Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 21 (29.5.1914)
- Date
- 1914-05-29
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Jfc 21. Frankfurter Israelitisches FamilienAatt. Seite 3. 'ensverzu ent- >at man in wird Dahm- , einen Die gcsind, ist ien nun en, eine ns verlier sich mit sich c Bahn Prüfen r stiin- Abendstis Ly.;der zu ten, die finden, icst, um ehr entist man Nomeniuse zuer für finden, ’■ Menge jcifti ist Alltag: er nichl Dichter i. Aber seltenen -rkendcr, seihe zu eMußcität und tat war Ad Einm Schnr I immer . Es ist r Poesie meingut >eblieben m ivird. s. a natiostets die gewesen, für das and uns gen für sticht die Existenz n, trotz ockunge» ium.tm : offene» n noch 1088. 8, Mi nie den Bestand» eines Volkes wahrhafte gefährden können.' Von Ziel größerer Gefahr und weitaus mehr Unheil stiftend sind jene, die wohl den Willen, bewahren, ihrem .Volk tren zu bleiben, aber allmählich das Verständnis , für das - zur Erhaltung ihres Volkstums Notwendige einbüßen, der Gefahren, die es umgeben, nicht mehr achten und so durch ihre Lauheit und Kraftlosigkeit allzuleicht dem Ansturm der Feinde erliegen. Konkret für uns Juden gesagt: Nicht die offenen Assimilanten sind: die schlimmsten inneren Feinde des Judentums sondern jene, die wohl unter allen Umständen dem jüd. Volke die Treue wahren wollen, aber vergessen,- daß unsere Erhaltung nur gesichert werden kann durch eine radikale Umwandlung unserer nationalen Lebensbedingungen, also jene, die trotz allem possitiv jüdischen Willen den G a l u t h bejahen nnd sich mit ihm abfinden. . .Solche Galuthbejaher hat es immer innerhalb des Diasporajudentums gegeben, aber immer nur in geringer Zahl: die weitaus überwiegende Majorität des Volkes. hielt doch, erzogen und gestärkt durch die Macht der Religion, an den jüdischen Traditionen fest, und diese Traditionen mit .ihrer nationalen Messiashoffnung, mit ihren täglichen Gebeten um die Rückkehr des jüd. Volkes nach seinem Erez-Israel bedeuteten ja die denkbar schärfste Galuthnegation. — Seitdem jedoch das Ghetto gefallen, die jüdische Tradition an innerer Macht so ungeheuer viel verloren hat und die Einflüsse der Umwelt in voller Stärke auf uns einzuwirken begonnen haben, hat sich die Zahl der Galuthbejaher unter uns stark vermehrt. Hand in Hand mit dem Umsichgreifen der völligen ungeschminkten Assimilation innerhalb des modernen Judentums ging das Wachstum der Galuthbejahung in unserer Mitte. All jene, die die jüd. Traditionen von sich geschüttelt hatten, dabei jedoch einerseits noch zu viel jüdische Weihe enthielten, um ihrem Volk den Rücken .zu kehren, andererseits aber doch nicht mehr genügend Verständnis für unser nationales Schicksal, nicht genügend Kraft zur Negation unseres anormalen Daseins. besaßen, fanden sich auf dem Boden der Galuthbejahung zusammen. So war es eines der größten Verdienste des inodernen Zionismus, daß er wieder mit aller Klarheit und Schärfe das Prinzip der Galuthverneinung zur Grundlage seines Programms gemacht hat und den Tausenden seiner Anhänger, die nicht mehr durch die Tradition zur Galuthnegation erzogen wurden, dieses Bekenntnis wieder eingeflößt und in ihnen verwurzelt hat. Aber noch hat der Zionismus nicht eine volle Wandlung der Dinge in dieser Hinsicht herbeiführen können. Illoch ist bis zum heutigen Tage jene große Scheidung innerhalb des Judentums nicht eingetreten, die zur Klärung unserer inneren Lage die erste Voraussetzung bilden muß: die Scheidung von Galuthbejahern in all ihren Abstufungen einerseits und radikalen, prinzipiellen Galuthvcrneinern andererseits. Diese Scheidung tut nirgends mehr not als gerade dem östlichen Judentum. Im Westeuropa geht ja diese Scheidung relativ leicht vor sich. Besitzt ein westeuropäischer Jude die innere Stärke, sich von der Assimilation zum nationalen Judentum. druchzuringen, dann pflegt er diese Wandlung auch ganz zu vollführen .und das Prinzip der Galuthnegation anzuerkennen. Es hat dies seinen Grund zum erheblichen Teil auch in der modernen Bildung und historischen. Schulung des westeuropäischen Juden. Dank seiner historischen Bildung erkennt er leicht, daß die Erhaltung ^unseres Volkes unter den heutigen Daseinsdingungen allen historischen Gesetzen widerspricht, und er ' weiß daß die großen Gesetze der Geschichte stets zu ihrem Rechte kommen müssen. In Osteuropa jedoch, in dem es einem großen Teil des Judentums an der weiten historischen Bildung mangelt, in dem der Blick so vieler Juden durch den engen Horizont des Ghettolebens eingeschränkt ist, in dem aber auch das jüd. Gefühl, die jüd. Werte noch zu sehr lebendig sind, als daß .eine völlige Assjnnlation so leicht möglich wäre wie im Westen, in Osteuropa sind die Galuthbejaher eine häufige Erscheinung. Im letzt au Jahrzehnt haben sie sogar begonnen, sich .zu organisieren und ihre» Stand- MI auszubauen lind zu begründen. Und dabei klammern sie sich alle pn einen Standpunkt, an den Faktor des ostjüdischen Lebens, der abgesehen von der Traditon, die ja die meisten Galuthbejaher nicht anerkennen — wohl den stärksten jüdischen Wert innerhalb des osteuropäischen Judentums darstellt : an d i e j ü d i s ch e S p r a ch e. Die jüdische Sprache war ja von jeher das stärkste, drastischste Produkt und Symbol unseres Galuthlebens gewesen; in ihr treten alle Anormalitäten und krankhaften Seiten des Galuth am deutlichsten entgegen, und so ist es nur natürlich, daß sich von jeher alle Galuthbejaher um die jüdische Sprache scharen, in der Erhaltung und Pflege derselben ihren vornehmsten — meist einzigen — Programmpunkt erblicken, so daß Jüddischist und Galuthbejaher fast identische Begriffe geworden sind. In der allerletzten Zeit ist diese jüddischistische Bewegung wieder erstarkt und beginnt durch ihre Energie und ihre praktische Betätigung eine Bedeutung zu gewinnen, die man ihr auf Grund ihres theoretischen Programms niemals beimessen dürste. Unter dem irreführenden und nichtssagenden Schlagwort: „A l l j u d e n t u m" wollen sie eine neue große nationale Bewegung entfachen und treten mit Aspirationen auf, die zum Lachen reizen müßten, wenn sic nicht als Symptome — so betrübend wärend. Es ist hier nicht der Ort, .die ganze Absurdität, die die Theorie des Alljndentums kennzeichnet, aufzudecken, es soll auch gar .nicht versucht werden, in eine Polemik gegen ihre Einzelideen einzutreten. Die Theorie Pes Alljudentums verdient es wirklich kaum, daß man zu ihrer Widerlegung Zeit und Mühe vergeudet. Viel bedeutsamer und gefährlicher als alle theoretischen Gedanken des Alljudentums, ist jedoch die Art und Weise, in der seine Anhänger in Rußland an der Propagierung ihrer Ideen arbeiten. Im Mittelpunkt des inneren Lebens des russischen Judentums steht jetzt ein schweres und großes Problem: die Frage der jüdischen Schule. Die jüd. Schule in ihrer alten Form, der Cheder, geht rapide seinem völligen Untergang entgegen und ist infolge der Degeneration, in der er sich befindet, infolge des Widerspruches, in deni er zu allen Lebensbedingungen unserer Zeit steht, nicht mehr zu retten. Die ruffische Staatsschule ist ja bekanntlich den Juden so gut wie gesperrt. So ergibt sich für die russischen Juden die Notwendigkeit, eigene Schulen zu schaffen und die Vollführung dieser Werke wird eine der wichtigsten Aufgaben der nächsten Jahre bilden. Die Jüddischen benutzen nun diese Frage, um ihre gefährlichen, destruktiven Ideen auch in die.Praxis umzusetzen. Nun ist es an sich wohlverständlich, wenn viele als Unterrichtssprache der zu schaffenden jüd. Nationalschule das Jiddische fordern. Auch ist dies keinesfalls gefährlich, 'sondern im Gegen- . teil für die Erhaltung der Mischen Werte nur nützlich. Eine hebräische Normalschule in Rußland zu schaffen, ist unmöglich; und daß vom jüd. Standpunkt aus dem Jiddischen der Vorzug vor dem Ruffischen gebührt, ist klar. Würden also die Jiddischisten nur die Forderung erheben, daß die profanen Unterrichtsfächer jiddisch gelehrt würden, das nationale Judentum könnte sich ihnen nur anschließen.; Sie aber wollen mehr. Sie wollen mit der Einführung.. des Jiddischen als Unterrichtssprache auch den Geist der Galuthbejahung in die jüd. Schale.hineintragen und so die Jugend vom ersten -Tage an vergiften. Ihr Kampf für das Jiddische ist zugleich ein Kampf gegen das Hebräische, ein Kampf gegen alle jüd. Traditionen, ein Kampf gegen alles wahrhaft Nationale. Wie wahr dies ist^beweist mehr als alles andere die Taffache, daß heiDbstimmung auf der vor einiger Zeit stattgefundeuen Konferenz der „Gesellschaft zur Verbreitung der Bildung unter den Juden Rußlands", auf. der die Frage der jüd. Schule erörtert wurde, her größte Teil der Jiddischisten dafür stimmte, das Bibel nndTalmud in derjüd. Volksschule nicht unterrichtet werden sollten.' Man schämt sich fast, wenn man dies berichtet: wie tief muß unsere nationale Dekadenz -bereits fortgeschritten sein, daß Juden, die gute Juden fein wollen und zu sein wähnen, dafür eintreten können, daß die .Bibel in unserer' nationalen.'Volksschule, nicht se? lehrt werde? Es ist klar, welche Gefahr eine solche Bewegung bedeutet. Gerade, weil sie die Affimilation bekämpfen will und eine nationale, gut jüdische Bewegung sein will, ist ihre Gefahr so groß, und der Schaden, den sie stiften kann, so unermeßlich. Denn sie verhindert das, was uns mehr tut als alles: die Klärung unserer inneren Lage, die Herbeiführung einer klaren Scheidung. Sie will national sein, und ist doch vollgetränkt von Affimilationsgeist; sie gibt vor, die Assimilation zu bekämpfen, und besitzt doch nichts von wahrhaft nationalen Werten und Ideen. So ist Ls dringend erforderlich, den Kampf gegen diese Richtung, die innerhalb der nationalen Lagen aller Traditionen, alle Nationalen Werte vernichten will, mit aller Schärfe aujzunehmen. Dem wahrhaft national gesinnten Judkmtum in RuUand erwächst die dringende Pflicht, ein Starkwerden des Jiddischismus zu ..verhindern und ihn auf die kleine Zahl von Anhängern zu beschränken, über die er heute nur verfügt: eine Gruppe unklarer, Werfpannter Intelligenzler, die noch vollgesogen sind von den krankhaften Halbkulturideen der russischen Revolution. Durch eine verständnisvolle Wahrnehmung der wirklichen Interessen der jüd. Massen, durch eine vernünftige Pflege des Jiddischen, durch energische Aufklärung wird es der nationalen Bewegung in RuUand gelingen können, das wahre Wesen des AllMentums vor aller Welt aufzudecken und die großen Gefahren, die es bei einer Erstarkung und einem Umsichgreifen seiner Ideen bringen könnte, von vornherein gründlich zu beseitigen. IleUJOM. Cafe Kaiserplatz Bethmannstrasse 56 vis-ä-via Frankfurter Hof. Nack vollst. Renovierung d. Titl. Publikum bestens empfohlen^ Täglich grosses Künstler-Konzert der nngar. Hauskapelle. Besitzer: H. Hainemann. Telephon Hansa 585Ü Das Wahlrecht -er Duisburger Ausländer In allen Kreisen des deutschen Judentums hat der Versuch, der Duisburger Liberalen, die ausländischen Juden von dem Gemeindewahlrecht auszuschließen, das größte Aufsehen hervorgerufen. Es ist noch in Erinnerung, mit welchen Mitteln die Führer der Duisburger Gemeinde versucht haben, diesen ihren Herzenswunsch durchzusetzen. Nur um die jüdisch-nationalen und konservativen Elemente nicht in der Gemeinde die Oberhand gewinnen zu lassen, hat man es nicht verschmäht, in Eingaben an die Behörden die Fabel von einer „ketzerischen Sekte im Judentum" aufzutischen. Und das zur Zeit der Beilis-Affäre! Die von den Duisburger Gemeindebehörden beschlossene Statutenänderung bedurfte aber noch der behördlichen Genehmigung. Zu.unserer Freude sind wir in der Lage, unseren Lesern heute mitzuteilen, daß der Herr Minister des Innern durch Erlaß vom vom 4. Mai d. I. an den Herrin Oberpräsidenten der Rheinprovinz dahin entschieden hat, daß nach dem preußischen Gesetz von 1847 Ausländer in hen preußischen jüdischen.Gemeinden das aktive und passive Wahlrecht haben. Der Wortlaut des Erlasses ist folgender: „Der Herr Minister des Innern hat am 4. Mai 1914 I b 197 entschieden, daß das Gesetz vom 23. Juli 1817 die Wahlberechtigung ausländischer Juden zur Repräsentantenversammlung, sofern die Betreffenden im übrigen * die Anforderungen des § 41 des Gesetzes erfüllen, nicht ausschlietzt. , Da bereits bei Erlaß des Gesetzes zahlreiche ausländische Juden in Preußen wohnhaft waren und das Gesetz selbst in 8 71 Abs. 2 die Uebernahme von Kultusämtern und anderen dauernden Beschäftigungen durch ausländische Juden ohne deren Naturalisation vorsieht, so mußte der Gesetzgeber mit der Zugehörigkeit ausländischer..in Preußen . wohnhafter Inden zu Synagogengemeinden rechnen» - und cs-hätte nahe gelegen, diese Zugehörigkeit und die daraus sich ergebenden Rechte solcher Ausländer anszuschließen, wenn der Gesetzgeber dies wollte. .Wenn demgegenüber im 8 37 des Gesetzes die Zugehörigkeit zur Synagogengemeinde für „alle innerhalb ihres ' Bezirkes wohnenden.Juden" schlechthin ausgesprochen und in 8 41 daselbst die Wahlberechtigung zur Repräfentantenversammlung sämtlichen männlichen, volljährigen Mitgliedern der Synagogengemeinde zugesprochen wird, wÄche sich selbständig ernähren nnd mit Entrichtung der Synagogengemeinde Abgaben in den letzten drei Jahren, nicht im Rückstand geblieben sind, so bietet das Gesetz keinen Anhalt dafür, daß es in diesen Punkten zwischen einheimischen und ausländischen, nicht naturalisierten Juden einen Unterschied hat mmhen wollen. Im übrigem ist durch die Anforderung dreijähriger Abgabenentrichtung Borjorge dafür getroffen, daß lediglich fluktuierende Element? % •3