Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 20 (22.5.1914)
- Date
- 1914-05-22
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Und schien, als ob mein Hoffen - kuieend lag Vor einem Tor, das immer mir verschlossen. Da sprachst du einmal mir ein seltsam Wort, Das nur ein letztes Ahnen könnte wehen, Dir wars ein Spiel nur. Ich begriff sofort: Ich werde in dir ewig weiterleben. - (Erbschäft-) Dkr. Dichter hat seinen inneren Frieden gefunden. Ihn mag ihm niemand mehr zu entreißen. Ueber das Zweifeln und Bangen,. über das Stürmen mtb Jauchzen hinaus ist er auf jene Stufe gelängt, da das ganze Leben seinen Sinn gelvinnt, da alles Fühlen, Denken und Tun nur Zufriedenheit und Befriedigung atmet. Sein Ziel ist ihm unverrückbar, sein Standpunkt unverlierbar, er ist ganz, geschlossen, harmonisch geworden. Mit Mitleid schaut er von seiner Höhe auf jene herab, die noch ringen und suchen. Ich steh im Dunkel Mer euren Lichtern, Und blicke tief hinab zu euren Leiden. Ihr jammert, dag euch Glanz und Sonne meiden, Drum Nacht in Tag zu wandeln sucht ihr schüchtern. Ihr könnt die Angst vor euren letzten Richtern Mit Tanz und Lied und Fackeln nicht verjagen. Ich darf als Sieg den Frieden tn mir trügen, — Selbst Licht —, im Dunkel über euren Lichtern. (Im Dunkel.) Jetzt fürchtet 6t Nicht wehr die Stürme des Lebens) er kann , ihnen ruhig entgegentretcn; er ist gegen sie gefeit. Ich Ling die harten Wege, ' Ich ging sie manches Jahr, Bis diese steile Höhe Mir eine Heimat war. Ich Hab sie. mir errungen. Es war ein heilger Streit, Ich Hab sie mir erlitten Die Bergcseinsamkeit. So. fand ich einen Frieden, Wie ich ihn nie gesehn. Jetzt 'könnt von. meiner Linnen Die weiße Fahne wehn.^ uerwchr fndc. ' hte». cleuchtc» mbcr.). all da-: wart da >' i 11 o ii »rauchen n: jüdiürinneor allem icht! 'fang.) », 3- 3r. gang.) üdischen mernilg irdihm n. zen. Plage«, i. Lippen. Sie hütet. meine Burgen 4lls ime ein treuer Hvrt. Ich aber kann nün wandern, Denn ich bin immer dort,, Und schreit ich jetzt zu Tale Mlt meinem Gipselsinn, -Dann ntzhm ich keck p:e Schale ' Des bittrön Abens hin. (Vom Berge.) Er Werst: er wird an sein Ziel kommen. Ob er es selbst erlebt, ob ein anderer, was schiert es den großen Gang der Geschichte. Nicht darauf kommt cs ja an. Worauf es allein ankommt, ist, daß düs Ziel überhaupt erreicht wird. Ob er die Ernte mähen wird, die er gesät, ob eilt anderer, ist ja so gleichgültig. Wir schreiten auf dem.Lebensfeld Als wie ein blinder '<säersmann. Wir sehen nicht, ob unsre Saat Ans - gute Schollen niederrann. Und wissen' nicht, ob einst der Kerit, Den lvir gesät, uns Blüte beut; Und ob die Blüte, die etlmcchs. Aus Samen stieg, die wir gestreut. Nur dies: es kommt der Schnitter einst, Fragt nicht, ob du, ob ich gesät; Ob du, ob ich der Ernte Herr. Er kommt: und seine Sichel mäht. - (Die Mahd.) Das Lied ist ans. Die Kärnpfc sind beendet. Alis dem Ringen hat der Dichter den Frieden gefunden. Seine Entwicklung ist abgeschlossen; er ist zur Harmonie gelangt. Und somit wäre sein Dichterwerk vollbracht? Wenn er seinen Pfad bereits zu Ende geschritten, was.hatte er uns noch zu sagen? Bedeutet das letzte seiner.Gedichte „Abschied" einen Abschied für immer? Nicht doch! Der müßte Dichterart und Dichterseele schlecht kennen, der dies glauben wollte. Heißt Dichter sein nicht stets von neuem beginnen; heißt dichten nicht ewig singen? Ist der Leier nicht das Schwert als ewiger Begleiter mitgegebän? 'Die Frankfurter Israelitisches FamilienKakt. Ruhe, die Zlocisti gefunden, ist Nur ein Stadium; die Rast, zu der er gelangt, ein Uebergang; und aus dem Boden seines erlangten Friedens sprossen bereits die Keime neuer Kämpfe. Schon das vorletzte seiner Gedichte deutet auf das neue Ringen hin, das ihm bevorsteht: Beladne wissen nichts vom letzten Licht, Denn sie erdrückt die Last des Ungewissen. Sie treiben blind und wirr und fühlen nicht Den nahen Gott in ihren Kümmernissen. Nur ihm, der suchend nie die Sehnsucht läßt. Im Schwanken selbst auf engen Felsenstegen, Dem Priester wird die Mühe noch zum Fest, Und wird der Weg und wird die Not znm Segen! . . . Mir aber kam nur ein verirrter Schein, Der, jäh ausleuchtend, jäher noch vergangen. Er gab mir Ahnung! Und gab mir die Pein: Ich werde nie die höchsten Weihn empfangen. (Das letzte Licht.) Also: nette Zweifel, neues Schwanken, neue Kämpfe, neue Lieder. Gedankt sei dem Schicksal, dKs den Dichter noch nicht zur letzten, vollen Ruhe kommen läßt. Dänk fei seinem! Geschicke, dcis ihn: neue Kümpfe und neue Leiden guferlegt; denn aus ihnen tvcrdcn neue Sprößliuge seiner Muse uns erblühen. .(Ein zweiter Artikel folgt.) Aus de» Ereignisse» des Tages. Zur Einführung des uaworus elnnsns tn den Universitäten der Schweiz. Die Maßregeln gegen die j ü d i f ch e n Studenten Sns Rußland an den westeuropäischen Universitäten greifen immer weiter um sich. Nachdem in Preußen und Bayern tryß aller Proteste und Interventionen der mimerus clausus für russische Studenten eingefuhrt worden ist, beginnen ändere Länder diesem.Beispiele zu folgen. In Frankreich machte sich bereits im vorigen Jahr unter den Studenten eins starke Strömung gegen die russischest Studenten bemerkbar, und wenn auch noch positive Maßnahmen gegen diese bisher nicht ergriffen worden sind, so ist es poch sehr wahrscheinlich, daß ln nicht allzu länger Zeit auch dort solche Bestimmungen werden getroffen werden. Jetzt aber hat ein Land sich dem .Vorgehen der deutschen Regierungen angeschlossen, von dem man es weniger als von jedem anderen erwartet . hätte: die S ch w e i z. Die schweizerischen Universitäten ivaren seit langer Zeit die eigentliche Zufluchtsstätte der jüdischen Studenten aus Rußland; es entsprach dies nur den alten, großen Traditionen dieser freien Rupublik, die schon immer allen politischen Flüchtlingen Und ungerecht Verfolgten in humaner Weffe Gastfreundschaft geboten hat. In den letzten Zähren mehrten.sich jedoch die Anzeichen dafür, daß die Schweiz von diesen Traditionen abzurücken sich anschickte, wenigstens was die jüdischen Studenten aus Rußland betrifft. Eine Bestimmung nach der anderen wurde erlassen, die ihnen .den Zutritt zu den schweizerischen Universitäten erschweren sollten, and jetzt hat man auch das letzte zu tun sich nicht gescheut: der numerus clausus ist eingeführt worden. Was dies praktisch bedeutet, ersieht man am klarsten aus der Tatsache, daß bereits am ersten Tage der Immatrikulation der numerus clausus an der Berner und Züricher Universität erreicht war. Wenn man weiß, wie groß die Zahl der jüdischen Studenten war, die notgedrungen nach der Schweiz sich wandten, dann wird inan einsehen, daß die Einführung des numerus clausus de facto einer Sperrung der schweizerischen Universitäten für die jüdischen Studenten aus RuUand nahekommt. Dainit hat auch das. letzte Land, das noch praktisch in Betracht kam, seine Tore geschlossen. England und Italien 'scheiden ja aus verschiedenen naheliegenden Gründen von vornherein aus, Frankreich kommt auch nur für relativ wenige in Frage, schreitet zudem auch konsequent dem numerus clausus entgegen, Deutschland und die Schweiz haben ihn bereits statuiert, und die große Zahl der unglücklichen .jüdischen Jünglinge in Rußland, die nach nichts mehr dursten als nach Wiffen und Bildung, steht ratlos da, ohne irgendwelche Zufluchtsstätte. Man muß aber diese begabte, vom reinsten Idealismus erfüllte, für die Bildung begeisterte intelligente jüdische Jugend Rußlands , kennen, um die ganze Tragik zu ermessen, die Leite 3. diese Sperrung der.westeuropäischen Universitäten für sie bedeutet. Aber auch der unermeßliche Schaden, der damit unserem gesaunten jüdischen Volke zugesügt wird, läßt sich leicht erkennen. Bildung und Wissen waren von Anbeginn des Galuth an unsere stärksten Waffen in unserem Lebenskampf gewesen; wenn man uns die 'Möglichkeit zur Bildung, zum Lernen, nimmt, beraubt man uns der festesten Pfeiler, die unsere nationale Existenz getragen haben. Die russische Regierung weiß sehr wohl, warum sie systematisch alle Schulen der jüdischen Jugend versperrt; sie hat erkannt, daß sie damit mehr aals mit jedem anderen Mittel uns ins innerste Mark trifft und unsere Seele am stärksten verwundet. Nun, da die westeuropäischen Staaten die Methoden Rußlands akzeptierten, sind uns auch alle Wehrmittel gegen die Pfeile der Zarendespotie genommen, und es entsteht damit ein bedeutsames Problem! .unserer nationalen Erhaltung und Existenz. Es ist heute klarer als je, daß xs für dieses Problem nur eine Lösung gibt: -wir müssen uns das schaffen, was die anderen Nationen uns nicht geben wollen, praktisch formuliert: wir müssen uns selbst .Hochschulen errichten. Die Idee der Universität in Jerusalem erweist sich von Tag zu Tag in immer stärkerem! Grade als eine eminent praktische, als eine brennende Frage unserer Gegenwart. Sie ist nicht nur ein Herr-. licher Weg zur 'Realisierung gewaltiger, nationaler Zukunftsideale, sondern erscheint als ein dringendes Bedürfnis des Tages. Die.Sperrung der Schweizer Universitäten für die jüdischen Studenten aus Rußland wird wohl jedem Juden aufs neue beweisen, wie notwendig und wichtig die Gründung einer eigenen jüdischen Universität in Jerusalem ist. Nun, da die .freie Schweiz den numerus clausus eingeführt hat, wird wohl jeder einsehen, daß wir auf die Humanität der europäischen Staaten in dieser Hinsicht nicht mehr zu rechnen haben. Nur Selbsthilfe ist möglich. Vielleicht wird dieser neue Fortschritt in der Verfolgung und Wweisung der heimatlosen jüdischen Studenten den guten Erfolg wenigstens haben, daß .die weitesten Kreise des Judentums für das jüdische Universitätsprojekt Interesse und Verständnis gewinnen und einsehen lernen,. daß hier wie auf allen anderen.Gebieten unseres jüd. Lebens auch für uns Juden der Satz gilt, Her allen änderen Völkern bereits längst in Fleisch und Blut übergegangen ist: Das Volk ist verraten und verlassen, das sich auf andere verläßt und auf die Güte der anderen vertraut. Nur ans sich selbst heraus kann ein Volk sich .seine notwendigen Lebensbedingungen' schaffen, und nur mit eigener Kraft kann es die Schläge abwehren, die seine Feinde ihm versetzen wollen. .sortiert 15*S G.M.HOLZ J HOFLIEFERANT IfilOLFSECK DiepopulärsleGgarre unsortiert 12H FRANKFURTa-W Aus aller Wett. ScntftitS Reich. Berlin. Die Generalversammlung des . Arbeitsamtes für jüd. Akademiker wählte den bisherigen Vorstand, in den im Berichtsjahr Sanitätsrat Dr. Stauer und Stadtrat a. D. Gim- - '. k i e w i r z eingetreten sind, einstimmig wieder. Das Amt des 1. Vorsitzenden übernahm wie in den Vorjahren Geheimer Sanitätsrat Dr. Maretzki. - Berlin. Das im Jahre 1860 begründete , Jsr. Krankenheim, ■ ■■ '; welches vor ca. 5 Jahren das mit allen Errungenschaften y der medizinischen Hygiene eingerichtete eigene Hans in der Elsasserstr. 80 bezogen hat, hat vor einigen Wochen eine neue wesentliche Erweiterung seiner Organisation vorgenommen. Zu den bereits bestehenden chirurgischen, gynäkologischen und Innern Stationen ist eine Röntgen- - äbteilnng errichtet, die mit modernsten «kpparaten. ausgestattet wurde uud alle Ansorderungen, die jetzt an )) -