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Neue jüdische Presse · 1914-04-24 · Heft 16 (24.4.1914) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 16 (24.4.1914)
Date
1914-04-24
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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/ Seite 2. »ns seiner großen Erfolge. Warten wir nunmehr ab, welche weitere» Schritte die spanische Regierung unternehmen wird. Jedenfalls wird ,fie durch weitere positive Taten chren Wunsch, das jüdische Volk sich wieder zu nähern, bekunden müssen, che wir Juden uns entfließen könnten, das alte heilige Gelübde wieder zu annullieren. A«S de» Ereignisse« des Tages. Z»r Lage -er rumänischen Jude«. Die Lage der Juden in Rumänien bleibt konstant, das heißt, sic wird täglich schlechter und unerträglicher. Als vor einem Jahre Rumänien in den Mallankrieg. eingriff und ihn mit so glänzendem Erfolge beendete, Da war die rumänische Jüdenheit sicherlich der Bevölkerungsteil, der am freudigsten diesen Sieg bejubelt hat; und die Tausende von jüdischen Soldaten, die eingerückt waren, waren gewiß unter allen diejenigen, die um willigsten nritgezogen waren; erwartete doch die rumänische Jüdenheit von diesen! Kriege yuch die Beendigung ihres Eleiüies, die Beseitigung ihrer unwürdigen, jammervollen Lage. Nun, also glaubte man, da Tausende von Mischen Söhnen sich bereit erklärt hwben, ihr Blut fürs Vaterland zu opfern, würde doch dasselbe garnicht anders können, als seine Juden sur volle und gleichberechtigte 'Bürger zu erklären. Und anfangs schien sich auch diese Hoffnung erfüllen zu wollen. Die Minister gaben unmittelbar nach Beendigung des Krieges feste Versprechungen, die bestimmt erwarten ließen, daß die Gewährung der 'Gleichberechtigung an die rumänischen Juden nur eine Frage von Wochen und Monaten sei, und das gesamte Judentum durchzog ein Gefühl der Erleichterung und Freude, daß der schmachvolle Zustand bald sein Ende haben wird. Aber bald zeigten sich schon die ersten Anzeichen dafür, daß diese Versprechungen nur hohe 'Worte - waren, leere Phrasen, die man in der Stunde des Kriegsjubels verbindet hatte, ohne ernstlich daran zu denken, sie zu realisieren. Und jetzt ist cs völlig gewiß, daß an eine Aenderung der Lage der rumänischen Juden nicht zu denken ist. Von den Petitionen, die sie eingercicht haben, ist auch keine einzige mehr beantwortet worden; die Minister lassen .kein Wort mehr über die Frage. verlauten, im Parlament, das gegenwärtig die Revision der Verfassung berät, hat auch kein einziger Abgeordneter den § 7, der die Juden als Fremde erklärt, irgendwie erwähnt, und der einzige, der ihn gestreift hat, war der .berüchtigte Anttsemit Professor Jorga, der seiner Genugtuung darüber Ausdruck gab, daß niemand.mehr an die Aenderung der Jüdengesetzgebung denke. Kurzum: Rumänien hat sich seiner bisherigen Tradition würdig erwiesen. Mit derselben zynischen Unverfroreicheit, mü der es seine Zusagen und Verpflichtungen vom Berliner Kongreß gebrochen hat, .ließ es auch seine Versprechungen nach dem Balkankrieg unerfüllt; für diese ruhmwürdige Natton scheinen eben noch die Vorstellungen von der Heiligkeit eines Versprechens und einer Verpflichtung nicht zu existieren. So hat man also für die nächste Zeit von Rumänien auch nicht die geringste Spur einer Besserung der Lage der Juden zu erwarten. Im Gegenteil. Die Lage wird schlechter. Denn da sie einfach unerträglich ist, ist cs nur klar, daß sic, auch wenn sjc konstant bleibt, nnt jedem Tage noch schwerer zu erttagen, noch unerträglicher wird. Zudem aber ist der Antisemitismus im Steigen begriffen, und wieweit es die antisemitische Verhetzung in Rumänien bereits gebracht hat, haben ja die Krawalle und Pogromversuche, die vor einigen Monaten dort stattgefunden haben, aller Welt bewiesen. Soll also eine Erleichterung in der Lage der rumänischen Jüdenheit erfolgen, so kann sie nur von den Juden selbst kommen. Von den rumänischen Juden selbst allerdings ist nicht viel zu erwarten. Die reichen, jene, die schon vollberechtigte Burger sind, sind so assimiliert und entwürdigt, daß sic eher zu den rumänischen Judenfressern halten als zu ihren armen Brüdern. Außerdem: auch wenn sic etwas tun wollten, würden sic keinerlei Erfolg haben, da ja Regierung wie Parlament ihnen keinerlei Gehör schentt. Eine Hebung der wirtschaftlichen Lage der Juden im Lande selbst ' ist ebenfalls unmöglich, solange ihre politische Rechllosigkeit unverändert ist. Frankfurter Jsraelittsches Famlliendlan. Bleibt also als letztes, einziges Mittel die Emig-ration. Diesen Weg scheinen auch viele unter den rumänischen Juden selbst als den richtigen erkannt zu haben. Denn in der letzten Zeit macht sich unter ihnen eine lebhafte Emigrationsneigung bemerkbar; und besonders die Jungen sollen, enttäuscht und erbittert durch die schmachvolle, treulose Haltung der Regierung, entschlossen fein, ihrem unwürdigen Vaterlandc den Rücken zu ' kehren. So gilt es also, diese beginnende Massenemigration zu organisieren und sic in die richtigen Bahnen zu lenken. Da aber .empfindet man wieder einmal so schmerzlich und bitter das Fehlen einer zentralisierten, großzügig geleiteten jüdischen Emigrationsorganisation oder wenigstens einer zentralisierten, systematischen Zusammenfassung der jüdischen Philanthropischen Organisationen. Wäre eine solche vorhanden, so hätte sic sich des bereits einsetzcndcn Emigrationsstroms aus Rumänien annchmen, ihm Richtung und Ziel weisen und die notwendige Unterstützung gewähren müssen. So aber wird sich dieser Emigrationsstrom ebenso jämmerlich zerspalten wie alle übrigen, und von diesen Einigranten, die sich allüberallhin zerstreuen werden, wird wieder eine große Zahl dem Jüdcntum entfremdet werden und schließlich verloren gehen.. Vielleicht, daß es möglich fein wird, einen Teil der Auswanderer, wenigstens die etwas Bcnnttelten unter ihnen, nach Palästina zu lenken, wo sie für sich eine gesicherte Existenz finden und dem Lande viel Mitzen bringen könnten. Wird auch dies nicht geschehen, wird diese Emigrationsbcwegmig von .keinerlei Wert für das Judentum sein, vielmehr werden die meisten der Auswanderndcn nur bedauernswerte, nutzlose Opfer werden auf dem großen Altäre des Judentums, .auf dem schon so viele, viele gefallen sind, ohne dadurch auch nur dem Judentum genutzt zu haben. Die Lage der rumänischen Juden, fo sehr sie einen Schandfleck bildet für Rumänien und das gesamte Europa, eine noch größere Schmach bedeutet sic für uns Juden. Was vermöchten wir nicht für diese unsere armen gequälten Brüder zu erreichen, wenn wir geeint wären durch die Liebe zu unserem Volle. So aber müssen wir, die so überreich sind an Kräften aller Art, machtlos und ohnmächtig zusehen, wie ein erheblicher Teil unres Volkes von einer gewissenlosen'Regierung und einer ungebildeten, verhetzten Volksmasse entrechtet, mißhandelt und in seinen elementarsten Menschenrechten geschändet wird. Arme rumänische Inden, armes rumänisches Volk! Aushungerung der Jude». Lemberg. Die „Vereinigung zur Polonisier u n g d e r S t ä d t e" hat unter .dein Vorsitz ihres Pr äsidenten Fürst Franz R a tz i w i l l nach langer, lebhafter Debatte folgenden niederträchtigen Beschluß .gefaßt: „1. Die Versammlung lenkt die Aufmerksamkeit der ganzen polnischen Nation darauf, daß ihre ehemalige Hauptstadt Kraftru binnen kurzem vielleicht aufhörcn wird, shr geistiges Eigentunr zu sein, denn schon sind zum großen Teile ihre materiellen Grundlagen zerstört worden. Speziell befinden sich von der allgemeinen Anzahl der Immobilien der Stadt (Kttckau) in polnischen christlichen Händen 64 Prozent, hingegen in jüdischen Händen 35 Prozent. 2. Mit Rücksicht darauf, daß .die Erhaltung dieser materiellen Grundlagen des polnischen Charakters Krakaus eine solch große Bedeutung besitzt, nicht minder als die Erhaltung des Grund und Bodens in polnischen Händen im preußischen Okkupationsgebiet, fordert a) die Versammlung die polnische Gesellschaft im allgemeinen, insbesondere aber in Galizien hiermit auf, daß stber denjenigen christlichen Polen, welcher sich polnischer Immobilien i» Krakau zu Gunsten fremder Hände leichtsinnigerweise begibt,, die öffentliche Meinung geschaffen werde, daß er ein Schädling der nationalen Sache fei und nicht minder als der „Bodenhändlcr" im Großherzogtmn Posen er einen gesellschaftlichen Boykott verdiene; b) die Versammlung wendet sich in einem heißen Auftuf an .die Polen-Christen selbst jenseits der Grenzlinie sowie auch an die Stadtverwaltung, an die finanziellen Institutionen, welche Kapitalien zur Anlage als Hypothekardarlehen auf Jürmobilien in Nr. 16. 1 Krakau besitzen, daß .sie dieses polnische Kapita ann m, in erster Reihe als Hypothekardarlehen auf polrij ugelassk scheu christlichen Realitäten in Krakau plaziere tzldung csetzent Sswiüw sowie t] sollen, daß sie beim Entschlüsse betreffs des Er werbes von Immobilien in dieser Stadt womöglj, auch die nationale Rücksicht in Betracht ziehe Oflfe sollen, aus wessen Händen sic die betreffende Reo Qffral) lität erwerben. 3. Die Versammlung drückt die lleberzcuguri aus, daß es die Pflicht eines jeden 'Polen mär, ausschließlich bei polnischen christlichen Unterneh mungen Gegenstände polnischer Provenienz zu kaufen bei sämtlichen Leistungen gegen Entlohnung aus schließlich polnische christliche Quellen zu benutzen auf jedem Gebiete des Lebens nur Eigene,.das heiß ie Polen-Christen, zu stützen und zwar in allen Fällen toatliific ausgenommen jenen, in welchen es sich trotz de >emeinde besten Willens als unnröglich erweisen sollte/ Old« es G timmi ÜIOLFSECK Dfepopulärste Cigarre unsortiert 12H sortiert 15^ G.M.HOLZ HOFLIEFERANT FRANKFURTaM angenom „®ei es B« lber die «röffent ignet v lugen 'S imerhall _ Pos« lodestax eilch Lehransi das pr °.Kra s. G el Rzl Mel Rabl >u richtl Pofi Sereii mter 4 Abg inigung Ans uti o u Jüdische Parlamentskaudidaten in Frankreich. Die Kämmerwahlen lverden aiit 26. April stattfinden. Die antisemitische Presse hol prach'Z wie immer in Wahlzeiten, einen heftigen Fcldzn gegen die jüdischen Abgeordneten und die neue jüdischen Wählwerber eröffnet. Da an den jüngstei Skandalaffärcn kein einziger Jüde beteiligt wai fehlt es der diesmaligen antisemitischen Kampägn an „Zugkraft". Der Kamnier gehören jetzt folgende Mitglieder an, die sich auch fernerhin um Mandat bewerben: Joseph R ei nach, Theo dore Reinach, Camille Picard, L. Klo (der gewesene Minister) und I. A. Hesse. Neue jüdische Abgcordnetenkandidaten sind Louis Dreyfus, Cremieux (ein Sohn dt des A bungei Hetzers der I das c auf. Trenn in de cntgeg richtst gegen stütztei Abg Senators Cremieux) und der Sekretär des .Herr .. Abg Clemencean, Mandel. " £ßQ£: ige die ünem Zweitausend Jude» ausgewiese«' C™ Kiew, 18. April, des Lchr-Rayons hat der P» jüdischen Schülerinnen zogt mrchgcfi atzes n Vereinig nsziplin Die Verwaltung lizei eine Liste der stellt, die die drei geschlossenen Frauen-GymmAaß bei sien besuchten. Die Familien dieser 'Schülerin»« Nittel» haben damit das Wohnrecht in Kiew, das sie im während der Schulzeit ihrer Kinder hatten, vci loren. 400 Familien — 2000 .Personen nmfasseii >ie Jul — .sollen innerhalb sieben Tagen die Stadt vci Nit de lassen. Unter der jüdischen Bevölkerung Kiews herrst eine furchtbare Panik, denn diese plötz liche Massenans weißung bedeutet ei« wirtschaftliche Katastrophe. >a gebi ämmlui ion. Le« 8erba Die jüdische Bolkswandernng. New Jork, April. Der Bericht des Gencralkommissars für Ei« wanderungswesen 'für die Zeit vom 1. Juli 191 tatt, a Zentral! «ebräiscl öochschü Der ich S bis 1. Juli 1013 verzeichnet eine Einwanderu« >ereits nit 248 von .101,300 In den. 'Die allgemeine Einwanderung in deni A .. Am richtsjahre betrug 1,198,000 Personen, 340,08 ^"ror mehr als der Jahresdurchschnitt der letzten für Mo Z Jahre. Aus Rußland kamen 291,000 Personci leiten darunter 74,000 Inden. Von den jüdischen Einwanderern haben etm 59,000 Personen, also fast 60<yo, die Stadt un den Staat New Jork als Endziel ihrer Reise a« gegeben. Unter den jüdischen Einwanderern, di das 14. Lebensjahr überschritten hatten, befände sich 16,000 Analphabeten.*) Schon dara« Fran Frankfi *) Diese Zahl kann nicht gut stimmen. D. Redalt. itiftatrs

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