Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 15 (20.4.1914)
- Date
- 1914-04-20
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3tei 15. Frankfurter Israelitisches FamilienAatt. Colt 3. Jed. Art n. Freist aga kauft man gntnnd preiswert Im Traurlag-Eck "WB Frankfurt o.3T , Trierlsche Gasse 31 Ecke Töogesgasse,vlsa-vls d. Hasengasse. Pt* Plairanh Uhrmacher *4» riCloaljUjand Goldarbeiter. I „Vater, verzech!" rief sic, „daß ich etwas' Falsches von Dir. gedacht habe, und dann danke ich Dir, daß, Du dem Simon so geholfen, er ist wirklich der beste Mensch, den es gibt." „Na, na, na, es gibt noch mehr gute Menschen," sagte Rüben Stern. Rüben überlegte' auf dem Heimweg, da er jetzt über die Revolution und auch über das Schicksal des Simon beruhigt war, daß Rahel sich doch des jungen Mannes wärmer angenommen habe, als cs bei einem jungen Mädchen erwartet werden konnte. „Die Rahel scheint nrir ein wenig in den Simon vergafftzu sein," meinte er zu Hause gegen Samuel. „Das, weiß ich," sagte Samuel zu seines Vaters Ueberraschung ruhig. Rüben überlegte noch, als er schon im Bette lag, das auffällige Benehmen Rahels. „Habe ich doch in meinem Leben nicht gehört," sagte er sich, „daß ein jüdisches Mädchen sich so begeistert über einen jungen Mann ausspricht, das hätten doch unsere Frauen und Mütter nicht getan." Rüben verfiel i« denselben Fehler, den alle älteren Leute machen, wenn sie, die eigene Jugend vergessend, behaupten, daß die junge Welt jetzt ganz anders geworden sei. Auch von Samuel kam es ihm merkwürdig vor, daß er den Bericht über Rahels Rede so kalt. mit „ich weiß" ausgenommen, da er doch früher solch Wohlgefallen an ihr geftmden, und David chm im Lause des Winters wiederholt erzählt hatte, daß Samuel jeden Abend nnt Rahel im Hause, Simons zusammenkam. „Merkwürdig sind die jungen Leute von heute," sagte^ Rüben, „die Mädchen erklären sich offen für einen jungen Mann, und die jungen Liebhaber hören das ruhig an. Wenn mir einer in meiner Jugend gesagt hätte, das Mädchen, das Du gern hast, scheint einen andern zu lieben, ich hätte nicht einfach „ich weiß" gesagt, ich wäre fuchsteufelswild geworden." Im Hause Josefs ging es ähnlich zu. < Nach Rubens Entfernung genoß man ruhig das Essen, sang die noch fehlenden Psalmen und Lieder von den hehren Eigenschaften des Allmächtigen und vergnügte sichzum Schluß mit dem Lied von dem Lämmchen, das der Vater für zwei Gulden kaufte. Und dann saßen Josef .und Sara noch allein zusammen. „Ist das unsere bescheidene Rahel?" fragte Josef, „die sich für einen fremden jungen Mann so einsetzt gegen ihren eigenen Vater?" „Du bedenkst nicht, daß sie aufgeregt war wegen der drohenden Revolution, durch die Angst nnt Dich und um Marianne und Regine, mit denen sie sehr befteundet ist." . . ~ Josef schüttelte zweifelnd den Kopf und schüttelte den Kopf noch für sich allein, .als er schon halb im Einschlafen zu Bette lag. 16. Kapitel. Simon konnte sich am ersten Tag Cholhämoed nicht genug wundern über die vielen Kunden, die in seinem Geschäft erschienen, sowohl von den Bürgern, die ihn. schon früher ausgesucht hatten, als von solchen, die zum erstenmal seinen Laden betraten. Gar viele hatten durch die merkwürdige Revolution und deren ebenso merkwürdigen Ausgang über die Voreingenommenheit nachgedacht, welche sie gegen ihn gefaßt hatten, und sie fingen nach und nach an zu erkennen, daß Simon bei Abschluß des Wechselkaufs wie auch bei der Forderung gegen den Schmied im Recht sein könnte. Nachdem erst einmal einige den Mut gehabt hatten, diese Meinung zu vertreten, bekannten sich immer mehr und mehr der bisher entschiedenen Gegner zu derselben vernünftigen Ansicht. Wie "Verleumdung ansteckend wirkt, ist es auch bei der Wiedereinsetzung in den guten Namen der. Fall, namentlich in den engen Verhältnissen der Kleinstadt. Das war gut für Simon, nicht nur wegen seines Geschäfts, in dem der plötzlich eingetretene bedauerliche Rückgang fast plötzlich aufhörte und sich in blühendes Christ. Wilhelm Leux Telef. 1, 8667. 'Hoflieferant. Goethestr. 21. Herren*:, üöamanr tü li^ireesclmeidöf ei. Spezlal-Sportgeschätt. Anf Wunsch koschere Verarbeitung. Cafe Kai sei* gar teh am Opernplatz Erstklassiges Famillen-Caf e ========v; Nachmittags Konzerte.' Fr. Hanselmann, Besitzer. Gedeihen wandelte^ ^sorchernauch deshalb, weil man ihm auf der Straße wieder .freundlich-, begegnete. Die Wolksglinst war jetzt besonders wertvoll für ihn, weil gleich nach Pesach der Termin der Eidesleistung im Prozeß Äottschalk 'kontra Müller stattfinden sollte. Einen Tag vor dem' Termin kam Simon nachmittags zum Lehrer der-Gemeinde.' „Ich brauche eine Eidesbelehrung," sagte er, „hier sind meine 1% Groschen, wollen Sie mir gefälligst bestätigen, daß ich" ... „Nur langsam," antwortete der Lehrer und schob sein schwarzes Samtkäppchen zurück, daß es ganz auf dem Hinterkopf saß. Er starrte Simon ins Gesicht, mit seinen scharfen, schwarzen Augen, die auf den Beschauer einen besonders tiefen Eindruck machten, weil fie aus dem mit einem weißen Bart umrandeten Gesichte. düÄh^.dietzlgeMiA Jdjttmtgen, dichtanliegenden, seidenartigen Augenbrauen auffallend!-, hervorstächen. i,>Erzählen Mie . Hir^> einmal, -den Prozeß: ganz ge* «au von vornH an," Mganner: mache einigen : Augenblicken scharfer tBeobckMung; r " " i „Was isk W ^zuD Wählen? Sie-- kennen' die Geschichte so gut wie jeder-anderehier:"- „Jch " kann Ihnen keine EideMelehrung geben, ehe Sie. mir mch^.ganzMenach»dcn Prozeß erzählt, haben." Eigentlich ging Men Lehrer dcr Prozeß gärnichts' an, er hatte als LehrerÄ am -Amtssitze dom Staate, nur den Auftrag, jeden Juden äus 'dein Amtsbezirke, der am Amtsgericht von. Lochstadt einen Eid abzuleisten hatte, über die Wichtigkeit und Heiligkeit, des Eides zu belehren, gerade so wie der Pfarrer den Auftrag hatte für die - christlichen Eiiümhner des Bezirks. Durch Fragen konnte er sich 'überzeugen^ ob der Nachsuchende sich wirklich HersHMgWOdMEidDZbewußtwar, und hatte, dann die stattgefundene Belehrung zu bescheinigen und mit seinem Namen und einem vom Staate zu diesem Zwecke, verliehenen 'Amtssiegel zu bestätigen. Hatte er irgend eisten Zweifel an dem Eide selbst - oder an der Gewissenhaftigkeit des. zum Eid Verpflichteten, so konnte er beim Amtsgericht verlangen, daß dem Manne nochmals an Gerichtsstätte eine zweite eindringliche, mündliche Belehrung zuteil wätd. Die Taxe betrug . 7.V2 Silbergroschen, ganz'- gleich, ob.ernur: die stattgchabte Belehrung schriftlich bestätigte oder noch einmal an Gerichtsstätte einen zweiten Vortrag hielt. Der Lehrer von Lochstadt hatte nun die Leute so -gewöhnt, daß er keine Eidesbelchrung erteilte, ehe ihm nicht der Prozeß haarklein erzählt war, und er c N. ROSENAU "Englische Herren - Schneiderei IO Soetlmtraan Hk Vornehme Ausführung. Massige Preise. Universitäts-Gate ■**BSSW' ■ . Erstklassiges Familion- Oafö. - ■V“ Mässige Preise. Besitzer: Emst Dwilrfll. Eingesandt. wich' auch« nichts, von.Mieser GeMhnheft, wenn der Prozeß allgMkKMKWKMHMWSMÄWNEM Simons. .;;;,Sie wissen doch, Herr -- Lehrer,l: daßich es nicht leichtnehme, schon wenn ich eine Versicherung gebe ohne? Eid, um wie viel'weniger, wenn . . .";,Ganz gleich, Herr Gottschalk, es ist bei mir Grundsatz, -daß ■ ich mir selbst ein Urteil über den Inhalt dessen bilden kann, was beschworen werden soll." ....... Simvn erzählte. . s.. „Alsch" sagte der Lehrer,nachdem^ «st -ihn ruhig angehört stAtte,. „Sie .KirnÄj gestimmt-(heschwörm, daA Sie den' Mechsest Jhrew- Schwestern . nur. aiwertrauien mit RücksichlMuft' her ' eigenen Wohnung." ‘ „Ganz bestimmt." -. .; ... I,Sie hätten Deii^rÄechsel^ nichst am V./ November; .nochmals in Dingshausen vorgezeigt oder vorzeigen lassen?" „Sicher nicht,' denn das hatte ich gar nicht nötig, «das Geld war durch Aussteller und Atzeptanten vollständig sicher, ich hätte ja gar nichts riskiert, wenn der Wechsel bis mittags nicht eingelöst ivorden wäre, 'ich Lunte ihn doch mit größter Seelenruhe zu Protest gehen lassen." " ■■ - . y;; :i f , ,t-' . brunnnte ' der ''Lehrer/ * und ' sprach dann über die Sünde des Meineids und des unnötigen Eides. -Simon sagte "-das - dritte - Gebotdeutsch und- - hebräisch Karlsruhe, 8. April 1914. Geehrter Herr Redakteur! In Nr. 12 Ihrer Zeitschrift veröffentlichten Sie ein .„Eingesandt" des Herrn I. Lr. P.» das sich mitder „Mezizoh" beschäftigt. Ich traute tatsächlich im ersten Moment meinen Augen nicht, als ich da folgende - Behauptungen las: 1. Aus der Gemoroh gehe „unzweideutig" hervor, daß die Mezizoh nur wegen „Refuoh" äugeorduet worden sei. und daß deshalb auch jedes andere Mittel, wie' z. B. schwamm und'Watte den gleichen Zweck erfülle; 2) der Chasam Sofer hätte bereits die Benutzung der Watte gestattet; 3. R. Jizchak Elchanan. der ursprünglich das „Gläschen" empfahl, habe dieses bald darauf vom Gebrauche ausgeschlossen und direkt Watte eingesührt' 4. das Wilnaer Beth - Din, au'dessen Spitze - R.' Salomo Hakohen, habe gleichfalls die Anwendung der Watte gebilligt. All dies hat aber der Herr Einsender schon vor Jahren behauptet, und obgleich dessen völlige-Unrichtigkeit in meiner Broschüre: „Sie Ausübung der Mezizoh" Pimkt für Punkt auf Grund einwandfreier Dokumente nachgewiesen wurde, wiederholt er nnbegreiflicherweise auss Neue dieselben Behauptungen. Die verehrtichen Leser aus meine ausführlichen Darlegungen in der erwähnten Abhandlung verweisend, -gestatte ich mir bloß in aller Kürze aus derselben Folgendes festzustellen: -Ick 1. Unter vielen anderen Gelehrte» haben keine geringeren Gaonim als Rabbi Mordchai Fasse und Rabbi Jakob Ettlinger, die doch wohl an ch die Gemoroh verstanden, bie Mezizoh für einen „religiösen" Bestandteil des Miloh-Aktes bezeichnet; 2. der Chasam Iofer hat lediglich in einem ganz bestimmten in Wien' sich zugetragcgcn Falle die Zulässigkeit der Watte — und auch dies nun unter Vorbehalt — eiiigeräuiut: ad 3. R. Jizchak Elchanan hat weder jemals das Röhrchen'abgelehnt, noch jemals den Gebrauch der Watte oder des Schwammes generaliter gestattet. Aehnlich, wie einst der Chasam Sofer, sah sich auch R. I. Elchanan bei Erkrankung eines der tüchtigsten und angesehensten Mohelim Kownos gezwungen, diesem zu erlauben, sich des Schtvammes bei der Mezizoh zu bedienen; '4) Rabbi Salonio Hakohen bezeugte feierlichst, daß Wilnaer Mohelim auf Drängen der dortigen Aerzte zur Einführung der Watte gedrängt wurden, was aber weder seine Zustimmung. ikkich die seiner Amtskollegen erhielt- Wenn nun der Herr Einsender zum Schlüsse noch berichtet, „er habe iiizwischen „Haskomaus" von zahlreichen Gedaulim und Gaonim erhalten, die wahrlich größere Autoritäten sind, als wir sie in Frankreich und Deutschland besitzen." so darf ich dies natürlich nicht bezweifeln, nur glaube ich demgegenüber darauf Hinweisen zu sotten, daß in meiner Broschüre S. 19 dreißig anerkannte gelehrte Rabbonim und Mohelim aus den verschiedensten Teilen Rußlands namhaft gemacht sind, die die: Mtzzftoh durch Watte als reinen Jjsur gomur, als eine flagrante : Verletzung des vieltausendjährigen Minhag Jisroel ans das ällerschärfste verurteilen. Hochachtungsvoll Rabbiner Dr. Schiffer. Neu eröffnet! der - Lehrer einen großen Äktenbogen nahm . und sich anschicktej die statkgehMte EiÄÄelehbttmg-zu bescheinigen. ..(Fortsetzung folgt,) :- ‘Telefon-Anlagen FranhfartevPrivat-'felefoii'CtcsellscIiaft Frankfurt (Main) . .- m.K H. Stiftstrasae ".•nsarf r**5v »orx r - - Tel.-Amt Hansa '6256 n. 6257; Eeke Kaiserstrasse and Moselstrasse. Franz Krist* ' aparte neue Muster, französische Bindeart. NTaturpräp. Kränze In grösster Answahl. Wolsch endorff Keissner 38 Tongeagana« 3ft __ r Spezialität: VMM». Francke & Weber 6r. Friedhergerstr. 7—11 Tel. Hansa 4095. Damensohnolderet empfehle tadellosen Sitz, gute Verarbeitung. Br. Eachenhelmerstr. 19, I. Telef. 1220b. , I ■" \! i : I )!! '*! :! I Offenbaoher Pmeklnfl- A nlage I ■ Iffnnhneh n. M. Telefon 183. (Anschluss nüfcFhmkfart}. I | Bewährteste Tapplchrfllnfaans (100,000qnt jährlich) I ■sowie uhabertKoffone Bnttann.Bsttfadaravalnl-I Lmh gang mittelst Druckluft and Waaserdampf.