Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 13 (3.4.1914)
- Date
- 1914-04-03
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite ü. Frankfurter Israelitisches FarnilienAatt. russische Kultur m all diesen Mängeln und' Lasten krault, weil es Me spezifische Eigenart ist, stets nur die „Spitzen zu ergreifen" (nach den Worten eines großen Russen) bei Ermangelung jeglicher elementaren Basis, weil das Fehlen alles Ordnungssinnes uNd aller Disziplin, weil Halbheit und Kulturlosigkeit in den elementaren Voraussetzungen der Kultur einerseits, die Vorliebe für das Extreme und Uebertrieb'ene andererseits, das Russentum charakterisieren und bestimmen, ist auch der jüdisch-russische Intelligenzler zu jenen Zwitterwesen, zu jenem Mischlingsprodickt aus höchster Blldüng und noch unentwickeltem) niederem Kultursinn geworden, als das er uns heute so häufig erscheint. Nirgeickis hat die Assimilation wohl traurigere Resultate gehabt wie in Rußland) weil wir Juden uns nirgends aU eine bei allem Ideenreichtum int einzelnen iM Grunde doch so minderwertige Kultur assimiliert haben wie in Rußland. Aus dieser Erkenntnis der Psyche des russischen Judentums entsteht als praktischespostulatorisches Resullat ein ähnliches Problem für uns Juden, wie es sich aus der Erfassung der russischen Kultur und des russischen Wesens für Masaryk, für Europa überhaupt ergibt. Mit tiefem Blick für das zentrale Problem der russischen Kultur hat Masaryk sein Werk: „Rußland und Europa, genannt. Das Verhältnis Rußlands zu Europa in der Vergangenheit, im Sinne einer Forderung gefaßt: Die Aufgabe Rußlands für die Zickunst, vollwertiges Europa zu werden, ist tatsächlich das Grundproblem der russischen Enüvicklung. Und ebenso ist es, von dieser Seite gesehen, auch die dringendste Aufgabe der russischen Juden, sich über die russische Kultur hinaus zu vollwertigen Europäern zu entwickeln; nach den Spitzen, die sie bereits ergriffen, nun auch die Grundlagen der europäischen Kultur zu erfassen, nicht nur Wissen und Bildung in.sich anzuhäufen, sondern im Wesen und Gebaren, im Tun und Denken sich die elementaren Tugenden der europässchen Kulturmenschheit anzueignen, , eingedenk der großen Grundregel aller wcchren Kultur: daß leAen Endes Kultur nicht in der Aneignung von mehr oder weniger Ideen und Wissensirchallen besteht, sondern in der innerlichen Aufnahme von kulturbildenden Eigenschaften und Lebensformen, daß mit einem Worte Kultur kein Haben, sondern ein. Sein bedeutet. m* — &«(£§£§ oi aA * - B-i «=»«*=»£5 1?» og#fl«a is s-e s« «•*# ® 's gs=: § s^Jg-ss 2 £-t t-rrm o «g 2 . 5S, Q ® § eo (B 0*0 2 2 Hs*Ä « . . Ans de« Ereignissen des Tages. Der 3. Kongreß -er Italienischen zugend. Vorige Woche ist der dritte Kongreß der jüdischen Fugend Italiens zu -Ende gegangen, der einige Tage in Rom getagt hat. Dieser alljährlich stattfindende jüdische Jugendkongreß pflegt -er Höhepunkt des inneren Lebens des italienischen Judentums zu sein, und es ist wohl noch bekannt, welch großes, freudiges Aussehen der erste Kongreß hervorgerufen hat, der vor zwei Fähren stattfaud. Es klang dem Judentum aller Länder damals wie eine Offenbarung, wie die Offenbarung von einem Telle unseres Wilkes, den schon viele für verloren, für dem Untergänge preisgegeben geglaubt hätten, und der nun plötzlich ein neues, lautes Zeichen seines Wiedererwachens und seiner.Wiederbelebung gab. So Neu und überraschend kam dieses Zeichen, daß viele ihm nicht recht trauten; man hielt diesen ersten Jügendkorygreß für eine künstliche, von einigen wenigen arrangierte Demonstration ohne innere Bedeutung, man glaubte, daß der erste Kongreß auch der letzte bleiben würde. Das Mißtrauen der Ungläubigen wurde Lügen gestraft. Es folgte ein zweller Kongreß, und nun ist auch der dritte zu Ende gegangen. Und von Kongreß zu Kongreß) in der kurzen Spanne eines Jahres, machte, die Regenerationsbewegung wunderbare Fortschritte; immer weitere Kreise, des italienischen Judentums wurden von ihr erfaßt, und jetzt beim dritten Kongresse waren be-, reits fast alle jüdischen Gemeinden Italiens vertreten, und ein guter Teil der besten Köpfe des italienischen Judentums nahm Anteil an seinen Beratungen. Dieses rasche Fortschreiten und Umsichgreifen der Bewegung ist der.beste Beweis für ihren natürlichen organischen. Charakter, ist der beste Beweis dafür, daß sie aus innerem Bedürfnisse des italienischen Judentums entstanden ist und daher die schönste Zukunft vor sich hat. Auch innerlich hat sich die Bewegung mächtig entwickelt. Was auf dem ersten Kongreß in Erscheinung trat, war noch in seinen Zielen und Bestrebungen recht unbestimmt. Man hörte aus allem- .was dann gesprochen und' beschlossen ward, den guten, begeisterten Willen heraus, aber man merkte, daß selbst die Führer der Bewegung über ihre positrven Ziele und praktischen Mittel und Wetze noch nicht klar waren. Bereits der zweite Kongreß bedeutete einen guten Schritt vorwärts, brachte schon eine gewisse Klärung und Reifung. Und man erkannte bereits da schon den natürlichen, innerlich notwendigen Entwicklungsgang der Bewegung; sie konnte gar nicht anders, als zum Zionismus hin sich entwickeln. Diese Strömung, die aus tiefen Bedürfnissen, aus tiefer Sehnsucht der besten unter den italienischen Juden nach Judentum geboren ward) konnte sich Nicht mit halben Dingen, mit Inkonsequenzen und Widersprüchen begnügen, sie mußte im ganzen, geschlossenen, radikalen Ideal des Zionismus ihre Parole und ihr Ziel finden; und so kam es. Bereits der zweite Kongreß war in seiner Stimmung vorwiegend zionistisch orientiert, und der dritte war es ganz und gar. Die Referate, die Debatten, die Beschlüsse, der Geist, der den Kongreß beherrschte, alles war durchaus zionistisch und hebraistisch. Weder die „Agudas-Jsvoel", noch gar das liberale Juden-' tum mll seinen Halbhellen und Widersprüchen vermochten die Teilnehmer des Kongresses irgendwie zu begeistern oder nur für sich einzunehmen!; ihre ganze Begeisterung galt den zionistischen, nationalen Idealen. Dies hat sich ja in der Resolution, in der das Programm der Bewegung festgelegt wurde, aufs deutlichste gezeigt: Hebung des nationalen Selbstbewußtseins) Verbreitung der Kenntnis der jüdischen 'Geschichte und Literatur, eifrige Pflege der hebräischen Sprache und Unterstützung der palästinensischen Kolonisation) das sind die vornehmsten Punkte des Programms, und die Santmluno für den palästinensischen Schulfonds, die am Schluß veranstaltet wurde, heweist auch praktisch den durchweg zionistischen Standpunkt des Kongresses. Mit diesem Standpunkt hat die jüdische Jugendbewegung Italiens) die aber eigentlich mehr als dies ist, vielmehr alle positiv jüdisch bewußten Elemente innerhalb des italienischen Judentums umfaßt, die feste Basis gefunden. Was noch kommen muß) ist ein Fortschreiten der inneren. Klärung, eine zunehmende innere Reife, der Büginn der praktisch-positiven Arbeit, aber wir zweifeln nicht, daß gll dies bald kommen wird. Nachdem nunmehr die Zeit des Suchens und Tastens vorbei und die Bewegung sich über ihre Ziele und Bestrebungen zur Klarheit gelangt ist, wird die eigentliche praktische Arbeit bald einsetzen. Jedenfalls steht dies heute bereits fest: die Regenerationsbewegung innerhalb des italienischen Judentums ist kein leerer Schein, sondern eine große, bedeutsame Tatsache. Wie bedeutsam sie ist,, versteht jeder, der die innere Lage des italienischen Judentums vor .10 und '20 Jahren gekannt hat; das Wiedererwachen dieses schon str das Judentum verloren geglaubten Teiles des jüdischen Volkes grenzt beinahe an ein Wunder; xs stellt den schönsten Beweis für die ungebrochene Lebenskraft unseres Volkes dar und gibt die beste Hoffnung für die Realisation unserer nationalen Ziele und Ideale. Die Tachkemonischule \n Jaffa. Im Anschluß an den Artikel von Herrn Nachum Goldmann über die Tachkemonischule (Die Schulen Palästinas, Artikel III) ist uns von dem geschästsführenden Ausschuß in Antwerpen. ein Schreiben zugegangen, dem wir das Wesentliche in folgendem entnehmen: „Der größte Teil der Bemerkungen Goldmanns bezieht sich auf eine Zeit, die ungefähr ein Jahr zurückliegt, und es handelt sich hier um älte Jaffaer Stadtgerüchte über, angebliche Zänkereien, die innerhalb des Lehrerkollegiums oder des Verwaltungskomitees vorgekommen seien. Es ist wohl unnötig, darauf zu antworten. Sdk. 13 daß 'diese Gerüchte nur auf unbedeutende Differenzen, ti ollegmm sie in jeder Schulverwaltung Vorkommen, zurückzust rstattete ren sind. ■ «c 9tu§s Was nun das Urteil Goldmanns bezüglich des Uni, «i richts und der Ordnung, sowie des früheren Leiters b iiohe sche Schule anbelangt, so erklären wir, daß nach Berich) & l0i5' von den verschiedensten Seiten (z. B. von Leitern anbei hingegen Schulen, Eltern der Schüler, zionistischen Führern u. tö M-, die Schule zu den besten und aussichtsreichsten Palästi» Mb l gehört, und daß der Unterricht sowohl in den hebräisch Jeflugel. als auch in den profanen Lehrgegenständen, sowie b ^usrten Ordnung innerhalb der Schule durchaus befriedigend ijt 1 Herr Nachum Goldmann läßt uns hier« folgende Erwiderung zugehen: in @U1„ Daß der größte Teil meiner Bemerkungen jj gaben fi auf eine Zeit bezieht, die ungefähr ein Jahr z> mit Jj rückliegt, ist natürlich richtig; daß aber die „T ^5* rüchte auf angebliche Zänkereien und auf und die deutende Differenzen zurückznführen sind", hal patausä ich auf Grund ineiner Kenntnis der Verhältnis murderi: die ich in zweimonatlichem Aufenthalt in Jas mir erworben habe, nicht für richtig. 1 Was den Unterricht und die Ordnung in Schule betrifft, . so habe ich lediglich auf Grüi dessen geurteilt, was ich dort gesehen und gehö habe. Aber es hat wirllich keinen Sinn) über Einzelheiten des damaligen Zustandes zU streit« Was gewesen, ist gewesen, und haß hie bisheri Entwicklung des Tachkemoni nicht zu jenen E folgen geführt hat, die man erwartet hat, wiMmrst i wohl auch der geschäftsführende Ausschuß nid mit der bestreiten wollen. Ich habe es im Interesse d, ■“? Schule für nötig erachtet, die Wahrheit ciitmi |r' die klipp und klar zu sagen, und ich wüßte nich jüdische wie dies ihrer zukünftigen Entwicklung schab Landes sollte, nachdem sie ja jetzt in an' Hände übergegangen ist und völljg r sichte organisiert werden soll. Ich habe in mein« verurtei Artikel öfters betont, daß die Tachkemonischul wurde auf Grund ihres Programms und ihrer 'Ziel ^0Itn' * „zu den aussichtsreichsten Schulen" i Palästina gehört und eine glänzende Z> kunft vor sich hat. Nötig ist nur, daß sie in de richtigen Weise organisiert und'daß .vor allem cd tüchtiger Direktor gefunden wird. Ich bin der fest« Ueberzeugung, daß cs dem neuen geschästsfiihrend« Ausschuß gelingen wird, diese Reorganisation ii dem nötigen Umfange durchzuführen und daß jh vollster Erfolg beschieden sein wird. Niemand wür! die Reorganisation und den Beginn einer glänzei den, erfolgreichen Entwicklung des Tachkemo freudiger begrüßen als ich. Denn gerade wenn ptai die Verhältnisse in. Palästina gründlich kennen gc] lernt hat, versteht man die ganze Bedeutung d« Tachkemonischule und die großen Aufgaben, di! sie zu erfüllen berufen ist. Nr. 1 beschloss! ein Augionsger tultusst eorg Keyer Gesetzes lönne u die Befr v Dii UM £C Aus aller Wett. SeatscheS Reich. Berlin. In der Repräsentantenversammlung der jül Gemeinde lag folgende Interpellation vor: „Ist den Gemeindebehörden bekannt, daß hundcri jüdische Industriearbeiter, die teilweise seit drei Jahr! zehnten hier wohnen, mit der Ausweisung bedroht finbj und was gedenkt der Gemeindevorstand zu tun, um bei wirtschaftlichen Untergang dieser Glaubensgenossen zi hindern?" Es handelt sich um die jüdische» Arbeiter der Zig rettenfabrik Garbaty - Rosenthal. In der Besprechung der Interpellation, schilderte bei Syndikus die Sachlage und die Bemühungen des Boi' standes bei der Regierung, mit der die Verhandlung« noch nicht abgeschlossen sind. Berlin. Das Hilfskomitee für die he me nitischen Juden teilt mit, daß bis Ende 1913 süi den Häuscrbau in Palästina Jk 261681.41 eingegangen sind, hiervon aus Deutschlaii über J6. 54000. Weitere große Zuwendungen, insbesonderi aus Amerika, sind in sichere Aussicht gestellt. ' Die Häuser können gegenüber dem ursprünglichen Pli etwas besser ansgestattet werden, da der Jüdische N»' tionalfonds, der den Bau übernommen hat, sich bereis erklärte, den Grund und Boden in Erbpacht zu geben, daß also die gespendeten Beträge, ganz für den eigentliche! Hausbau verwendet werden köimen. Bisher sind ca. 150 Häuser gebaut. Der Bau wc! tercr 100—120 Häuser ist für das Jahr 1914 beschlösse« worden. Da die Einwandermig der Jemeniten in Palästina noch immer anhält, sind fernere Zuwendungen brii“ gend erforderlich. Zahlstelle: Bankhaus Veit, Sclbcrg u. Cie., Berlin. Postscheckkonto 4396. (I<) Pose«. Geh. Kommerzienrat Herz gedachte der Repräsentanten fitz nn g des vor kurzem verstorbenen Rentiers Samuel Silberbev der seit 1892 dem Vorstande und 1890 dem Ravbinats So crwider Besuch, Besuch drehte wander des jü klärte I- Aucrbc bischen Zweck Kampf jung rials, cinheit gehen, Konfer klinisch der A 3> ist .rci | bie P letzten schöne, fuhr Urnfar, | Kisten erster I Konsto Deuts, Iber £ , hängi, Grups! znsam bentsck Markt dies - 192366 81^884