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Neue jüdische Presse · 1914-05-01 · Heft 17 (1.5.1914) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 17 (1.5.1914)
Date
1914-05-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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.♦f ♦ 16 tttz § Erscheint wöchentlich am Freitag. ftngHfttim Pr» Mirrtrljichr: I« Frankfurt a. M. Mk. I.— frei inS HauS. Bei der Post abonniert 90 Pfg., frei inS tauS 4 Pfg. pro Monat mehr. — Bei Zusendung durch treifband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn Mk. 1.50, für Rußland 1 Rubel, für alle übrigen Länder Mk. 2.— Einzel-Nummer« kosten 10 Pfg. Redaktion und Expedition: Frankfurt a. M. rr Cangeftr. 7. Fernsprecher Amt I. 10507. cheransgever: KalU cheis. Ansertionsprri» für die fünfgefpaltene Petttzeile 25 Pfg., für die Reklamezeile Mk. 1.—. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Stellen-Angebote und -Gesuche, Wohnungsinserate, HeiratS-Annoncen 15 Pfg. die sechsgespaltene Petitzeile ohne jeden Rabatt. Platz- und Datum-Vorschrift ohne Verbindlichkeit. Annoncen-Annahme bei der Exped. und in a.Annoncen-BureauL Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M unter Nr. 4864. 12. Jahrgang. Freitag, Le« 5. Ijar 5674 (1. Mai 1914) Rr. 17. ischer beitung 38619. ll. se 8 6 - and , ELP. an und in. ren. laus« :i8.| -16,1 •1S4S8. ■ l Jede » E'lsohe » tLpkel. a engen, ■ Longen » uun. » ■Wein, » nag. f in. | _• eg 33. t* imd Ve in«, te, Tee, n. Eier. ton zu tl Generalversammlung des Hilssvereins _ der deutschen Juden. Berlin, .26. April. Dr. James Simon eröffnet die Bersanrmiig und berichtet eingehend über das Hilfswerk tz Vereins, indem er gleichzeitig einen Ueberblick Ire die politische Lage der Inden Galiziens, Rutzöds rc. .gibt. 'Es wurden 1913 verausgabt für s Balkanhilfstoerk einschließlich der amerikanim Gaben 370,000 Mark, für die Auswanderung b das Hilfswerk in Rußland 230,000 Mark,, für 3 Schulwerk einschließlich 'Grundstückserwerb und luten 294,000 Mark und 40,000 Mark für Werses. Dr. Paul Nathan schildert die Bemühun- >i der jüdischen Organisationen, die in der Union Associations Juives zusammengefaßt wurden, die durch den Balkankrieg verursachten Schälungen der jüdischen Bevölkerung einigermaßen mildern. Derartige Unternehmungen könnten Ir durchgeführt werden, wenn alle großen jüdiktt Organisationen Hand in Hand gehen. Der Wverein habe stets auf dem Standpunkt gepen, es müsse in jeder Beziehung vermien werden, einseitig für irgend eine chtung innerhalb des .Judentums rt e i z u ergreifen. Es könne ja nicht besichtigt werden, alle Meinungsverschiedenheiten dem Judentum überhaupt auszuschalten. Das Irde nur eine Stagnation im Judentum bedeuten. der Verein ein lebenskräftiges und gesundes ldeiitum erhalten wolle, so stehe er'auf dem pdpunkt, daß .Meinungsverschiedenheiten sich 'chsetzen müßten. Aber diese Meinungsverschiclheiten dürsten sich nicht in so.schroffer Form drücken, daß es unmöglich würde, bei großen seiten und wichtigen Anlässen alle Kräfte des jdentums zusammenzufassen. Ich will mich - nicht auf Einzelheiten einen", fährt Dr. Nathan fort, „oder die nner- ^cklichen Vorgänge, denen ich mich jetzt zuwenmuß, ausführlich auseinandersetzen. Was in!er Stunde staken Zwiespaltes gesagt werden |üte, habe ich in einer.Broschüre gesagt. . . Ich erörtere kurz die Grundsätze, nach denen er Schulwerk im Orient und insbesondere in lästina eingerichtet ist. Die Mitglieder des Hilfseins stehen religiös auf sehr verschiedenem ndpunkte. Wir aber haben uns nie her au süommen, .darüber entscheiden zu wolu, welche religiöse Anschauung dort rr scheu soll, wo unsere Schulen wirken, pber haben die Eltern der Schüler zu t s ch e i d e n. Und wer, wie ich, den Orient ger kennt, weiß, daß es für .unsere Glaubensgesen im Orient notwendig ist, das religiös stark betonen, daß für Palästina der ortho- ^e Standpunkt der gegebene ist. Und wir von unserem objektiven Standpunkt die reise Erziehung als notwendig erkennen, ' so besten wir auch das Hebräische als eine!tw endige Forderung für unser Schulst?. . . .. '• Für die Schulen auf dem Lande ist hebräisch die Landessprache vollkommen ausreichend. An ren Schulen in den Kolonien wird keine euro-!che Sprache unterrichtet. Ich glaube nicht, daß > das Vorgehen von germanisierenden .'Chauvinist. In den städtischen Schulen muß eine ^päischeSprache, ausgiebig unterrichtet werden, man in den Städten des . Orients, nicht auskommen kann, 'wenn män nicht wenigstens eine europäische Sprache beherrscht. . . . Diese Grundsätze haben wir nach sachlicher und objektiver Prüfung festgestellt, und daran hoffen und wünschen wir in Zukunft festzuhalten. Würde die Bevölkerung im Orient von diesen Schulen nichts wissen wollen, dann müßten wir auf die Fortführung unseres Schulwerks verzichten. . . Zu dem vielen Unerfreulichen, bas wir durchlebten, trat ein Erhebendes: die Anhänglichkeit eines großen Teiles der jüdischen Bevölkerung Palästinas, die Anhänglichkeit eines großen Teiles unserer Lehrer und die absolute Einheitlichkeit und Harmonie in der Verwaltung des Hilfsvereins. Nach den neuesten Nachrichten ist die Zahl der Anmeldungen für die Gesamtheit unserer Schulen bisher bereits ebenso, groß, wie wir sie bisher stets hatten, sodaß die Wunden, die die letzte Zeit uns schlug, so gut wie vollkommen vernarbt sind. Das Lehrpersonal ist konrplett, die Schulen sind im Gange, und ich habe nur den einen Wunsch, daß sie sich in Ruhe forteutwickeln können. Neben uns existieren noch mancherlei Schulen. Ich würde es für falsch halten, wenn wir nicht wünschten, daß alle vorhandenen Schulen Prosperierten. Es gibt in Palästina noch ein so ungeheures Gebiet zu bearbeiten, daß, wenn wir und die Zionisten Und die Anglo Jewish Association und die Alliance Jsraslite noch einmal so viele Schulen hätten wie jetzt, es auch dann noch ein Segen fiir das Land und unnötig wäre, sich in gehässiger und unschöner Weise Konkurrenz zu machen. . ." Rabb. Dr. Munk.spricht Dr. Nathan den Dank aus, Rabb. Dr. Werner-München betont, daß der Streit nur ein quantitativer war, nur ein Streit um Worte, — und sodann ergreift Dr. Arth. Hantke, Mitglied des EAC und Vorsitzender der Zionistischen Bereinigung für Deutschland, das Wort zu folgenden Ausführungen: „Wir zionistischen Mitglieder des Hilfsvereins können uns im Grunde mit den Ausführungen des Herrn Dr. Nathan über die Schulen in Palästina im ganzen einverstanden erklären. 'Ich beschränke mich auf diesen Punkt der Tätigkeit.des Hilfsvereins, nicht weil mir die anderen gleichgiltig wären, sondern weil nur über diesen ein Streit ist. Wir Zionisten wünschen weiter nichts als das, was Herr Dr. Nathan soeben .ausgeführt hat. Selbstverständlich sind wir nicht gegen ^hie deutsche Sprache. Auch in den Schulen, die wir gegründet haben, werden europäische Sprachen gelehrt, und, wenn ich recht informiert bin, haben alle' unsere Schulen deutschen Unterricht. Der Streit ging aber nicht um den hebräischen Unterricht, sondern um die hebräische Unterrichtssprache. In Palästina ist .eip neues Leben entstanden, das einen ungeahnten wirtschaftlichen. und kulturellen Fortschritt der palästinensischen Schulen mit sich brachte. Und diese wirtschaftlich gestiegenen Elemente verlangen, daß in den Schulen hebräisch als Unterrichtssprache eingesührt werde, weil es auch die Umgangssprache der Heranwachsenden Generation geworden ist. . . . Ich höre nun zu meiner großen Freude von Herrn Dr. Nathan, daß per Kampf Kampf gewesen sein soll, und daß die leitenden Männer des Hilfsvereins für die Zukunft Frieden haben wollen. Damit wären wir sehr einverstanden. Allein wir glauben, wenn man Frieden Haben will, so muß man ihn doch zuerst wollen mit der einheimischen Bevölkerung in Palästina, .mit dem Teil der Bevölkerung, der mit deni Programm des Hilssvereins jetzt nicht mehr einverstanden ist. Leider aber ist ein Entgegenkommen diesem Teil der Bevölkerung gegenüber nicht beabsichtigt, was daraus erhellt, daß sogar in einer Schicke, die bisher hebräisch war, das Hebräische neuerdings wieder zurückgedrängt werden soll. 3tu der Schule in Safed gab es bisher vier Stunden deutschen Unterricht in der obersten Klasse; von nun an sollen acht Stunden deutsch in sämtlichen Klassen der Schule sein. Wenn man .den Frieden herbeiführen will, muß man nicht den Gegensatz verschärfen. Die Praxis steht im Widerspruch mit dem Programm, das hier entwickelt wurde. Herr Dr. Nathan hat gesagt, daß es Parteiungen im Judentum geben müsste daß sie nur ein Zeichen des Lebens seien, daß sich jedoch der Kampf in solchen Grenzen halten müsse, daß man bei großen Anlässen auch wieder zusammen arbeiten kann. Und da muß ich Ihnen eins sagen. Ich übergehe alles, was im sogenannten Schulkampf gesagt worden ist. Allein, man kann nicht gleichzeitig in den Zeitungen veröffentlichen, daß man mit den Zionisten auch in neutralen Angelegenheiten nicht zusammen arbeiten kann, und bei einer anderen Gelegenheit sagen, daß man mit den Zionisten zusammen arbeiten wolle. .. ." Hierauf erwidert Dr. Paul Nathan: „Die Form, in der Herr Dr. Hantke sprach, hat mich außerordentlich sympathisch berührt. Er hat einen einzigen konkreten Punkt hervorgehoben, der ihm Anlaß zur Klage gegeben hat. Ich .bin nicht in der Lage festzustellen, ob sich die Sache in Safed so verhält; aber ich supponiere, Paß die Informationen von Herrn Dr. Hantke richtig sind. Stellen Sic sich vor, daß sein konkreter Vorwurf darin bestand, daß man in einer Stadt wie Safed! ganze acht Stunden in der Woche deutsch unterrichte. Ich stehe auf dem Standpunkt, daß hei acht Stünden das Lehrziel, das wir erstreben, nicht zu erreichen ist. Es wird wahrscheinlich notwendig, sein, die Zahl der deutschen Stunden zu erhöhen. Darin liegt aber keine Schädigung des Hebräischen. Es handelt sich doch nur darum, daß die jungen Leute, 'wenn sie die.Schule verlassen, des Hebräischen wirklich mächtig sind: Alles andere sind . pädagogische Details, die nicht in Volksversammlungen gehören. - Aber die Ausführungen Dr. Hantke^s- Labor mich überzeugt, daß man jetzt auch auf der anderen Seite den Frieden wünscht. Das ist ja notwendig. Es hieße ja Palästina .korrumpieren, wenn man solche Zustände, wie sie dort durch einige Wochen geherrscht haben, in Permanenz.erklären wollte. Dagegen muß sich zunächst die Bevölkerung selbst wehren,, die an einer wilden Agitation kein Interesse hat. Wir meinen, daß aus jedem Gebiete menschlichen Lebens ein freier und gesunder Wettbewerb das einzig richtige ist, und das ist auch das zweckmäßigste und nützlichste ruf dem Gebiete der Erziehung. Nichts steht im Wege, daß zionistische Schulen und andere nebeneinander bestehen, dabei kann die zionistische Bevölkerung nur Vorteile haben. Nur eine Vorbedingung ist notwendig: daß man nicht mit verderblichen Mitteln dem anderen Abbruch zu tun versucht. In dem Augenblick, wo dieser Grundsatz von beiden Seiten innegehalten wird, werde ich den Kampf, der sich abgespielt hat, nicht mit Bedauern betrachten, sondern sagen: er war zum Glück der palästinensischen. JÜdenheit." Nach einigen geschäftlichen Details und Neuwahlen erhält nochmals Dr. P a u l N a t h a n das

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