Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 24 (19.6.1914)
- Date
- 1914-06-19
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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-ytuuMutttv oituciu^ju^ jjiuuiuemHuw. ^Vtwri; w getan, daß jeder, der nur seine Argumente lese, glauben müsse, der Zcntraüicrcin habe in allen Punkten recht. Dies Ware ein, Punkt, der noch öffentlicher AufMrnng bedürfte. Die deutsche Achusa-Bewegung nwge sich auf dem Boden des Jüdischen Nationalfonds betvegen. Es sei unsere Sache, einen Weg zu schaffen, der es allen PMstina--Jnteressenten crnwglicht, mit der. Achusa-Bewegung den Jüdischen Nationalfonds zu starken. Rechtsanwalt Hirsch-Berlin: Die Jugend- Propaganda muffe intensiviert werden. Sic dürfe nicht allein in Borträgen geschehen, die .meistens den Zweck nicht ersÄlen. Er empfiehlt, eine geeignete Broschüre zu vertellen. und regt an, deut .geschästsführenden Ausschuft ein b e s o n d e r e s Dezernat für Jugendpropaganda zu schaffen. ' . Barckier W o l f-Frankftirt a.. M.: Er^ vertrete den Standpunkt Dr. Oppenheimers. . Redner richtet einige Ädlftagen an die Leitung,' insbesondere über den Religionsunterricht in den neuen Schulen in Palästina und Wer die Stellung der Leitung zur Agndath Jisroel. Rechtsanw. Greifen ha gen-Berlin sprach über das Verhältnis der zionistischen Organisation zur jüdischem Turnerschaft und erbat für sie eine größere ideelle und materielle Unterstützung. Hermann Struck-Berlin: Es müsse in jeder Beziehung Meinungsfreiheit herrschen. Mancher Zionist bekomme es hier zu hören, daß er incht diszipliniert sei. Seiner Meinung nach sei der Begriff Nationalismus noch unbewußt in seiner Stellung züm Judentum. Judentum aber sei für ihn eine nationale-religiöse Harmonie. Der Zionismüs tue unrecht, Wenn er statt der Religion die Kultur eintauschen wollte. Man dürfe nicht öffentlich Ideale Predigen, .denen man selbst nicht nachstreVt. Es sei so weit gekommen, daß Man moderne jüdische Dichter bewundere, die Thora aber in einen Winkel werfe. Rechtsanw. Dr. Möller-Altona nimmt Struck gegen verschiedene Angriffe in Schutz und warnt davor, die öffentlichen zionistischen Organe über andere Organisationen Unwahrheiten verbreiten zu lassen, da man sich dadurch mindestens Sympathien verscherzen werde. Dr. H antkc-Berlin hält das Schlußwort, betont, daß die gesamte zionistische Jugend im nationalen Geiste tätig' sei und damit die Praxis Wer alle theoretischen Differenzen hinaus entschieden habe. .Gegenüber allen Angriffen von außen sei 'die zionistische Organisation einheitlich, und stark und' das Verständnis für die Wichtigkeit der Organisation ist allseits durchgedrmrgen. Folgender von Dr. Hirsch und Landau eingebrachter Antrag schloß die Diskussion': Der Delegiertentag spricht seine volle Uebereinstiminung mit der Politik des Geschästsführenden Ausschusses aus. Der Delegiertentag bMgt insbesondere das Verhalten der Organisation gegenüber dem Antizionistischen Komitee und.gegenüber dem Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, sowie das energische Auftreten in dem Kampf für die hebräische Sprache in Palästina. Der Delegicrtentag fordert den Geschästsführenden 'Ausschuß auf, mehr als bisher das Schwergewicht auf die Jugendarbeit zu legen. Dieser Antrag wurde in jedem einzelnen Punkt besonders abgcstimmt und in alten 'Punkten angenommen, ohne daß eine Stimme sich dagegen erhob!. ' (Schluß folgt.) Cafe Kaisergarten am Opemplatz Erstklassiges JFamilien-Caf6 ■ . ■- Nachmittags Konzerte. fr« Hanselmann, Besitzer. Aus aller Me«. Deutsches Reich. Berit«. Die ..Auskunftsstelle des Verbandes für jüd. Wohlfahrtspflege" veranstaltete eine Besichtigung des jüd. Genesungsheims Lehnitz Das herrlich am See gelegene Haus, das inmitten eines ausgedehnten Waldparkes steht, enthält genügend luftige Räume, um 65 erholungsbedürftige Frauen und junge Mädchen gleichzeitig beherbergen zu können. Den Besuchern sichtbar sind auch die Erfolge der guten Verpflegung; erholt und erftischt sehen die Pfleglinge aus, die sich schon längere Zeit in dieser schönen Schöpfung gütiger Menschen aufhaltc». Gleichzeitig fei darauf hingewicsen, daß die Auskunftsstelle anl. Mittwoch, den 24. b. M. um 4Vi Uhr im Restaurant Ticrgartenhof (Station Tiergarten) ein zwangloses geselliges Beisammensein veranstaltet. Im Anschluß daran findet daselbst.um 6 Uhr ein Vortrag von Frl. Dr. Margarete Jacobsohn über „Arbeitslosigkeit und Armenpflege" statt. Berlin. Der Jüd. Kulturfonds „Kedem" (Adressse: Berlin IV., Sächsischeste. 8) erläßt einen Aufruf zur Förderung der von ihm betriebenen jüd. Kulturarbeit in Palästina. ' In dem Aufruf heißt es: „Zn den dringlichsten Obliegenheiten, deren Mangel in der Alltags-Arbeit.der Gegenwart tief empfunden wird, zählt die Herausgabe von Lehrbüchern für die hebräischen Schulen in Palästina. Dieser elementare Mangel drückt auf die Lehrer und Schüler in empfindlichster Weife und henimt in erheblichem Maße den normalen Ausbau des hebräischen Erziehungswesens, das in der vordersten Reihe unserer nationalen Bestrebungen steht. Es fehlen uns ferner die Bibliotheken und öfsentlichen Büchersammlungen, aus denen sich der Lehrerstand im Lande Israel, der an der Spitze der ganzen dortigen Entwicklung steht, das geistige Rüstzeug holen und das vorhandene und mitgebrachte ausbauen und vermehren kann. Es fehlt die jüdische Rational b i b l'i o t h e k, in der das ganze geistige Eigentum des jüdischen Volkes vereinigt ist, aus dem der neue Jude den Stoff zur weiteren jüdischen Entwicklung nimmt. Aber auch die hebräische S p r a ch e b c d a r f d e s Ausbaues. ° Sie war zu lange nur eine Schriftsprache und niuß wieder zur wirklichen, zur lebenden, zur gesprochenen Sprache locrden. Dazu muß sie erweitert, vertieft und verbreitet werden. Hierzu wird vom „Kedem", der die Lehrbücher schaffen und die Bibliotheken begründen will, der hebräische S p r a ch a r t, die S i rill edrija, gebildet, zu der die ersten Grundlagen bereits im Waad-Halaschon existieren. Ein wissenschaftliches Journal, an dem die ersten hebräischen Gelehrten Jerusalems mit den Forschern und Kennern der ganzen Welt zusammen arbeiten sollen, wird den Austausch der Gedanken und Forschungen auf diesem Gebiete vermitteln. Das sind die ersten Anfänge zu einer hebräischen Sprachakademie, die der „Kedem" allmählich! zu schaffen und zu entwickeln bestrebt sein wird. Lehrbücher, Bibliotheken und Sprachpflege sind die novoendigsten augenblicklichen Bedürfnisse des erwachenden hebräischen Kulturstammes im Lande der Väter, bas wieder das Land der Söhne und Enkel zu werden im Begrisse steht. Diese dringenden" Notwendigkeiten des hebräischen Lebens zu befriedigen, hat der „Kedem" zu seiner nächsten Aufgabe gemacht, womit er das umfassende, weitreichende Prograniiii seiner Tätigkeit zu verwirklichen beginnt. Wer die Bedeutsamkeit dieser Arbeit anerkennt, der wird den festen Entschluß fassen, stets zu den Freunden und Förderern des ,Kedem" zu gehören." Franz DiiA Nil v. RH Schlllormtf, 18m Telephon I, 8630. Seifen^ Liebte; Kamm* und Bfirstenwaren, B«»» etc. CoametlBche Spezialitäten. Oesterreich-Ungar». Lemberg. Der Grund st ein zu einem Heim für bedürftige jüd. Kaufleute ist dieser Tage hier gelegt worden. Das Haus — in; einem großen Garten liegend — wird 30 Wohnungen, bestehend aus einem Zimmer und Küche, enthalten. ' Die ' Wohnungen werden kostenlos hergegeben. Die Kosten von 200 000 Kronen gibt der bekannte Philanthrop Jakob 'Stroh. Frankreich. Prls. In der Generalversammlung der Association consistorialc israälite; wurden die Einnahme» des vergangenen Jahres mit > 898 764 Fr., die Ausgaben mit 847 713 Fr. mitgeteilt.' I Wie der Berichterstatter hinzufügte, sei dieses gün- [ stige Resultat folgenden Zufälligkeiten zu verdanken: 1. Zu- - sammensallen der hohen Feiertage mit der Rückkehr der. j Familien aus der Sommerfrische, 2. hohe Einnahmen ■ aus Eheschließungen, 3. guter Stand der Papiere. Die - Steuern und die Spenden haben dagegen stark ab- . genommen. Personalien «. Kleine Mitteilnuge«. Berlin Simon Bing und Fritz Singer wurden zu Handelsrichtern ernannt. — Geh. Regicrungsrat Professor Paul Magnus testierte der Berliner Armendircktion 40 000 JL Die Juden der Provinz Posen sind von 35000 Seelen im Jahre 1900 ans 26000 im Jahre 1910 zurückgcgangen. Berlin. Für den zurückgctretenen Julius Jacoby wurde Solomon Seligsohn zum Präsidenten' de/ jüd. Gemeinde gewählt. — Die Einweihung des neuen Krankenhaus e s der jüd. Gemeinde (Exerzierstraße Ecke Schulstraße) findet am 22. Juni statt. — Der Vorsitzende des „Hilfsvereins der deutschen Juden", Dr. James Simon, hat für das neue Krankenhaus zur Anschaffung von Unter-' süchungsapparaten den Betrag von- 5000 .gespendet. Hamburg. August Cohen, und Frau feierten.tu Heidelberg die' goldene Hochzeit. . Stuttgart. Postrat Schloßberger wurde zum Oberpost rat befördert. I (L) Posen. Isidor Gabriel, Vorstandsmitglied der Chewra Kadischa und'Jahre hindurch Repräsentant der jüd. Gemeinde, verschied im 64. Lebensjahre. Hermann Loevy würde zum Handelsrichter ernannt. Wie». Während des Monates Mai wurden von'der Zentrale der Jsr. Allianz 144 Emigranten, davon 117 russische und 27 rumänische, weitcrbefördert, und zwar 72 nach den Vereinigten Staateit, 7 nach Argentinien, 33 nach Kanada, 11 nach England, 12 nach Frankreich und 9 nach anderen Ländern. In ihre Heimat zurückbcsördert wurden 19 russische und 15 rumänische Rückwanderer. Während des Aufenthaltes in Wien wurden für 51 Personen zusammen 120 Tage Logis und volle Verpflegung bezahlt und an 75 Personen insgesamt 228 Speisemarken für die Jsr. Volksküche ausgegeben. Wie«. Hostat Pcotrssor Dr.' Ado kt Lieben, einer der bedeutendsten Chemiker Oesterreichs, ist int 78. Lebensjahre verschieden. Er war Mitglied der Wiener Akademie, der Akademien in Rom, München, Turin usw. Budapest. Anläßlich seiner Erhebung zum Kardinal empfing Fürstprimas Tschernoch in seiner Residenz zu Gran auch eine Deputation der dortigen jüdischen Gemeinde. In seiner Antwort auf ihre Glückwünsche rühmte der höchste kirchliche Würdenträger Ungarns 4>ic kulturellen und wirtschaftlichen Verdienste der ungarischen Juden um ihr Vaterland, sowie ihre Opferwilligkeit für die Interessen ihrer Konfession, wie man sie im gleichen Maße unter den Katholiken nicht fände. Budapest. Der König erhob den Advokaten Josef Perl in Györ in den erblichen Adelsstand. — Fabrikant Bernhardt G o k d st e i.n in Wie n spendete für ein jüd. Altersvcrsorgungshaus in Paks 15 000 Kr. — ■; Der Etat der hiesigen orthod. Gemeinde für 1914 beträgt im Vorschlag 188 726 Kronen Einnahme und 201201 Kronen Ausgaben. London. Charles Davis, der dieser Tage ververstorbene Kunstmäcen, war ein Freund des Königs, der sich auch bei seinem Leichenbegängnis vertreten Itfcjj. H o,n s Herzl, Theodor Herzls Sohn, hat an 8er Universität Cambridge den Titel B. A. (Bachelor of Arts) erhalten. * Paris. Ferdinand Drehfu«. der gewesene Dekan der juridischen Fakultät Lyon-Caen und Senator Paul Strauß sind in den Obersten Agrikulturrat berufen, und Brigadegeneral Bloch ist zum Divisionsgeneral befördert worden. . Paris. M. David, seit 80 Jahren Bertillons ge« treuer Mitarbeiter, ist dessen Nachfolger als Direktor im Amt der gerichtlichen Identifizierung geworden. Paris. Hier ist eine stattliche russisch-polnische Synagoge eingeweiht worden. Der Rabbiner der Synagoge, Herzog, früher in Leeds (England), hielt die Festrede. Rew-Aork. Jacob Saphir st ein. Herausgeber des „I e w i s h M o r u i n g Journal", ist — 60 Jahre alt — verschieden. S. kam 1887 aus Rußland nach hier. 1892 gründete er das Wochenblatt „The Hebrew American", 1898 die Tageszeitung „The New Pork Jewish Abend-Post" und 1901 die jetzige Zeitschrift. Er gehörte der Leitung der ,Lebrew Sheltering and Immigrant Aid Society" an. Washington. Krnefto Natban, der gewesene Bürgerntcister voir Rom und der Spezialgesandte Italiens für die Ausstellung in San Francisko, hatte eine halbstündige 'Audienz bei Präsident Wilson. BuenoS-Atres. Dr. med. Enrique Dickmann, ein russischer Jude, Ivurde ins Parlament gewählt. - In Carlo Casares wurde Samuel Canto'r,; gleichfalls ein aus Rußland gebürtiger Jude, zum Frie- . densrichter gewählt. IL ROSENAU Knollaoha Harran - 8ohnalderal IO SMtkMtTMM IO. VentksM Aufihraag. Walt« Fritn.!> TTv Feuilleton. El Der Windhauch. Historische Erzählung von M. Pulvermann. (Ftrtsetzung.) „Geh dort hinein", befahl der Wirt der schwer : keuchenden Frau, indem er sie in ein anderes Ge- : mach drängte, dessen Tür er sorgfältig hinter ihr verschloß Ebenso, verschloß er jetzt auch die Eingangstür, um gegen einen neuen Ueberfall gesichert zu sein und sprach dann zu dem Jüngling: „Ich bin ein Mann des Friedens und tue keinem Men- ' schcn ein Leid an. Was aber soll jetzt geschehen, >da die Assyrer sicherlich bald Herkommen werden, um .nach ihren Kameraden zu suchen?".! „Würdest Du cs lieber gesehen haben, wenn ich meine Hände müßig und tatenlos im Gürtel gehal- ■ tat hätte, während er die arme Frau, die hxute schon \ so viel Trauriges erlebte, deren Gatte heute, erst von den Assyrern erschlagen. wurde, als Sklavin fortgcschleppt hätte?" rief Uriel ' zornig.