Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 17 (1.5.1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2692297-2692872-2692889--08414-2703555- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2. Franffurter Israelitisches FamilienAatt. Wort zur Beantwortung einer Anfrage. Er führt aus: „Es ist gefragt worden, wie wir uns das Zusammenarbeiten mit den Zionisten nach Veröffentlichung der bekannten Erklärung vorstellen. Der Hilfsverein hat Line Erklärung unterschrieben. Die Erklärung wurde nur von einzelnen Mitgliedern des Hilfsvereins gezeichnet. Ich bin also garnicht in der Lage, als Hllfsüerein ekwas anderes zu sagen, als daß, unser Programm sich garnicht geändert hat. Wir können mit jedem Juden Zusammenarbeiten, der das Progrämlnr des Hilfsvereins anerkennt. Persönlich' mochte ich hinzufügen: Jene öffentliche Enunziation hat niemals eine Absage an die Gesamtheit der Zionisten bedeutet, sondern nur an jenen kleinen Kreis von Zionisten, der die MiUilligung aller objektiv Denkenden, auch jener, die in den Reihen des Zionismus stehen, ^gefunden hat." Dr. James Simon hält das Schlußwort: „Ich danke Ihnen für das Vertrauen, das Sie uns geschenkt haben, ~ und für Ihre Unterstützung bei unserer Arbeit, die uns wahrlich nicht leicht gemacht worden ist. Woche um Woche haben uns die zionistischen Parteiorgane mit Beleidigungen überschüttet. Alles, was man ihnen M Kritik gegen uns zugeschickt hat, haben sie ohne ein Wort der Kritik abgedruckt. Die Leitung der zionistischen Partei hat zugelassen, daß uns jede Woche die Ehre abgeschnitten wurde. Unsere Personen sind dadurch nicht geschädigt worden, denn wir stehen turmhoch über solchen Angriffen. Aber das Zudelttum ist dadurch geschädigt worden." Zwischenruf: „Nicht mehr als durch die Broschüre Dr. Nathans l" Es ertönen Zwischenrufe von allen Seiten, insbesondere: „Das ist ein.Mißbrauch des Schlußwortes." Dr. Simon: „Ich stelle bloß objekiv dar, was geschehen ist." Zwischenruf: „Subjektiv!" Nachdem Ruhe eingetreten ist, fährt Dr. Simon fort: „Nachdem wir den Beifall der Generalversammlung gefunden haben, werden wir in der bisherigen Weise Weiterarbeiten und dafür sorgen, daß her Hilfsverein jene neutrale Organisation bleibt, als welche er geschaffen worden ist. Zur Erfüllung unserer Aufgabe ist allerdings eine starke Anstrengung unserer Freunde notwendig. Unsere Jahresbeiträge belaufen sich auf 187,000 Mark, eine Summe, wie sie annähernd von keiner jüdischen Organisation erreicht wird. Für unsere großen Aufgaben aber ist das diel zu wenig, wir müssen trachten, unsere' Jahresbeiträge zu verdoppeln. Dann werden wir den Forderungen gerecht werdenkönnen, die an uns gestellt werden." M •a ”uiea5^; «£ jo „ ■« i. 'S «'s gs § S 5 Ai S*I, fhts -e» Ereignissen des Tages. Der Wes der Verständig»««. Der Hilfsverein der deutschen J uden hat in diesen Tagen 'seine diesjährige Generalversammlung abgehallen. Diese Generalversammlungen pflegen meist keine besondere Bedeutung zu besitzen. DerHllfsverein—wie fast alle jüdischen phllanchropischen Organisationen — wird ja äe facto von einigen wenigen Persönlichkeiten geleitet tet und bestimmt, sodaß die Generalversammlungen mehr Demonstration und Formalität sind als eine wirkliche Repräsentierung des großen 'Mitgliederkreises. Diesmal jedoch durste man der Generalversammlung des Hllfsvereins mit einigem Interesse entgegenblicken. Sind doch erst wenige Wochen vorbei, seitdem der heftige Kampf beendet worden ist, in dem der Hilfsverein die eine der streitenden Parteien dargestellt hat. 'Nun war es ja ganz Kar und selbstverständlich, datz die Genercckversammlung der Haltung und den'Taten der Leitung ihre vollste Zustimmung erklären und dem eigentlichen Führer im Sjnachenkanchfe, Herrn Dr. Paul Nathan, ihr uneingeschränktes Vertrauen aussprechen würde. Interessant jedoch war es, zu hören, wie die Generalversammlung des Hilfsvereins und in ihr die Leitung ihren Gegner im.Sprachenstreite, den Zionismus, beurteilen und — das wichtigere — mit welchen Gedanken sie sich für die zukünftige Entwicklung ihrer Arbeit in Palästina. trägt. Was nun die Generalversammlung in dieser Hinsicht gebracht hat, ist fast durchwegs erfreulich. Dies wird auch der sagen müssen, der im Sprachenstreite auf der Gegenseite des Hilfsvereins stand, — ausgenommen natürlich das Antizion. Komitee, das die Zerreißung des Judentums erstrebt. Man hätte vielleicht erwarten können, daß die Versammlung und besonders die leitenden Persönlichkeiten des Hllfsvereins noch immer von den Empfindungen der erbitterten Feindschaft gegen den Zionismus mrd das neupalästinensische Judentum erfüllt sein werden, wie sie sie während des Kampfes in so bedauernswerter und verfehlter Form an den Tag gelegt haben. Statt dessen jedoch kann man konstatieren, daß ganz im Gegenteil eine Stimmung der Versöhnlichkeit, der Ruhe und der Friedensliebe die Versammlung beherrscht hat. Es scheint so, als ob man auch in den leitenden Kreisen des Hllfsvereins doch cingesehen hat, daß Neupalästina und der Zionismus den Kampf nicht Mutwillig oder aus einer Laune heraus entfesselt haben, vielmehr dazu von großen Ideen und heiligen Prinzipien gezwungen worden sind. Wenn diese Erkenntnis wirklich ganz durchdringen wird, so wäre dies ein bedeutender Fortschritt zum Frieden hin. Denn wenn man auch nicht erwarten und auch gar nicht verlangen darf, daß die Leiter des Hilfsvereins sich etwa zur zionistischen Richtung bekennen sollen, es würde für die Anbahnung eines Friedens schon genügen, wenn sie sich dazu durchringen könnten, ihren Gegnern 'Gerechtigkeit widerfahren und in der Beurteilung der Motive, die sie zur Gegnerschaft und zum Kampfe ge- . zwungen haben, einige Objektivität walten zu lassen. Denn wenn Gegner sich erst einmal gegen- - fettig verstehen, dann ist es nicht mehr so weit bis zum Abschluß eines Kornpronrisses oder eines Friedens. Und daß man in den Kreisen des Hilfsvereins auf dem Wege ist, zu diesem Verständnis des Gegners zu gelangen und.von jener seichten und geschmacklosen Meinung abzurücken, die im ganzen Sprachenkampf nur das Resultat mutwilliger zionistischer Kampfeslust und agitatorischer Verhetzung sehen will, dies 'beweist der Ruf nach Frieden, der auf der Generalversammlung erhoben worden ist. Wir köimen in /diesen Ruf nur miteinstimnren. Es wäre jetzt in der Tat ein Glück, wenn man dem Kampfe, der hinter uns liegt, völlig ein Ende machen iind zu einem offenen, ehrlichen 'Frieden kommen wollte. Denn wenn auch jetzt der Kampf nicht mehr offen.'tobt, ein Friede ist noch nicht geschaffen. Vielmehr herrscht im gegenseitigen Verhältnis von Hilfsverein und Zionismus jener Zustand, der von allen der häßlichste und bedauernswerteste ist: eine geheime, latente Feindseligkeit. Dieser Zustand aber bringt niemand Gewinn und schadet beiden Organisationen. Er schafft zwischen ihnen eine Atmosphäre von Mißtrauen und Gegnerschaft, die für die Dauer demoralisierend wirken muß. Bei gutem Willen auf beiden Seiten jedoch wäre die Beseitigung dieses Zustandes wohl möglich. Es ist dazu garnicht nötig, daß eine der beiden Organisattonen ihren Standpunkt aufgibt. Es kann vielmehr ruhig auch in Zukunft so bleiben, daß Hilfsverein wie Zionismus 'jeder sein Schulwerk in Palästina unterhält mrd friedlich miteinander konkurrieren. Was vielmehr nötig ist, ist unseres Erachtens zweierlei: zunächst — wie gesagt — gegenseitiges Verständnis mrd gegenseitige Achtung, sodann aber von Seiten des HilfsVereins die Abberufung Ephraim Cohns, der dann von Seiten der „Merkas hamorin" die Aufhebung des Boykotts über die 'Hilfsvereinsschulen folgen müßte. Dieses' eine: die Entsetzung E. Cohlts halten wir für unentbehrlich. Jeder, der die Verhältnisse und Ephraim Cohn kennt, '£jirb es wissen, daß, solcurge er der allmächtige Vertrauensmann des Hilfsvereins in Palästina ist, ein dauerhafter, ehrlicher Friede in Palästina unmöglich ist. Und wir glauben, es läge — ganz abgesehen von diesem Generalchinkt — auch sonst nur .im Interesse des Hllfsvereins, Ephraim Cohn zu Nr. 17. ersetze»; die Leiftchg deADlfsvereiS / wird sich ja bei aller EinftitiHit^ unp Boreingnwistmenheit gegen die ausgeschiedenen. Lehrer doch wohl davon überzeugt haben, wie unzuverlässig die jahrelangen Informationen ihres Jerusalemer Vertrauensmannes waren und wird wohl erkannt haben, daß setzten Endes er es war, der den ganzen Schulkamps mitverschuldet hat.. Für die Talente Ephraim Cohns wird der Hilfsverein mit Leichtigkeit ein anderes geeignetes Betätigungsfeld finden können; in Jerusalem ist aber für ihn kein Platz mehr da. Herr Dr.,Paul Nathan, Herr Rabbiner Dr. Wer n e r haben auf der Generalversammlung den Wunsch nach Herbeiführung eines Friedens , ausgesprochen, und Herr Dr. Hantke, Mitglied des zionistischen EAC, hat sich ihnen angeschlossen. Wollen die Leiter des Hilfsvereins wimlich den Frieden — .und wir zweifeln nicht an der Aufrichtigkeit ihrer Wünsche —, so. werden sie bei richtiger Beurteilung der Lage mll Leichtigkeit das eine tun können, was not tut: .Herrn Ephraim Cohn von seiner bisherigen Stellung abberufen. Wird dies geschehen, so wird der ehrliche Friede bald da sein; der Widerstand mancher radikaler Persönlichkeiten Neupalästinas wird sich durch eine energische Haltung der zionistischen.'Leitung leicht beseitigen lassen. Die Gegensätze in Palästina werden sich dann mildern, und mit der Zeit wird sogar aus manchen Gebieten wieder ein Zusammenarbeiten von Zionismus und Hilfsverein möglich sein. Wird Herr Cohn bleiben, so wird die latente Feindseligkeit, die häßliche persönlicke Befehdung, die kleinliche Jntriguenpolitik 'bestehen bleiben und. .sich vielleicht gar noch für die Zukunft verschärfen. Wir hoffen, die Leiter des Hilfsvereins werden die Lage richtig zu beurteilen wissen und den zur Herbeiführung eines Friedens einzig nötigen Schritt tun; jie werden sich dann damit ein großes und dauerndes Verdienst erwerben und einen schönen Beweis ihrer Objektivität und einer von kleinlichen Parteirücksichten fteien, großzügigen Liebe zum Gesamtjndentum gegeben haben. Brief aus Rußland. Petersburg, 27. April. Unter Vorsitz des Direktors der Reichsbank, Konschin, hat eine Beratung von Bank- und Börsenvorstehern stattgefunden. Es wurde betont, daß das Fallen der russischen Wertpapiere im Zusammenhang mit den Beschränkungen steht, die für Inden und Ausländer hinsichtlich der Beteiligung an Attiengesellschaften eingeführt sind, mrd mit dem Bestreben, den Händel zu nationalisieren. In Kiew bemühen sich zahlreiche christliche Hausbesitzer und christliche Geschäftsleute, die Ausweisungen der.580 jüdischen Familien rückgängig zu machen, und zwar in Hinblick au den gewaltigen Schaden, den diese Ausweisungen zur Folge haben. Bis jetzt sind .die Bemühungen noch nicht von Erfolg gewesen. Auch im Gouvernement Odessa stehen große Ausweisungen von Juden bevor. In Warschau gab es in den letztere .Tagen verschiedentliche Ueberfälle, bei denen Juden' die Opfer waren. Der Herr voip Kiew. Kiew ist bekanntlich die größte und wichtigste Stadt in Südrußland. Die Wiege des russischen Reiches überhaupt. Das Zentrum des südrussischen . Handels. Kurzum — nebst Petersburg intb Moskau die größte Zentrale des Reiches. Kiew hat einen Generalgouverneur, einen Militär- und einen Zivllgouperneur und einen gewaltigen Berwaltuugsstab. Man sollte glaube», haß unter den jetzigen Verhältnissen der Generalgouverneur der unumschränkte Herr und Gebieter der Stadt ist. Weit 'gefehlt. Höher als er, höher als die gesamte Regierungsgewalt reicht .die Macht eines Privatmannes. Und dieser ist ein Mann in noch jungen Jahren, ein — Student. Der Student Golubjew. Ganz Rußland kennt diesen Namen, gänz Kieiv — ja ganz Südrußland zittert vor ihm. Denn, c ist der eigentliche Herr, von 'Kiew. Er steht nämlic an der Spitze der „Schwarzen Hunderts von Kiew des Verbandes „Der Doppeladler'/ Es ist eine reine Pogromorganisation, speziell züm Zwecke der Nr Jud'ei die v Berbc Reakt sten i " 1 Kiew. Straj jeder Befeh unter rufen Peter einen s einer Jmm Polen an R Mag' nicht nomn weiser tschcr« Numr Der i tionär bcgrei über, Rußlo Das hat F Jahre rater uisterlubjett selber. Re kandcs lange eilt pä Gabeh masku gelegei treides Küste E Betrie Zweig Dama heute Zeit,, weder Es wi mehr großer die re Expori über fl Reinli Stadtt E Hedschl befind! lu s— Damaj 2 siert i historij erreiche biegt ■ ein m durchsc rücken einem wendet steigt i die ri Unterh 8131^7 A302D