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Neue jüdische Presse · 1914-06-05 · Heft 22 (5.6.1914) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 22 (5.6.1914)
Date
1914-06-05
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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9h Güte 2. Jupen waren, die mitten im jüdischen Leben standcn imd die Fragen und Probleme des modernen Judentums als ihre eigenen empfanden, gelang es ihnen dann auch, durch ihre wissenschaftlichen Leistungen mehr zu erreichen, als es sonst gelehrten Arbeiten beschicken ist, gelang es ihnen,, durch ihre Forschertätigleit auch ihre Gegenwart zu beeinflussen, Md so ward die „Wissenschaft des Judentums" zu einem mächtigen Faktor in der Arbeit.zur Erhaltung und Regenerierung des modernen Judentums. Indem sie nach außen hin die vielen Lügen und Geschichtsentstellnngen, mit deren H.ilfe man unsere große Vergangenheit ihres Glanzes berauben , will, durch geschichtliche Forschung zerstörte, nach innen hin durch Wiederbelebung' unserer Geschichte und unserer Literatur das Interesse >sur das Judentum erweckte und pflegte, wurde sie zN einem erfreuliche^,,Symbol des neuerwachten innerjüdischen Geisteslebens. . Es ist Lar, daß. die „Wissenschaft des Judentums" zu ihrer gedeihlichen Fortentwicklung auch reicher materieller .'Mittel bedürfte und bedarf. Wenn man sieht, welche enormen SuiNmen andere Nattonen für die. Pflege ihrer nationalen Wissenschaft aufwenden, wird man verstehen, welch starke materielle Unterstützung auch, die „Wissenschaft des Judentums" nötig hat. Wer aber sollte ihr die nötigen Mittel verschaffen? Was bei anderen Nattonen der Staat ült, wer sollte es bei uns besorgen? Man denkt unwillkürlich an die deutschen kttriversitäten. Und in der Tat wäre es nur die selbstverständliche Pflicht der Universität gewesen, der „Wissenschaft des Judentums", die ja so Großes geleistet und auch für die allgemeine Wissenschaft so Bedeutsames zutage gefördert hat, in ihren Räumen eine Pflegestätte und die Möglichkeit zu ungehinderter Entfaltung zu bieten. Aber welches auch immer die Gründe sein mögen, die ' dies perhindert haben, Tatsache ist es, daß; bis zum heutigen Tage noch keine deutsche Universität einen Lehrstuhl für hie „Wissenschaft des Judentums" besitzt, und es ist leider auch Nicht zu hoffen, daß in diesem Zustande so bald eine Wandlung eirttreten wird. Und so blieb denn vom ersten Tage ihrer Existenz an die „Wissenschaft des Judentums" allem auf die Unterstützung und Förderung angewiesen, die ihr von jüdischer Sette zutett wurde. Diese Unterstützung konnte ihr aber für die Dauer in ausreichender Weise nur zuteil werden, wenn eine einheitliche Organisation dafür geschaffen ward. . Diese Organisation stellt die 1902 gegründete „Gesellschaftzur Förderung der Wiffenschaft des Judentums" "dar. Sie wlll alle Arbeit der Unterstützung und/Pflege der „Wissenschaft des Judentums" zusammenfassen, die wissenschaftliche Arbeit selbst aber organisieren Md systematisieren. Wenn man heute auf ihre 12jährige Wirksamkett zurückblickt, so wird man zugeben inüffen, daß sie ihre Aufgaben mit großem Geschicke und nicht minder großem Erfolge erfüllt hat. Es ist hier nicht der Platz, um alle die verschiedenen, bedeutsamen Arbetten, die der Jnittattve und Unterstützung der Gesellschaft ihr Erscheinen verdanken, . all die mannigfaltigen Arbeiten auch, die noch im Entstehen begriffen sind, auszuzählen und in ihrer . Bedeutung zu charakterisieren. Es genügt, wenn wir erwähnen, daß die Gesellschaft einen „Grundriß der Gesamtwissenschast. des Judentums" herausgibt, von dem beretts zehn Bände, darunter manche hervorragende Werke, erschienen sind, daß sie ein für die Geschichte der Juden in Deutschland grwidlegendes Werk, ferner eine kritische Ausgabe der Mijchna und der gleichzeitigen Schriftwerke der tannaittschen Periode, den Corpus Tannaiticum,' vorbereitet. Und daß die „Monatsschrift für die Wissenschaft des Judentums" ihrer Unterstützung ihre Existenz verdankt. . Man wird aus diesen Ättlgaben allein schon die großen bleibenden Verdienste erkennen, die die ..-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des .Judentums" sich bisher erworben hat- und aber Mch ihre allgemein-jüdische Bedeutung daraus ermessen Wunen. Zugleich aber wird man verstehen, wie - groß und umfangreich ihre Aufgaben für die Zukunft sind, so groß Md bedeutsam, daß sie .Mr .dmm ganz erfüllt werden können, wenn jeder . . Einzelne der Gesellschaft seine Mithilfe.leistet., durch materielle Unterstützung Md sonstige Forderung. 'Wir hoffen, daß die eben beendete Tagung, die Sftatdfrcfö. ZsraÄtffchkS FamilieMM. %; diesmal ins uirserem Frankfurt staflgefünden hat, viel dazu beitragen wird, die Erkenntnis von der Bedeutung der „Gesellschaft zur Förderung der Wiffenschaft des Judentums" und das. Bewußtsein, mitzuwirken an der Erreichung ihrer Ziele, unter der deutschen Judenheit im allgemeinen, unter der Franffurter im besonderen, zu verbreiten und zu vertiefen, und daß die Verbreitung dieser Erkenntnis bald auch ihre praktischen, konkreten Erfolge zeitigen wird. M nlN g i ~S o. «cl. Leu s eu r» Ö. O ® _ fl © _ x» _ •£ M .► £ o — o . 1a 2- K o ,E s!« & SSL M. ‘ \ E=a ä ’a Brief aus Rußland. Die-Reise Hermann Cohens: Die Nachricht, daß der Philosoph Geheimrat Professor Dr. Hermann Cohen nach Rußland komme, wurde in der gesamten Intelligenz mit Freude vernommen. Schon au den Bahnstationen, die er durchfuhr, erwarteten ihn Vertreter der gelehrten und literarischen Kreise, Gemeindevorsteher, Stu-. dentenvereine. Mit Triumph wurde er überall empfangen. Seine erste Vorlesung hielt er in her „G e o - graphischen Gesellschaft zu Petersburg über .das Thema: „Begründung der Ethik im Jndentum" und eine zweite Vorlesung in der „Religions-Philosophischen Gesellschaft" über das Thema:,l „Ethik und Religio n". Die „PHi l o so pH i s ch e Gesellschaft" an der Petersburger Universität ernannte ihn zum Ehrenmitglied. ' > . v In der letzteren Gesellschaft hielten Begrüßungsreden: Wasiliew, Grusenberg und Prof. Tugan-Baranowski. Dieser bezeichnete Cohens/ Anwesenheit als ein .Ereignis von gesellschaftlich-historischer Bedeutung. Gerade in der Zeit von barbarischen Orgien des- Antisemitismus, -in einer Zeit von raffinierten Verfolgungen und Unterdrückungen der Juden wecken die'Worte 'Hermann Cohens, mahnen die Welt und die Juden zur Anerkennung der unerschöpflichen- Schätze der vielhundertjährigen Kultur des Judentums, der Quelle der erhabenen Ideale -her Menschheit. Noch Jahrhunderte lang würden die Gedanken des Judentums die großen Gemüter zu erhabenen Gefühlen und I erhabenen G-edanken wecken. I Und, sei es Zufall oder nicht: . Am folgenden Tage sah man schon die besten Männer.Rußlands auf der Tribüne erscheinen. Der berühmte Professor Maxim Kowalewski sprach über die Rechtlosigkeit des jüdischen Volkes, .Miljuko w schilderte den gegenwärtigen russischen Antisemitismus als einen Fremdling, herbeigezogen aus politischen Gründen und ermunterte die Juden zur Vereinigung mit dem ruffischen Volke zum Kampfe für die Freiheit. Im Polytechnischen Museum zuMosk au hielt der greise Philosoph vor 2000 Menschen eine Vorlesung über dasselbe Thema: „Begründung der Ethik i m I u d e n t u m" und in der neuen philosophischen Gesellschaft „Logos" über das Thema: „Wissenschaft und Philosophie". Die Gelehrten Moskaus besuchten den Professor und begleiteten ihn auf seiner Fahrt durch die Stadt, wo ihm die städtischen Anstalten gezeigt wurden. Der berühmte Kunstsammler, Millionär Md PhllMthrop S. U. Stschukin, dessen Sohn auch Schüler Cohens, ist, veranstaltete zü Ehren des berühmten Gastes ein großes Bankett. Von hier aus ging Prof. Hermann Cohen nach R i g a, W i l n a und Marsch a u. In Wilna,' wie vorher in Petersburg, war er am Samstag in der Synagoge, wo er zur „Thora" .aufgerufen wurde. Um die Synagoge versammelte sich ein zehntausendköpfiges Publikum, es wurde Spalier gebildet und in solcher Weise begleitete ihn das Publikum bis zu seinem Hotel. : Am folgenden Tage besuchte er rr. a... auch die ,Jeschibah". Der „Rosch-Jeschibah" hiell eine Begrüßungsrede, in der er den großen .Gast als Ä . . Nr. 22. --rat ••••& - Träger KerKJdee des, MiwtheHischeiL Goftes mit dem.Patriarchen ^.AbralDnK Perglbch.Mi'exauß antwortete der Gefeierte mit der Ägada: Nach Zerstörling des Tempels ging ein „Bas-Kaul" heraus: „Wehe den Kindern, die vom Tische ihres -Vaters vertrieben, und-wehe dem Vater, dessen Kinder vertrieben worden!" Ihr aber, solange ihr „Thora" studiert, weilt ihr noch am Tische' Gottes!;.!. . Auch examinierte er die Schüler, besuchte das jüd. Gymnasium und ging zuml Grabendes Wilnaer Gaon. - ' •••; Gs ist übrig zu sagen, daß die jüdische Gemeinde zu.. Warfich au,, .die. größte. Europas, den berühmten Gast mit großen Ehren eutpfing. Im Namen der jüdischen Gemeinde sprachen: Prof. Diksbein-' Rabb. -Du. -PosnanskiimrNamen der. Kaufleute EmjlPeyez, im , Namen der Lodzer Gemeinde /Dr. Br äü d e , usw. Prof. Säwalski, der den 'Lehren' Cohns ein Werk gewidmet hat („Grundzüge der Rechtsphilosophie im Idealismus"), sagte, u. . Es ist kein Wunder, daß die intellektuelle Jugend, die philosophische Bildung sucht, jetzt unter:bem Einflüsse des bei uns weilenden Hermann Eohcn steht. Das wirklich Große macht die größte Wirkung und findet in Rußland stets den heißesten Empfang. D. Schapiro. Tagung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Frankfurt a. M., 3. Juni. Um 6 Uhr nachmittags versammelten sich viele Mitglieder und Freunde der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums im großen Saale der Frankfurt-Loge zu einer von der obengenannten Gesellschaft einberufcnen öffentlichen Versammlung. Die Eröffnungsansprache hielt Direktor Dr. Adler, Vorsitzender des Ortsausschusses. Er begrüßte die Erschienenen, vor allem Oberbürgermeister Voigt, und sprach gleichzeitig die Hoffnung aus, daß in der neu zu gründenden hiesigen Universität auch die jüd. Wissenschaft, die von eminenter Bedeutung auch für die allgemeine Wissenschaft, ist und leider bis. dato in., deutschen Gauen .keine Stätte gefunden hat, gebührenden Platz erhalten möge, und. daß sich die gesamte Bürgerschaft ohne Unterschied der Religion zusammentun möge zur Pflege gcistiger Gütcr. Er gab seinem Bedauern Ausdruck über das durch seinen Gesundheitszustand veranlaßte Fernbleiben Professors Philippsohn, des Vorsitzenden der Gesellschaft, dem zu diesem Tage eine vom Bildhauer M. Lewy sinnreich entworfene und ausgeführte Plaquettc ' zugedacht war. Sodann begrüßte Direktor Dr. Adler die aus 28 Gemeinden erschienenen Vertreter und die Abordnungen fast sämtlicher jüdischer Organisationen Deutschlands. Plakette zu Ehrcn Prof. Philippson. <{ .'S'- 5 - i! -i AUUNG.itG(IS[ilLETJ-fftF.l,-.F0RQE RUNG | sMSl ÜNSf-IIAFu..]u Dfiir (JMS j r R A f,i •'PjJ RTr>/-.y-.-itifv 1,1 0 I 'V. Darauf ergriff Oberbürgermeister Voigt das Wort. Das Judentum blicke auf viele Jahrhunderte zurück. Ins. Kultur habe schon zu einer Zeit bestanden, wo bei anderen Nationen von ^Kultur noch überhaupt nicht die Redc war. Und so war es dem Judentum möglich^ auf die änderen Völker einen, bemerkenstperten Einfluß auszuübc», auf dem Gebiete der Religion wie der Philosophie, wie auf allen änderen Gebieten. Dieser 'Einfluß' sei-fortdauernd, und sogar Goethe beschäftigte sich eingehend mit. der Bibel. Die. jüd, Wissenschaft habe also überall,-und zu allen Zeiten fördernd auf die Kultur gewirkt," und da die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft' des Judentums nun.c tätig zu. - 1 mit t gereift und ( S .. 3 Körst, herzlr über dem 1 jüd. ä und.1 tti ,?i Juder .. J Quell bis 1 }Uh,. i Ersvr jiir zur ( überb Mge „Zur. F Ftäül Besch, Wisse, keiisgi yu und rliche iiitt d änder lehr link der » Gef, lä Philo ihren. 13.; cittno: der j Man i>t m Wisse, man- Zerkli behau habe sieÜni sprich, dcr-L U. ä: der g L ich Ausgc ■ ü Lortr die 8 große Allste, Recht, bciiim aus deren Dr. i l i % sind -ugeg die N solche, zeigt Diffe, 66277762

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