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Neue jüdische Presse · 1914-06-12 · Heft 23 (12.6.1914) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 23 (12.6.1914)
Date
1914-06-12
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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:! i i i ü .3 Seite i sehr hübsche jüd. Bibliothek und sonstige jüd. Altertüincr beherbergt, wurde gerettet. Die „Judcngasse" aber, die seit 200 Jahren bloß von Juden bewohnt wird, wurde am Schabbos wieder — wie gewöhnlich — von beiden Seiten abgcsperrt.. N. ROSENAU Englische Herren - Schneiderei IO flmtbntnu« IO. Tonalm Altfföhnm*. Miiilpe Prelle. Rumäuieu. - Jassy. Bei der Einweihung einer Schule in dem benachbarten Podul-Jloaic hielt Rabb. Dr. Meier Theuen in Anwesenheit der Zivil und Schulbehörden eine Rede, deren mutige Sprache Aufsehen machte. Wir geben Häher die Rede im Auszuge wieder. Redner führte folgendes aus: Der Sohar erzählt: Rabbi Chija ging zu Rabbi Simon, um bei ihm die Pcsachgesetze zu studieren. Er wollte die Ursachen erfahren, wieso wir trotz so starker Verknechtung erlöst und dann sogar der Offenbarung der Thora würdig befunden wurden. Auf dem Wege zu Rabbi Simon kam Rabbi Chija an einen hohen, von zahlreichen Spalten und Klüften durchbrochenen Berg, Aus einer Spalte hörte er Menschenstimmen. Er lauschte und hörte zwei Juden Lobgesänge zu Gott erheben. Er fragte sie nach dem Grund ihres Aufenthaltes an solchem Orte. Sie sagten, sie seien vielbeschäftigte Kaufleute und wollten sich, zurückgezogen von dem Wcltgetriebe, wenigstens an zwei Tagen der Weihe Gott und seiner Lehre widmen. Da erkannte Rabbi Chija die Antwort auf die Frage, die er an Rabbi Simon richten wollte. Was bedeutet das Bild des Sohar? Der zerklüftete Berg ist das Golus. Wenn sich, in diesem harten Felsen, unter solch' harten Verhältnissen Juden finden, die sich den Idealen widmen, dann sind wir Juden ein Volk, das stets für das Höchste, für das Idealste beiähigt und würdig ist. Das ist auch die Bedeutung des heutigen Tages. Als man die Toren der Staatsschulen für uns verschloß, waren wir eine Minute verzweifelt und wußten nicht wohin. Wir wußten nicht, was wir tun sollen, so hart war der Schlag. Unsere Chedarim, unsere jüdischen Kulturstätten, nahm man uns längst, und andere Kultur uns anzueignen, ließ man uns nicht. Gerade wie dem Helden der Bibel Simson stach man uns so beide Augen aus. Aber was tat Simson in jener verzweifelten Lage? Er sammelte seine ganze Kraft und rief: „Ewiger, mein Gott, gedenke mein und stütze mich nur noch dieses Mal, o 'Gott, und rächen werde ich nur das eine von meinen beiden Augen." — Der Midrasch deutet an einer Stelle diese Worte in folgender Weise: Simson flehte Gott an, daß er ihm Genugtuung hier auf dieser Welt nur für das eine Auge verschaffe, und für das andere erst dort im Jenseits. Ja, so ist es! für das eine Auge, für unsere wahre jüdische Kultur, erwarten wir unsere Genugtuung erst in der Zukunft, dann wenn sich unsere Wünsche inbezug auf unsere Zukunft erfüllen werden, nur 'dann und dort, auf eigenem Boden, werden wir wahrhafte, volle und ganze Juden sein können. Hier aber wollen wir wenigstens für ein Auge gleich Genugtuung haben. Und mit der letzten Kraft, die wir haben, raffen wir uns auf und bauen Schulen, um wenigstens das Licht für die weltlichen Bedürfnisse uns zu ersetzen. Neu eröffnet! Cafö C or so Ecke Kaiserstrasse and Hoselstrasse. __ Franz Krist• Personalien tu Kleine Mitteilungen. Berlin. JuliusJacobi, der91jährigeVorsitzende der israelit. Gemeinde, hat aus Gesundheitsrücksichten dieses. Ehrenamt niedergelegt. Privatdozent Dr. Georg Kuttner ist als Ordinarius für Zivilprozeß und Rechtsversteifung an die Universität Frankfurt berufen worden. Berlin. Metallhändler Norbert Ledh erhielt den Titel Kommerzienrat. — Der frühere Kürschnermeister Bernhard Bchrcnd feierte seinen 92. Geburtstag. — Bankdirektor Julius Stern hinterließ 500000 Jk als Stiftung für bedürftige Künstler und seine Frau eine Million Mark für ein in Alt-Geltow, ihrem Gute, zu errichtendes Angestelltenheim.' — In Groß-Lichtcrfclde wird nächste Woche für Otto Lilienthal, dem Pionier der deutschen Fliegerkunst, ein Denkmal errichtet. BreSla». Justizrat Dr. Max Rosenthal, Vorsitzender des Monistenbundes, ist aus dem Judentum ausgetreten. Wallertheim (Rheinhessen). Am Schabbos vor Schewuaus übernahm der Vorstand der hiesigen Gemeinde, den von Karl Jsaac I. und seiner Gemahlin Frau Rosa Jsaac geb. Mayer anläßlich ihrer silbernen Hochzeit gestifteten Thoraschmuck. Der Vorstand dankte namens der Gemeinde. Auch Lehrer Maier nahm Veranlassung, in von Herzen kommenden Worten den Spender als einen Mann zu feiern, bei dem Theorie und Praxis in schöner Harmonie übereinstimmten. Immer wieder müsse er, wenn er sich mit Herrn Jsaac unterhalte, das große jüdische Wissen, über das dieser' verfüge, bewundern. Er bedauere Frankfurter Israelitisches Familienblatt. nur, daß Herr Jsaac, dir. schon so unendlich viel für das religiöse Leben in der Wallcrtheimer Geiiieindc geleistet habe, und den leider seine Krankheit infolge des Bahn- Unglücks bei Mainz ans Bett fesseleseine Gabe der Gemeinde nicht selber überreichen konnte. Weitzenburg i. Kls. Statthalter bon Dallwitz besuchte anläßlich seines Aufenthaltes in Unserer Stadt auch Unsere Synagoge. Bad Nauheim. Die Stadt überwies der jüdischen Gemeinde in der Karlstraße unentgeltlich einen Bauplatz für den Synagogen- Neubau. (0.)Posen. Geh Kommerzienrat Nazarh Kantorowicz, Vorsitzender der Handelskammer» feierte seinen 70. Geburtstag. In Posen geboren, trüt K. 1867 in die von seinem Schwager Moritz Milch gegründete chemische Düngersabrik als Teilhaber ein. Er betätigte sich im städtischen Dienst als Stadtverordneter und als Stadtrat-. Der Handelskammer gehört er seit 1883 an-. Zoppot bei Danzig. Die von dem Berliner Rentier K. S i l b c r st c i n errichtete Synagoge wurde bei Anwesenheit der Behörden eingeweiht. Rabb. .Dr. Kälter- Danzig hielt die Predigt. Liffa. Der vorige Woche verstorbene Ländkagsabgeordnete Jüstrzrat Eduard Wolfs war 22* Jahre hindurch Vorsitzender der Repräsentanten der israelit. Gemeinde. Er hat sich besonders stets der jüdischen Ausländer den Behörden gegenüber mit Wärme angenommen. Paris. Frau Emil Deutsch de ta Meurthe spendete der hiesigen jüdischen Gemeinde 100 000 F r. für deren Wohltätigkeitscinrichtung. Budapest. Der Gewinner des Äerläßlichleitspreises von 30 000 Kr., Ingenieur Viktor Witt m an», ist Jude. Er hat auf seiner Fluginaschint die Strecke Budapest—Wien in 4 Stunden zuruckgelegt. Budapest. Der Dichter Joseph Kisch, der jüngst seinen 70. Geburtstag feierte, erhielt das K o in t u r k r e u z des Franz Joseph-Ordens. Przemhsl tGakizien). In dem benachnarten P i n k a l i c e wurde des Nachts von einer Räuberbande der Militär- Fleischlieferant Markus Fuß nebst Frau, drei Söhne», einer Cousine und dem Dienstmädchen ermordet. Przemhsl.. Die Polizei vermütete, daß die Täter Soldaten seien, da diese» bekannt war, daß Fuß für Lieferungen 3000 Kr. zu beziehen hatte. Die Vermutung der Polizei hat sich als wahr herausgestcllt, — und zwei Soldaten, Rhbczak und Karczmann, sitzen bereits hinter Schloß und Riegel.' Das Geld für die Lieferung hatte. Fuß übrigens »och nicht erhalten. Jaffh (Rumänien). Gestern wurde hier der bekannte Judenfresser Cnza, welcher sich im letzten Parlament so lächerlich machte, daß selbst seine Anhänger sich seiner schämten, bei den Wahlen zur Konstitiiantc ivicdcrgewählt. Der bekannte Vorkämpfer für die Judcncinanzipation Const. Mille, Besitzer mehrerer der bedeutendsten Zeitungen Rumäniens, ist in Bukarest gegen einen Regierüngskandidaten in Stichwahl gekommen. New-Nork. Der 30jährige Dr. Harry Platz, Leiter des pathologischen Instituts am Mount Sinai-Hospital, hat den Erreger des Typhus entdeckt. — Es ist interessant, daß sich an die I ü d i s ch o landwirtschaftliche S ch u l e in Woodbyne fortgesetzt christliche- Gutsbesitzer wegen Zuweisung von Absolventen wenden. Aus der zionistische« Bewegung. Mainz. In der Generalversammlung der Ortsgruppe wurde einstimmig Prof. Dr. L c w i n - Berlin zum Delegierten n. Dr. Hans Mü h s am-Berlin zum Ersatzdelcgiertcn gewählt. Die Versammlung hielt Herrn Prof. Lcwin für besonders geeignet, weil er für Mäßigung in der Agitation eintritt. Außerdem wurde die Vorstandswahl vorgeilomiiien, sodaß unser Vorstand jetzt besteht aus den Herren: Dr. L e v y - Ingelheim (1. Vorsitzender), Lazarus (2. Vorsitzender), Fried mann (Schriftführer), K a u f m a n n (Kassierer), Bern eh, Gittler n. Frl. Weinberg (Nationalfondstommission). Aus der Lehrerwelt. London. . Der Konstantinopeler Korrespondent des „Jewish Chroniclc" erfährt, daß Rabbi Jakob Meir, der.Oberrabbiner von Saloniki, sein Anit niederlcgcn will und beabsichtigt, den Rest feiner - Tage in einer palästinischen Kolonie zu verbringen. Das Scheiden Jakob Mcirs wäre ein Schlag für Saloniki, das jetzt schwere Zeiten durchzumachen hat und eines so fähigen und ergebenen Hauptes notwendig bedarf, wie Jakob Meir war. Christ. Wilhelm Leux Telef. Hansa 8567. Hoflieferant. Ctoethestr. 21 Herren-, Damenu. Jjvreeschneiderei. Spezial-Sportgeschäft. Anf WnnBch koschere Verarbeitung. -= f Spezialität; Francke & Weber , MeinKorKen. rasra.'-“, SCHLOSSBAD Bockenheim, Kanfnngerstrasse 18, Tel.4827II. — Lichtbäder, — Dampfbäder, — Vierzellenbäder. — Rr. 23 Wöhnungs-EInrlehtungen in künstlerisch; iuDassn] Verkauf von kunstgewerblichen Erzengnissen. Antiquitäten. Friedrich Bernhard, Frankfurt a.l Frei Tel. Hansa 5574. BSrsenstrasse 11. ■ u Der Windhauch. Historische Erzählung von M. PulverManu. Icuugun (Fortsetzung:) Ivorher „Wenn Du der assyrischen Gefangenschaft cn»tm,l in gehen willst, dann halte das Kind ruhig und bcweglkeit ein kein Glied!" befahl er der Frau.mit leiser, aber eiijlmebg. dringlicher Stimme. Ijahreiit „Q> Gamliel, mein Gatte! Sie werden ihn töte» liailervei jammerte die Frau herzzerreißend, das Kind leideilLcbens schastlich an ihre Brust pressend.!wie"'di> „Bleibe Du hier, während ich hineile und fc!jlo()nc |, ob ich ihm und der andern Frau noch helfen kann.idcr Be Er wartete ihre Antwort nicht ab. und lief eiligßsinnnnj wiederzurück, wö er die Straße überblicken fomtiIlci'tCK Cr sah sofort, daß er zur Rettung seiner nnglü, sichen Landsleute. nichts mehr tun konnte. Der KamjäkMgan war vorüber, und der Handelsmann und seine mW 1 glcitcr lagen erschlagen auf der Landstraße. In deSzirksta Ferne sah er auch die reiterlosen Tiere in wildeMN st Flucht dahinjagen, uitter ihnen auch jenes Tier, aMgani welchcin die aitdere Frau noch hin- und herschwanktmlmrkt. die Assyrcr lachend und johlend hinterher, als 'hmVauch delc cs sich um 'irgend einen fröhlichen Sport. Dichlim er unter dem Felsvorsprung lagen die Ballen, die diVttansi Assyrcr nrit ihren Dolchen aufschlitzten, die Warc»vcranf verächtlich auf die Landstraße werfend. Anscheine,«Regier suchten sic nur nach Gold pnd Edelsteinen, die andnoMark kostbaren Sachen verschmähend, die sich nur schwcirichtet, fortschaffen ließen. Es fiel jetzt Uricl ein, daß dlnotleil Räuber den leeren Frauensattel auf dem letzten Tic» S bemerken und nach der Frau suchen würden, die silgedehn wohl als Sklavin gut gebrauchen könnten. Er sühMaat sich durch diesen Gedanken beunruhigt und eilte wicdkkagsru zu den Geretteten zurück. len 3 „Wir müssen noch, weiter fliehen!" rief er btjStoati Frau zu. „Hier könnten wir doch noch entdeckt werdcn.Ugcineir „Aber Gamliel, mein Gatte'? Er wollte . . .«ändisc „Ich konnte ihn. nicht entdecken, aber die LanlMule straße ist von den Räubern voll gedrängt. Wenn Hjenoss, Euch in Sicherheit gebracht habe, will ich mich na, ihm unlsehen." „Nein, ich gehe 'nicht fort ohne ihn. Man f nicht sagen, daß Elischebe aus Hebron ihren Ma, in Not uitd Gefahr verlassen habe. „Deirkc an das Kind." „Ich habe Durst," jammerte jetzt das llciWjkwc Mädchen. I q „Set still, Malka. 'Bald sollst Du Wasser Urtel ging wieder mit dem Kinde in faxt» Armen und die Frau mußte folgen. Er stieg dMj ' Gipfel, des Berges hinauf, dann wieder in eine tu» a Schlucht hinab, die von einem Zyprcssen-Wäldchen fol .. ~ schattet war. Uricl fand dort auch eine klare QucllD at)vi erteil allm fainur wecke von weichem Moos umgeben. Er bat die Mutt, äniw sich im Schatten der Myrthen- und Oleanderbäu« "l^ine niedcrzulcgcn, wo sie Such, den Durst des Kindes still« konnte, und Me wieder zur Landstraße hin. Als er dort anlangte, waren die Assyrcr bereit fort und jedes Geräusch 'war wieder verstummt. Kci> lebendes Wesen war mehr zu sehen. Der unglücklich!^a lä Handelsmann und seine Begleiter lagen noch, wo sie von den Pfeilen der Räuber getroffen, niedergcsunko waren, während die verschiedenen Waren auf der LaÄ 4( straße hcrumlägen. , Uriel las einige Mäntel, Tücher, einen Wasserluerb behältcr und lwch einige Nahrungsmittel zusammen und verbarg alles in einer breiten Felskluft. Ml dem Aufgebot seiner ganzen Kraft trug er dann de» toten Gamliel nach einer - geschützten Stelle im dicht« jusehc Gebüsch, deckte ein Tuch über den Leichnam und stiez wieder die Schlucht hinab. Ms er wieder bei den Frauen anlangte, bcmcrl» er die kostbaren Kleider von Mutter und Tochter, die darauf schließen ließen, daß sie den besseren Bolksklasscn angchörten. Die Frau war noch jung und von großer Schönheit, ob auch ihre Gesichtszüge durch Angß und Schrecken verzerrt waren. Das tteiite Mädchen aber, bäuchte Uricl, war noch viel schöner. Nicht ahnend des schweren Unglückes, das sie soeben betroffen, lächelt! das Kind Uriel gar freundlich zu.. Er erwiderte ihr C oisscm au s. 9i rator var S n Pal ichtlic! in a jiehun hre s tützun e ii ließen Bei De b. B Nichte — _ ---

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