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Neue jüdische Presse · 1914-05-15 · Heft 19 (15.5.1914) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 19 (15.5.1914)
Date
1914-05-15
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. In dieser leidenschaftlichen LiÄe zum jüdischen Wolke und der unbezähmbaren Sehnsucht nach vollem Judentum aber weist Mathias Acher uns selbst den Standpunkt, den wir ihm gegenüber einnehmen Müssen, zeigt er uns die Wege, die uns zu seiner Ueberwindüng führen werden. Mathias Acher als Person jst eine Individualität sur sich; man stelle sich zu ihr wie man will, man muß sie hinnehmen, wie sie ist und soll nicht an 'ihr mäkeln und deuteln. In ihrer Eigenart beruht ihr WMt, in ihren Zehlern ein gut Tell ihrer Größe; man möchte sie schier nicht anders haben als sie ist, und würde sie so,, wie sie ist, gewiß nicht gerne missen. Acher als T y pu s aber bedeutet einen Uebergang; etwas das überwunden werden Muß; eine Aufgabe, .die zu cr- Wlen ist; deutet auf eine künftige Entwicklung hm. Einen Acher nehmen wir gerne hin, verehren ukch anerkennen wir; eine Generation von Achers ist ein abstoßendes 'Schausstiel, von vornherein dem Untergang gewecht. Hier ruht die Er- Wrung dafür, daß, alle Bewegungen, die Mrth. Acher gegründet und geführt hat, untergegangen sind oder untergehen weiden. Bewunderer kann Mathias Acher haben; Schüler hätte er nicht haben dürfen; und in nichts bleutet er eine größere Gefahr, als daß er Schüler erziehen, Anhänger' organisieren, Jünger -ausbilden tznnte. Nur wer ihm an Rang ebenbürtig ist, dürste ihm auf seinen Bahnen folgen; kleine Achers können nur seine FMer besitzen, ohne über seine Tugenden zu verstgen. (Beweis: die „Freistatt".) Wir solllen doch endlich lernen, zu Mathias Acher die Stellung einzünehmen, die allein möglich, allein seiner würdig und für uns fruchtbar ist: ihn in seiner Eigenart achten und verehren, seine Entwicklungsgänge verfolgen und WKfen, seine Worte hören und überlegen, aber ihm Üernesfalls folgen und begleiten. Achers sind durch Schicksalsspruch zur Einsamkeit verurtellt; wehe dm Verblendeten, die diesem Spruche trotzen wollen. Wichtiger noch aber als dies ist das andere: daß spir lernen, wie wir uns zum Typus Acher stellen. Daß wir erkennen, daß Uns nichts mehr not tut, als ihn zu überwinden, daß uns keine heiligere Wicht aNferlegt ist, Äs die Aufgabe, die er uns bietet, Ku erfüllen. "Den Typus Acher überwinden heißt aber die Grundlage unseres Daseins radAal Ladern; heißjt der Problematik ^unserer jüdischen ^istenz ein Ende bereiten, die Dissonanzen unserer Mischür.Gegenwart beseitigen, heißt unser Lüben natürlich gestalten. Dies aber bedeutet: das Galuth verneinen und im Heimatlande die Keime eines neuen Daseins pftcützen, heißt also Las tun, was Mathias Acher seit Jahren am schärfsten r- VWnchift. Tun wir Las, so werden wir unserer Wicht uns gegenüber Und ihm, gegenüber gerecht. Denn nicht bHser können, wir ihn wahrhaft-würdigen und seine Bedeutung für uns realisieren, als indem wir aus seinen Fehlern lernen, aus seinen JrrtirmerU 'die Wahrheft erkennen und unser HftndÄn so. gestalten, wie er es uns — nicht heißt. Der Irrtum hat stets nur relativen Wert: nur in Beziehung gesetzt zu der Wahrheit, die er hat finden helfen; 'der Suchende hat stets nur relative Bedeutung, im Verhältnis zum Findenden: als sein Borbote Und Borbereiter. Mathias Acher ist nur groß, wenn wir seine Lehren überwinden; nur wenn wir die Einheit und Harmonie unseres Daseins finden werden, wird er als derjenige, der durch seine Zwiespältigkeit diese Einheit und Lurch seine Disharmonie diese Harmonie hat »ufbauen helfen, groß und unvergänglich bleiben. Ehren wir ihn also, indem wir ihn überwinden. Aus de« Ereignissen des Tages. Zur Auflösung der Jto. Bor kurzem erschien im „Raßwjet", .dem Zentralorgan der russischen Zionisten, ein kurzer Artikel, der seiner synftstomatischen Bedeutung wegen weitere Beachtung verdient. Verfasser des Artikels war Dr. Stein aus Jekaterinoslaw, einer der.Gründer und Führer der territorialistischen Bewegung. In diesem Artikel zeigt Dr. Stein, daß die Bestrebungen des Territorialismus Vis heute noch nicht Kün geringsten poßtiven Er- Frankfurter Israelitisches FmnjilieMatt. folg geführt hätten und heute auch keinerlei Berechtigung mehr hätten. Er sei vor kurzem erst in Palästina gewesen, und das neujüdische Leben, das sich dort bereits entwickelt hat, .habe ihm bewiesen, daß von allen Ländern der Welt Palästina das für die Lösung der Judenftage geeignete sei. Er fordert deshalb seine Gesinnungsgenossen auf, die Frage eines Wiederanschlusses an den Zionismus ernstlich wieder zu prüfen. Er gebe bereits im voraus seine Stimme für den Wiederanschluß-. Diese Erklärung einer führenden Persönlichkeit der territorialistrschen Bewegung lenkt wieder einmal die Aufmerksamkeit auf dieselbe. Es wird noch vielen .in Erinnerung sein, mit welchem Lärm Zängwill nach dem 7. Ingreß den Territorialismus ins' Leben rief. Bald nach seiner Gründung bereits zeigte es sich," daß er ein totgeborenes Kind war. Die Massen, die man zu gewinnen bestimmt erwartet hatte, zeigten nur wenig Interesse für die neue Bewegung, und die Anhängerzahl ist seit der. Gründung in stetiger Abnahme begriffen gewesen. In den ersten Jahren hörte man noch ab und zu von der Organisation, hie mittlerweile den Namen Jto angenommen hätte. .Ab und zu trat nämlich Zängwill mit einem neuen Projekte an die Oeffentlichkeit, um bald darauf wieder erklären zu lassen, daß sich aus den üud den Gründen das Projekt als irreälisierbar erweise. Bald hieß es Cyrenaica, bald Mesopotamien, dann Galveston, dann Südamerika, und jetzt ist man glücklich bei Angola gelandet. Die einzige Art und Weise, in der die jüdische Oeffentlichkeit zu diesen Projekten Stellung nahm, war die humoristische. Man nahm sie nicht ernst, Md lediglich die jüdischen Witzblätter, für die Zängwill, den Globus nach einem Lande absuchend, zu einem ständigen Thema wurde, haben sich eingehend mit den Plänen beschäftigt. Die Organisation verlor so noch den letzten Rest von innerem Leben, den sie noch besessen hatte, und heute besteht der Tcrritorialismus eigentlich nur aus einer geringen Zähl von Whrern, die vereinsamt, ohne irgendwelche nennenswerte Schar von Anhängern, dastehen. Das einzige, was die Jto bisher an positiver Arbeit geleistet hat, war die Organisierung der Galvestonemigration, durch die sie sich in der Tat ein bleibendes Verdienst erworben hat. Aber dieses eine Resultat verleiht ihr noch keinerlei Existenzberechtigung. Denn in dieser. Arbeit ist nichts von den großen Zielen, die sich der Territorialismus gestellt hat, zu verspüren, vielmehr ist sie eine rein philanthropische Sache und könnte darum ganz gut auch ohne die.Existenz der Jto geleistet werden, von den anderen. jüdischen philanthropischen 'Gesellschaften,' der Jca vor allem, die ja auch jetzt ge Moto das Geld für diese Arbeit geben. Und so hätte man schon wirklich seit langem an eine Auflösung der Jto denken müssen, wenn nicht die jüdische Oeffentlichkeit sie ganz vergessen hätte, und — und dies ist der Hauptgrund — wenn nicht einige wenige Führer, die , eigentlich allein noch die Jto repräsentieren, sich aus mehr persönlichen als sachlichen Gründen dem widersetzt hätten und durch alle möglichen Mittel die Jto ihre Scheinexistenz weitersühren zu kaffen sich bemühten. Es ist dies ja psychologisch Wohl verständlich; niemand gesteht gerne seinen Irrtum ein und gibt einen Mißerfolg zN; entschuldbar wird dies jedoch dadurch nicht. Wo es sich um so große Dinge handelt, wie die Lösung der Judenftage, da darf Man fordern, daß persönliche Verstimmung und Eigendünkel unterdrückt werden. Es berührt darum so sympathisch und erfreulich, wenn man sieht, wie einer oer führenden Minner des russischen Territorialismus laut und offen die Sinnlosigkeit der itoistischen Bestrebungen eingesteht und seine Stimme für den Wiederanschluß an den Zionismus erhebt. In diesem Jahre soll in Budapest ein i t o i st i sch e r Kongreß stattfinden; gewiß wird 'da der Vorschlag des Dr. Stein, den so manche TerritorialisteN in ihrem Innern wohl schon lange erwägen, beraten werden. Hoffentlich wird die itoistische Konferenz genügend Mut und Selbstüberwindung besitzen, um ihm zuzNstimnien. Der Wiederanschluß an den Zionismus wäre der ehrenvollste Tod der Jto, der einzige, der ihr bisheriges unwürdiges Dasein vergessen und entschuldigen lassen könnte. Nr. lg Ki.. liabbin o |i »er pal 'Msisch £ irfirmfi Sg; jcgvimi Dtrettorinmssttznug ves Jüdischen Natioualsouds. Am 3. Mai fand im Zion. Zentralburei'i >ielten loinine rhrenp Ü>r. dl Berlin eine Direktoriums-Sitzung statt, än der i( ijj ’ ] »■ Ma, D» Das and ude Dl acki i der ms in nahmen: Jüstizrat Dr. Bodenheim er, H a n t k e, Dr. Tfchleno w, Professor Dr. M bürg, die Sekretäre Groß und Ing. Ka l a n s k y, ferner als Gast Agronom Oettrng, Die Sitzung beschäftigte sich mit einer Re aktueller Fragen, die teils die Kolonisationsaib in Palästina, teils die Propaganda und Organ! tion in verschiedenen Ländern betrafen Ausgestaltung des Palästinaamte Infolge der fortwährend zunehmenden Agent eitdein des Palästinaamtes hat sich die Notwendigkeit eii >aben, Erweiterung nach Refforts ergeben. Für das lai >en wirtschaftliche Ressort, insbesondere die Bctri, und kolonisatorischen Unternehmungen des Nation Zerusal fonds ist Agronom Octtinger gewonnen >v> Mn. den, der viele Jahre eine hervorragende Stell» in den überseeischen Kolonien der Jca bekleidet h und dessen reiche Erfahrungen nunmehr Paläsl zugute kommen werden. Boden für die Tachkcmonisch ulc I a f f a. Die Verhandlungen über diesen G« stand, die sich seit längerer Zeit hinzogen, fand re Al eii Au ilsbeso eiligen eit dr ur Gr ngsl cutral in der letzten Sitzung, welcher Dr. Mülle »cs üb ind, s!andes?l, Hamburg und Maler Struck-Berlin als treter des Tachkemoni-Komitees beiwohnten, ihr Abschluß Der Nationalfonds erlvirbt den für Tachkeinonischule bestimmten Boden int Werte Mründli 45,000 Francs und gibt ihn dem ' Tachkemo» »er so, Komitee unter den üblichen Bedingungen für Jahre in Erbpacht. Erbauung neuer Arbeiterfamilie Häuser aus dem Arbeiterheimstättefonds. Der Sitzung lagen ausführliche Expo über die in diesem Jahre zu erbauenden Arbeit Häuser für Jemeniten und Aschkenasim vor. wurde eingehend über die Art der Vergabe Häuserbauten an Unternehmer sowie über Standort in privaten Kolonien und auf N.-j ta hn Gütern berateri, und es wurden entsprechende S ^d M schlüsse gefaßt. Wie allseits hervorgehoben >icrend ntercs ciligtei St safl-V jorol ein, F oroti iifroal) N, ist stellenweise ein Bedürfnis nach einem stack ^ert i und größer gebauten Typus von Arbeiterfamili» iner K Häusern vorhanden. Es wurde deshalb in Aussi -ierauf genommen, bei der nächsten Generalversammlii M einen Beschluß auf die Schaffung einer größei L, d S° edoch iitteli nterri >mg d ien i Arbeiterhaus-Spende, etwa in der doppelten der bisherigen, herbeizuführen. Gleichzeitig wurde dem Wünsche Ausdruck geben, daß mit Rücksicht auf die fortdauenr.de» in den nächsten Jahren zu erwartende verstär , Einwanderung der Jemeniten sowie der Not»!!, H, digkeit der Ansiedlung von aschkenasischen dlrb " tern mit Hilfe des Arbeiterheimstättenfonds " Propaganda für letzteren nngeschwächt fortgcft werde. Zu diesem Zwecke ist 'die Herausgabe ei« ätze.fi fugend .crs tz neuen Werbeschrift übeck 'diesen wichtigen Spendr zweig des Nattonalfonds geplant, sammenhang. sei mlitgeteilt, daß auch In dieseni l ton cme Rei ,ar -ll 'en' Pa! »lenges cp re! u stär von AufllärMgs- und Werbeschriften. über den erweiternden Gcnoffenschaftsfonds für Siedlung Okkupations- und Pachtgenossenschasten (letztere iu italienischem und rumänischem! Muster) in den ui ‘ J10? sten Monaten erscheinen sollen. Schließlich wurde über Arrondierung von )pe tionalfondsbesitzungen beraten und deren Realis Y rung teilweise von den zu erwartenden Ein» azichu ' all men des Nattonalfonds abhängig gemacht. Int Hi t blick auf die weittragende Bedeutung der geplant Akttoncn in Palästina ist zri hoffen, daß VN w! Freunde und Vertrauensmänner des Nationalfo» durch erhöhten Eifer in der Werbearbeit eine ra Verwirklichung ermöglichen werden. ttgNNl olonic ühen irffan 6226

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