Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 20 (22.5.1914)
- Date
- 1914-05-22
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Serie 4. Frankfurter Israelitisch^ Familienblatt. Nr. 20 die Röntgendiagnostik (Momentaufnahmen nsw.) und Röntgentherapie (Oberflächen- und Tiefenbcstrahlung) gestellt werden, erfüllen kann. Außerdem sind auf dem NachLargrundstück Polikliniken für unbemittelte Kranke eingerichtet worden und zwar eine solche für innere und eine für Frauenkrankheiten. Diese Einrichtungen dürsten sich,- da das jüdische Krankenhaus demnächst verlegt wird, für die Einwohner des Zentrums und Nordens Berlins als besonders segensreich erweisen. Die Röntgenabteilung ist übrigens auch Patienten zugänglich, die sich nicht im Krankenheim befinden; für diese ist cs täglich (außer Sonnabend Und Sonntag) von 9—11 und 3—5 Uhr geöffnet. MÄchen. Im Landtag kam vorige Woche die Revision des Judenedikts zur Sprache. Steets (Ztr.) erklärte zu der von der Regierung in Aussicht genommenen Revision, daß die orthodoxen die Äülstrittsmöglichkcit, — d. h .die Bildung einer zweiten Kultusgemeindc am gleichen Orte —, die Verhältniswahl für Vertretnngskörpcr der Großgemeinden und eine Zentralkasse zur Unterstützung leistungsschwacher Gemeinden Pünschen. Wals (Fr. Vrgg.) sprach für die jüdischen Gegner des Revisionsbegehrens. Diese sähen in der Forderung einer Zentralkasse und der Verhältniswahl einen Widerspruch mit der Trennungsmöglichkeit und sic wenden sich insbesondere gegen einen Beirat, der, wenn auch nur zur OrLnung der finanziellen Angelegenheiten gedacht, doch zu starken religiösen Bedenken Anlaß geben kann. Don dm: Treimungsmöglichkeit, die nach ihrer Ansicht eine Differenzierung ihres religiösen Bekenntnisses bedeutet, befürchten sie insbesondere für die Landgemeinden schwere Schädigung. Anerkannt wird die Notlage unter den Lehrern und Kantoren. Man wünsche eine nochmalige Umstage bei allen Gemeinden, nicht nur bei einzänen. Dr. Günther (fiB.) schloß sich den Ausführungen Steets' au und behandelte ausführlich die Frage der Zentralkaffe nach den Vorschlägen Kommerzienrats Frän- M. Nach diesen Vorschlägen sollen die einzelnen Juden je nach ihrer Steuersahigkest in die Zenstalkasfe Beiträge eiuzahlen, und damit die Juden auf dem Lande ihre Interessen wahren können» ist ein Beirat nötig. Es sei unerfindlich, wie dieser finanzielle Bestat irgendwie in religiöse Materien eingreifen könne. MrWem noch Dr. Süßh'eim (Soz.) gesprochen hatte, ergriff Kultusminister Dr. v. Kn i kling bas Wort zu folgenden Ausführungen: Wenn cs die Verhältnisse irgendwie ermöglichen, wird es versucht werden, die Verhandlungen über den Entwurfs die nach Möglichkeit gefördert werden, so 'zum Abschlüsse zu bringen, daß dem nächsten Landtag ein Gesetzentwurf unterbreitet werden kann.^ (Bravo! links.). Dazu ist aber vor allem auch notwendig, daß die beteiligten Kreise, selbst Mitarbeiten. (Sehr richtig! links.) Erst vor einigen Tagen aber ist im Kultusministerium wieder eine Abordnung'von Reviswnsgegnern «schienen, die eine von 300 Unterschriften bedeckte Eingabe überreichten, in der gegen die Revision Stellung genommen wird- Ich würbe es für viel richtiger erachten, wenn auch diejenigen Herren, die der Revision zunächst voreingenommen gegenüherstehen, sich! an den Vorarbeiten möglichst beteiligen würden. (Sehr wahr! bei den Liberalen.) Mg. Walz hat gefragt, ob in dem künftigen Entwurf auch diejenigen Kriterien berücksichtigt werden würden, die in der Ministerialentschließung vom 29. Juni 1863 für die israelitischen Kultusgemeinden gckten. Mit dieser Frage wird sich der Entwurf überhaupt nicht zu beschäftigen haben. Das gehört in das Gesetz nicht hinein. Das Gesetz wird sich in der Hauptsache mit solchen Angelegenheiten zu beschäftigen haben, wie sie den Gegenstand der Kirchengemeindeordnung und des protestantischen Landeskirchensteuergesetzes bilden. Hier -handelt es sich um eine notwendige Voraussetzung, die jScji vorhanden sein muß, wenn eine israelitische Kültusgemeinde ins Leben treten soll. Es gehört das ja mehr den AnstahmeLedingnngen an, die durch den künftigen Enttmrrf: nicht berührt, werden sollen. Im übrigen glaube rch, auf Einzelheiten heute nicht weiter eingehen zu sollen. In dieser Richtung habe ich ja die Grundlagen, was denen ich mir den Entwurf eines künftigen JudenedSs, wie ich cs dorrst noch nennen will, tm allgemeinen denke, im Ausschuß in allgemeinen Zügen gekennzeichnet. . . a Cafe Kaisepgapien am Opernplatz . Erstklassiges Familien-Cafe — - Nachmittags Konzerte, — - _Frw Hanselmann, Besitzer, Oesterreich-Ungar«. F1 Wien. Baronin Cbarlotte Königswarter, eine eifrige, unermüdliche Arbeitcriu und ein guter Mensch, hat das Ehrenpräsidium der jüngst gegründete» Weiblichen Fürsorge übernonlmcn. Der Weibl. Fürsorge habe» sich außer zahlreichen Einzelpersöiilichkeitcn bereits 28 Vereine angcschlossen. — Der Bericht für 1912 und 1913 der ' Adas; Jisrocl (verzeichnet 67 980 Kr. Einnahmen im Jahre 1912 und 65010 Kr. Einnahme» im Jahre 1913. N. ROSENAU Englische Herren*Schneiderei IO fioetbestimaae IO. Vornehm» A«*fnhronf. MüeUe *r»las. Rußland. Lodz. In einer Konferenz, an der die leitenden Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde teilnahmcn, wurde der Beschluß gefaßt, unter den wohlhabenden Juden in Lodz 100 000 Rubel für die geplante jüdische Emigrationsbank zu sammeln. Petersburg. Die von der Regierung eingesetzte Schulkvm Mission hat dieser Tage ihren Bericht über das jüdische Erziehnngswesen veröffentlicht. Die Kvmmissioii kam zu dem Schluß, daß die Existenz eigener jüdischer Schule» keine Gefahr für den Staat bedeute, und daß diese Anstalten als religiöse Einrichtungen harnllos seien, da „die jüdische Religion für die Christen keine Anziehungskraft hat". Die Kommission enchsiehlt die Gründung jüdischer Schulen in Städte» mit einer zahlreichen jüdischen Bevölkerung, um die Juden von den allgemeinen Schulen feriizuhalte». Was die Chedarim, Talmud - Thoras und Jcschiboth anbelangt, beschloß die Komnnssion, sie in ihrer alten Weise fortbestehen zu. lassen und das Jiddisch: als Unierrichtssprache. zuzulassen.___ - Telefon-Anlagen Frankfurter Privat - Telefon - Gesellschaft Frankfurt (Main) m. b. H. . Tel.-Amt Hansa Stiftstrasse 29/33 6256 n. 6257. Personalien n. Kleine Mitteilnnge«. Heppenheim a. d. Bergstr. Abraham Sundheimer feierte in geistiger und körperlicher Frische den 100. Geburtstag. Basel. Dr. Edm. Wormser und Alfred Ditisheim wurden in den Großen Rat gewählt. In Biel wurde Uhrenfabrikant Achille Dreyfus in die Primarschnlkommission getvählt. Budapest. Stefan TL dös, der neue reformierte Bischof, empfing bei seinem Aufenthalt in Saros-Patak eine Deputation der dortjge» orth. jüd. Gemeinde und erwiderte auf deren Ansprache:. „Die Juden haben es durchaus verdient, nicht nur im Gesetze, sondern auch in Wirklichkeit gleichberechtigt zu sein. Sie haben sich mn diese Gleichberechtigung verdient geinacht und ganz besonders Hie vaterländische Judenschaft, denn sie verkündet auf öffentlichem Gebiete große Opfcrwilligkeit, sie gründet und erhält Ununterbrochen großartige Anstalten und führt besonders in religiös-sittlicher Beziehung ein so reines Leben, daß ich diese ihrer Religion entspringenden schönen Charakterzüge meinen Gläubigen häufig als bcfoigenswcrtes Muster hinstellte." Baris. In der neuen Kammer sitzen folgende Juden L. 18. Klotz, der frühere Minister, Andre Hesse, Camille Picard, die Brüder Joseph u. Theodor Rein ach und zum ersten .Male Pierre Masse, Sohn von Edouard Masse, Mitglied des Israelit. Zentralkonsistoriums, . und des Zentralkomitees der Alliance Jsraelite. Konvantinopel. Henry Morgentbau. der Botschafter der Vereinigten Staaten in iKonflautinopcl (der entgegen den Meldmigen einiger Newyorfer Zeitungen nicht nach Amerika abherufen wird) ist von seiner Reise nach Palästina znMckgekchrt. Er hat von seinem dortigen Ansenthalt die besten Eindrücke mitgenommen. > Kapstadt. In Bloemfontein wurdeS. Levh zum Bürgermeister und in Neuseeland Redakteur Phineas Selig -New;Plymouth zum Präsidenten des Verbandes der ZeitungsHerausgeber n. Redakteure von Neuseeland gewählt. I Offenbacher Druckluft-Anlage I Ottenbach a. H. Telefon 123. (AnschlnsB mitFrankfari). I Bewährteste TepplchrelnlOung (100,000 qm jährlich) ■ sowie unübertroffene Betten- ». Bettfedernrelnl- Lhb ffang mittelst Druckluft and Wasserdampf. mmm Aus der zionistische« Bewegung. Berlin. Die Zionistische-Bereinigung für Deutschland < hat ihren 14. Delegiertentag für den 14. und 15. Ju»i nach Leipzig in den Krystallpalast eiiiberufen. Seit dem 13. Posener Delegiertentage im Jahre 1912 hat die Zionistische Vereinigung für Deutschland eine bedeutende Stärkung ihrer Organisation erfahren, und fast alle Organisationen der deutschen Juden waren gezwungen, zum Zionismus Stellung zu nehmen. Aus dem .Kampf mit den antizionistischen Richtungen im deutschen Judentum ist die deutsche Organisation der Zionisten wesentlich, gestärkt hervorgegangen, 122 Ortsgruppen in allen Gegenden des deutsche» Reiches mit insgesamt 10 234 Zionisten sind in/ der Zionistischen Bereinigung für Deutschland zusainmengeschlossen. Dazu kommen noch - 350. Vertrauensmänner in 187 Städten ohne Ortsgruppe», die mit dem Berliner Büro der Z. V. f. D. in ständiger Korrespondenz stehen. Kiew. Zwei jüdische Gesellschaften für. Bodcncrwerb in Palästina wurden soeben im Gouvernement Kiew gegründet, die eine mit einem Kapital von 100000 Rubel, die andere mit einem solchen von 50 000 Rubeln. Die beide» Gesellschaften beabsichtigen, ländliche Grundstücke in der Nähe jüdischer Ackerbaukolonicn anznkaufen, und ihre Mitglieder Hort als Pflanzer und Landwirte anznsicdeln. Korfu. Die diesigen Zionisten haben den für die Er. bannng eines Jemenitenhanses in Palästina erforderlichen Betrag aufgebracht. Auch: die Zionistcn in Dolo haben ein Wohnhaus für jemenitische Juden in Palästina gestiftet. Diese Leiihingen sind besonders beachtenswert, wen die jüdische Bevölkerung wenig zahlreich und wenig bemittett ist. Christ. Wilhelm Leux Telef. Hansa 3667. Hoflieferant. Goctheatr. 21. Herren-, Samenu. tivreeschneiderei. Spezlal-Sportgesebäft. — ■ — Auf Wunsch koschere Verarbeitung. ’;r ~ Ißtiiffefon. Der Windhauch. Historische Erzählung von M. Pulvermaun. Jerusalem. Es lvar in später Nachtstunde, und eine unheimliche Stille herrschte in der heiligen Stadt. Das Beten der Frauen, das Toben der Männer und das Fluchen der Krieger hatte jetzt anfgehört. Die Bewohner der unglücklichen Stadt hatten in der Vergessenheit des Schlafes endlich Ruhe gefunden vor der Pein der Gegenwart undvor den trüben Ahnungen der kommenden Zeit. Nur noch aus einem einzigen kleinen Häuschen drang ein schwacher Lichtschein, und ein aufmerksamer Lauscher hätte das leise Murmeln einiger Männerstimmen vernehmen können, das aus dem Häuschen drang. Dieses stand nrit der Rückwand an die Stadtmauer gelehnt, sodaß die Bewohner all die Schmähreden gegen das jüdische Volk, gegen König Chiskija, ja gegen Gott selbst hatten andren müssen, die die Sendboten des assyrischen Königs Sancherlb mit frechem Uebermnt aussticßen. „Jerusalems Blut," hätte deren übermütige Botschaft gelautet, „komme über Euch selbst! Hat denn Euer König vergessen, wie er von uns in den Staub gedcmütigt wurde? Glaubt er, jetzt einem ähnlichen Schicksal zu entgehen, wenn er auf den gebrechlichen Stäb Aegyptens sich stützt, und darum sich ivcigert, den schuldigen Tribut nach Ninive zu senden? Denkt er nicht mehr an. die Verwüstung seines Landes, an die Wegführung der Hunderttausende seines Volkes als Gefangene? „Siehe," so spricht unser Herr, der große Sancherib, der König der Erde, „ich komme, um all dieses zu wiederholen und Euch noch weitere Demütigungen zuzufügen. Wie mein Vater den Bewohnern Samärias getan, so tverde ich mit Juda verfahren. Vernichten will ich alle Bewohster dieser Stadt, groß und Kein, Männer und Frauen, Greise und Säuglinge, daß kein lebendes Wesen in ihr übrig bleibt und sie einer Wüste gleiche." Und als Elijakim, König Chiskijas Ratgeber, die Botschafter bat, diese gräßliche Ankündigung doch lieber in Assyrischer und nicht in hebräischer Sprache auszurichten, bannt die Männer auf den Mäuern sie nicht verstehen sollten, da lachten die Botschafter Höhnisch und riefen noch lauter, und diesmal an das Voll gewendet: „Lasset1 Euch doch nicht von Eurem Köüig betören Ader gar von Euren Göttern verftihren! Euer Los ist besiegelt, wenn Ihr nicht sogleich die Tore öffnet und den rückständigen Tribut his auf den letzten Schekel entrichtet. Aus Samaria haben wir beides, Volk und Götter, fortgeführt. Gerade so wird es Euch und Euren Göttern ergehen, wenn Ihr noch weiter in Eurem! Ungehorsam verharren wollt!" Das Volk aber hätte diese Schniähung schweigend angehört, ahne ein Wort zu erwidern, wie der König es Änbesohlen hatte. Wer sie zerrissen ihre Kleider, streuten Asche auf ihr Haupt und blickten flehend zum Himmel empor, daß ein Feuer niedersteigen möchte, diese Gotteslästerer zu züchtigen. Auch Elijakim schwieg und ließ sich wieder zu der Mauer emporheben, von. wo er sich zur Zlvicsprachc mit den Assyrern niedergelassen hatte. Mit noch tveitcrcn Schmähycdcn und Drohungen zogen auch die letzteren sich zurück. > In Jerusalem herrschte nun Unruhe. und Aufregung, und allenthalben war Klagen und Jamment zu vernehmen; auf Straßen und Plätzen bildeten sich Gruppen, uut zu beratschlagen, wie mair dem angcdrohten Schicksal cittgehen könnte. Die Seele des Königs und die Seele des Arbeiters warcir in gleicher Weise volle: Betrübnis, und nicinaird war vorhanden, der bei dem Gedanken an die kommende Zeit nicht von Schauer und Furcht erbebte. C Spezialität: Francke & Weber l OeinKorKen. 9c sst,~u J