Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 23 (12.6.1914)
- Date
- 1914-06-12
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2692297-2692872-2692895--08509-2703664- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Beirut 1× ep/1047833
- Haifa 1× ep/1047930
OCR text
SHBI Nr. 23. Lächeln und hätte schwören mögen, daß ihre Lippen zwei Granatäpfel waren und ihr schwarzes Gelock noch viel glänzender als eine goldene Krone. „Mein Gatte! -Was ist mit ihm?" rief die Mutter aufgeregt. „Komm mit mir und Du wirst ihn sehen," sagte Uriel mit einem Ernst, daß der Frau der Atem verging und sie nur einen heiseren Schrei ausstoßen konnte. Da die Assyrer nicht mehr zu sehen waren, führte Uriel seine Schützlinge wieder nach dem ersten Versteck, nicht weit von der Landstraße, zurück. Er bereitete ein Lager und bat Mutter und Tochter, sich durch Ruhe und Nahrung ein wenig zu stärken. Dann bettete er das Kind auf weichen Rasen und winkte der Mutter, ihm zu folgen. „Dort hinter dem Felsen," sprach er, nach der Stelle zeigend, wo er den Toten medergelegt hatte. „Sei tapfer," fügte er hinzu, „Deines Kindes wegen. Dein Los ist ja kein anderes, als das tausend anderer jüdischer Frauen." Die arme Frau antwortete nicht und ging nach der angcdeuteten Stelle. Uriel vernahm bald ihren leisen Wehruf und sah auch, wie sie neben der Leiche ihres Mannes niedersank. Er ging wieder zu dem Mädchen hin und bemühte sich, heiter und lächelnd zu Plaudern. Er brachte ihr einen Granatapfel und zeigte ihr die opälähnlichen. Körner von verschiedenartiger Farbe, die wie Seifenblasen bunt schillerten. Malka, so hieß das Kind, hörte ihm aufmerksam zu,, ohne sich durch die Mwesenheit der Mutter zu beunruhigen. Doch Plötzlich sprang sie auf, rief nach ihrem Vater und schickte sich an, der Mutter zu folgen. Uriel folgte' ihr geräuschvoll, sodaß die Frau ihr Kommen hören sollte. Sie blickte auf, und warf schnell das Tuch über das Gesicht des Toten, um dem Kinde den gräßlichen Anblick zu ersparen. „Geh lvieder fort, Malka," sprach sie. „Der Vater schläft." ,,Der Vater schläft," wiederholte das Kind, zu Uriel gewendet, und zog ihn mit sich fort. Er unterhielt sich noch eine Weile mit ihr, schloß aber bald die Augen, um sie ebenfalls dazu zu veranlassen. Das müde Kind war bald cingeschlummert, schneller als er dachte. Er deckte es sorgsam zu und eilte wieder zu der Frau. hin. „Malka schläft," sagte er, als sie chm einen fragenden Blick znwarf, „und >vir können beratschlagen, was geschehen soll. Es wird spät, und wir können nicht lange hier verweilen, tvemr wir noch ein Unterkommen für die Nacht finden wollen." „Und Gamliel hier lassen!" jammerte sie vorwurfsvoll, chre Hand auf das Haupt des toten Gatten legend. „Nein, das kannst Du nicht von mir verlangen, — — auch nicht einmal des Kindes wegen. Gehe Du nur getrost Deiner. Wege, ich. bleibe hier." Doch gelang es Uriel, sie zu überzeugen, daß es ganz unmöglich sei, den Leichnam fortzuschaffen, da die Assyrer alle Lasttiere getötet oder mit sich fortgetrieben, sogar auch das Kamel, auf welchem die andere Frau gesessen, die ebenfalls ihren Tod gefunden. „Arme Zillah! Es war Meine treue Dienerin," sagte sie traurig,- einen Augenblick den Schmerz uM den Gatten vergessend: Uriel redete weiter auf sie ein, daß es das Beste sei, einstweilen den Toten hier zu lassen, doch nicht unbeschützt. Ganz in der Nähe befand sich eine Felsennische, wo sie den Leichnam hineinlegen und die Oeffnung mit schweren Steinen verschließen wollten, sodaß die wilden Tierenicht heran konnten. Wenn auch widertvillig, mußte die trauernde Witwe diesem Vorschläge sich fügen. „Mag es so geschehen, wie Du sagst. Doch eines Tages kehre ich wieder, um seine Gebeine Mit mir zu nehmen und zu bestatten." Uriel brach einige Zweige von den Zypressen- und Zederbäumen und machte daraus eine Bahre, auf die er den Toten, legte, brachte diesen zu der Felsenöffnung/ schob den Leichnam hinein mrd arbeitete angestrengt, bis er die Oeffnung mit großen Steinen gut verwahrt hatte. ,',Uud jetzt müssen wir fort," sagte er, als er fertig war. „Lebe wohl, mein geliebter Mann," schluchzte die arme Frau mit heißen, tränenlosen Augen. „Der barmherzige Gott wird Deiner Seele gnädig sein und Dein unschuldig vergossenes Blut an den Mördern heimsuchen.' Möge sein Hauch sic erfassen, daß sie mit Angst und Schrecken alls unserem Lande schanchedeckt fliehen müssen!" Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Uriel senkte schwer^ als er diese Worte vernahm. Judas Kraft war gebrochen, und wie sollte.es gelingen, die Feinde aus dem Lande zu treiben? Wo gab es einen Helden, der Sancherib und seine Rotten niederzwingen könnte, da doch schon dessen Namen allein genügte, uM jedem jüdischen Herzen Schauer und Entsetzcn einzuslößen? Traurig ging er wieder zu dem schlafenden Kinde hin, das er abermals nt seine Arme nahm, ohne es zu wecken. Dann bat er die Mutter, ihm zu folgen. In der Herberge. Die Sonne war hinter den Bergen verschwunden und das zunehmende Zwielicht mahnte Uriel zur Eile. Sie gingen jetzt wieder auf der Landstraße, doch in einiger Entfernung von der Stelle, wo sich am Nachmittag "das Trauerspiel zugetragen. „Ich' wünschte," murmelte der Jüngling, „ich könnte auch die andern Leichen wenigstens 'auf diese Art bestatten! Doch die Nacht bricht herein', und die Pflicht gegen die Lebenden verbietet mir, mich den Toten Hü widmen." Sie waren noch nicht lange gewandert, als Malka die Singen aufschlug, und auf Geheiß der Mutter jetzt wenigstens eine Strecke 'zu Fuß gehen mußte, um den übermüdeten Jüngling nicht noch mehr za ermatten. Malka war ganz froh darüber; sie ergriff Uricls Hand und fragte, warum denn der Vater nicht mitkomme? „Er schläft noch," erklärte ihr die Mutter nach einem kurzen Schweigen. „Wird er uns denn folgen, oder gehen wir zu chm?" . „Ja, wir gehen zu ihm, — doch jetzt noch nicht." Zwei Stunden später bat Uriel wieder Mutter und Tochter, sich in einen: dichteit Gebüsch, in der Nähe eines Dorfes, zu verbergen, und er ging allein dorthin, um ein Nachtlager zu suchen. Er kehrte bald .mit der Nachricht zurück, daß eine assyrische Abteilung ihr Lager jenseits des Dorfes aufgeschlagen, daß aber die Landstraße bis zur Herberge sichüc^sei, wo sie übernachten könnten. Sie gelangten bald dorthin, wo ihnen durch die geöffnete Tür der liebliche Duft gekochter Speisen entgegendrang. Nur der . Wirt und seine Frau waren anwesend. Ohne Zagen trat Uriel ein, nlährcnd die beiden Frauen ihm zögernd folgten. Sie befanden sich in einem geräumigen Gemach, in weichem einige rauchgeschwärzte Tische sich befanden, auf denen einige leere Weiukrüge standen. „Wir bitten Euch um ein Nachtmahl und Lager," sagte Uriel bescheiden. „Zuerst gib mir nur das Kind, das kaum noch auf den Füßen stehen kann," sagte die Hausfrau sreunlich; „das andere später." Mit einem sanften, mütterlichen Lächeln nahnr sie das kleine Mädchen auf den Arm und trug es in ein inneres Gemach. Die Mutter wollte folgen, aber der Wirt hielt sie noch eine Weile zurück. »Ich sehe wohl, daß Ihr ehrliche Menschen seid," sprach er, „dennoch müßt Ihr mir Speise und Trank vorher bezahlen. Es sind unsichere Zeiten, und ich kann nicht wissen, ob nicht in der Nacht eine assyrische Bande Euch ausranbt, ehe Ihr mich befriedigt." Er nannte einen angemessenen Preis und Uriel zog seinen Geldbeutel aus der Tasche. „Nicht doch. Du guter, edler Jüngling," wehrte die Witwe Gamliels, indem sie Uriel einen schweren Geldbeutel einhändigte. „Nicht einen einzigen Schekel sollst Du für mich entrichten. Du hast uns schon so viele Liebestaten erwiesen, die überhaupt mit Gold nicht zu bezahlen sind. Wenigstens Dein Zehrgeld sollst Du für Dich behalten; wir haben genug davon." Uriel wollte etwas erwidern, als gerade ein assyrischer Krieger lärmend und geräuschvoll das.Zimmer betrat, der „Jajiu, Jajin!" rief. ^,Wein" war das einzige hebräische Wort, das er kannte. Seine schwimmenden Augen und seine schwankende Haltung deuteten darauf hin, daß er bereits mehr Wein zu sich genommen, als ihm dienlich war. Plötzlich aber schien er seinen Durst vergessen zu haben, als er die junge, fremde Witwe mit stieren Blicken anstarrte. „Eine feine Sklavin!" lallte er mit schwerer Zunge, was aber keiner der Anwesenderl, außer Uriel, verstand. Mit unsichern Schritten suchte er sich nun der unglücklichen Frau zu nähern, die in großer Angst vor ihm zurückwich. Wild und wütend über ihr Zurückweichen riß er heftig die Tür auf und rief mit heiserer Stimme: „Kameraden, hierher! Eine Gefangene, eine schöne Sklavin! Kommt herein,-daß lvir sie mitnehmen!" Seite 5. Ilber von draußen kam kerne Antwort; sicherlich waren die Kameraden weiter ins Dorf gegangen, wo' sie bessere Beute zu finden hofften, als hier in der armseligen Wirtsstube. Doch der Trunkene achtete nicht darauf, und ohne sich um Uriols Einwendungen zu kümmern, suchte er sich wieder der Frau zu nähern. Er hatte sie bereits erfaßt und bis zur Tür geschleift, als Uriel eine Keule erfaßte, die an der Wand lehnte, mit der er dem "Räuber einen schweren Schlag versetzte, sodaß dieser, plump wie ein Mehlsack, zu Boden stürzte. (Fortsetzung folgt.) Krmft und Literatur. | Reifebriefe ans Syrien von Prof. Dr. Martin j H a r t m a n n. Preis 3 JL Verlag Dietrich Reimer r (Ernst Dahsen), Berlin. f Prof. Dr. Martin Hartmann, Dozent am orienf talischen Seminar in Berlin, ist als hervorragender Ken- I net der Türkei überhaupt, Syriens insbesondere bekannt. jj Die Reisebriefe aus Syrien, die Frucht seiner Reise durch jj Mittel- und Nordsyrien im Frühjahr 1913, lassen denn I auch überall den großen Kenner und .scharf blickenden; Beobachter erkennen. Syrien hat ja sowohl für die : Türkei wie auch für den Zionismus ganz besondere Bedeutung. In den syrischen Städten, vor allem in Beirut, ist der Mittelpunkt der modernen national-arabischen Be-; wegung, die. in ihrer Bedeutung vom Zionismus noch . -j nicht genügend erkannt und beachtet wird. Hartmanns -; Reisebriefe verschaffen einen klaren Einblick in diese Bej wegung, mit deren führenden Persönlichkeiten Hartmann! in Berührung gekommen ist. Ganz besonders interessant * und bedeutsam sind die Ausführungen des Autors über s die wirtschaftlichen Bedingungen und Möglichkeiten Syriens > und seine diesbezüglichen Vorschläge. Speziell Palästina . > ist ja in diesem Buche weniger beachtet, aber hier und da i berührt doch Hartmann auch Palästina, und seine Be- - merkungen über die wirtschaftliche Bedeutung Haifas verdienen weiteste Beachtung. Daß er das in Haifa entstehende Technikum unbedingt als deutsches sehen möchte, wird ihm niemand verargen, wenn man auch seiner Ansicht, die deutsche Regierung könne es nur unter- » stützen und unter seinen Schutz nehmen, wenn die allgemeine Unterrichtssprache deutsch sei, keineswegs zustimmen wird. Jedenfalls können auch wir Juden, sofern wir an \ der Wiederbelebung Palästinas Mitarbeiten wollen» aus?; diesem interessanten, auch in der Form sehr anziehend jj und lebhaft geschriebenen Birche so manches lernen, und! seine Lektüre kann allen, die an der Entwicklung Palästinas und damit auch an derjenigen Syriens Interesse : nehmen, wqrm empfohlen werden. .? Wocheir-Kaleirder. (Zeitangaben nach dem Luach.) Samstag, den 13. Juni (= 19. Siwan.) Sabbat-Anfang in Frankfurt a. M. 8 Uhr — Min. Sabbat-Ausgang in Frmüfurt a. M. 9 Uhr 35 Min.» in Berlin 9 Uhr 39 Min. Wochenabschnitt: Behaalans'cho. — Die Weihe der Leviten. — Der goldene Leuchter soll sieben Lichter tragen, täglich gespeist von reinstem Olivenöl, ein Bild des reinen Gottesgeistes und Thoralichts, das stets nt Israels Mitte strahle. — Wer durch einen Unfall verhindert gewesen, am 14.- Nissan das Pesachopfer zu bringen, der darf zum Ersatz ein solches am 14. Jjar bringen. Auch dieses sogen. Pesach-Scheini muß mit ungesäuerten Broten und bitteren Kräutern genossen werden. — Die Zugsordnung beim Aufbruch des Lagers. — Das Volk ist mißmutig. Gott bestraft es. Das Volk murrt, verachtet selbst das Manna und lobt die ägyptischen Zeiten. Moses verwünscht sich das Leben. Gott. gibt ihm 70 Männer zur Mitregierung, darunter Eldad und Medad. Die^e, durch prophetischen Geist ausgezeichnet, weissagen. Das erregt die Eifersucht Josuas, Moses treuen Dieners. Moses beruhigt ihn mit den schönen Worten: ■ „O, wäre doch das ganze Volk prophetisch usw.", — Das lüsterne Volk stirbt nach dem Genuß von Wachteln- Der Ort ihres Begräbnisses führt dauernd den Namen „Kiwraus Hataawoh", Gräber der Lüsternheit. — Moses Demut zeigt sich wiederum, als Ahron und Mirjam seine Prophetie geringschätzig beurteilen. Moses, der „bescheidener war als alle Menschen aus der ganzen Erde", beachtet die Herabsetzung nicht; Gott aber tritt für ihn ein und erklärt ihn für den größten Propheten; rede er doch nrit ihm von Mund zu Mund. Mirjam wird mit siebentägigem Aussatz bestraft. Nach ihrer Wiedergenesung zieht das Volk weiter. Wochenqottesdienste in Frankfurt a. M. Morgens: 6 Uhr (Synagoge Unterlindau, Synagoge Bockenheim 6 Uhr 30 m: Hauptsynagoge 7 Uhr: Synagoge Königsteknerstraße 7 Uhr 30 Min.). Abends: 7 Uhr 15 Min. (Synagoge Unterlindau, Synagoge Bockenheim 7 Uhr 15 Min., Synagoge Königsteinerstraße 7 Uhr: Hauptsynagoge 4 Uhr). Offenbaoh er Druckluft - Anlage Sffanbash a. H. Telefon 133. (Anschluss mit Frankfurt). Bewährteste TapptCbFelnlgiUlB (100,000 qm jährlich); sowie unühertroflana Battenu. Bottfedernrelnlgung mittelst Druckluft und Wasserdampf. Kaiser Friedrich Quelle —— Offenbach e. M. -—- ■ (tagen Sieht and Rheunatismsa bewährt. Alleiniger General -Vertreter: Frladi-loh Stahl, Frankf.iuM.. Güntherab.-Allee 37. Tel.Hansa259u.714.