Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 17 (1.5.1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 r vrite 10 _. die A!Lhe geben, sogar ernste „Piecen" komisch zn verunstalten. - ' - * Für das jüdische Theater sollten bessere Zeiten kommen; der Mann, der diese besseren Zeiten brachte, war Jacoch Gordin. Gordin kam in den 1890er Jahren nach New- Iork. Die erste Zeit schrieb er Operetten („Die Mirjam" — „Die Gebrüder Äucie"), um sich den herrschenden Verhältnissen anzupassen und sich Gehör zu verschaffen, — dann aber griff er zum Drama. Jacob Gordin ist der Schöpfer des ersten jüdischen . t h e a t e r fä h i g e n Dramas. und der erste, der. es versucht hat, das jüdische Theater zu reformieren. Jacob Gordin, geboren und erzogen in einer russischen Atmosphäre, hatte in Rußland als ruffischer Kritiker begonnen, pnd seine scharfe 'Feder wurde stark gefürchtet. In Amerika lernte er Misch und versuchte es, sich auch mit der Literatur anderer Böller bekannt zu machen. Gordin schrieb sehr viele Dramen; die bedeutendsten und populärsten sind: „'Gott, Mensch und Teufel", „Die Schwijl" (Die Schnur), „Der jüdische König Lear", ^,Sappho", „Der wilde Mensch", „Der Unbekannte" rc. In technischer Hinsicht sind die Dramen meisterhaft und wirkungsvoll - gestaltet, hingegen läßt der Kunsteindruck viel zu wünschen übrig. Gordin verfügte über eine gediegene Bildung und Intelligenz und verstand es, seine Dramen, auf Grund seiner vielfachen theatralischen Erfahrungen, technisch derartig zu, verwenden, daß diese in der Hinsicht ruhig erstklassig genannt werden Knnen.. Seine Fehler sind aber so zahlreich, daß seine Dramen Nnstlerisch wertlos erscheinen. . Der erste Fehler, den er begangen hat, war, daß xr den größten Teil seiner Dramen für gewisse jüdische Schauspieler oder Schauspielerinnen auf Bestellung mit zugepaßlen Rollen geschaffen hat. Des weiteren findet man in seinen Dramen keine eigens Idee oder selbständiges Denken, die meisten Sujets enllehnte er bekannten Tragödien und Dramen. „Gptt, Mensch und' Teufel" soll einen jüdißben „Fällst"" darstellen (sogar der Prolog fehlt nickst!), der sich dem Teufel fürs Geld verkauft. „Der jüd. König Lear" ist eine Bearbeitung von Shakesphearcs „König Lear", „Sappho" ist ims bekannte Trauerspiel von Grillparzer, „Der Unbekannte" ist Maeterlincks „Eindringling" entnommen ,usw. .Wer Technik hatte der Mann! Man erkennt: ec hat vom modernen Ibsen und allen Shakespheare / gelernt. Gordins Tätigkeit als Reformator war auch nicht von Erfolg gekrönt. Was waren die Mängel des jüdischen Theaters?. 1. Das jüdische Theater besaß, kein künstlerisches Repertoir, 2. das vorhandene Repertoir bestand aus schlechten Operetten, Farcen oder Burlesken, in denen der Komiker oder die Mimiker (manchmal sind einige gewesen) das Hauptobjekt waren. Das jüd. Theater reformieren Hieß mit der Tradition auftäumen und in erster , .Reche den Komiker vertreiben. Die Komiker und Possensänger sind die ■ lächerlichsten und dümmsten Figuren auf der Bühne. Dann hieß es die Gesänge und Couplets aufgeben, lebende Menschen auf die Bühne bringen, Menschen 'mit ihren Leiden und Freuden, Menschen, wie sie lachen und weinen, wie sie jauchzen und schluchzen, den veralteten.Monolog nicht wieder lebendig machen. Gordin vermochte dies aber nicht. Gordin, der von -Ibsen die Technik zu lernen so gut verstanden' hat, übersah dessen Grundprinzip': „In Deinem Leben mache keine Kontpromissc". Er machte bezüglich des .Komikers den, ersten Kompromiss und reduzierte die Lächerlichkeit desselben zur Hälfte. Für die Steigerung und nötigen Lacherfolg sorgten "die Schauspieler, die darin genügende Routine besitzen. Die Gesänge und Couplets, die in den ersten Dramen fehlten, kamen später langsam wieder zum Borschein. („Der wllde Mensch".) Statt lebender Menschen brachte Gordin Figuren auf. die Szene, die überspannt sprachen und kaum wußten, was. sie wollten. Bei Gordin gibt es nur zwei Arten von Menschen, einerseits der schlechteste und' schwärzeste Charakter, die Verkörperung des Teufels, anderseits die Güte, die Milde, die Verkörperung des Engels. Zwischcn- Fcankfurter Israelitisches FamllienNatk. charakterc existieren nicht; 'selbstverständlich ist dicS Pathos und Phrasendrexlerei. Bei der jungen jüdischen Generation finden die Gordin'schen Dramen großen Anklang und Begeisterung, man sah in Gordin den Retter des jüd. Theaters und somit auch der jüdischen Kultur. Gordin verstand es nämlich, neben seiner ausgezeichneten Technik eine derartige agitatorische Phrasensprache zu führen,, daß er den Leuten imponierte. Er sprach der Masse vom Herzen zum Herzen, er gebrauchte sozialistische Kraftausdrücke, verdammte die heuttge kapitalistische Gesellschaft und brachte zur Bekräftigung seines Fortschrittes eine Prostituierte auf die Buhne, die eine herzzerreißende Tragödie herunterleierte. Mit agitatorischen Schlagern, und erschütternden Kontrasten operierte Gordin am erfolgreichsten. Im Drange seiner fortwährenden Kompromisse wurden Gordins resormatorische 'Pläne und Versuche durch ihn selbst vernichtet. * Seine Epigonen, die Kobrins, Libins, Zlatarowskys, Rosenblüts, Richters et tutti guanti.hielten treu an dem Meister und schufen Schund, denn ihnen fehlte außer der Intelligenz und Bildung die meisterhafte Technik, über die Gordin verfügte. Es sind Geistesimpotenten, die die Erwähnung kaum verdienen. Feldstein. A«S der zionistische« Beweg««-. Berlin. Die diesjährige Sammlung für den Zentralso n d s hat bisher nach' dem letzten Ausweis "der „Welt" 257 032 JL ergeben. Bon diesem Betrag sind etwa -/» für das hebräische Schulwcrk in Palästina bestimmt. Berlin. Der XIV. Delegiertentag der deutschen Zionisten findet am 14. und.15. Juni in Leipzigs Kristallpalast, Wiiltergartenstraßc, statt. Die Tagesordnung lautet: Sonntag, den 14. Juni: Bormittagssitzung (9Vs Uhr): 1. Bericht des Borsitzenden, Dr. Arthur Hantle, . 2. Begrüßung durch das Engere Aktionskomitee, 3. Begrüßungsansprachen, 4. Wahl des Präsidiums, 5. Allgemeine Debatte. Nachmittagssitzung (3 Uhr): Fortsetzung der allgemeinen Debatte. Abendsitzung (9 Uhr): Referat Leo Motzkin („Das neue Palästina"). Montag, den 15. Juni. Bormittagssitzung {9% Uhr). 1. Reserat Dr. Ztosisti („Eine deutsche Achusa"), 2. Debatte über die beiden Palästina-Referate, 3. Jnitiativ-Anträge der Delegierten, 4. Wähl a) des Geschäftsführenden Ausschusses, b) des Zentralkomitees, c) der deutschen Mitglieder des Zentralkoniitees der Gesamtorganisation. Köln. Die Sammlungen für Ar b eit e r heimst ä t t e n haben in den ersten drei Monaten des Vorjahres JL 38 000, dagegen in diesem Jahre nur JL 18 000 ergeben. Auf der anderen Seite sind die Einkünfte der Sammelbüchsen, sowie der Baumspcnde um je JL 6000 gestiegen. Auch die Einnahmen aus N.-F.- Marken haben, insbesondere aus Rußland, eine, bedeutende Steigerung erfahren, die darauf schließen läßt, daß. wenn dies ursprünglich einzige und propagandistische wertvolle Sammelmittet mehr beachtet würde, es bald eine noch' ergiebigere Einnahmequelle werden könnte. Der Rückgang der Spenden für die Arbeiter Heimstätten ist zu beklagen, denn die Jemenitencinwanderung nach Palästina dauert fort. Die Eintragungen ins Goldene Buch erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, was auch schon daraus hervorgeht, daß in dem zweiten Band des Goldenen Buches — ein Meisterwerk des „Bezalel" — bis heute 325 Eintragungen erfolgt sind. Den, Eingetragenen wurde eine Reproduktion des Lesser Ury'schen Bildes „König David" als Diplom übermittelt. An dem Ertrag der Sammelbüchsen läßt sich erkennen, daß dies wichtigste Sammelmittel des N.-F. bei sorgsamer Pflege noch bedeutend höhere Summen' einzubringen vermag. Die Baumspcnde wird anläßlich Herzls zehntem Todestage ganz besondere Förderung erfahren. Auch bürgert sich die Sitte, am Jahrzeittage einen Baum auf 'den Namen des Verstorbenen zu stisten, immer mehr ein. Im abgelaufenen Vierteljahr hat die Agttatton für den Genossenschaftsfonds erneut eingesetzt. Das wird ziffernmäßig vor allem bei Amerika zum Ausdruck kommen, wo Dr. Franz Oppenheimer in den letzten zwei Monaten für die Siedlüngsgesellschast propägandisttsch tätig war. Aber auch Rußland, das früher für den Genossenschaftsfonds fast gar nichts beigesteuert hat, wird aus die Dauer hinter den anderen Ländern nicht zurückstehen wolle». _' Aus Den Vereinen. Berlin. Der „Jsr.Fortbildungsverein Monteftore" hielt am Sonntag seine Generalversammlung ad. Der Vorsitzende 'hob aus dem allen .Mitgliedern gedruckt zngegangencn Bericht hervor, daß. der Verein im verflossenen Jahr eine überaus erfolgreiche.Tätigkeit entfaltet hat. Die Mitglieder hatten mit regerem Interesse als bisher anden -Schiurim teilgenommen, sodaß die Zahl der Schiurim vermehrt und vor ollem in den westlichen Vororten neue Schiurim eingerichtet werden konnten. Dieselben fanden statt auf allen Gebieten des jüdischen Nr. 17 Wissens' für-Anfänger -tzM.:)ftiv.W»^eschrltk«e,/ sowie für Damen. Auch - die .Drigen Veranstaltnngcn des Vereins im Winter: , Weitag<chendzusammenküuster; größere Bortragsckkend, Chanuka-'ünd- Pürchrfeste) -im Sommer Ausflüge, erfreuten sich regester Teilnahme und führten dem Verein «ine stattliche Anzahl. neuer Mitglieder und Gönner zu. Es wäre zu wünschen, daß, sich um die Fahne des „Montefiorc"-Vereins, der jetzt in das 30. Jahr seiner Tätigkeit tritt, alle diejenigen scharen, die es für Unsere wichtigste Aufgabe halten, unsere'Jugend mit jüdischem Wissen zn erfüllen. Zu Vorstandsmitgliedern wurden gewählt: Edmund Ledy, Auguststr. 75 (1. Vorsitzender), Heinrich Freilich, Mennh Joelsohn, Benno Laskowicz,-Moritz Jospc, Moritz Nenberger und David Ossenberg. Berlin Im BarKochba gilt jetzt die Arbeit' des Vorstandes und der Mitgliedschaft dem neuenSpiel- und Sportplatz, den der Verein in Friedrichsfelde- Karlshorst gepachtet hat. An jedem Sonntag und an vielen Wochentagen findet sich draußen eine Schar von Turnern ein und legt bei den notwendigen Arbeiten tüchtig mit Hand an, soweit nicht die Hilfe angestellter Kräfte unbedingt nötig ist. Dennoch sind die Kosten der ersten Anlage recht hohe,. und der Bar Kochba muß auch, weiterhin auf Spenden*) rechne», zumal der Sportplatzfonds sich zurzeit erst auf 6500 JL beläuft und auch sür eine hxscheidene Einrichtung etwa das Doppelte dieses Bettages benötigt wird. In den einzelnen Abteilungen wird bereits fleißig für das große Turn -'und Sportfest geübt, mit dem der Platz am 17. Mai geweiht werden soll. *) Zn senden an Karl Sobersky SW. 68, Hollmannstraße 18, Postscheckkonto 18282. Breslau. Die „Peah" erstattet Bettcht über -einen sünsiährigen Zeitraum. Sie hat 35 000 JL an Löhnen gezahlt. Außerdem erhielten in der „Holzspälterei" ortsansässige Arme und Durchwanderer 15 304 JL an Lohn. Nürnberg. Der „Verein sür jüd. Krankenpflegerinnen" beschäftigte im vergangenen Jahr 10 Schwestern unter Leitung der Oberin Hedwig Thonn. Bad Homburg. Der „F s r. H o l z v e r e i n" und der „Verein zur Ausstattung isr. Mädchen bezw., Ausbildung für einen Lebensberuf" versenden ihren Bericht für 1913. Es wurden 900 JL für Brennmaterial ausgegeben, und ein Mädchen erhielt Beihilfe zu ihrer Ausbildung. Frankfurter Berichte. „Mouteslore"-Berei«. Das Sommerprogramm des „Montesiore" ist außerordentlich sorgfältig znsammengestellt und sehr reichhaltig. Abgesehen von den zahlreichen bewährten alten Einrichtungen sind auch einige neue getroffen worden, die sehr zn begrüßen sind. Die Sommertätigkcit wird eingeleitet am Samstag 2. Mai, 51/2 Uhr nachmittags, und zwar wird Rabbiner Dr. Nobel über die Sidra sprechen und Dr. Heinem a n n einen Vortragszyklus über „Die Ethik des Judentums" an Hand der „Sprüche der Väter" eröffne». Außer Liesen regelmäßig stattfindenden Samstag-Na'chmittag-Zusammenkünsten erwähnen wir aus 'dem Sommer- Programm Lehrkurse in hebräischer Sprache, Französisch, Englisch, 'Italienisch, Stenographie und Buchführung, ferner einen Schiur von Dr. B. May, Samariterkurs, Turnstunden und Turnspiele nsw. Besonders hervorzuheben ist noch die neügeschäffene Rechtsäüskunststelle.' Anmeldungen zu den Lehrkursen, die Montag: den 4. Mai beginnen, im Vereinsbüro.; % Verelu .Machlab 3wk': « , . Der Verein veranstaltet am Mittwoch 13. Mai-in der Frankfmct-Loge einen Unterhultüngsubemd. Es - ist ein reichhaltiges Programm ' an Rezitationen, ernsten und heiteren Inhalts, Gesangs- und Musikvo» trägen u. dglch. vorgesehen; auch wird' unter Leitung des Herrn Walter Jansen vom Schauspielhaus ein Lustspiel ausgesührt. Frankfurter Zio«. Bereinigung. In der Generalversammlung erstattete I. L. Goitein, der Vorsitzende, den Geschäftsbericht, der nach materieller wie nach ideeller Richtung recht erfreulich ist. Es fanden 5 öffentliche Versammlungen und in dem gemieteten Bereinslokale 17 Mitgliederversammlungen statt, undes konnten an Spenden für zionistische Zwecke einschließlich des hebräischen Schulwerks in Palästina 5000 JL nach Berlin abgesandt werden. Die Ortsgruppe, erhielt größere Schenkungen von Fritz Sondheimer und Joseph L. Oppenheimer. ,; . Der Pericht wurde zustimmend zur Kenntnis genommen, nnp die darauf folgenden Vorstandswahlen ergaben zwei Nemyahlcni. Julius H e i m ä n n und Joseph L. Oppe nI) eim er. Jüdische Fraueuvereiniguug. Die Bereinigung (Bors.: Henriette.Besthosf) vereinnahmte im vergangenen Jahre: Jahresbeiträge 2896 JL, Geschenke 3100 JL, Beiträge zur Beköstigung von Lehrmädchen und Lehrjungen 526 JL, Beiträge für „Hermann Lehmann-Schule" in Osfenbach 1460 JL, Geschenke sür „Louis Feist-Kasse" 1405 JL und verausgabte: Unterstützungen 2603 JL, Stellenvermittlung 1028 JL, Borträge nsw. 637 JL, Hermann Lehmann-Schule. 1747 JL., Drucksachen, Porto nsw. 446 JL ®ie Vereinigung besetzte 301 Stellen. Auf dem Gebiete der Unterstützung entfaltete sich eine rege, vielseitige Tätigkeit. In den M ä-d chen hör t — zwecks Beaufsichtigung jüd. Bolksschulkinder während, des Nachmittags — wurden 40 Kinder ausgenommen. Ueberwachüng der Schulaufgaben, Spiele und Handarbeiten/ Mich und Bwt zu )lus Ma rücksichtii Kindern mann und Mn Auf eine S < der Schi Anfrage, Schloß Ferr ist. sür eigneten Auck Anzahl gestellt. Arbeit -i selben T bleibsel mitten Braut.n Die cinnahm chcnkcn 11316 . 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