den Vereinigten Staaten sich rapide assimilieren, während von der jüdischen Kolonisation in Argentinien, auf die die Jca ihre Millionen verwendet, man außer von Prozessen und Streitigkeiten nichts sonst hört,. während die Galvestonemigration einen kläglichen Mißerfolg erlitten hat, haben die zwanzigtausend Juden des neuen Jischub in Palästina in der kurzen Spanne Zeit die Grundlagen einer neuen hebräischen Kultur zu legen vermocht, haben die hebräische Sprache zu. einer Umgangssprache neu erweckt, haben ein beachtenswertes Schulsystem geschaffen und aus Palästina -pereits so etwas wie ein Zentrum für das gesamte jüdische Volk gemacht. Wahrlich, schlagender kann die Realisationsmöglichkeit des Zionismus,, seine Berechtigung, als einzige Lösung der Judenftage zu gelten, gar nicht bewiesen werden, ccks es in dem letzten Jahrzehnt geschehen ist. Vielleicht, daß die Einstellung der Galvestonemigration, die ja an sich im Interesse der jüdischen Emigranten des Ostens aufs lebhafteste zu bedauern ist, das eine Gute bewirken wird, daß sie die Führer der Jto und mit ihnen auch manche führende Persönlichst unter den jüdischen Philanthropen, von der Unmöglichkeit überzeugen wird, in einem anderen Lande als Palästina die Voraussetzungen für eine starke jüdische Emigration zu schaffen, wobei den.Auswanderern die Möglichkeit zu einem volljüdischen Leben gegeben ist. Der Mißerfolg der Gcflv estonemigration stellt ryrr einen der vielen Beweise Kr die alleinige Berechtigung des Zionismus als . des einzigen .Weges zur Lösung der Judenftage dar. '_«eite ». S H. Wtere, Optiker, Liebfrauenstr. 1. f Brillen, PIncenez, Operngläser, Feldstecher 1 in jeder | opt-mechan. Spfelwaren | Preislage | Etsenhaftnen, DarcpfnasciiinBti, Laterna-Maniea, IlflBBatgflraglaa «te. 1 Die Aufhebung des Waidhofeuer j Beschlusses dementiert. 1 Wien, /29. Juni. % Die Nachricht, daß .die deutsche Studentenschaft | aufhören will, einem ganzen Volke die Ehre abz zuschneiden, bewahrheitet sich nicht, und die Be- 4 Häuptling der Wiener Blätter,. die österreichische» | Burschenschafter hätten zu Pfingsten .in Marburg f beschlossen, künftighin nicht mehr jedermann für | „der Ehre bar" gju erklären, den eine jüdische I Mutter geboren hat, wird energisch dementiert. | Es ist lediglich den führenden Helden der I „Deutsch-arischen akademischen Bürgerschaft" in j Marburg nicht gelungen, eine Verschärfung des | Waidhofeuer Standpnrcktes durchzusetzen und alle z deutschnationalen Studenten zur Anerkennung des 1 sauberen PrinziK bedingungslos zu verpflichten.; Ei» Jude im französische» Oberkriegsrat- Paris, 28. Juni. | General Vakabrögue ist zum Mitglied « des Oberkriegsrates, der höchsten.militärischen Kör- | Perschaft in Frankreich, ernannt worden. Er. ist der j erste Jude, der eine ' solche Stelle erhält, wie! er - s auch der erste war, der ein Korpskommando er- I hielt (er ist gegenwärtig Kommandant des III. Armeekorps in Rouen). „Russisches". Petersburg, 28. Juni. Sämtliche Inden, die in den deutschen Kolonien des Jekaterinos- ' lawer Gouvernements wohnen, werden-.jetzt ansgewiesen. An der städtischen Bibliothek von Nova Odessa wurde eine Prozentnornr jüdische Lehrer eingeföhrt, und ockte Versuche, diese Maßregel wieder zu beseitigen, waren vergeblich. Petersburg. Die Duma beschloß mit 94 gegen 75 Stimmen, 'Inden von der^ Beförderung mit den neuen DamMern derDonanmtb Schwarze Meerlinie auszuschkießen. Geueralversammluug des Jüdische» Nalioualsouds. Im Anschluß an den Bericht verweist Justizrat Dr. Bodeuheimer, der Borsitzende, auf den Beschluß der letzten Generalversammlung, eine Aktion für die StedlnngSgenossenschast einzuleiten. Diese Aktion sei zunächst aus dem Grunde notwendig geworden, um der „Siedlungsgesellschast Erez- Jsrael" die Ausgestaltung des genossenschaftlichen Betriebes in Merhawjah zu ermöglichen. Außerdem solle die Arbeitergenossenschaft Dägania, die der Rationalsonds von der P. L. D. C. zurücknehmen und provisorisch verwalten mußte, von der Siedlungsgesellschaft übernommen werden. Schließlich habe der letzte Kongreß in Wien dem Aktionskomitee einen Beschluß seiner Palästina-Kommission zur Durchführung überwiesen, wonach der Genossenschaftsfonds derartig erweitert werden soll, daß er außer den Siedlungsgcnojsenschaften auch die Förderung anderer landwirtschaftlicher Arbeitergenossenschaften in sein Arbeitsprogramm ausnehmen könne. Es entspricht auch dem Interesse des I. N.-F., auf die Heranbildung eines geeigneten Pächterelements hinzuarbeiten. Dr. Franz Oppenheimer erstattet hierauf Bericht über den S1«ijr-der Genossenschaft in Merhawjah. Er müsie mit allem Nachdruck betonen, daß die bisherige iy Merchawjah geleistete Arbeit nichts anderes als Pionierarbeit gewesen sei. Erst jetzt wurden die Bauten und die Wasserleitung vollendet. Es müsse überhaupt beachtet werden, daß zumindest die ersten 3 Jahre jeder Ackerbauwirtschast in Palästina eine Borbereitungszeit darstellen, da der Boden durch Dung und Fruchtwechsel erst i« anbaufähigen Zustand gebracht werden müsse. Diese Tatsache haben die palästinensischen Fachleute, die er im Jahre 1810 bei der Aufstellung seiner Rentabilitätsberechnung und den erforderlichen Investitionen zu Rate gezogen hatte, vollständig übersehen. Dr. Oppenheimer berichtete weiter über den Derlaus seiner Propagandareise in Amerika. Nunmehr können das Hauptbüro des Nationalfonds und alle Freunde der genossenschaftlichen Sache die Wtion in Amerika mit guten Aussichten auf Erfolg sortsetzen. Der Vorsitzende verweist auf den erfreulichen Fortschritt der Baumspeuüe. die nun bereits mehr als 90060 Bäume aufgebracht habe. Die Wichtigkeit dieser Institution für die Landes'