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Neue jüdische Presse · 1914-06-26 · Heft 25 (26.6.1914) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 25 (26.6.1914)
Date
1914-06-26
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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6tüe 3.!5. egen iben. Leipö°ff- , wie rfem itmer Ren- Sorte slnen als hung Verte das :s ist lnsten die r die der ziowscht, Zionoch isches bsteritiver : mil- Leipnissen Forerung des in in ionisgehen Ent- ■t .f)at, tnerer oder : noch h getees. >na. rreaus i nnd Sitzung rbin- RabS. lotten- I- §- mberg, n-Ant- :g, M. Serfin, Gäste :t den Ja 25 :Ber- Rabb. lsipa- > her- 'israchi;,006 iberaus Rubin- )rgani- 'tellunz nheiten chlussen Periode, sonds 8 eine lebildech t zwecks iten in ganichenekn. Lachet . .des >Lisrachi zusteht; stellunL eines Direktors ist in naher Aussicht. Die Bildung von Lokalkomitees soll beschleunigt nnd denselben eine intensive Tätigkeit zur Pflicht gemacht werden. lieber Finanzen berichtet Herr Rechtsanwalt Dr. Möller. Für die Propaganda.des Misrachi iverden erhebliche Summen, von mehreren Herren je 1000 Marl, gezeichnet. Es wird von mehreren Zeiten der Wunsch ausgesprochen, baldigst einen Delegierten tag einznberufen. Die arbeitsreiche Tagung eröffnet verheißungsvolle Ausblicke für die Zukunft des Misrachi. Cafe Kaisergarten am Opernplatz Erstklassiges Familien-Cafe r Nachmittags Konzerte. Fr. Hanselmann, Besitzer. Der Monstreprozetz gegen die Petersburger Advokaten. Petersburg, den 21. Juni. 25 Petersburger Rechtsanwälte mußten . auf die Anklagebank, weil sie während der stürmischen Tage des Bcilisprozesses eine! Resolution gegen diese gerichtliche Farce verfaßt haben. Eigentlich waren es etwa hundert Schuldige > gewesen, die in einer der denkwürdigsten Peters- I burger Advokatenversammlungen den Verteidigern des Beilis ihre uneingeschränkten Symhathien ausdruckten und mit dieser kühnen Tat ganz Rußland, in Aufregung brachten. Das Disziplinarverfahren, das zunächst vor der Rechtsanwaltskammer angestrengt wurde, endete, wie nicht anders zu erwar- | ten war, mit Freisprechung der Angeklagten, worauf!die Staatsanwaltschaft die Affäre vor das Peters- | burger Kreisgericht brachte. Der Verlauf des ungeheuerlichen Prolzesses nahm einen fiir die russische (Gesellschaft ungemein interessanten Charakter an. Denn es war einStel'ldich ein der Elite der Petersburger Advokatenwelt. Da hörte man bald als Angeklagte, bald als Zeugen die forensischen Koryphäen Rußlands, und auch die Verteidiger des Beilis kamen nochmals zu. Worte. Der Gerichtspräsident rief sogar einmal dem Rechtsanwalt Grusenberg zu, er möchte nicht vergessen, daß er hier nicht mehr dieselbe Rolle wie in Kiew zu spielen habe. Im allgemeinen fühlte miau aus allen I Erklärungen der Rechtsanwälte heraus, welcher Zorn in. den Herbsttagen des vorigen Jahres alle Intellektuellen in Rußland erfaßt hatte, wie die Kiewer Schmach alle Geister beunruhigte. Da befand .sich, unter, den Angeklagten auch der bekarmtc konservative Rechtsanwalt B o b r i st s ch e w--P u s ch - kin, eine forensische Berühmtheit. Er hatte trotz I seiner -politischen Richtung am eifrigsten für die Resolution agitiert. Nuymehr mußte er zusainimen mit den 'oppositionellsten Rechtsanwälten die Finessen der russischen Justiz auskosten und konnte sich-also einmal an seinem eigenen Schicksal davon überzeugen, welche Willkür heutzutage im russischen GerichtDsaal herrscht, wenn auch nur ein Hauch von > Politik hinesnweht. Und. nun gar ein Echo des Beilisprozesses! lDa gibt es kein Gesetz, keine Vernunft und keine! Sch am. Demgemiäh ist auch in diesem Prozeß ein Irigoroses Urteil gefällt worden, ein. Urteil, «das eine ganze Schar der hervorragendsten Peters- Iburger/'Advokaten, darunter ilkustre Namen, für «viele Monate ins Gefängnis schickt. Doch was ist da verwunderlich? Wenn man die iBlüte der ersten Duma neben dem tiefernsten und Isittlich hochstehenden Präsidenten Muromzew hat »hinter Schloß And Riegel 'bringen dürfen, wenn Iman die gesamte. sozialdentokrattsche Fraktion der ^zweiten Duma ohne jeglichen Grund zur sibirischen Zwangsarbeit verurteilen konnte, wenn mÄn seit Jahrzehnten die fähigsten Teile der russischen lügend durch unerhörte Strafen (Galgen, Depor-. Itation u. dgl.) Zu dezimieren vermag, warum sollte da ein Petersburger Gerichtshof just auf die Advokaten Rücksicht nehmen? Der Gerichtshof war deZlohBiings-EIiirlelttiiiiBeii ln kQnstlerlseh. Auffassung I , Verkauf von AgnstgeTerbliehen Erzeugnissen. Antiquitäten, i'riedjicli Bernhard, Frankfurt a. M ' Tel.’ Hansa 5574. ' BSraenstrasse 11. ‘ Frankfurter Israelitisches FannlieMatt. . halb äußerlich sogar korrekt und fällte dann das sicherlich bereits vorher festgesetzte Urteil. Petersburg, 10. Juni. Sokolow und Keremski sind zu 8, die übrigen 23 Advokaten zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Das unverständlich strenge Urteil hat in den hiesigen gesellschaftlichen nnd politischen Kreisen Bestürzung tzervorgerufen. Nach der Urteilsverkündung fand in einem größeren Restaurant ein Bankett der Petersburger Advokaten statt. Der Prozeß wird in zweiter Instanz verhandelt werden. Karlsbader Antisemitismus. _ Vor mehreren Tagen hatte der Karlsbader Stadtrat die Bevölkerung aufgefordert, die Häuser zu beflaggen.' In 78 Zweispännern fuhren die Vertreter antisemitischer Studentenverbindungen vom Bahnhof durch die Stadt und wurden auf Kosten der Stadt bewirtet. Diese Unverschämtheit jetzt mitten in der Saison, /wo mehr als 2000 Juden ihr Geld in Karlsbad lassen! Ein weiteres antisemitisches Vorgehen ist von hier zu berichten. Die Stadt hat jetzt das unkonzessionierte Vermitteln von Wohnungen verboten. Eine ganze Anzahl jüdischer Kellner hat damit eine bedeutende Einnahmequelle eingebüßt. Viele sind wegen des Vergehens bereits in Haststrafen genommen worden, — aber vergeblich wartet inan bis heute darauf, daß wegen des gleichen Vergehens auch nur ein christlicher Dienstmann oder . Kutscher bestraft worden wäre. Ein. weiterer Erfolg der neuen Maßnahme ist der, daß den jüdischen Vermietern die Zimmer unvermietet bleiben, denn die christlichen Vermittler führen die jüdischen Fremden meist nur christlichen Vermietern zu. Katholische Agitation gegen Ernesto Rathau. New Pork, 15. Juni. Bekanntlich ist Ernesto Nathan, der gewesene Bürgermeister von Rom, hier als Vertreter Italiens auf der „Panama-Ausstellung San Francisco 1915" eingetroffen. Dies hat der katholischen Geistlichkeit Anlaß gegeben, eine rege Agitation gegen Nathan zu entfalten. Auf einem großen Meeting wurde diese Agitation mit der ' Parole beschlossen: „Entweder Nathan fort oder hie Ausstellung boykottiert." Der Kampf gilt natürlich nur dem gewesenen Bürgermeister von Rom und nicht dem Juden Nathan. jed. Axt tu Preislage» kante man gut und preiswert im Trauring «Eck -WU Frankfurt a. &£., Trierisohe Gasse 31. Ecke Töngesgasse,vis-ä~vis d, Hase&gasse. Fr. Pletsscb, Die Emigration nach Galveston. Kiew, 22. Juni. Im August wird die hiesige Jüd. Emigrationsgcsellschaft die hundertste Partie Emigranten nach Galveston absenden. Die Partie wird die letzte der Gesellschaft sein. Sie stellt nämlich ihre Tätigkeit ein, weil man seitens der jüdischen Wohlfahrtsvereine in Galveston sich weigert, neue Einwanderer zu unterstützen. Damit hat dann auch die,Lto" ihre einzige Betätigung eingestellt. Leo Schweinfest# a ' Damenschnelderel empfehle tadellosen Sitz, gute Verarbeitung. W . WM" kr. Eschenhelmeratr. 19. I. -W> WM Aus aller Welt. Deutsches Reich. Berlin. Unter Teilnahme der Behörden wu,de das an der Exerzier-' und Schulskraße stehende, 230 Betten enthaltende ■ , Nene Ind. Krankenhaus eingeweiht. Rabb. Tr. Weifte, Sanitätsrat Dr: Feilchenfeld, Louis Sachs, Geh. Medizinalrat Dr. Kr ohne (Vertreter des Ministers des Innern), Bürgermeister Reicke, Stadtverordnetenvorsteher Michel et, Prof. Israel sprachen. Die Kosten des Krankenhauses betragen insgesamt 4 800 000, Jk Stratzbnrg. Professor Dr. Ewald äußerte sich in einer seiner jüngsten Vorlesungen über ‘ das Schächten wie folgt: „Sobald die Blutzufuhr zum Gehirn - aufhört. ---l tritt Bewußtlosigkeit ein. Das Schächten, wie es zum Beispiel die Inden anSfnhren, ist eine sehr humane Art der Tötung, wenn cS auch schlecht aussieht. , Es hat einen Kampf hcrvorgebracht von Leuten, die es nicht verstehen, und zwar wegen der Krämpfe, die ein» treten. Die Tiere bekommen Krämpfe, und das sieht für den Laien aus, als ob sic Schmerzen hätten. Aber bevor die ersten Krämpfe eintrete», ist schon vollständige Bewußtlosigkeit vorhanden" N. ROSENAU Englische Herren - Schneiderei IO floetheatrasse IO. Vornehme Ausführung. Massige Preise. Rußland. Odessa. Anläßlich seiner Anwesenheit in unserer Stadt empfing der Zar auch eine jüdische Deputation, bestehend ans Kronrabbiner Dichno und den Rabbinern Polinkowski und Halperrn, alle drei bekleidet mit weißen seidenen Talaren. Dichno hielt folgende Ansprache: „Allergnädigster Kaiser! Die gesamte jüdische Bevölkerung Odessas ist hoch erfreut, Gelegenheit zu haben, Ew. Majestät die untertänigsten Gefühle von unbegrenzter Liebe unter die heiligen Füße zu legen, und bittet die Seser-Thorä anzunehmen, das Symbol ihres Glaubens, als heilige Bürgin von unerschöpflicher Untergebenheit zu ihrem vergötterten Kaiser. Wir beten zu Gott, daß er Ew. Majestät ein langes Leben gewähre." Der Zar drückte dem Sprecher die Hand. Die Deputation möge der jüdischen Bevölkerung seinen kaiserlichen Dank übermitteln, auch dafür, daß man ihm nun znm dritten Male eine Sefer-Thora übergebe. Der Zar nahm dann die Sefer-Thora, legte sie in das kunstvoll gearbeitete Futteral imd befahl, sie nach seinem Hofzug zu bringen. Personalien «. Kleine Mitteilungen. Offenburg. Heinrich Bloch und Frau Fanny geb. Kahn feierten die goldene Hochzeit. Basel. Dr. Salomou Schönberg hat sich au der hiesigen Universität als P r i » a t d o z e n t für anatomische Pathologie habilitiert. Mainz. Bankier Joseph Fulda. Vorsitzender der „Israelit. Religionsgesellschaft", feierte den 80. Geburtstag. Er hat sich um seine Gemeinde große Verdienste erworben und genießt auch außerhalb derselben allgemeine Wertschätzung. Hamburg. Moritz Magnus und Frau Rasch geb. Sachs feierten die goldene Hochzeit. (L) Pose«. Anläßlich 70 Geburtstages der Frau Medizinalrat Therese Mankiewicz fand die Einweihung des von ihren Kindern errichteten Gebäudes sür die interkonfessionelle Krankenküche statt. Exzellenz Frau von Straatz, die Gemahlin des kommandierenden Generals, überreichte bei dieser Gelegenheit dem Geburtstagskind ein von der Kaiserin persönlich unterschriebenes künstlerisches Gedenkblatt. (L.) Hoheusqlza. Vom sicheren Tode des Ertrinkens rettete der Referendar Cohn, der zur Zeit an dem hiesigen Königlichen Amtsgericht beschäftigt ist, einen 14jährigen Schulknaben, der beim Kahnfahreu Infolge llmkippens des Kahnes im hiesigen Soolbadteich bereits untergeganger: war. Köln. Landgerichtsrat Josef Koppel, Borftändsmitglied der jüd. Gemeinde, wurde zum Oberlandesgerichtsrat ernannt. Breslau. Salo Schottländer, Gründer und Leiter der Schlesischen Buchdruckerei, Kunst- und Berlagsanstalt von S. Schottländer A.-G., griechischer Konsul, Amtsvorsteher und' Rittergutsbesitzer, feierte seinen 70. Geburtstag. — Eduard S achs, Präsident der jüd. Gemeinde, feierte mit seiner Frau die goldene Hochzeit. (L.) Posen. Der plötzlich verstorbene Kaufmann Lo urs Glaser erfreute sich durch seine Wohltätigkeit und durch sein Wirken im Ehrendienste der Stadt und der jüd. Gemeinde der größten Wertschätzung. — In Rogafen errang Magnus Wolff die Würde des Schützenkönigs. Budapest. Im April wurden 82 jüdisch-christliche Ehe» in Ungarn geschlossen. London. Der am 3. April verstorbene Samuel H i e l b u t testierte der Stadt 300 000 Ji. für musikalische Erziehungszwecke und einer Reihe jüdischer Institutionen Beträge von 10 000 unb 20000 Jt. Petersburg. Dr. med. Leon Lcwin, Privatdozent an der hiesigen Universität, wurde zum Professor.ernannt. Dr. Lewin ist ein Schwager des bekannten Schriftstellers David Frischmann. — Die Lodzer jüd. Gemeinde verwaltet eine Stiftung des verstorbenen Knnstmäcens Jakob Herz, aus deren Zinsen 7500 Rubel an jüdische Wnstler oder Kunstschüler verliehen werden. Bis zu dem vor einigen Tagen abgelaufenen Einreichungstermin haben sich nicht weniger als 200 jüdische Künstler, Maler, Bildhauer, Architekten nnd Kunst« kademiker um die Stiftung beworben, ein Beweis dafür, wie stark die Neigung zur Kunst unter unserer Jugend ist. f Warschau In W is chm ersitz ließen sich vier Christen von dem jüdischen Schiffer Schermann über die Piliza setzen. Plötzlich packten sie den Schisser, rankten ihm das Geld aus der Tasche und warfen ihn ins Wasser. Als sie sahen, daß er sich durch Schwimmen zu retten versuchte, schlugen sie mit dem Ruder nach ihm. Schermann, ein guter Schwimmer, stellte sich tot, tauchte unter und erreichte das User. Die Mordbnben sind noch nicht ergriffen. — es

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