Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 17 (1.5.1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2692297-2692872-2692889--08415-2703556- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Veite S. 17. Nr. 17 Frankfurter Fsraelitischös FamilieMatt. > sich icnhcit davon langen smnnletzlkaiirpj chraim i ein innen; :fjr da. er Dr. tg den ausgci> des lassen. } den Aufn „richis eine Cohn Wird - bald .Pereine leicht L >ver-;ar aus cbeiten , Wird dseligklein- ». M> järfen. >en die r Her- Zchritt > un d chöneii nlichen m Gell. sbank, - und betont, Sert- Belänber, Haften , den istlichc Ausilien ick auf jungen jungen große .Tagen n die chtigstc isischcn drussi-; und etv hat > einen!erwalit jetzii* nn- . Weit esamtc privatjungen jew. imr cr ämlich Kiew,! eine cke der Judenmetzeleien gegründet. Seine Mitglieder sind, die verdächtigsten Individuen .der Stadt. Aber der Verband ist mächtig. Hinter ihm steht die gesamte Reaktion, seine Macht ist. tief verankert in den höchsten Sphären. ' . Und der Student Golubjew ist der König von Kiew. Die Polizeibeamten müssen ihn auf der Straße grüßen, der Gouverneur must ihn zu jeder Stunde empfangen. Sein Wort gilt wie ein Befehl, und der Generalgouverneur wagt nichts zu unternehmen, was den Unmut Golubjews Hervorrufen 'könnte. Sonst geht ein Drahtbericht nach Petersburg, und der Chef der Verwaltung bekommt einen csehörigen Rüffel.' . Neulich ist Golubjew an die Behörden mit einer Forderung herangetreten. Er will, daß alle Immobilien, die Nicht-Russen, das heißt Juden, Polen usw. gehören, konfisziert und zwangsweise an Russen verkauft werden. Ein Tollhäuslerplan? Mag Jein, .aber die hohe Regierung in Kiew denkt nicht so. Sie hat von dem Projekt Kenntnis genommen und wird darüber beraffchlagen. Denn abweisen darf man einen Golubjew nicht. Fürst Meschtschersky hat in seiner letzten „Graschdanin"- Nummer sich mit dem Problem Golubjew befaßt. Der Fürst ist zwar ein alter, eingefleischter Reaktionär, aber hei alledem ein Ordnungsmensch. Er begreift einfach die neue Zeit nicht. Er staunt darüber, daß es soweit kommen konnte im! heiligen Rußland. Ein Student als Diktator Südrußlands. Das ist ja Anarchie, ruft Meschtschersky' aus. Er hat Recht.. Aber es scheint, hast xr. die letzten Jahre verschlafen hat. Und dabei soll er der Berater und Spiritus rector des gegenwärtigen Ministers des Innern, Mäklakow, sein. Die Macht Golubjews gilt in Rußland jetzt mehr als Maklakow selber. Neu eröffnet! ■ Cafe Cor so I Ecke Kaiserstrasse and Moselstrasse. H __ Reue Eisenbahnlinie« in Palästina. Zur Erschließung eines Teiles des Ostjordaniandes hat die Hedschasbahngesellschaft eine 35 km lange Linie Deraa—Bosra geschaffen, die vor ein paar Monaten eröffnet wurde. Deraa ist der Gabelpunkt der Linie Haifa—Damaskus und Damaskus—Medina. Das im Innern des Hauran gelegene Bosra ist der Mittelpunkt des großen Ge-, treidehandels, der von Hort zum Export nach der Küste des Mittelmeeres gelangt. Eine weitere Linie, die am 1. Januar dem Betrieb übergeben wurde, ist die 17,5 km lange Zweigstrecke Haifa;—Akko der Hauptlinie Haifa- Damaskus. Akko, dessen zerfallene Festungsmauern heute noch Kunde geben von einerruhmreichen Zeit,, ist Sitz eines Müssetarifs, hat aber heute weder Politisch noch wirtschaftlich große Bedeutung. Es wird von größeren Dampfschiffen fast garnicht mehr angelaufen und nur im Sommer von einer großen Menge ägyptischer Nilbarken besucht, welche die reiche Wassermelonenernte der Akkoebenö zum Export verladen. Die Stadt selbst zeichnet sich gegenüber anderen Küstenstädten Palästinas durch größere Reinlichkeit aus, was sie einer wohlorganisierten Stadtverwaltung verdankt. Eine dritte, weitaus wichtigere Zweiglinie der tzedschasbahn ist die gegenwärtig noch Im. Bau befindliche 78 km lange Strecke APHuleJNablus—Jerusalem, die mit der Linie Haifa- Damaskus—Medina verbindet. '/ Die Bahn durchquert die Jesreel-Ebene, passiert die aus dem Buch der Richter bekannten historischen Stätten von Megiddo und Taanach und erreicht nach ea. 17 km die Stadt Dscheniy. Dann biegt sie in ein enges Tal mit vielen Windungen ein and erklimmt in großen Steigungen von. fast durchschnittlich 18—20 zu Tausend die ersten Höhenrücken des galiläischen Gebirges. Sie erreicht nach einem Weg von 12 km das Dorf 'Arabe. Die Linie» wendet sich nun in südöstlicher Richtung weiter und steigt von Kilometer 34 ab in eine Ebene hinab, die rings von hohen Bergen eingeschlossen ist. Unterhalbdes Dorfes el'-Fundstkumije (Pentaronium),' das die Bahn bei Kilometer 42 erreicht, befindet sich die zweite Station 'im Bau. Telefon-Anlagen Frankfurter Privat-Telefon-Gesellschaft Frankfurt (Main) m. b. H. Tel.-Amt Hansa gtiftstrasse 29/33_6256 n, 6257. Der Antisemitismus im Wandervogel. Berlin, 27. 2lpril 191-1. Eine sehr zahlreich besuchte Versammlung, einberufen vom Neuen Jüdischen Gemeindeverein, hatte den Antisemitismus im Wandervogel zum Gegenstand. Handelsredakteur Goslar schilderte das Auftreten des Antisemitismus in dem ursprünglich paritätischen Wandervogel. Er geißelte das unehrliche Verhalten der Hauptversammlung in Frankfurt a. O. Man habe nicht den Mut besessen, sich offen zum Antisemitismus zu bekennen und deshalb einer durchaus zweideutigen Resolution zugestimmt. In der Theorie „werde die Gleichberechtigung der Juden anerkannt, in der Praxis aber der Aufnahme von jüd. Kindern in die einzelnen Ortsgruppen ein Riegel vorgeschoben. Es verlaute, daß die Fortschrittliche Bolkspartei die Angelegenheit im Landtage zur Sprache bringen wolle. Es erscheine nicht opportun, daß sie es tue, zumal der „Wandervogel" nicht zu den staatlich unterstützten Jugendvereinen gehöre. Es sei besser, wenn die Juden die antisemitischen Wanderbrüder unter sich ließen. Rechtsailw. Dr. Klee wies darauf hin, daß sich die Judenfeinde nicht scheuten, den konfessionellen Hader selbst in die Reihen der Kinder zu tragen. Für jüdische Mitglieder sei kein Platz mehr im Wandervogel. Wie könnte». Menschen mit Selbstachtung sich Leuten zugesellen, die von ihnen nichts wissen wollen, die sie mit Spott und Verleumdungen überhäuften? Die Nachkommen eines der ältesten Kulturvölker der Welt, das dieser Welt ihren Gottesglauben und ihre Ethik gegeben, sollten zu stolz sein, sich da einzndrängen, wo man sie nicht haben wolle. Die selbstbewußten Juden dächten nicht daran, einen „Salon der Zurückgewiesenen" zu bilden. Sie wollen sich nicht verbittern lassen, sondern aufrecht und frei ihre eigenen Wege gehen. Nach einer Debatte gelangte folgende Resolution zur Annahme: „Die von über 1000 Juden besuchte Versammlung protestiert gegen die unlogische, verletzende Behandlung der Judenfrage durch den Wandervogel, insbesondere gegen den Beschluß der letzten Hauptversammlung. Sie erblickt die einzige mögliche und wirkungsvolle Abwehr gegen diese Bewegung, in der das Verbleiben selbstbewußter Juden nicht mehr denkbar erscheint, in der Unterstützung der bestehenden und Gründung neuer jüdischer Organisationen. Diese sollen die Heranbildung einer körperlich, sittlich und geistig tüchtigen jüdischen Jugend erstreben, die in gleicher Weise befähigt ist, an den Aufgaben des' Judentums wie des deutschen Vaterlandes wirksam und erfolgreich mitzuarbeitcn." Die zukünftige 'Gestattung der israel. Kirchensteuern in^Bayern. Während Freunde und Gegner der Revision des veralteten bayerischen Judengesetzes von 1813 in Versammlungen und Zeitungsartikeln polemisieren, ist einer der Hauptbesürworter einer vernünftigen Revidiernng, Kommerzienrat Sigm. Fränkel in München bemüht, in praktischer und zielbewußter Weise zur Klärung der ganzen Sachlage beizutragen. Daß seine Vorschläge sich in den Kreisen, welche für die endgültige Regelung in Betracht kommen, besonderer Aufmerksamkeit erfreuen, beweist, daß die neueste Schrift Fränkels, die den obenbezeichneten Titel führt, ursprünglich in den „Blättern für administrative Praxis" erschien und nun in einem Sonderabdruck zur Ausgabe gelangte. Wenngleich der Staat die Gemeinden gesetzlich zu bestimmten Ausgaben anhält, findet sich doch keine Bestimmung über das Besteuerungsrecht und .stützt der Verwaltungsgerichtshof „die Existenz des Besteuernngsrechts auf die schwache Basis eines seit 100 Jahren geübten Gewohnheitsrecht." Daß ein solches Finanzgebahren unhaltbar ist, dürfte auch den Revisionsgegnern, wenn sie auch nur kurze Zeit in Bayern amtieren oder überhaupt in Bayern nichts zusuchen "haben, einlenchteN; zur Beseitigung dieses Nebels schlägt F. nun. als gerechteste Steuer eine Veranlagung gemäß der Staatsstener vor; die Knltussteuern sollen als Zuschlag zu den Staatssteuern erhoben werden. Wir heben aus der Schrift nur das Wesentlichste hervor, und hierzu gehört der Vorschlag des Verfassers, zur Linderung der Notlage der leistungsschwachen Landgemeinden, unabhängig von der obenbezeichneten Gemeindesteuer eine „Zentralkasse" oder „Landeskirchenkasse" zu errichten. Eine ähnliche Einrichtung hat das bayrische protestantische Kirchengesetz. Wie schon oft erwähnt, sind die. Gehaltsbezw. Versorgungsverhältnisse der Kultusbeamten in den Kleingemeinden oft geradezu trostlos; hier muß die Gesamtheit eintreten, und treffend führt F. hierzu aus: „Nicht die reichen Großgemeinden, nicht die potenten Steuerträger in den großen und mittleren Gemeinden, nein, die sämtlichen israelitischen Bekenntnisgenossen in Stadt und Land, Laien, Rabbiner und Lehrer, der . kleine Handelsmann auf dem Dorfe, wie der .Millionär in der Großstadt müssen durch ihre gesetzlich vorgeschriebenen,. dem Maß st ab.ihrer Leistungsfähigkeick angepaßten Beiträge diese Zentralkasse .errichten helfen, die kein Werk freiwilliger Wohltätigkeit, sondern die gesetzliche.Unterlage für ein steuer- . lich'es Eintreten jedes einzelnen Israelitenzur Beseitigung der Notlage bilden soll." Für die Verwaltung einer solchen Kasse werden in der Schrift F.'s recht gute Vorschläge gemacht. Er empfiehlt hierzu 7 Rabbiner, 1 Lehrer und 7 Gemeindevertreter, mit dem Vertreter des Ministeriums.- als Vorsitzender. Kommerzienrat Fränkel, der in Bayern als Autorität in Steuersragen gilt und in dieser Eigenschaft in einer Versammlung sämtlicher bayerischer Handelskammern - s. Z. das Referat über die bayr. Steuergesetze erstattete, hat mit seiner Arbeit eine Grundlage geschaffen, auf'welcher bei einigermaßen gutem Willen aller beteiligten Faktoren ein befriedigender Aufbau leicht zu erzielen sein dürfte. Revision des bayerische» Judeuediktes. In der Sitzung, des Finanzausschusses der Abgeordnetenkammer von: 28. April teilte Kultusminister Dr. v. Knilling mit, daß die Neuregelung der kirchlichen Verhältnisse der Israeliten nunmehr greifbarere Formen angenommen yabe, und daß man noch in diesem Jahre mit einem Entwurf zustandezukommen hoffe, der dann der nächsten Landtagssession vorzulegen wäre. Der Minister wies auf^die Hemmungen hin, welche die verschiedenen religiösen Strömungen unter den Israeliten mit sich bringen. Das Ministerium will den Grundsatz befolgen, die bei den Israeliten bestehenden Anschauungen zur Geltung kommen zu lassen; ohne in die inneren Verhältnisse der Kultusgemeinden einzugreifen, soll für die verschiedenen Richtungen soviel Bewegungsfreiheit geschaffen werden, daß keine über Gewissensbedrückung zu klagen Ursache habe. Das Ministerium will in weiterem Einvernehmen mit den in Frage kommenden israelit. Kultusstellen und Gruppen die Sache zum Abschluß bringen. Die Absichten des Ministers wurden in den wesentlichen Grundzügen vom Finanzausschuß gebilligt. jed»Artiu Preislage kauft I i* khhiäug« man gut und preiswert Im | BW* Trauring-Eck Frankfurt a. Mt »TMerfsche Sasse 31.1 Koke T3Dgesgasse,v(s-k-vls d. Hasengmssa. I Ff. Pl6tZSCll| rad’soldubelter.I Aus aller Wert. Deutsches ««sch. Berlin. In der Sitzung des Zentralkomitee des Hilfsvereins der deutschen .Juden. wurde der Geschäftsbericht nach einer Debatte, deren Gegenstand der Schulstreit in Palästina war, und an der sich Professor Marburg, Dr. Nathan, Rabbiner Dr. Werner-München, Landtagsabg. Geh. Justizrat Cassel, Geh. Justizrat Timendorfer, Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Barth und der Vorsitzende beteiligen, gutgeheißen. Kooptiert wurden darauf in das Zentralkomitee die Herren «tadtrat a. D. Gimkiewicz-Berlin, Landgerichtsrat Goldfeld - Breslau, AdolfJacob - Thorn, Berth. Kirstein-Bertin, O- Lippmann-Aachen, Oberrabb. Dr. Netter-Metz. .In den Geschäftsführenden Ausschuß wurde Herr L. Schiff-Frankfurt a. M. gewählt. Großbritannien. London. „Daily Mail", die bekannte Tageszeitung, bringt einen Artikel mit der Aufschrift D e r Z e r f a l l d e s I u d e n t u m s. Sie bringt die statistischen Zahlen über Taufen, Mischehen und Geburtenrückgang (240000 Judentaufen in Westeuropa im 19. Jahrhundert, christlich-jüdische Eheschließungen 44«o in Berlin, 85«/o in Kopenhagen usw.) iiijS kommt zu dem Schluffe, daß, da eine Rückkehr zu den alten jüdischen 'Traditionen außerhalb Palästinas unmöglich erscheint, nur die Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina die Rettung bringen könne. Personalien n. Kleine Mitteilnngen. Berlin. In dem ersten Quartal sind bei der jüdffchen Gemeinde 63 Austritte aus dem Judentum angemeldet worden. Wir verzeichnen hier folgende Namen: Schriftsteller Dr. Erich Abraham, Architekt Oskar Geliert. Schauspieler Siegm. Rosenberg-Dunary, Juwelier Eugen Posner, Generalvertreter Arnim Hussert, Ingenieur Martin Meyer Weinberg, Maler Benno Berneis, Rechtsanwalt John Rothschild, Redakteur Harry Loewenberg, Fabrikant Heinrich Herz, Architekt Max Altenberg, Architekt Max Riesenfeld, Ingenieur Ernst Cronbach. - Lffenbach. Unter dem Vorsitz Rechtsanwalts Dr. Guggenheim hat sich ein „Ausschuß zur Förderung von Gartenbau und Handfertigkeit" gebildet, der sich vornehmlich die erzieherische Beeinflussung der jüdischenÄnsländerki nder zur Aufgabe gemacht hat. Crainfeld (Oberhessen). Abraham Stein, Vorsteher der jüdischen Gemeinde, ein geachteter und beliebter Mann, ist das Opfer eines Mordes geworden. Er und seine Familie wurden des Nachts im Schlaf überfallen. Er selbst wurde durch Beilhiebe getötet, während seine Frau und zwei seiner erwachsenen Kinder durch Deilhiebe so schwer verletzt wurden, daß an ihrem Auskommen gezweiselt werden muß. Crainfeld ist ein Dorf von 500 Einwohnern an der Eisenbahnstrecke Vilbels—Lauterbach und zählt etwa 70 jüdische Seelen. Breslau. Charlotte Freudenthal geb. Nothmann, Witwe des Synagogenvorstehers Hermann Ken» denthal und bekannt durch ihre Wohltätigkeit, feierteihre» 70. Geburtstag. —