Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 15 (20.4.1914)
- Date
- 1914-04-20
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2692297-2692872-2692887--08390-2703529- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Rr «-«»WO Frankfurter -7- , '-«k. .»< ä#, ^,.- *.• 'ijf C- ' faßt wurde, ist getragen Hon jenM Merkuuff innerer LdümGcheit. und Unanständigkeit, das noK stets den Antisemitismus gekennzeichnet hat. Der' diese „fungteutschen" Helden nicht den Mut haben, sich offen zum Antisemitismus, zu bekennen, .erklären sie, .dich, sie Lrunüsätzlich es nicht dulden werdest, daß Vereine Juden prinzipiell von der Aufnahme ausschließen. Dagegen lehnt es die Leitung Entschieden ab, die Freiheit der Vereine irgendwie zu beschränken und etwa einzugreifen, wenn von Fall zu Fall Juden ausgeschloffen werden. Wir glauben, jetzt werden auch die liberalen Juden cinsehen, was der Wandervogel ist, und jetzt wird wohl kein deutscher Jude mehr den Mut besitzen, zu verlangen, daß, die jüdffche Jugend noch ferner-; hin im Wandervogel verbleibt. Schreibt doch seihst ein Blatt, das so heftig gegen jede jüdische Sonder-, bestrebung aufzutreten Pflegt, wie die „Frankfurter Zeitung", daß nun wohl fein Jude, der etwas auf sich hält, sich dem Entscheide aussetzen wird, ob er die Gnade des Wandervogels finden wird. Der Jude, der jetzt noch im Wandervogel verbleibt, der jüdische Vater, der jetzt noch seine Kinder diesem Verbände angehören läßt, find fürwahr Menschen, die keine beffere Behandlung verdienen wls die, die der Wandervogel ihnen zuteil werden läßt. Für jeden deutschen Juden aber, der noch einen Funken von Ehre und Selbstbewußtseiu im Herzen hat, gibt es jetzt nur eins: Heraus aus dem. Womdervogel und hinein in die jüdischen Wanderbimde. Dies ist die einzige Art, wie wir Juden auf die schmachvolle Resolution der Hauptversammlung reagieren nrüffen. Die freie Natur steht Men offen, die Segnungen des Manderns können jedem zuteil werden, wir pfeifen auf den Wandervogel und überlassen ihn imgestört der Pflege seiner Raffeneigentümlichkeit. In den meisten großen Städten Deutschlands bestehen berctts jüdffche Wanderbünde, wo iwch keine find, werden sie jetzt gegründet werden nrüffen, und hoffentlich wird sich ihnen die gesamte jüdische Jugend anschließen. Ein starker, mächtiger jüdischer Wandepbünd, dies soll die Antwort sein, die wir den Helden des Wandervogels und ihren wüst antffemiüschen Heldentaten erteilen. Ider 5B itzA» 1%chgSb gr A-MeHe ijii e Habgehasten- V?. £ /. I S ‘£ f f £; 7 i »x Der? . BMdkMnMqabA H GymnasialdireÜor./ Hr. Ncuend 0 r f-Mülheim Muhr), der die Verhandlungen auch leitete, brachte nach einer eingehenden Begründung eine Resolution der Bundesleitung ein, die die Frage, wie sich-die „Wandervogel" - Vereine zur Aufnahme von Juden stellen, folgeirdermaßenxbeantwortet: Der „Wandervogel" (E. B.) ist auf Grund seiner Satzungen in politischer und konfessioneller Hinsicht neutrale Die Bundesleitung hat darüber zu wachen, daß die Satzungen beachtet werden. Sie kann also unter keinen Umständen dulden, daß von Gauen oder Ortsgruppen allgemein Beschlüsse gefaßt werden/ die dahin lauten, daß Juden grundsätzlich nicht aufgenommen werden. Sie wird alles tun, um zu verhindern, daß im „Wandervogel" die Religion oder die Rasse der Juden beschimpft werden. Anderseits denkt die Bundesleitung nicht daran, die persönliche Freiheit der einzelnen „Wandervogel" - Vereine cinzuschräuken. Sie lehnt es also entschieden ab, da einzugreifen, wo eine Ortsgruppe von Fall zu Fall durch Mehrheitsbeschluß die Aufnahme ab - lehnt. Die anwesenden Gauführcr schlossen sich einem Anträge des Gaues der Provinz Brandenburg an, dieser Resolution ohne jede Debatte zuzustimmen und gaben bis auf zwei der Resolution ihre Zustimmung. Der Vorsitzende gab seiner Genugtuung Ausdruck überdie rasche Erledigung des diffizilen Punktes. «O S3 g'"* S* o,g ft OO SܧoO®a -3 PS gS o g -wl„ « « - S Ä-r * 1 (Q Bi» ™, i *■§ K |, S 8, «4 Ms r; Si «S | ,3 f£ “ ZZ £ Sl M — g 2 § " E © n § J=> ** ® »io oft »iSEl» Kg; ® s4 \ ZL ZK i f g Perfouatte» «. Kleine WMeiluuge«. Berlin. Der Kaiser bewilligte Professor Dr. Ernst Sellin-Kiel aus dem kaiserlichen Dispositionsfonds zur Fortsetzung seiner Ausgrabungen der alten Stadt Sichern in Palästina 16 000 JL — Der Kriegsminister hat eine Abordnung des Verbandes der deutschen Juden zu einer längeren Unterredung empfangen. Gegenstand der Unterredung war die tatsächliche Nichtbeförderung von Juden zu Offizieren. Darmftadt. Dr. Jakob Horn, ordentlicher Professor der Mathematik, ist nach. Jena berufen worden. Lffeubach a. M. Den Borhof unserer neuen Synagoge wird ein Brunnen zieren, der dem Andenken Wolf Breideubachs geweiht werden soll. Wolf Breideubach, bekanntlich Hoffaktor des Fürsten von Isenburg, erwirkte zu Anfang des vorigen Jahrhunderts die Aufhebung des entwürdigenden Judcn-Leibzolls in den meisten Staaten Mttel- und Westdeutschlands. Der erste deutsche Fürst, welcher der Bitte Breidenbachs Gehör schenkte, war der auch sonst als tolerant bekannte Fürst Karl zu Isenburg, welcher in Offcnbach residierte und sin September 1803 den Leibzoll im Fürstentum Isenburg - Birsteiu abfchaffte. Andere deutsche Fürsten folgten aus Breidenbachs Bemühungen bald nach. Die Idee, den Namen des wackeren und verdienstvollen Vorkämpfers der Juden durch ein sichtbares Denknral der Vergessenheit zu entreißen, verdient daher Anerkennung und die Unterstützung weitester Kreise. (L.) Posen. Der Etat der jüdischen Gemeinde für das. Jahr 1914/15 balanziert mit 424 000 JL Speyer. Der jüngst im 76. Lebensjahre verstorbene Landtagsabgcordnete und Domkapitular Dr. Z i m m c r n war jüdischer Geburt. Die 7. ordentl. badische Laudessyuode. Im Mittelpmrkt der Tagung standen die Beratungen über die Forderungen der Lehrer, die schließlich zU deren Befriedigung erledigt werden. In der Etatdebatte hielt Dr. Simon-Heidelberg eine glänzende Rede, in der er tadelte, daß Nichtlinienbekenner zu der obersten badischen Religionsbehörde zählten, wahrend doch verfassungsgemäß das alte Judentum vom badischen Staate akzeptiert sei. Den anwesenden Vertretern des Richtlinienjudentums war tS sehr unangenehm, dieses Thema hier behandelt zu wissen, wie Geh. Regierungsrat Meyer offen zugab. Rechtsanwalt Kassewitz unterstützte Dr. Simon tatkräftig. - - Es wurde noch eine Resolution auf Vergrößerung der Zn hl der Synodalabgeordneten angenommen sowie zwei Petitionen des Vereins zur ILahrung der Interessen des gesetzestreuen Judentums in Baden „durch -entsprechende Erklärungen" des Oberrats stattgegebkm. Me bezweckten a) Zuständigkeit der Rabbirren bei Trauungen und lr) Erteilung des. Religionsunterrichts von religiösen Lehrern. Die Synode stand unter deni Zeichen , der Einigkeit, bei ollen vorhandenen religiösen Gegensätzen lassen sich gemeinsame Arbeitspunkte finden und zur Befriedigung' lösen. Das habe diese Synode gezeigt, so betonte der Miucherialkommissar in seinem Schlußwort. Präsident der Synode war G old schmid t-Mannheim, Vize-Präsident Dr. Pfalz er-Weinheim: In den Synodalkälsschuß wurden gewählt: Dr. Pinkus-Heidelberg, Bauer-Mannheim, Dr. K a n de r - Pforzheim und Dr. Kassewitz-Freiburg. itt» alter Weü. DeatWer Mich. Aravkftrrt *. ». L. Unter Beteiügung von über? 2000 Mitgliedern der „Wandervogel" ^Vereine wurde hier Aus -er Lehrerwett. Sörlitz. Rabb. Dr. Freund erhielt anläßlich seiner Pensionierung — er ist jetzt 85 Jahre alt — den RotenAdlerordenZ. Klasse mit der Schleife. Aus de« Vereine«. Berlin. Das Jaffa'sche Fürsorge und Waisenheim der Großloge für Deutschland VIH U. O. B. B. veröffentlicht seinen 5. Bericht. 21 Zöglinge hatten in dem Heim ein zweites Elternhaus gefunden. Für die Aufnahme kommt nur der Grad der Bedürftigkeit in Frage; Ausländer finden ebenso Berücksichtigung wie Inländer, Auswärtige wie Ortsangehörige. Der Plmr der Erbauung eines eigenen Hauses konnte infolge der fehlenden Mittel bisher nicht ernstlichin Erwägung gezogen werden. ' Ei« Gelübde. Roman aus dem jüdischen Gemeindeleben. Von S. Lutz-Mannheim, (Entsetzung.) 15. Kapitel. ' „Aus. und .zur Ruh", sagte Josef gemütlich, qls' er sich den Sabel..abschnallte. und die weiße Binde vom. Prme.streifie,. .„jeft wollen, wir..essen , und unfern Seder weftergeben. Rähel, bringe die Suppe hercm,' lvenn auch die Klößchen verkocht sind." ' Nr. 15. „Söll!^h die Haustür zuschließen?" ftagteiMoristhe, der Meschores. - 7 - ' „Stuß! Das iväre mir ein schöner-, Sü>er! Nein, die Haustür bleibt offen, uird wer mit uns Pesach feiern will, der komme und feiere mit, und wer Hunger hat, komme herein und setze sich mit unsan den Tisch, das wollen wir nicht beim Beginn des Seder umsonst gesagt haben." Die Frauen konnten sich nicht so rasch beruhigen, der Löffel zitterte noch immer in ihrer Hand, als sie dem Festtag zu Ehren sich zum Essen zwingen wollten, Josef aber aß so ruhig, als wenn er eben einen Spaziergang gemacht hätte. Bon Zeit zu Feit glitt ein Lächeln über sein Gesicht, als ob er an etwas recht Spaßhaftes denke. Da klingelte die Haustür, und der Stent an dem quietschenden Türschließer hatte sich kaum gesenkt, als, ohne anzuklopfen, jemand die Tür zum Wohnzimnier auftiß. Rüben Stern kan: atenrlos herein, blieb aber i» der geöffneten Tür starr vor Verwunderung stehen, als er die Familie so ruhig am Sedertisch sitzen sah. „Ihr eßt? Ihr könnt essen?" rief er, „und mir zittern noch alle Glieder." „Warum? Es ist doch alles vorbei?" antwortete .Josef. „Nimm es mir nicht übel, Josef, das, verstehe ich nicht, warum Du deii Simon verhaftet u»td ins Gefängnis geworfen hast, mein Samuel ist ganz außer sich." Bei diesen Worten sprang Rahel auf, und die Hände auf den Tisch stützend, stand sie dä, bleich wie das auf dein Tisch liegende Tuch, als ob alles Blut aus ihren Adern gewichen wäre. „Das hast Du getan, Vater? An dem bravsten und besten aller Menschen hast Du Deine Privatrache ausgeübt, weil Du mit ihm öder seiner Familie irgend etwas gehabt hast? Nein, eine solche Schlechtigkeit hätte ich Dir nie zugemutet." „Du scheinst sic mir aber doch zuzutrauen," antwortete Josef ruhig, „ich kann ja stolz sein ailf eine solche Tochter." „Hast Du ihn nicht ins Gefäitgnis gebracht?" „O ja." „Dann gehe ich sofort hin zu seinen Schwestern." „Du bleibst uiü> setzst Dich." „Aber warum hast Du cs getan?" fragte Rüben. „Erkläre es, ich verstehe cs nicht. Ist es das, was der alte Leib, Friede sei mit ihm. Dir gesagt hat, 'Dn solltest immer geradeaus gehen?" „Nein, das nicht." „Nuir, dann sage, tvarum Dn cs getan hast, cs bebt alles in nlir." . > „Es ist das andere, was der alte Leib gesagt hat, daß man im Krieg auch einem Balken ausweichen oder drübcrspringen muß, ich glaube, es war das Gescheiteste, was ich heute abend getan habe." „Ich will cs ja gern glauben, aber erkläre es mir, ich kapn mir keinen Grund denken." „Du glaubst doch nicht, daß ich ihn ins Gefängnis f gebracht habe? Für so dumm wirst Du mich doch nicht halten! Ich habe ihn nur. in das Haus des Gefängniswärters' gebracht und habe dem Gefängniswärter gesagt, der Herr Gottschalk solle in seinem Wohnzimmer so lange sitzen, bis sich die Leute von der Straße verlaufen haben. Es ist' nur zu seiner Sicherheit, in einer Stmrde kamr er nach Hause gehen, und „dann bau gut" habe ich noch zu ihtzt gesagt und bin fort. Der Nachbar Bundschuh hat sich beinahe schief gelacht, weil ich die Sache so schlau angefangen habe." „Es war rnirktich gescheit," sagte Rüben. „Natürlich," lachte Josef, „nwrgen früh, wenn erst die Untersuchung anfängt, will keiner der böse Mann gewesen sein, und keiner will verlangt haben, daß ich den Simon verhafte oder sie würden ihn totschlagen. Du wirst sehen, die Schlimmsteir werden es mir noch danken, daß ich es so gemacht habe, es ist gar nichts Böses geschehen, er war eigentlich gar nichtverhaftet." In der Tat sagte am andern Tage der höchste Beamte des Kreises nach Beendigung der Untersuchung: „Der Rottmeister Heilbrunn scheint mir der Gescheiteste von . Lochstadt zu sein, seiner Ruhe ist es zu verdanken, daß nicht mit schweren Strafen zu belegende Taten begangen worden sind " Er sollte aber auch gleich nach Beendigung seines Berichtes einen Dank erhalten von seiner eigenen Tochter. Die bleiche Rahel wurde Plötzlich wie mit Blut übergössen und stürzte ungestüm' ans ihren Vater los; wirf "seine Hand ' zuerfassen. ' sches Dir, der l jagte^ über Limo Man, junge verga lieber 5 das meint jübifc Man> Müll Leute behau worin daß „ich gefall des % Abcn , sagte jungt ruhig hätte anbei gesag Esser von verg, Lämi Und „die geger der und befrei den Eins, geitui Äesck schon erster lutio die , ihn zu c wie Rech gehn! sich Gegr leum cinse in i Gesck Rück * 3 4776 ^38031 71^874