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Neue jüdische Presse · 1914-06-26 · Heft 25 (26.6.1914) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 25 (26.6.1914)
Date
1914-06-26
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Onte l Frankfurter Zsraelttisches FamilienUatt, Nr. 2ü. Dagegen hat inan wieder einmal zwei nn schuldige. Juden wegen des Verdachts des Ritualmords arretiert. Im Dorfe Grajcz (Lubl. Gouv.) wurde nämlich ein Bauer mit durchschnittenem Halse aufgefunden. Sogleich erhob sich das Geschrei, die indische Familie des Ortes habe „Blut zu Mazzes" gebraucht. Die Polizei verhaftete von der Familie Vater und Sohn. Neu eröffnet! Cafe Corso Ecke Kaisers trasse and Moselstrasse. Franz KrSstm Der Windhauch. Historische Erzählung von M. Pulvermann. (Fortsetzung-) Der Prophet. Als Uriel seine Wanderung wieder angetreten hatte, empfand er einen Schmerz und rin bitteres Weh in seinem Herzen wie noch nie zuvor in seinem ganzen Leben, außer in jener traurigen Stunde, da seine Mütter besinnungÄos zu Boden stürzte, nachdem sie die Kunde erhalten, daß' ihr Mann unter den letzten Kämpfern lebendig gefangen und als Sklave nach Assyrien fortgeführt worden war. Wer selbst damals war es mchr der Anblick der ohnmächtigen Mutter, der in schmerze, als das.Bewußtsein des eigenen Verlustes, den er als Kind in seiner ganzen Größe noch gar nicht erfassen konnte. Jetzt aber empfand er neben der Trauer des Knaben auch noch den Zorn des Mannes über.das Unglück der beiden Menschen, die er mit inniger Licke in sein Herz geschlossen. In der Muht, da er gefesselt und hilflos gelegen, konnte er. nur bittere Tränen vergießen, und jetzt, . da er wiicker frei war,, konnte er auch! nur in stummer Qual seine Fäuste ballen und seinen Zorn ungehört ausschütten. Aber seine Augen glühten, ein starker Wille beseelte ihn, und er betrachtete es als' cin GWck — wenn von Glück die Rcke sein konnte —, daß die Räuber mit den Gefangenen die gleiche Richtung ringeschllrgeu hatten, die auch das Ziel seiner Wanderung war. Er konnte ihnen daher folgen, ohne von seinem eigenen Ziele abzuweichen, das ihn in das Lager Sancheribs führte. War es 'denn nicht möglich, daß er sie doch noch einhvlte, Mutter und Kind doch noch zu befreien und nach einem sicheren Versteck zu bringen? Ach, daß er diese Räuber und ihr ganzes Lager mit .einer großen Hecresmücht überfallen und bis auf den letzten Mann vernichten könnte! Ach, daß es ihm doch auch vergönnt wäre, ein Held wie Josua, Jephta, Gideon, Süul und David zu werden! dich, daß doch zehntausend Männer vorhanden wären, die gleich' ihn: den Tod nicht fürchteten, weil sie Freiheit und Religion als die höchsten Güter erachteten! Ja, dann wäre es ein Leichtes, die assyrischen „Wölfe" zu dcmütigen und geschlagen und besiegt aus dem Lande zu treiben! Aber es waren keine Zehntausend vorhanden, nicht einmal Zchnhundcrt. Der Geist, vom Knechtcsjoch gebeugt, vermochte sich nicht sobald wicker zu dcnr kriegerischen Geist aufzurichten, die einst so glorreiche, siegesgewisse Nation war nun schwach geworden durch fortwährende Bckrückung, durch unausgesetzte Verfolgung, und nur ein Wunder konnte Israel wieder uufrichten. Das waren Uricls Gckanken, die ihn auf seiner Wanderung begleiteten. Es war spät am Nachmittag und die Sonne bereits dem Untergange nahe. Bisher hatte er die Landstraße gcmicken und seine Reise über Felsen und Schluchten fortgesetzt; doch der Hunger und die hereinbrechende Nacht nötigten chn, mehr bewohnte Gegenden aufzusuchen. Er gelangte bald auf einen ausgetretenen Fußpfad, der ihn zum Hause eines Hirten führte. Anscheinend war dieses leer und die Bewohner geflohen. Ucker die Mauer ragten Laubkronen und Weinreben, die chn Feigen und Trauben ahnen ließen. Er war entschlossen, hier seinen Hunger zu stlllen, selbst wenn der Eigentümer nicht anwesend sein sollte, ohne sich eines Dickstahls schuldig zu machen, eingedenk des mosaischen Gesetzes, das er genau kannte: „Wenn Du kommest in Deines Nächsten Weingarten, so darfft 'Du Trauben essen nach Herzenslust, aber Du darfft keine in Dein Gefäß tun." Ohne Furcht trat der Wanderer näher, entschlossen, die Mauer zu übersteigen, wenn die Notwendigkeit hierfür sich erweisen sollte. Zu ferner Verwunderung aber fand er das Tor unverschlossen, und als er eintrat, vernahm er in einer geringen Entfernung das dumpfe, regelmäßige Auffchlagen auf irgend einen weichen Gegenstand. Er bemerkte bald eine ältere Frau, die auf einen mit Mllch gefüllten. Lederbeutel, der an einem Baumast befestigt war, taktmäßig mit einem Stab auffchlug, um den Beutel in schwingender Bewegung zu halten Sie erschrak hieftig bei dem Anblick eines Fremden, aber sie beruhigte sich bald wieder; als «Uriel näher trat und sie sein männlichschönes Gesicht und die Unschuld feiner Augen wahrnahm. Sie ließ nun jcke Furcht schwinden und begrüßte chn wohlwollend und freundlich. „Ich habe Hunger und Durst," sprach er, nach dem üblichen Friedensgruß, „und darum bitte ich Dich uM ein wenig Speise." „Du bist mir wMkonünen," war chre freundliche Erwiderung, „und ich will Dich laben, soweit ich es vermag." Sie bereitete .chm einen bequemen Sitz im Freien unter einem Palmbaum mid brachte Brot, Ae» und Früchte. „Wie kommt cs, daß Du keine .Furcht vor di Assyrcrn hast und iw dieser einsamen Gegend blieben bist?" fragte Uriel. „Mein Mann hat die Herde in die Felsen trieben, weil wir eben nicht ohne Furcht sind; a! wir vertrauen dem Worte des Propheten, daß w kein Leid geschehen wird." „Sprichst Du von dem Propheten Jesajas? „Bon keinem andern. Er weilt dort," sie dem nach dm bläulich-schimMemden Bergspitzen, „und sch Anwesenheit ist unser Schutz." „Warum aber sollte er nur Dich und die Dein« beschützen und nicht auch unser ganzes Volk?" „Ich weiß es nicht. Wer es geschieht vielleich! weil wir ihn aus eigenem, freien Willen bedien^ und für seinm leiblichen Unterhalt Sorge tragen. S« jenem Tage, da er diese Berge für seinm Verkehr ml Gott gewählt hat, haben wir ihm Morgens und abeni Brot und Wein geschickt, damit, er keine Not erleid! Als die Kunde von dem Ueberfalt der Assyrer auch z uns gedrungm war, ging mein Mann zu ihm, zit tcrnd vor Ehrfurcht, seinen Rat .zu erbitten. Ilnl der heilige Mann hat uns beschwichtigt und verheiße« daß kein Assyrer. seinen Fuß in dieses Land wird." „Spricht er denn öfter mit Deinem Manne? „Nein. Nur zweimal hat er mit ihm gesprochen Wir wagen es nicht, ihn in seiner Zurückgezogenhci zu stören, auch nicht, wenn wir ihm die Mahlzeit« bringen. Wir setzm diese nämlich auf einen bestimm ten Felsm, rufm seinen Namen und verlassen da« den Ort, der durch seine Anwesenheit geheiligt ist." „Glaubst Du, daß er sich herbeilassen wird, mi g mir zu sprechen?" fragte der Jüngling gespannt. „Das kann ich Dir nicht sagm, da ich doch 2 Anliegen nicht kenne. Wenn Du nur hingehst, ui Deine Neugierde zu beftickigm, dann wirst Du die Kühnheft bald bereuen. Suchst Du ihn aber, daß Dir als Gottesmann beistehe, daß er für Dich bet soll, dann kannst Du jcke Furcht aus Deinem Herz« barmen. Er ist Helfer und Berater aller Unglü lichen. Jetzt gerade sind auch die Boten des Köm« Chiskija bei ihm, und sicherlich werden sie eine b« ftiedigende Antwort von ihm erhalten." „Hast Du die Boten gesehen?" „Freilich, sie haben doch mit uns Brot gebroch hier, an derselben Stelle, und sind vor kaum cin« Stunde erst fort." . (Fortsetzung folgt.) lOffenbaeher Druckluft-Anlage I Offanbach a. M. Telefon 183. (Anschluss mitFrankfart). I Bewährteste TepplchralnlOung (100,000 qm jShrlicb) ■ sowie untlbertroffena Battenu. Battfedarnretnl gang mittelst Druckluft und 'Wasserdampf. Stelnweg 1 3uwb1eh, UörBn, Bold- und SilbErwapen Atelier für Neu-u.Umarbeitunge m Eckhaus Bossmarkt beeid. Sachverständiger Reparaturen. --- --- E Telephon Hansa 6069. Auswahlsenaungen gerne zu Diensten: Israslltlsehe Kultusgagenstande. Masschiieiderei, Tel. n. 4857!10 wird prompt und billigst ausgeführt. : Spezialgeschäft für KiflitsAi- MM - MMd - Stoffe grösste ^arbenauswahl nur hei Fnedrieh Gutli L Gr. 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