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Neue jüdische Presse · 1914-03-27 · Heft 12 (27.3.1914) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 12 (27.3.1914)
Date
1914-03-27
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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enu a . iSrantjurter MraeunWes ^amütenWatt. Rr. 12 gerechteste Md vernünftigste ist, und wenn es heute noch mch t -altzemein zur Herrschaft gÄangt istso hat dich zwei Gründe: die technischen Schwierigkeiten in seiner Durchführung sind — und dies ist der Hauptgrund — der Widerstand der gegenwärtigen Machthaber. In demselben Maße, als der Proporz eine Forderung der Gerechtigkeit ist, bedeutet er eine Schwächung der gerade im Besitze der Macht befindlichen Parteien und. Personen;, kein Wunder, daß die Ddajoritätsparteien überall und stets sich gegen die Einführung des Proportionalwahlrechts strauben, sodaß es stets nur nach schweren und .heftigen Kämpfen zum Siege gelomgt. Auch innerhalb des deutschst Judentums sind es die Liberalen, die ja in den meisten Großgemeinden das Heft in den Händen.haben, die den Proporz heftig bekämpften, und so bedeutet der Beschluß der Berliner Repräsentanz einen bedeutsamen Ersatz über die liberalen 'Machthaber. Vom speziell Mischen Standpunkt betrachtet, kann kein Zweifel darüber herrschen, daß die Einführung des Proporzes von den heilsamsten Witzen auch für das deutsche Judentum begleitet sein wird. Sie wird dreierlei bewirken: Zunächst wird sie eine Aenderung in dem heuttzen System der Gemeindeverwaltung, richtiger gesagt, in der heutigen Systemlosigkeit der Gemeindeverwaltung herbeiführen. Der Zustande daß einige wenige Notabeln die Gemeindegeschäste ganz nach ihrem Gutdünken erledige^ wird sein Ende nehmen müssen im Momente, da auch die Minoritäts- und Oppositionsparteien in die Repräsentanzen Einzug halten werden. An die Stelle eines willkürlichen und tätlichen Bürokratismus in der Leitung und Verwaltung der Gemeinden wird eine von der gesamten Gemeindeöffentlichkeit kontrollierte, parlamentarische Führung der Geschäfte treten. Damit zugleich aber wird das gesamte innere Gemeindeleben eine starke Neubelebung erfahren. Das Interesse der einzelnen Parteien und Richtungen qN den Gemeindemrgelegenheiten wird naturgemäß in dem Augenblicke steigen, .da sie selbst 2^ntet^ nehmen werden an der Gemeind eleitung^ die Wahlen zu den Repräsentanzen und .Ausschüssen müffen reger und lebhafter werden, wenn auch die Minoritäten sicher sind, daß, ihre Betelltzung an dem Wahl- ' kämpf ihnen sicheren Gewinn und positiven Erfolg bringen wird. Kurzum: die Einführung des Proporzes ist das beste Mittel, um der Lethargie und J'nteressÄosigkeit, die das gegenwärtige innere Lüben der meisten .Mischen Gemeinden Deutschlands charakterisiert, ein Ende zu bereiten und die Gemeinde wieder zur' zentralen AreNch zu machen, in der sich das innere Mische Leben abspielt. -Wer neben der Ermöglichung und Belebung der Richtungsstreitigkeiten -und Parteikämpfe, die eine natürliche und gesunde Fotze eines kräftigen inner- Mischen Lebens sind, wird die Einsthrung des Proporzes noch eine andere, die ungünstigen -Schattenseiten der ersten Wirkungen beseitigende Fotze haben: sie wird den. inneren Kämpfen ihre persönliche Schärfe und unfruchtbare Leidenschaftlichkeit nehmen. Immer, wenn Richtungen und Parteien zur ewigen Opposition verurtellt sind und nie die Gelegenheit zur positiven Mitarbeit haben, stellt sich eine unfruchtbare Verbitterung und Verschärfung der Gegensätze ehe Mit dem Moment, 'da mit Hilfe des Proportionalwahlrechts auch die Oppositionsparteien zur prakttschen Mitarbeit gezwungen sein werden, wird die unangenehme, unsachliche Schärfe und Erbtttermtz, die viele der heuügen inneren Kämpfe innerhalb des deutschen Judentums so ungünstig charakterisieren, schwinden und an ihre Stelle die Notwendigkeit gegenseittzer Achtung und eines gewissen gegenseitigen Verständnisses tretet müffen. Man sieht, von welcher Seite man auch die Frage des .Proportionalwahlrechts * bettachtet, immer erweist es sich als ein bedeutsames und heilsames Mittel zur Wiederbelebung und Gesundung des Mischen Gemeindelebens in Deutschland. Eines allerdings setzt die Anerkennung des Proporzes voraus:, den Willen zur Einheit. Nur wer auf dem Boden der Einhett des Judentums stcht und wem die Wahrung dieser Einhett eine hohe und heilige Pflicht ist, nur''der-wird die Einführung des Proporzes aufrichtig begrüßen können. Wer jedoch für Separatismus und Zersplitterung des Judentums kämpft, dem muß er naturgemäß ein Dorn im Auge sein. Denn kein besseres Bollwerk gegen Austritt und Spaltung gibt es als die Einführung des Proporzes. Wenn einmal die religiöse Autonomie der Orthodoxie innerhalb der Gemeinden gewährleistet ist — und nirgends ist sie heute gefährdet — pnd der Orthodoxie, auch da, wo sie Mtttorität ist, die Möglichkeit gelben ist, an der Verwaltung der Gemeinde teilzunehmen, dann ist für niemand mehr der geringste Grund zur Trennung' gegeben. Kein Wunder, daß den Vorkämpfern der Separation der Proporz sehr unangenehm ist. Es ist auch hier das oft gesehene Schauspiel zu beobachten, wie sich die extteme Neologie und die Austtittsorthoxie die Hände reichen; beide siird sie gegen den Proporz, weil sie beide eine gesunde Wiederbelebung der Gemeinden nicht wünschen; jene nicht, weil ihnen so die Macht zu entschwinden droht, die sie noch künstlich sich bewahrt haben, diese, weil eine Stärkung, des Gemeindelebens eine ebensolche Schwächung. ihrer eigenen Sache bedeutet. Diese Einsicht ist der eigentliche und wahre Grund ihrer Wlehnung. des Proporzes, die durch theoretische und religiöse Argumente keinesfalls begründet zu werden vermag. Denn welchen Verrat am überlieferten Judentum beginge der Orthodoxe,' der deu Proporz anerkennt? Tut er damit etwas anderes, .als daß er die Konsequenz daraus zieht, daß p mit Andersgesinnten im Interesse der Einheit des Judentums zusammen in einer Gemeinde ist, vorausgesetzt natürlich, daß.die religiöse Autonomie 'der Orthodoxie in den Gemeinden garantiert ist? Nur wer die Trennung für ein Gebot der Tradition erachtet, farot in der Anerkennung des Proporzes eine Lossagung von der Tradition erblicken. Dann aber erfordert es auch die Konsequenz, daß man den Neologen und nichtftommen Zionisten überhaupt nicht mehr als Juden ansieht, daß man illso die ganze, radikale, bedingungslose Trennung fordert, jene, die konsequenterweise zur Statuierung zweier oder einiger Mischer Konfessionen führt. Me die aber, die den Gedanken dieses Wsurdums, das das beste Mittel zur Ertötung und Vernichtung des Judentums darstellt, gar nicht aüstommen lassen wollen, werden, wenn sie nur konsequent sein wollen, den Proporz als durchaus mit deu Forderungen des traditionellen Judentums übereinstimniend anerkennen müssen. Gerade diese offene und in ihren Motiven unumwunden ausgesprochene Wlehnung und Bekämpfung des Proporzes seitens der Trennungsorthodoxie muh'.Md wird alle die, denen das Wohl der jüdischen. Gemeinden in Deutschland, denen' das Wohl der Gefamtjüdenheit in Deittschland wahrhaft am Herzen liegt, in ihrer Arbeit um die Herbeiführung des Proporzes stärken. Sie werden dann in dem Beschluß der Berliner Gemeinderepräsentanz ein höchst erfteuliches und bedeutsames Ereignis begrüßen und wünschen, daß andere'Gemeinden dem Beispiel der Berliner bald nach folgert. | Sfii 3 P-t S 2* fr ®*s s £ > O g ® fl - r: P fr <=> oo 00 Mo öS R S' j m?; l.s * Jf*® J '■Säst lg « ,! S B 2 S. ■ m 9 '2 fcH J3M iS CI §; *2 o “ s i!~ S -lad § 9 © . & t»« ofr fr Q sS __ö II Der 8. Kongreß der jüd. Jugend Italiens. 3. Tag. Adv. Alfonso Pacifici-Florenz referierte über eine „Organisation der italienischen jüdischen Jugend". Er verlangte von dieser Organisation, daß sie a) die größtmögliche Autonomie den einzelnen Mitgliedern lasse; b) das allen Tendenzen Gemeinschaftliche herauslöse und verwende; e) die Mitglieder an die Erweiterung ihres jüd. Horizontes gewöhne; ä) die Leitung der Mischen Angelegenheiten — ohne die lokalen Autonomien aufzuheben — in einer Zenttalgewalt konzenttiere; e) den Plan weniger Mischer Werke entwerfe, die allmählich ausgeführt werden müßten; f) die materiellen Mittel durch eine rationell! Ausgestaltung der zu leistenden Gebühr Vertreter vermehre; Ht der g) die administrativen Ausgaben möglichst. ei Seife die schränke und so eine rattonellere Verteilu, hr zweis der drei Kategorien von Gebühren, hie Kr 12 einzelnen Mitglieder zu zahlen haben, .du« führe: die „munizipalen" (Gemeindesteuern Staatsgebühren (die an die großen Orgaii sationen zu leisten sind) welche für das Wo! des Gesamtjudentums arbeiten) und „Bezirks steuern" (die an die Landesorganisationen leisten sind). Welche Minimalforderungen seien nun Mitglieder zu stellen? Bor allen Dingen müsse sil jedes Mitglied verpflichten, die hebräische Spracl zu lernen. Es müsse sich des weiteren das Hrutz kW Si Seifen] Be Di. J I» di ne der „ le länger palästi sächlichste der hebräischen Kultur aneignen, müsßeser »Rick ein lebhaftes Interesse .für Palästina betätigen u»,.Ä wenigstens einen Teil der Tradition aufrechteE-^1 Anfl halten, da nur diese die Assimilation zu verhindeck vermag. Besonders auf die Heiligung des SabbrS ,ung". I eise des sei das Augenmerk zu richten; denn keine religu^',„^„.1 Sitte fei so typisch für das jüdische Wesen -*0 - - der -Sckbbat. eint. Dü jrem Und nt. Schule, verkenn nt der „% ■ In der lebhaften Debatte wandte, si, Adv. Angelo Süll am gegen die 'Fordern . der Sabbatbeobachtung; die Organisation möge rDsierte Ta ligiösen Dingen gegenüber neuttal bleiben. Na»?e aber heftigem Für und Wider der Diskussionsredner schließlich die Forderung der Sabbatbeobächtun^ Stelle fallen gelassen, und es werden nur die Fori rungen hebräische Sprache, hebräische Kultur ui Palästina angenommen.*) Dr. Elia S. Artorn Mach sodann üb, „Die religiösen und die nationale Gefahren der Assimilation" und Ad, Angelo Anllam Wer „Die Juden in Tr politanien und der Cyrenaika", wo di italienischen Behörden eine anttsemttische Poli, befolgen. Mit einem Bankett schloß die Tagung. 2. Ick n Schnl ledigl öffere Au ,ulen ir in tue mg halt, ,r Katrae füllen ko ingendere jvc und Jerusalem, 5000 in iber fünf ien Eins 3. U- .Freien Be macht 1) ics könn iß nicht macht y« k Schule s -dortig die 2 r Geist Boykottveweguug gegen die Jude«. Bukarest. Nachdem die Nattonalisten vor einigen Mon, ten zweimal hintereinander den vergeblichen Bl such gemacht hatten, gegen die jüdische Bevölkern, Pogrome nach russischem ,Muster ins Werk j setzen, haben sie es neuerdings dm raffiniertere, Polen abgeguckt und bedimm sich in ihrem BerIästina sei nichtungskampfe gegen die Jüdm derm „zivilisierMwa die term" Methoden, wobei sie sicher sirüi, ,in ihre»H Tätigkeit von den Behördm.nicht gestört zu werdenU,ud-Tl)ore > In einem Auftuft, der dieser Tage Massmauflage verbreitet wurde, werden die Rumä«^» rlck nen jedm Standes und Mers, darunter die SchüleMßiand der .Volks- und Mittelschulen, anfgefordert, dimorher au Juden auf der ganzen Linie zu boY-ß^°r.^dic kottieren. Die sozialistische Bewegung im La, .. sei das Werk der Juden, an der Armut des rnmE^sä^di Nischen Volkes seien die Jndm schuld usw. „Je deAIllche: die Krümchen Brot aus der 'Hand eiueH^^örper Rumänen muß wieder in den Mun eines Rumänen gelangen, da wir son ein Volk nähren, das uns wie eine bös Schlange zu verschlingen droht." Origen p jaer Gtim affen Rer daß die ' Magogist lich gefjrii oufgenomr 5. £ liasischer^ gewiß feil Die Kammerwahle« i« der Türkei. Konstantinopel. Die Wahlen in die Deputiertenkammer sindld-ß "sie e in der Hauptstadt zu Ende. In der zweitm Wahl-M!?s° kurie wurde der frühere Vertteter von Saloniki, Emanüel Caras.so Effendi, fast einstimmigldagegen \ zum Wgeordneten von Konstantinopel gewählt. » Nun Nach einem Telegramm aus Smyrna ist dortl^^E^ die Wiederwahl Nissim Mazliach Effendis»^,t. "Wie gesichert. Außxr diesen beiden jüdischen Abgeord-Mcdakkon uetm dürste die neue Kammer nur noch ein jüdi-»^ sches Mitglied zählen, nämlich einm.Vertteter j'üdischm Bevölkerung in Bagdad, dessen 'Name Miss -nati jedoch noch nicht feststeht. UrsprünAich hatte man M Jerusa, angenommen, daß Mch Syrien einen jüdischen I'E" *■) Man fieht, wie verhängnisvoll der Golns für nnsM^^n geworden ist, daß die Lloße Forderung, den Sabbat»W H1 , zu beobachten, selbst bei Juden nicht gestellt werden Lars,»^^" - .' die eine Riickkehr zum Judentum ernstlich! Snstrebcn. U^ienwu 46273732 ^48106 8111^4

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