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Neue jüdische Presse · 1914-06-19 · Heft 24 (19.6.1914) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 24 (19.6.1914)
Date
1914-06-19
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 21. ~ ' : ' " Frankfurter Israelitisches Fannlienblatt. WiMit eLiö XsirvrpiLtr MerSKiet. Betbmannjstrasse 66 via-a-vis Frankfurter Huf., Nach vollat. Renovierung d. Titl. Publikum bestens empfohlen. Täglich grosses KünBtler-Konzertder ungar. Hauskapelle. Besitzer: U» Heinemann. Telephon Hansa 5859 Der Wirt schüttelte unwillig den Kopf, gab aber weiter keine Antwort. Er öffnete ein Fenster an der Rückwand des Hauses und rief laut: „Kaleb! Kaleb! Komm schnell her." Der Gerufene erschien. Ohne weitere Erklärung wies der Wirt auf den toten Assyrer, den beide schweigend üufhoben und hinaustrugen. Uriel folgte ihnen über ben Hofraum, bis zum fernsten Ende des Gartens, wo sie eine kleine Pforte öffneten und mit ihrer Last ins Freie traten. Bei dem schwachen Zteruenschimmer konnte Uriel sehen, wie sie den Leichnam cinigemale hin- und herschwenkten und nach einem mächtigen Schwung war der tote Körper hinter einem Felsenvorsprung verschwunden. Uriels Herz wurde schwach, und er begab sich wieder nach dem Zimmer, wo die Hausfrau am Boden kauerte, um die Blutflecke mit Wasserwegzuwaschen. „Die Schlucht ist tief und das Gestrüpp dicht verwachsen", sagte der Wirt mit einem grimmigen Lächeln, als er mit seinem Sohn wieder das Zimmer betrat. „Selbst wenn er gefunden/ werden sollte, vermag keiner zu sagen, wie er dorthin geraten ist." Gamliels Witwe verzehrte ihr Nachtmahl im inneren Gemach, Uriel aber-blieb im großen' Zimmer zurück, wo er auch, ein wenig Nahrung zu sich nahm und sich dabei mit dem Wirt unterhielt. „Die-Frau scheint den besseren Ständen anzugehören", sagte er, nach dem anderen Gemach deutend. „Bist Du ihr Verwandter?" „Nein. Ich kenne sie überhaupt nicht. Mein Weg führt mich nach Süden, sie aber wollte nach Jerusalem." Uriel erzählte ihm den Ueberfall der Assyrer und den traurigen Ausgang für die Ueberfallcnen. I „Traurige Zeiten", sprach der Wirt. „Warum I aber weigert sich auch der König, den schuldigen Tribut I zu entrichten? Dem Könige haben wir es zu verdan- I ken, daß dieses Leid über uns hereinbricht!" I „Du wirst es wohl auch wissen, daß er dem I Versprechen des ägyptischen Königs vertraute und auf I dessen Hilfe hoffte." I „Da er aber jetzt auf diese Hilfe nicht mehr I rechnen kgün, sollte er bald Sancherib um Berzeihl ung bitten und dessen Wohlwollen zu erlangen suchen. ■ Ihm bleibt ja doch kein anderer Ausweg." . ' i: . I „Das wird König Chiskija aber nicht tun, solange »noch ein.Schimmer von Hoffnung vorhanden ist. Ach, »wenn wir doch wenigstens noch stark wären, UM Sanche- ■rib in offener Schlacht entgegentreten zu können!" I „Die Lasten eines Krieges wären weit schwerer »zu tragen als der jetzige Tribut. Der letztere ver- I zehrt nur, unser Gut, ein Krieg aber saugt auch das - »Blut unserer Jugend aus!" » „Und dünkt, es Dir gar so schrecklich, für das IBaterland zu sterben? Durch Dich und- Deinesgleichen »sind wir .eben so tief gesunken!" rief Uriel zornig, Idie Speisen von sich schiebend. „Ich. selbst bin be- Ircit, mein Lehen für mein Volk hinzugeben, und wäre »ich alt und” hätte ich zehn Söhne , ich würde sie Isrcudig für Juda's Freiheit hinopfern!" I „Die Assyrer werden uns die Freiheit geben,, wenn Iwir ihnen den Tribut entrichten", erwiderte der/Wirt »gelassen, obwohl seine Augen den Jüngling mitWohl- I gefallen betrachteten. ' I „Jawohl, sie werden uns die.Freiheit geben, für »sie zu arbeiten und unser Bestes nach Ninive zu »schleppen!^ I Der Wirt wollte noch etwas sagen, wurde aber »durch den Eintritt einer Rotte assyrischer Krieger daran , »verhindert, die lärmend und geräuschvoll die Türe) laufstießen und lachend ,-Jajin! Lechem!" nach- Brot »und Wein verlangten. Dreist, mit sieghafter Miene, »ließen sie sich an einem Tische nieder und griffen Mach den Speisen und Getränken, die - der Wirt, fort- »vährend sich verbeugend und freundlich lächelnd, ihnen Marreichte. Er wußte ganz genau, daß er keine Bezah- Mung erlangen würde, aber er wollte sie bei guter. Maune erhalten, um wenigstens Haus und,-Hof vor. ihrer Maubgier zu ' sichern. I Uriel blieb, unbeachtet in seiner Ecke, von wo er D>ic Assyrer beobachten - und ihr Gespräch init anhören Moiimuig8-LIorlelitinigkll lu künstlerisch. AuHassani ■ Verkauf von I,kunstgewerblichen Erzeugnissen. Änllqulläfen. ■Friedrich Bernhard, Frankfurt a.M. I Tel; Hansa. 5574. BSrsenatrasse 11. konnte. Vielleicht, daß er dadurch etwas erfuhr, was für sein Vorhaben ersprießlich war. In jedem Falle aber war er froh, sich noch besser mit ihrer Sprache - vertraut zu machen. Sie erzählten sich von dem Wen-, teuer mit Gamliels Karawane und über die Grausamkeiten, die sie dabei ausgeübt. Sie sprachen auch noch von anderen räuberischen Uebersällen und ergötzten sich - über die Angst der' jüdischen -Landbevölkerung, die sich ohne' jegliche Gegenwehr ruhig ausplündern ließ, schon froh, das nackte Leben retten u können. Bei all dem aber wunderte sich Uriel, daß sie garnicht so wild und tierisch aussahen, wie er essich vorgestellt, daß auch einige blutjunge Menschen unter ihnen waren. Der Wein trug noch wehr zu ihrer Belustigung bei, und der Wirt gab sich schon der Hoffnung hin, daß sie bald wieder gehen würden. Mer er hatte sich in einer Hinsicht getäuscht. Nicht 'nur, daß sie für die genossene Gastfreundschaft auch nicht ein einziges Wort des Dankes chatten, ließen sie noch ihre Blicke begehrlich nach allen Ecken und Winkeln schweifen. Einer hatte inzwischen die Tür nach dem inneren Gemach geöffnet, und alle sahen nun die junge Witwe, die >veincnd und jammernd über ihr schlafendes Kind gebeugt war. „Eine Sflavin!" rief nun die ganze Horde johlend. „Eine wunderschöne Sflavin! Endlich die erste, die wir bei diesem Kriegszuge machen." Schon hatten sie die unglückliche, sich heftig sträubende Frau bei den Händen-gefaßt undsie trotz /chrer Hilferufe aus dem Gemach gezerrt. Schweigend sah der Wirt/ und sein Sohn das Trauerspiel mit an, ohne sichvon ihrem Platze zu bewegen. Nicht so Uriel. Sein BorHchen vergessend, ohne zu bedenken, daß er hier sein Leben umsonst . hinopfern würde, sprang er schnell hinzu, nur der unglücklichen Frau beizustehen. Mer gerade als er im Begriff war, sein "eigenes Leben für die Gtaubensschwester preiszugeben, wurde er von den Harken Armen des Wirtes umfaßt und trotz seines Sttstubens nicht losgelassen, während der Sohn chm noch die Hand fest auf den Mund drückte, um auch sein Schreien zu verhindern. „Uriel!" rief die Witwe, die den Vorgang beobachtet hatte und, an die eigene Rettung verzweifelnd, sich bereits in ihr Schicksal ergeben zu haben schien. „Uriel! Höre mein letztes Wort. Sei ruhig. Ich werde diesen Bestien nicht als Sflavin folgen. Ehe die Nacht viel Ater geworden, werde ich das richtige Mittel anwenden, um der Ünehre zu entgehen. Sorge dich nicht um mich. Ich werde bald wieder mit meinem Gatten vereinigt sein. Aber schone dein junges Leben für mein armes Kind. Beschütze Malta, bis die Räuber fort sind. Bringe sie nach Jerusalem und mache ihre Ansprüche auf Gamliels Hinterlassenschaft geltend. Ich habe dir vorhin meinen Geldbeutel gegeben, ,und in diesem wirst du auchalle Schriften finden, um ihr Recht zu beweisen. Uriel,"' fuhr sie dann schluchzend fort; „du braver, hochherziger Jüngling, bleibe meinem Kinde nahe und, wenn du sie zu deiner Frau machen willst, nachdem sic das richtige Mter erreicht, dann werden ich und Gamliel euch noch vom Himmel hernieder segnen. Lebe wohl, mein Sohn!" Die Assyrer zeigten wenigstens noch so viel Menschlichkeit, daß sie ruhig warteten, bis ihr Opfer die wenigen Worte gesprochen, bann aber zerrten sie ^sie fort, während Uriel. noch immer gegen.Vater und Sohn vergeblich kämpfte. „Laß. mich .los!" rief e.r . immer^ wieder. „Ich muß sie aus den Räuberhänden . befteien!"- / Um seiner ganz-sicher zu sein und, um einen Kampf zu vermeiden, beidem sie - vielleicht auch noch in Mitleidenschaft gezogen. worden -wären, hatten Vater und - Sohn > denr Jüngling noch Hände und Füße gebunden und nach einer finstern Kammer gebracht., „Warum willst du denn , deinen sicheren Tod gewaltsam herbeiführen?" suchte der Altes ihn zu beschwichtigen. „Wenn es zum" Kriege kommen / sollte, dann wird das Vaterland dein braves Herz Md deinen starken Arm viel nötiger gebrauchen.:-- Aieine Seele ist ebenso voller Trauer über das Unglück dieser armen . Frau wie die . deinige. Aber, du mrH doch selbst einsehen, daß nur eine Riesenkraft. sie wieder den Räubern entreißen.. könnte." .„Nur Feiglinge lassen .alles ohne.Gegenwehr über "sich ergehen!" knirschte Uriel mohnmächtiger Wut. „Es hist / nur " gut; daß ihr der ÄÄH ' geblieben, der; ' sie' bör' Sihünde uiü> Sklaverei schützen wird!" fcetle 5- Fhilipp Olxl Eleklr. Licht-, Kraft-, Schellen- und Telefon-Anlagen- 'Tel. Taunus 4389. ff. Referenzen. Savignystraase 61» „O Tag des Jammers und der Schrecken!" begann nun auch die Hausftau zu flogen, „daß meine Augen solche Greuel mit ansehen muffen!" „Schweig, und sorge lieber für das Kind!" herrschte sie der Mann an, und sie verließ das Gemach. Wer die Schrecken dieser Nacht waren noch nicht zu Ende Nach etwa einer Stunde wurde das Haus von einer noch größeren Horde überfallen, und als sie weiterzog, hatte sie Malka in ihrer Mitte. Schäumend vor Zorn und zähneknirschend hörte Uriel in seinem Versteck, wie sie sich noch über den Preis unterhielten, den sie wohl' für das wunderbar schöne Kind erzielen werden. Das Kind schlief noch inden Armen eines bärtigen Kriegers, der das Weinen und Klagen der Wirtsftau mit'Hohngelächter und Drohungen beantwortete. Wie Uriel später mit großer Genugtuung erfuhr, hatten sie nicht nur das Kind, sondern auch das ganze Geld und alle Wertsachen des Wirtes mit sich genommen, den sie durch Schläge zur Hergabe semer Besitztümer gezwungen hatten. Ms es wieder still geworden war, trugen Vater ' und Sohn den noch immer gefesselten Jüngling nach einer Bodenkammer, wo sie ihn auf ein Lager leg-, ten, ohne aber Hände und Füße zu befteien. „Dü wirst zwar etwas unbequem ruhen"; sprach - . der, Wirt. „Wer, wenn wir dich jetzt freimachen, gehst du doch dem sicheren Tode entgegen." „Ihr' habt zwar mein Leben gerettet, aber ihr ■ habt es - auch verWüdet, daß ich dessen nie mehr werde froh sein - können, weil ich es zur Rettung; - der Unglücklichen nicht, hiugeben durste." „Hast du mir nicht gesagt, daß du im Südeneine wichtige Aufglche, zu erfüllen hast? Ist diest wirklich von großer Bedeutung, dann wirst du cs, mir eines Tages Dank wissen, daß ich dein Leben gegen deinen eigenen Willen erhalten.' Und wenn Juda's Männer zum Kampfe ansziehen werden, dann wirst du es mir abermals danken. Deine Ehre hat keinen Abbruch gelitten, weil es keine Ehre ist, sein Leben mutwillig in die. Schanze zn schlagen" In seiner hilflosen Lage hörte Uriel ohne Wider-- spruch zu, als der Wirt, fortsnhr: „In dieser Schreckensnacht haben wir beide viel verloren und ich weiß nicht, wessen Verlust der größere ist. Du hast Freunde, verloren, die du vor wenigen Stunden noch nicht ein-; * mal gekannt; ich aber habe die Ersparnisse eines mühevollen Lebens cingebüßt, alles was bestimmt war, in den Tagen des Mters die Qual der Armut von mir fernzuhalten." I Die Sonne stand schon hrch am Himmel, als der Wirt wieder die Kammer betrat, unt Uriel aus \ x einem unruhigen Schlummer zu wecken. Der Jüngling erhob sich schnell, umden Gefangenen vielleicht noch folgen zn - können. Wer er erfuhr durch den Wirt, daß die Assyrer einen Vorsprung von mindestens vier Stmwen mit slmken Rossen hatten, so daß keine Aussicht vorhanden, war, sie noch einholenzn können.'. Betrübt 'ließ der Jüngling den Kopf finken. Wer er raffte sich wieder auf und dachte . wieder mehr an seine Aufgabe, zn der er mehr M je entschlossen war. (Fortsetzung folgt.) Woche»-Sale»Ler. iZeitangabrn nach dem Losch.) Samstag, den 20 Juni (= 26 Siwan.) Sabbat-Anfang in Franlsurt a. M. 8 Uhr — Mtn - Sabbat-AuSgaug in Frmckfurt a. M. 9 Uhr SS Mia. in Berlin 9 Uhr 30 Min WochenaSschnitt: Schelach-lecho. — Trotz der göttlichen Versicherung, daß Palästina ein gutes Land ist, entsendet das Volk zwölf Kundschafter, darunter Josua und Kaleb. Rach 40 Tagen kehren diese heim, bringen riesengroße Trauben mit, auch, Datteln und Feigen. Sir . -h»hWu das Land»flößen aber dem Volke. Furcht ngd- - Grauen' ein vor den riesengroßen Ureinwohnern — Das Offenbaeh«r Druckluft-Anlage Offanbaßh >. K Telefon 123. (Anschluss mitFrankfart). Bewährteste. To0p(chr»fnlBiniB (100,000 qm jährlich) sowie unübertroffen» Battenn Battfadarnralnfgang mittelst Druckluft and Vfasserdampf. n Kaiser Friedrich Quelle Offewbw* s. 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