Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 24 (19.6.1914)
- Date
- 1914-06-19
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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r h It \ 1 i!i I Seite 2. tung, daß auch der Teil der jMschen Studenten aus Rußland, der diese Entwicklungsbahn noch nicht bis zu Ende gegangen ist, dies bald getan .haben und dann erkennen wird, daß. es den namenlosen Demütigungen und unerträglichen Brutalitäten gegenüber, die Rußland unserem Volke tagtäglich antut, für alle Männer von Ehre und Einsicht nur eine Antwort gibt: innerlich alle Bande zu diesem Lande der Unkultur und der Barbarei zerschneiden .und daran arbeiten, in einem eigenen Lande Mserem- Volke die Zusluchtstätte vor dem Wüten der russischen Henker M schaffen. Aus -e« Ereignissen des Tages. Zur Konferenz der jüd. Gemeinden In Italien. Bor kurzer Zeit hat der Kongreß der jüdischen Gemeinden Italiens stattgejnnden. Dieser Kongreße bietet für gewöhnlich wenig das gesamte Judentum Interessierendes. Es ist fast ausschließlich die Regelung intimer Angelegenheiten der itüienischen Judenheit, womit er sich beschäftigt, und diese internen 'Fragen haben meist keine über ihre lokalen oder territorialen Grenzen hinausreichende Bedeutung. Der diesjährige Kongreß, jedoch bot zwei Punkte, die die Beachtung auch der auheritalienischen Judenheit verdienen, vielleicht weniger ihrer konkreten, tatsächlichen Bedeutung wegen als vielmehr um ihres symptomatischen Charakters willen. Die eine wichtige Frage, die im Mittelpunkt der Debatten stand, betraf die tripo titanisch en Juden, die ja jetzt italienische Untertanen geworden sind. Diese Juden Tripolis' haben, nach übereinstimmenden Zeugnissen von den verschiedensten Seiten, sehr unter der feindseligen, schikanösen Behandlung seitens der italienischen Behörden zu leiden, die ihnen gegenüber eine offen antisemitische Stellung einnehmen. Diese Tatsache ist um so bedeutsamer, als Italien bislang das Land war, das in vielleicht Höherem Grade als jedes andere in Europa von Antisemitismus frei gewesen war. Es ist daher sehr überraschend, daß die Behörden des Landes, dessen Geschicke schon so manchmal von seinem jüdischen Ministerpräsidenten Luzzatti geleitet worden sind, in der neu erworbenen Kolonie eine offensichtlich antisemitische Haltung einnehmen. Dies muß natürlich auch die italienischen Juden berühren, denn dieselben Beamten, die heute in Tripolis sind, Ännen ja morgen in Italien selbst wirren, und zudem wissen wir Juden nur allzugut, wie rasch sich die Seuche des Antisemitismus, wenn einmal die Keime da sind, zu verbreiten pflegt. So war. es nur natürlich, daß der Gemeindekongreß sich eingehend mit dieser Frage beschäftigte, und es ist sehr erfreulich, zu lesen, mit welcher Verve und welch mutiger Entschlossenheit der Kongreß gegen den.Antisemitismus der tripolitamfchen Behörden protestierte und die Ergreifung praktischer Maßnahmen beschloß die ihm ein Ende bereiten sollen. Bei den guten Beziehungen, die so manche der führenden Persönlichkeiten des Jüdentums zur italienischen Regierung haben, und der Energie, mit der sie für die jripolitanischen Juden einzutreten entschlossen sind, ist denn auch zu hoffen, daß ihr Vorgehen von Erfolg gekrönt sein und der sich regende Antisemitismus in Italien bereits im Keime erstickt werden wird. So bildete die Behandlung dieser Frage ein recht erfreuliches Mld. Um so weniger erfreulich, ja um so trauriger muß die jüdische OeffentlichLit von der Art und Weise berührt werden, wie die zweite im Mittelpunkte der- Kongreßperhandlungen stehende Frage erörterst und erledigt wurde. Dieser zweite Punkt betrifft eine wichtige rein innerjüdische Frage, man kann schier sagest: .die wichtigste innerjüdische Frage. Es handelt sich um das Verhältnis der italienischen Judenheit zum Gesamt-, ju denk um. Ms nämlich das Programm der italienischen Gemeinden in seinen Hauptpunkten formuliert werden sollte, war von einer Seite beantragt worden, in das Programm auch die Mitarbeit an den das Gesamtjudentum berührenden Fragen aufzunehmen. Damit sollte der Kongreß zum Ausdruck bringen, daß er sich voll und ganz aus den Standpunkt der jüdischen Soli- Frankfurter Jsraelitffches FamilienAatt. Nr. 24. darität, des jüdischen Einheitsgedankens stellt. Dieser Antrag wurde nach erregten Debatten abgelehnt. Damit hat der Kongreß bewiesen, daß er noch sehr tief in den Gedastken und Empfindungen der Assimilation steckt. Denn darin beruht mit die Wesensformel des Assimilationsjudentums, daß es die Gesamtjudenheit zersplittern will in die einzelterritorialen Judenheiten und zwischen diesen das Band der Solidarität. entweder ganz zerschneiden oderso stark lockern will, daß es faktisch so gut wie ganz zerrissen wäre. Gegen nichts hat daher die moderne »jüdische Renaissancebewegung so stark angekämpst als gegen die Zersplitterung des Judentums; denn das jüdische Kolk steht und /fällt mit seiner Solidarität. Schwindet sinne innere Einheit, das untere Zusammengehörigkeitsgefühl, so ist seine Existenz aufs schlimmste gefährdet. Erfreulicherweise hat ja auch in den letzten Jahrzehnten der jüdische Solidaritätsgedanke an Macht gewonnen und beherrscht heute bereits den weitaus überwiegenden Teil der Judenheit. Man hätte hoffen dürfen, daß dank der erwachenden Regenerationsströmung, die in den letzten Jahren, auch das italienische Judentum ergriffen hat und wie sie vor allem in der italienischen Jugendbewegung in Italien zu so imposantem Ausdruck gelangt ist, nun auch die repräsentiven, führenden Kreise der italienischen Judenden jüdischen Einheitsgedanken wiedergewonnen hätten. Der Kongreß hat leider diese Hoffnung als unberechtigt erwiesen; er hat gezeigt, daß die jüdische Regenerationsbewegung in Italien noch nicht so weit fortgeschritten ist, daß sie auch die ältere Generation bereits erfaßt hätte. Daß die junge Generation bereits unverrückbar auf dem Boden der jüdischen Einheit steht, haben die Jügendkongresse zur Genüge bewiesen, hat sich mich jetzt gezeigt, indem das Organ der jüdischen Jugendorganisation in Italien sich in heftigen Worten gegen diese Stellungnahme des Kongresses zu der Solidaritätsfrage gewendet hat. Diese Tatsache aber vermag über das unerfreuliche Bild, das der Gemeindekongreß in diesem Punkte geboten hat, zu trösten. Denn wenn erst einmal die Jugend für eine Idee gewonnen ist, so ist der Sieg der Idee gesichert. Man darf auf die innere Kraft der Jugend Italiens, guf die Stärke. der erwachten Regenerationsbewegung innerhalb des italienischen Judentums vertrauen ustd sich der bestimmten Erwartung hingeben, daß früher oder später auch die ältere Generation der Juden Italiens von ihr erfaßt sein und sich dann ohne Schwanken und Zagen, laut und deutlich zum Gedanken der Einheit und der Solidarität des gesamten Judentums bekennen wird. Ol «o. §PL| -S cg >o O— a cd Srs o At csa o ^3 > dt 2 Verband ungarländischer Juden. Samuel Bettelheim, der Initiator und Leiter des in Gründung begriffenen .Verbandes ungarländischer Juden, sprach sich über die Ziele des Verbandes einem Mitarbeiter des Budapester Fremdcnblattes gegenüber wie folgt aus: ' „Der Verband müßte aus dem einfachen Grunde geschaffen werden, weil es noch keinen Verband der ungarländischen Juden gibt. Daß, die ungarischen Juden noch einige Wünsche an das Schicksal übrig haben, wird selbst der optimistischste dieser vom OMrstismus lebenden Konfession zugestehen. Das Judentum war bisher allerdings der Diogenes unter den Konfessionen des, Lmrdes und wußte, .wenn .einmal Alexander erschien und nach seinen Wünschen fragte, nicht' mehr zu verlangen, als, daß man ihm aus der Sonne des Liberalismus geben möge. * Diese naive Politik hat sich gerächt. Die breiten Massen des ungarischen Judentums gehen unaufhaltsam einer Proletarisierung entgegen. Der blühende Wohlstand einer dünnen Oberschicht des Judentums täuscht über den Jammer der großen Massen -hinweg. Besonders katastrophal gestaltet sich die Lage -der nordöstlichen Komitate. Sie haben weder ein Organ, das ihre Not publik macht, noch einen Mittler, der das Gleichgewicht zwischen den Rechten und den Pflichten der jüdischen Masse - herstellt. Das erweiterte Wahlrecht wird die Möglichkeit der besseren Unterstreichung der Ansprüche dieser Kreise bieten. Der Verband ungarl. Juden will ganz voraussetzungslos auf die praktische Gleichachtung der j ü d. M a s s e hinarbeiten. Diese verhältnismäßigen Freiheiten, die erst auf der dunklen Unterfolie des Vergleiches mit „den früheren Zeiten" bemerkbar werden, genügen der immer konstitutioneller und demokratischer fühlenden Masse nicht mehr. Diese dunÜe Empfindung, die selbst den Kleinsten und Bescheidensten beherrscht,, soll durch den Verband aus latenter Kraft in Energie verwandelt werden. Er wird dem Mißbrauch, den einige Juden, welche keine 'mehr sind, mit seinem Namen zu Gunsten radikaler Strömungen treiben, die wahre Stimmung des Judentums entgegensetzen. . Welche Mittel er ergreifen wird? Dieselben Mittel, die jeder andere Verband ergreift. Darin liegt nämlich schon ein Abrücken von den bisherigen Systemen der jüdischen 'Bolksbeglücker, die immer eine Geheimbündelei als die einzige richtige Methode betrieben haben. Wir aber find der Ansicht, daß gerade diese exzeptionelle Politik den exzeptionellen Jammer des Judentums schafft. Handeln wir wie die anderen, und wir werden ihnen gleich sein." Englische Rabbiner-Konferenz. Lostdon, 13. Juni. Unter Vorsitz von Rabb. Green und Chief- Rabbi Dr. Hertz und Anwesenheit von etwa 100 Reverends (Rabbiner und Borbeter) fand hier eine zweitägige Tagung statt. Der erste Tag war der Lage der Reverends gewidmet. Diese Lage ist im allgemeinen eiste sehr traurige; geringe Gehälter und Abhängigkeit von dem guten oder nicht guten Willen der Gemeindevorsteher. Am zweiten Tage wurde hauptsächlich über die Erziehung der Jugend debattiert. Rabbi Mendelsohn, einer der neuen Londoner Dajonim, verlangte als notwendiges Lehrprogramm: Chumesch mit Raschi und Gemara. Dajan Lazarus kritisierte die Religionsschulen des Jüd. Bildungs-Komitees, in denen die Kinder kaum hebräisch lesen lernen. RE Green wandte sich gegen die Vorredner, „man ckönnc nicht mehr so aldmodisch sein.". Rev. Seg all Verlangte die Jwriß b' Jwriß-Mechode, „wer hebräisch sprechen könne, der könne, wohl eine Apikaures, aber kein Verräter werden." Dr. S a l o m o n - Manchester referierte sodann über die jüdische Universität in Jerusalem, „deren Sprache hebräisch und deren Geist jüdisch sein müsse." „Nur von einem geistigen Zentrum in Zion könne dem jüdischen Volk Rettung werden." Dr. Hochmann-London, der jüngst in Palästina war, sprach in begeisterten Worten über die Renissance im Lande der Väter. Er forderte die Kollegen auf, für Palästina zu arbeiten. Ihm schlossen sich in beredten Worten Tr. Daiches und Segall an. Delegierteutag der Zion. Vereinigung für Deutschland. Leipzig, 15. Juni. In Anwesenheit von 120 Delegierten nnd mehr als 400 Gästen begann gestern vormittag der zweitägige Delegiertentag. Dr. Arthur 'Hantke, der Vorsitzende, erstattete den Bericht, Er schilderte die bekannten Kämpfe mit den Antizionisten nnd fuhr dann fort: Dieser ständige Fortschritt unserer Idee läßt sich auch rein zahlenmäßig beweisen. Die Zahl der organisierten Zionisten stieg in Deutschland in der letzten Kongreßperiode von 7830 auf 9867. Die z i o n i st i s ch e P r e ss e Deutschlands verfügt bereits über f ü ns O r g a n e. Allgemeine Anerkennung in der „Presse hat das n" vergangenen Jahre herausgegebene Jüdische' Gern e i n d e j a h r b u ch „gesunden. ' j soni die <s neu l träte, fitr i fünfte für natür O r g D e u 9 die K sehen der p Paläs ein 1 - 3 uns« dein das < hinge Ausg tragei gende wünsi setzen, Bersti arbeil neuer allen führu nahm höhui <3 unser u n d rati Lösur gandi öeteil antwi über haben 3 ringe werde unser rieht büche! sein licher, den! Fra in noch Genie recht welch« mitte! Relig migkc ihres - 'S Seite: eilt f Berte Spra und gcbm Jage ihre diese Frau Geda habet > 1 führe Kreis chcr Mist« erziel gram lichte lyenn geisti zur nonn scheu halb Einij ins gehst Prob! lag I die i Weiß I sein, Wir hing« örtcr uns jenig orga Die Org« 983 91^804