Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 11 (20.3.1914)
- Date
- 1914-03-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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IV. .Schluhartikel. j tfe MrtlMiln. 8k Allianceschulen. - Evelyne bc Rothschild. k-Dchule. — Die Schulen de» alten Iischuw.) -: Wer die Ueberschrist dieses letzten Kapitels wird verwundert .fragen, wie man wvhl so grundverschiedenen Schulen in eine Kate.!*Se‘ einstellen käme; gibt e« Schultypen von Keren Gegensätzlichkeittn als ' eine «llianceme und eine Talmud-Thora? Und dennoch fasse sie in einer Kategorie zusammen. Denn sie en ein Gemrmsames, und wenn auch diese» infame lediglich etwa» Negatives darstellt, i,e8 von unserem Gesichtspunkte üvch so entscheidass es die Zusammenstellung beider vollrechtfertigt: beide Schultypen haben nichts ALstinensisches an sich. Sie sind Gartchschulen. Diese Chedorim Vnnten in der- Form ebenso in Bertütscher» oder Krakau und die Evelpne de Rothschild-Schule auch -ganz gut in London gegründet sein.' sind dies alles Schulen, die niHö oder nur Wenig vorn Geiste ReupalästiuaS iu sich auf- «men haben und aus dem Rahme« des alSstinenfischen Lebens eigentlich herausfallen. * Z« dftftr Kategorie gehört zunächst und vor Jkm bie Üfeuppe dssr Allianceschnlen. ES W einenf weh. das sagen zu müssen, denn damit man der ältesten Schulgruppe Palästinas i Urteil. Die Alliance Jsraölite Universelle war »nntlich dir erste aller jüdischen Lrganisatiodie auf dem Gebiete des Schulrvesens in ttna zu arbeiten begann. Aber so gross das dienst der Allianee als der Jniarorin der llen Arbeit in Palästina auch ist, so lies die Pietät vor den grossen Juden, die sie rdet haben, sein mag, man muss eS heute ohne alle Umschweife sagen, dass das Schulder Alliance sich in einer starken Krise be- 2» dass es seit Jahren in starkem Rieder- »g begriffen ist, dass von allen Schulen Paläslidie Allionreschnlen die minderwertigste" find. £•" Dies -gilt zunächst, rein pädagogisch beurilt, von allen jüdischen Massftäben abgesehen, o« die Zusammensetzung des Lehrermaterials diesen Riederstand der Schulen. Als Dirckjeder Schule fungiert ein Zögling der Ecole formale in Paris, der. als orientalischer Jude der Pariser Boulevardlultur ansgebildet, oft inneren halt verloren hat und ohne jede zu seinem Berufe, ohne jede» Berständm» Pkt Grösse und Heiligkeit seiner Ausgaben Posten antritt. In grösseren Schulen har dann einen zweiten Schüler der Eeole Norde als Subdirektor: in kleineren Schulen feblt dieser. Di» gesamte übrige Lehcerpersonal sich au« Jünglingen zusauimrn, die die Schule endet haben, also eine mangelhaste Volkslbildung besitze», und ans sephardische» Eha- »im, tue ohne die geringste Prosanbildung auch r«hl mäßige jüdische Kenulmsse verfügen. E« H fiat, dass solch.- Lehrer ohne jegliche väoa- Schulung mit äußerst niedriger Bildung guten modernen Schulen schaffen und crhalic* könne» So kommt e«, dass die AUiauceschulen tzte rückschrittlichsten und pädagogisch inangelhaj testen iu ganz Palästina sind, dass der Unterricht iu einer Art und Weise erteilt wird, die in Europa seit Jahrzehnten überwnndeo ist, dass Prügel das einzige pädagogische Erziehungsmittel darstrUcn, dass von irgend welchem Geiste, der die Schule be seelte, von irgend welchem Bildungsstrebrn bei den Schülern, von irgend welchem Eifer bei den Lehrern keine Spur vorhanden ist. Diese Minder- Wertigkeit der Schulen dokumentiert sich am besten in der Tatsache, daß kein aschkrnasischer Jude jemals seine Kinder in eine Allianeeschule schicken würde, dass alle Schüler lediglich den ärmsten, ungebildetesten sephardische» Massen entstammen, die ihre Kinder großenteils hinschicken, weil sie Mittagessen und Kleider erhalt«. , Und in jüdischer Hinsicht lässt sich überhaupt kaum über die Schulen reden. Die Direktoren, die aus der Ecole Normale -kommen, sind jüdisch ebenso ungebildet wir uninteressiert» bie jungen sephardische» Lehrer, tzie eben noch , aus der Schulbank saßen, haben überhaupt keinttlei geistigen Intevrffen, und so-bleibt die jüdisi-)e Erziehung den — Ehachnmim überlassen. Man muss aber de» Typus eines solchen Chacham kennen, diesen Typus eines innerlich hohle«, ««interessierten, faulen und schwerfälligen Mensche»; oft «och habgierig und geizig, eines Mensche» ohne Ideale und ohne jeglichen Ela», um verstehen zy könne»; wie die jüdische Erziehung dieser Kinder uaLm muss. So wachsen die Zöglinge der Allianceschulen heran; ungebildet, geistig interesselos, jüdisch stumps und verständnislos, moralisch unerzogen, verlassen sie die Schule, die sie 8—10 .Jahre besucht haben, mit einem einzigen Gewinn: sie plappern Französisch, ein Französisch allerdings, das zu höre» ich krincuc Franzosen wünschen würde. Da sie in ihren Beruseu als Schuster, Schneider, Kutscher oder Bettler keinerlei Benoendung für ihr Französisch haben, vergessen sie es sehr rasch, und für ihr weiteres Leben zeugen nur noch die im Gedächtnis ausbewahrten armseligen Brocken mancher jran» zösischer Borte davon, dass sie in ihrer Jugend eine Allianeeschule besucht haben. Man braucht heute nicht mehr viel über die Zustände der Allianeeschule» zu sprechen; ihre allgemeine-wie jüdische Minderwertigkeit ist aller Welt bekam» und wird - zwar nicht offen, oder de facto — von den Leitern der Schule« selbst zugegeben. Die Schtoierigkeiten und Hemmnisse für eine Reform lagen bisher einzig und allein in der Pariser Leitung der Alliance. In letzter Zeit scheint man aber auch in Pari« sich zu der Erkenntnis durchgerungen zu haben, dass etwas f r ul sein muß in den Allianceschulen, und so kann mau eine Tendenz zur Besserung und Resormierung konstatieren. Diese Tendenz kam vor allem in einem Zirkular zum Ausdruck, das das Pariser Zencralkomitee vor einem Jahre an alle Schuldirrklorcu richtete und in dem dieselben^ angewiesen würden, das Hebräische in den Schulen intensiver zu pslegen als bisher. Ausserdem aber beginnt die Allianee modern gebildete» national gesinnt, junge aschkenasisäre Lehrer i» ibre» Schulen anzustelle». Dass diese Risormbestrrbung bereits Erfolg gehabt dar. zeigte mir me:n Besuch der J..usalemer Allianeeschule. in der ich yebräische Schulaufsätze las. die sprachlich ggiij gut waren und inhaltliw einen für Allianeeschule» oft uberrajdwntwn nationalen Gr ist atmeten. Tiefe verstärkte ^teioniiiig des Hebräischen .zeigt. dass »in» i>. -Pari» auch das letzte und eigentliche Grund- > übel, die lkrsa-che aller Missstände der Alliuncej schulen, erkannr zu haben scheinr: ihr völliges Abseitsstrhen von allen modernen nationalen Tendenzen des neupalästinenjischen Lebens. An den Allianceschnlen scheint all da» Gewaltige, was sich in Palästina in den letzten drei Jahrzehnten ereignet hat, spurlos vorbeigegangen zu sein. Und nicht eher werden diese Schulen wirklich reformiert werden können, nicht eher werden sie in der Lage sein, auch nur pen minimalste« pädagogischen und jüdischen Anforderungen zu entspreche», als bis sie sich in den Rahme« des neupalästinenfischen Lebens hineingestellt haben und beginnen werden, sich als Teile und Glieder des jungen Palästina zu fühlen. - Schluss in 8er Beilage. Der 2. fttttfttfc sterjS-A«ge»d3t«tir»D. 1. Jörg- Ter Kongress wurde mit Begrüssmrgsansprachen des Präsidenten der israelitischen Gemeinde Rom. Coiiiuiendatore Angelo Lerend, und ökibbiner« Dr. Sacerdoti erifffnet. Cav. A. E» lo mb »-Rom sprach als erster Referent über „die 'jüdische» Gemeinden^. Er gab einen geschichtlichen Rückblick uud fuhr dantr fort: Die Gemeinden haben ihre» Charallrr als Wahrer des jüdische« Bvlkstnms verloren, sie sind z« admrnrstrative» Organen hrrabgeiunken. Alle Tendenzen, die d»is Judentum aus seinem Berfakk heben wollen, müssen wieder in der Georeindeftube tätigste Scherung finden. Ausserdem muss das SolidarrtäGaeftihl mit der grosse» jüdischen Gesamtheit stets «ach gehakten werde». Unsere ethnisch-nationale Anwartsthap' ans Palästina hat seinen Grund in unserem Gemüt und wird von unserer ÄKligion durch den Messka nismus ausgedrückt. Teshrstd muffen die Genwiwden sich auch damit beschäftigen» hedrüPhe Sprache, Kultur und .Geschichte nach Möglichftit zu fördern. In der Debatte über das Referat sprachen sich meh«re Delegierte für ein ausgesproche. nercs iüdischnationaleS Pr. gramrn ans. Dagegen erklärte Momogliano-Turin. dah der gleich.' Nachdruck wie aus die Kolonisation Palästina« auf den ideell-universskken Gehalt der jüdischen Lehre za fegpf fei. Adv Angelo Sullain-Bcnedtg bemängelte» dass dcr Rkserenr kein Wort über die antisemitische Haltung der italienischen Behörden gesagt habe. Zum Schluss wurde mit überwiegender Mehrheit eine Resolution angenommen, in der die versammelte Jugend die jüdischen Gemeinden auffordert, ihrer Arbeit einen ausgeprägt jüdische» Eharakter anfzudrücken in Uebereinstimmung ont den jüdisch-iutt,onalen Bestrebungen der bewusst jüdffchcn Jugend. 2. Tag. Heinrich Eisemann-Rom referierte über die ..A g u d a r^J isroe l". Er rtflärtc eingangs {»» Unl.nchied zwischen „Mischpokim und E b u t > >»>". Nur wen» die letzteren, die da» zerrinoniill rrligiöie Moment betonen, den ersteren. die dii« r'ihisrve Momenr betonen, gierrbgestettt iverden. könne das Judentum sich:oeit.» erhalten. Da» ioginannie „Zeremoniaigesrtz" sei e.- ,pnvesen, da» das Judi-iirun, in seiner Re in peil erhalten har. Redner ichlldette dir.» tue Entwicklung des Judentums »t Teuinblaud seit MendelssoiM und „ntcr-