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Neue jüdische Presse · 1914-03-20 · Heft 11 (20.3.1914) · p. Seite 2

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 11 (20.3.1914)
Date
1914-03-20
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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mm » Frankfurter Israelitisches Fannlienbi.ni Xx. 11 zog bk bestehenden jjroüen jüdischen i7rg>»usauüncn etacr scharfen »ritt* Mil keiner einzig»» t-ki-'r Organisationen 19:«» die Crtbobojir aibei!-». I>e besonders aber nicht mir der zionistischen, da.1» iitivt SpitzeFreidenker stehen und in ihren Instituten die Religion mit den Füßen getreten wird. <? D. Red. Deshalb habe sich dir Lrlbodoxic organ-fieren müsse«, und so entstand die „Agudas-Jisrvel" Leider ist diese zu spär ins Leben grrusi-n morden: deshalb fti ihre Werbearbeit ungemein schwer. .Aber schließlich schreite sie immer mehr dein Ziele zu. Ä>m Kongreß der „AgudaS-JiSroel". der im Sommer stattfinden wird, verspreche er sich «wl Zu» Schluß beteuerte Redner, daß er sich keine Illusionen mache, in Italien Mitglieder für die „BradaS-gisrocl" zu bekommen. Sr hoffe, ivcnigstcnS BrrstSndniS und Sympathie für die Be ftrrboagen seiner Organisation zu finde«. Die leidenschaftliche Diskussion, die sich nun entspann, zeigte sofort, daß daS italienische Publikum gräiffe Bestrebungen überhaupt nicht begreifen Iran. {Duftu fehlt «S ihm an jeder BordereitünA Ad». Pari sie i-Florenz unterzog die heutig« synagogchen BrrhÄtnisic einer scharfen Oritir n»d «ein« die Synagogen ItlüienS seien .^krämerSnden" geworden. Er verurteilte desondert scharf die An, wie hier die Kadeschim mitzbmucht und ansgenützt werden. Prof. M » m i gl ianmDrrin sprach gegen die Gleichstellung der SouAlru mit den «tuschen Borschristen. Eine Weltanschauung sei heute, besonders in Italien» nicht »Ähr möglich. Er berief sich fälschlich ras die Propheten, die Aar gemig erklärt hätten, daß die Hauptsache die Gesinnung und djst ethische HanlHnchdmise jdi. Sfc David Srinkin brauchte Borte her stärksten Entrüstung gegen die Frankfurter Rühtun» die — wie er sich auSdrückte — Haß unter den Mischen Reihen säet. Und so ging die DisknKost dr diesem Tone weiter, ohne daß man zu eim« ReMat stü». HrchnnttagD nur 3 Uhr «ftrierte Kr. David Kei»sti»R»» scher ^Die aktuelle» Fr.agen bet IchLänt»»»^. tzhlsgehend von drr 'Ritmck- |eu^ daß noch hotte tft ist^ schilderte er die trau- , , . . __ , , KtSder. Diese Sachlage d^ßc. nrcht Me «Wh« Zudem allem interessie- ««;.»ir Aid«.bÄ« «in Ganzer, wrd als GLMr.biHct^ Ganz« hchen wir g»«msame ne «aemvärttge Epoche Wird bckrmt ftvn als die Z«u». Zerstreuung. Ein Strom von Inden an» Rußland, Rmnü- S ' J sich seit Jahre»über den > Erdball. Es Ab nichts Tragischeres als die : Emigration; Bvht gibt es auch eine andere Evligvrtion: di« britische. Aber weich ein zwischen den Heiden« Der Engländer verläßt, feine Heimat mit Stolz und erhobenen Hauptes, - er geht ans, um zu „erobern". Wohin er rach gtht» hat er Interesse daran, -sich immer vorzudrängen, damit «an wisse, daß ein Engländer ins Land gekommen ist. Der Jude aber schleicht sich. heimlich hinein, er fühlt das Bedürfnis,. sich zu peÄbergen, er wendet alle Mittel an, «m sich immer mehr an die Leute des Landes rajupaffen. Auch in Italien steht die Frage auf der TtmeSvMUMg: Assimilation oder Selbster Haltung? Für beide Tendenzen ist die WnnderungSerscheinung von höchster Bedeutung. Ter östliche Jude, der in Amerika einwandert und in Berichrung mit einer neuen freien Kultur kommt, paßt sich schnttl an und erfährt .eine radikale Aenderunp seines Charakters. Millionen von jüdischeu Semen gehen so für da» Judentum verlor«, — nicht nur im religiösen Sinne, «legen diese Erschein»«»« gibt es nur eine Antwort: der Zionismns, die Erlösung durch Palästina. Es ist ntdjt w ihr, daß die Zionisten Wckschrittler seien. Tie A'aiiir will keine Verwischungen der nationale» Eigentümlichkeiten; vielmehr geht ihre Tenden-, darauf ans, diese nationalen .Eigentümlichkeiten hervorzukrhren und zu vervollkommnen. Ta» »>-'!>.en auch die Zionisten: ihre Bestrebungen wurzeln in der Anlage ihres Lölkes. Seine Eigenichanen »all zu entfalten vermag das jüdiscl>c Bolk nur in seinem Lande: in Palästina. Wer in Palästina gewesen ist, weiß, daß nur in diesem Lande sich der Jude nicht assimiliert: nur in diesem Lunüe ist .in freies, neues jüdisches Leben möglich In der T > s k n i s I o >' ivr-i i» >: Adv BI r,r l > Alexandrien. Ing. De Be n e d e l I > Rom.;r?i« a , IiS, P v »»e e o r v >' Rs:n begein-'r! t»> die Piiläslinaarluii Tr. Zev-Rom in-»:»,. P.r:aü>na eigne fiel) inr eine geosiang,legte üolon-.ia'.ion mml. man niüsilc sich desdrlb begniige», aus Palainni ein „Nuluirzentruin" des allgemetnen ^udeniunis AU schassen. Ihm entgegnen» Adv. Parisici- Florcnz und Dr. Krinkin. daß sich Palästina für diesen Iioeck wodl eigne. Es svrache» noch Ei sein an n, E ol om bo. L r Art o m. Somigliano , Au». Sae. rdoli u. v. a. Roch einer langen ermüdenden Tiskussion wurde ichließsich eine Resolution votiert, welche besagt, daß die Palästinaarbeil die einzige Plartsorm bilde, die die Juden der verschredcnsten Tendenzen zu gemeinsamer Tätigkeit vereinigen kimn, und daß eS Pflicht sei, mit aller Kraft für hie Renaissance de» jüd. Lölkes in Palästina zu arbeiten. 8. l>. A» »e» ErrtrAiffe» »e» {(Ni U piff» Die hebräische Literatur feiert in diesen Wochen ei» festliches Jubiläum: das Jubiläum der Löjährigen schrislste« leri - schen.Tätigkeit David Frischmanns. ES gibt kin besseres Mittel, die ganz« bahnbrechende Bedeutung Tavio Frischmanns für die Moderne hebräische Literatur zu rrstissen, als ihren Stand vor 20 Jahren mit dem heutigen vergleichen. Die Epoche^ da David Frischmann auf die Bühne der hchräische» Literatur trat, war die Zeit des UebergangeS von der HaSkalah zur modernen Strömung. Der Gedankeninhalt. die Weltanschauung der HaSkalah war schon zum großen Teil überwunden; schon hatte Lilienblum seine epochalen Anffätze and Bücher geschrieben, schon regte sich die nationche Strömung, schon war die erste «oßePeriyde im Entwicklungsgänge der hebräisch« Literatur in ihr« gedaicklichen Grundlagen so g« wie abgtschlossar. iraf dem publizistisch« GebÄe hatte auch Umr in Bqng ans den Stil eine Wandlung staktgesimdcn, schon zeigten sich die Keime deS modernen europäischen Snls bei manche» der Publizisten jener Kät. Ganz nnd gar aber im okttm voreuropäische» Stadium befand sich die Belletristik, befand sich ein großer Teil der Lyrik, befand sich vor ecklem das künstlerische Verständnis, der ästhetische Sinn, der (Äeschmack. Roch herrschte der schwülstige, manirierte, erstickende Stil der Melizah, noch blühte überall der breitsporige, gekünstelte Pathos, noch tncste die Lyrik von -Dithyramben und Ausrujungszeichen, noch hatte kein Romanschriftsteller nnd Rovellist die einfache Wahrheit begriffen, daß der'Roman kein ethisches und soziale- Lehrbuch und die Erzählung keine Predigt sei, noch fand man nirgends einen.Dichter, der schlicht und einfach ju erzählen gewußt hätte. Aber auch die Presse, befand sich in demselben Stadium. Ueberall Geschmacklosigkeit, jeglicher Mangel an Stilgefühl und Formensinn, die unästhetische Atmosphäre der Jüdengnsic roch ans allem, was geschrieben ward. Da trat David Frischinann ans. Und neben all seinem Talent und all seiner Begabung b^saß rr eins, was ihn fastallen seinen Kollegen unendlich überlegen machte: Geschmack. Er hatte den Weg aus dem engen Horizont drs Ghettos herausgqunden; hatte die Bahn nach Europa entdeckt. Was er aber da crlerme, waren nicht nur metaphysische Svekulatio-ten, die man nur halb verstand, soziale nnd philosophische Ideen, die man noch picht verdauen konnte. Er war der erst»', der für hie hebräische Literatur die Schöne Literatur Westeuropas entdeckte, der da erkdnnre. wclkih' Well noch ans dii-sem lsediere die Indengasse vo» Europa trennte, der sich i» dieser neuen Welt mit europäischem tscschinack, modernem künstlerischem Sinn vollsog und. mit diesen Schätzen reich beladen, nun den ersten Schrill -.ins die Bübne seiner, der hcbräijchru Literatur, tat Er trat von vornherein mit der Ajpiratton eines Reiorinaivts auf. Und für dieses Amt standr-n ihm große Gabe» zur Lerfügung: ein Meister der Kritik; u» übrrl rosst» in der Kunst der beißenden Ironie, ei» Fenilletonist von einem Range, der ihn an die Seile mancher der größten europäischen Feuilletoniste» slelli. il'ar er wie geschaffen dazu, mit »! :. :u Wüste und Krame der Melizahtpoche ansru.ovmcn Aujlrelrn wlrkle revolunonlerrnd. ,.'i» ,ü>n Albe»,ii erregten da» größte Auffehcn: »>,,:> war rmvort. entrüstcl über diesen Renting »ii: den unrerschamrrn Allüren, mi; drr svsttrl»- den Miene, mit d»'n vernichtenden Gesten. Aber es dalf nrchis Man schimpfte über ihn, ließ sich aber ungewollt betrhren, man fluchte nnd gab innerlich zu, das: yr doch eigentlich recht hätte, man p! oleslierie gegen ihn und folgte seinen Weitungen. Und so ward David Frischmann der Lehrniristcr curapälschen Geschmacks in der hebräischen Likeralur: ieine Täligkeil wi'llc ivic eine scharse. ätzende Lauge, es glbr unklare, schlammige Flüsiigkril,n. die sich nur durch da« Einwirken mm Laugen klären und reinigen lassen; für de« schmutzigen, trüben Schlamm des Melizahstils und des Melizaygciftes war Frischmanns Wirken dir reinigende, llärende Lauge gewesen. Und wenn heuic die hebräische Literatur sich doch mit einigem Rechte eine europäische nennen darf, io hak sie dir« zom gros.ru Teil David Frischmann zu verdanken; er har ihr weniger neue Ideen gegeben als manche andere Schrifrstcllrr, die in derselben Epoche in ihr gewirkt haben, er war ihr kein Wegweiser neuer Gedaokrninhalie und Ideale gewesen, aber tr har fie gelehrt, ihre Gedanken and Ideen in europäische Formen zu hüllen, hat in die jüdische Gosse l-öeschmack nnd Aesthctik hmcingetragar, hat eine Brücke schlagen Helten zwischen de» Ghetto und Europa. Darum ist sein Jnbilänm in der Tat ei« großes Fest für die hebräische Literatur. Wir «olle» hier gar nicht versuchen, die „absolute" Bchentung FrischmannS darzustelleu, die Eigenart seiner originellen Persönlichkilit und seines große» Talentes ohne alle Rücksicht aus sei» Wirken - zu schlldern. den bleibenden Wen seines literarischen Schaffen» an sich zu bestimmen. — Heu» n» dies erschöpfend zu tun. dazu ist in diesem Rahmen nicht der Platz, und es mir einigen süchtigen Worten nbzulun, verbietet uns die Ehrfurcht vor diesem großen Künstler. Aber es ist in bfcfta» Zusammenhang auch nicht notwendig. Bas die Rafft, was die breite Leffcmlichknr an ciam große« Manne feiert nnd preist, ist stets nur seine „o&> live" Bedeutung, der Wert seiner Wirksamkeit die Größe dessen, »as er ihr «geben Heck. Die andere, gwßerr, tieftre und Knbende Bedeutung einer Persönlichkttr. ihr «cksokuter Ewigkeitswert, den zu bei rimmen und zu preisen, ist Sache der Rachweit, der Zukunft, der Geschichte. Die Erkenntnis der gewaltige« Bedeutung, die David Frijchmann für dic Eittwicklnng der modernen hebräischen Literatur gehabt bat. da« BerstidütniS für kein bahnbrechendes Wirken and seine« renvlutioniereuden Einfluß genügt, um verstehe» z» lasse», daß lein JnbilLnnt ein großes Fest der ganze» hebräischen Literatur, des gesamten, eine Regeneration ersehnenden jüdischen Bolkrs ist. Und mit all seinen vielen Verehrern und Bewunderern znsammrn bringe« wir ihm za seinen» Jubiläum de» innige« Wunsch dar, daß er noch für trage Zdhre hinaus weiter wirken and schafft» möge; denn noch gibt eS fthr «etc« für i|n zu tnn. Roch kann er mit viel« Urderrcstru der «ckte» Zeit, raf» räumen, noch krau er sehr viel Erziehungsarbeit leisten; die Anfgade, die sti« Lebenstverk ward, ist noch nicht ganz erfüllt; daß er sie voll und ganz zu leisten vermöchte, ist der beste Jnbilänm»- wünsch, den ihm die hebräische Literatur, den ihm das jüdische Bolk heule överbringen kann. * Brief ,»s Oesterreich. Ter Lorsland der Wiener Knltusgcmeinde hat mit gegen 27 Stimmen Dr. Israel Taglicht zum lSi-meinderabbinrr «wählt. Damit hat die Wienei lüemcinde zum ersten Male eine» Rebbiner angestelll.. der vorher in einem Tempel mit ^racl und gemischrem Chor -- d,,runiei Ehriftinneu tätig war. Das verdient rrrzrichnct z«: iverden. da der .Borstand von jeher es lirdi. sich „konservativ" zu nennen. In der gleiche» Bornandssipuug gab es eine bezeichnende Szene. Der iAjälwi« rechl-' haberischc Allcinhcrrscher drr Gemeinde. Präsident Dr. Alfred Stern, warf den, Uorstandskollegen

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