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Neue jüdische Presse · 1914-03-06 · Heft 9 (6.3.1914) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 9 (6.3.1914)
Date
1914-03-06
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Leite 4. . Frankfurter Israelitisches FaiiülieMatt. . ' Nr.-9 6al4 KaSsergapten am Opernplatz Erstklassiges Familien-Cafe ----------------- Nachmittags Konzerte. _Fr» Hanselmann, Besitzer. er das Frühstück beendet und. war in den Laden gegangen, um ein bißchen aufzurüumen, als der Lehrer erschien. „Gesegnet, der da fommt," rief er ihm gut gelaunt entgegen, als vb der Lchrer zu Besuch in sein Privatzllmwer und nicht als Kunde im Laden erschienen wäre.' „Gesegnet, wer da ist," antwortete der Lehrer, auf die unerwartete Anrede eingehend.. - „Was verschafft mir das Vergnügen, Herr Lehrer?" „Ich hrauche einen schwarzen Anzug." „Für Sie?" „Nein, sonst hätte ich ihn vor den Festtagen gäaust." „Für wen soll er sein?" „Für einen auswärtigen Bekannten, aber ich denke, das kann Ihnen gleich sein." „Doch nicht." „Warum nicht?" „Das null ich Ihnen sagen, Herr Lehrer, sür Sic .schlage, ich immer nur zehn Prozent auf den Einftmsspreis, für andere aber bedeutend mehr." „Es ist ja liebenswürdig, daß Sie mich bevorzugen." „Heute will ich Ihnen sogar meinen ganzen Verdienst zukouunen lassen, indem ich Ihnen die Rechnung wie für einen Fremden ausstclle,. Ihnen selbst aber den reinen Einkaufspreis berechne, ohne Spesen oder irgend etwas draufzuschlagen, aber. Sie müssen Mir einen Gefallen dafür tun." „Wenn ich kann?" „Sie können und werden es tun." „Was ist es?" „Davon nachher. Wieviel Ellen brauchen Sic?" ' „Muff." „Schön. Fünf Ellen von diesem Tuch kosten heute sür Sie 11 Taler 10 Groschen, von diesem 16 Taler und einen halben und von diesem Y1% Taler." „Jetzt kann ich immer sehen, wieviel Profit Sie mir abnehmen, denn nun kenne ich Jh>r Zeichen." „Wieso?" „Nun, durch Ihren Preis weiß ich die Bedeutung von fünf Buchstaben, kann mir also die andern denfeit Ihr Zeichen ist „Morgentau". „Richtig, Sie sind gefährlicher, als ich gedacht Habel Hinter einem Lehrer hätte ich eine solche Geschästskenntnis nicht vermutet." „Sie sind selbst schuld. Wenn Sie sagen, es ist der reine Einkaufspreis, dann weiß ich,.daß es genau so ist." „Das ist doch selbstverständlich;" „Im Geschäftsleben werden auch manchmal Redensarten gemacht, die nicht so wörtlich gemeint sind und auch nicht so ausgenommen werden." „Lassen wir das! Wenn man das tut, was mau für recht hält, darf man kein Lob oder Anerkennung i dafür erwarten. — Ich will Ihnen jetzt sagen, was: ich für einen Gefallen von Ihnen v.rlange, denn cs ' dreht sich eben gerade darum, da) Sie wieder gut z machen sollen, was ich mit der Zunge gefehlt habe." „Das. ist?" „Zunächst danke ich Ihnen dafür, daß Sie beim Hoschano-Rabbo-Lernen die Erzählungen des alten Leib llrrz abgeschnitten haben. Sie wären mir unangenehm gewesen, well ich einem der beiden Fehlenden ein Unrecht getan habe." „So?" „Ja, gegen Rüben Stern, aber gegen Sinwn Gottschalk und seinen Water, — Friede sei mit ihm —, habe ich sicher in meinem Leben nichts Unrechtes getan. Simons Vater hat mich gemieden, und — lSie es scheint —> mich gehaßt, und es hat sich auf seinen vererbt. Da ich mich keines Unrechts gegen die Leiden bewußt bin, will ich mich vor dem Jungen auch nicht demütigen. Aber Rüben Stern will ich um Verzeihung bitten, und - Sie sollen es ihm sagen, danut ich sicher bin, daß', ich mir bei dem Versuch keine Beschämung zuziehe." : „Was soll ich chm sagen?" s N. ROSENAU Englische Herren-Schneiderei JO eoettustra*M IO. Vornahme jLiufSbrnng. Himlge Preise. J „Ich kann Ihnen nichts Näheres erklären, das i wäre undelikat, Sie sollen nur sagen: Was ich gegen ' Samuel geredet habe, sei in unüberlegtem Zorn geschehen, weil mich der Bote geärgert hat. Er soll mir verzeihen, und damit die Leute nicht weiter darüber reden, will ich ihm nwrgen am Jomtof einen Besuch machen. Er soll Ihnen offen sagen, ob ihm das. recht ist." Der Lehrer hätte Erfolg. Rüben und Josef machten sich gegenseitig Besuch wahrend der Feiertage, und alles' Gerede über Rubens Fernbleiben aus dem Hause Josefs beim „Lernen" mußte verstummen. Der alte Leib hingegen hatte an den beiden Festtagen genügend Gelegenheit und Muße, bei der jungen Welt wieder die fast vergessene Geschichte aufzuwärmen, daß vor 75 Jahren ein Junge das Hoschano- Rabbo-Lernen versäunit, aus dem Elternhaus geflüchtet und die unbegreifliche Torhell begangen habe, die berühmte Khillc von Lochstadt mit einem Nest, wie es Ganzehach seit Erschaffung der Welt gewesen ist, zu vertauschen. Das Thenia wurde, wie das in kleinen Städten gewöhnlich ist, nach allen Richtungen besprochen. Die beiden Hauptpersonen dieser interessanten Geschichte, Josef und Simon, sprachen sich trotz aller Anzapfungen nicht aus. Aber trotzdem genügten die Mitteilungen des alten Leib, der Mitwelt die uralten Feindseligkeiten zwischen den Familien begreiflich zu machen. Verwundern tat man sich höchstens darüber, daß die weiblichen Familienglieder der beiden Erbfeinde freundschaftlich miteinander verkehrten, während man sonst in der Khillc nach einiger Erfahrung sich die Ueberzengung gebildet hatte, daß alleLamllienstreitigkeiten durch „die Weiber" veranlaßt, verschlimmert und unterhalten werden. Rcgine Gottschalk ging nicht nur abends, sondern am hcllichten Tage in Josefs Haus, um Rahel zu besuchen, an die sic sich am meisten von den Loch-; städter jungen Mädchen angeschlvssen hatte, und Rahel kam ungeachtet der von Reginens Bruder am Hoschano- Rabbo offen gezeigten Feindseligkeit nach den Festtagen fast jeden Abend in das Haus der Gottschalsichen Geschwister, wo die Ausstattung der verlobten Marianne fcrtiggestellt wurde. Es gab weder Nähmaschinen noch Geschäfte, in denen man Ausstattungsartikel fix und fertig beziehen konnte. Da wurde, noch jedes Hemd 'mit der Hand genäht, jedes Tuch durch fleißige Hände gesäumt, jeder Strumpf mit Stricknadeln gestrickt, die Waffeldecken auf den Betten, die Deckchen auf Tisch und Kommode mit vieler Mühe gehäkelt. Da war es noch "Sitte, daß jedes Mädchen mit der Entlassung aus der Schule anfing, an seiner Ausstattung zu arbeiten, vom Spinnen des Flachses und der Wälle bis zur Stickerei des Namcnszugcs auf dem fertigen Gewand, und wenn vor der Hochzeit noch nicht alles beendet war, halfen Freundinnen mll fleißig sich regenden Händen unter Gesang und munterer Rede zur Vollendung. Wenn auch die Geschwister Gvttschalk zuerst als unangenehme Eindringlinge angesehen worden waren, nachdem sic einmal zur Gemeinde gehörten, erschienen die Altcrsgcnossinncn wie bei einer Eingeborenen hilfsbercll zur notwendigen Mitarbell. Rahel gehörte zu den regelmäßig erscheinenden Helferinnen und unterhielt sich mit Simon so gern und so lebhaft wie mit den Mädchen. Simon war nämlich, wenn abends genäht, gestrickt, gehLk.lt wurde, immer anwesend; nicht um beim Garnwickelu, Knäuelhalten und dergleichen gelegentliche Handreichungen zu verrichten, wie sie von jeher den Männern aufgebürdet werden, denn zu diesen Gefälligkeitsdiensten wurde Samuel Stern gepreßt, der auch immer da war, um, wie ' er sagte, seinem Freunde Simon bei seinem Handwerk zuzusehen. Die Mädchen lächelten zwar immer spöttisch, wenn er jedesmal sein Kommen damit begründete, weil ihnen diese Freude am Handwerk nicht recht glaublich vorkam. Sie waren nur darin uneinig, daß einige meinten, Samuel käme, um sich mit Rcgine zu unterhalten, während andere glaubten, sein regelmäßiges Erscheinen habe den Zweck, unauffällig Rahels Gesellschaft aufsuchcn zu können, aber darin waren ' alle einig, daß Samuel imr der einen oder der andern dieser beiden einander so ähnlich sehenden, obgleich nur weitläufig verwandten Mädchen fast gleichmäßig seine - Aufmerksamkeit widmete. Daß er sich dabei auch immer mit Simon unterhielt, erklärte sich schon daraus, daß auch dieser sich so häufig mit Rahel neckte, weil sie gerade wie Samuel für die Ausübung seines Handwerks Interesse zeigte. . . -Simon hätte in der Tat seit einiger Zell sich für die Abendstunden, die von andern jungen Leuten seines Alters lttnglich der Unterhaltung und dem vergnüglichen Zeitvertreib gewidmet werden, eine gewinnbringende Nebenbeschäftigung angefangen, deren Ertrag er für sich beiseite legte. . . (Fortsetzung folgt.) | Wen. 6oldw3FED,TrauFinoe ÄdÄÄ W Trauring-Eck "WW Frenhftirt a. M,, Trierisohe Gasse 31 Eoke Täogesga88e,vl*-t-viad. Hesenguse. Fr» Pletzscb, Ecki Afferes bne Hornorr. (Eine uralte und sich ewig erneuernde Galgenhumoreske.) Von A. Ban daß. Schon oftmals wurde uns geraten — von freigesinnten Diplomaten, — den Purim ein für allemal — zu streichen aus dem Ritual: — „Wozu noch alten Haß aufwärmen, — wo wir. von Nächstenliebe schwärmen? — Me Menschheit ist so aufgeklärt, — die Bosheit aber längst verjährt!" — So lautet ungefähr die Phrase, die jene sprechen änit-Emphase. — Das klingt so herrlich wunderbar,. — nur schade, daß es just nicht wahr... Wohl Fehlt es nicht an Idealen, — mit denen die Modernen prahlen, — und wie zurzeit der Tangotanz, — gehört zur Bildung Toleranz; — doch in der'Praxis sozusagen — gar selten hört nian. danach fragen. — Zumeist gehört die Reaktion — schon halb und halb zum guten. Ton ... Recht grausam . zeigt' es dieses Jährchen — mit seinem Ritualmord-Märchen, — daß Hamans nächtlich finst're Brut — noch immer lechzt nach unsrem Blut! — Der „Schwarzen Hundert" wüst Gebelfer — mit dein Gekläff der Helfershelfer — ist noch in der Erinnerung — sowie auch die Verunglimpfung — Pranaitis, diese; Schand - Experten — und sogenannten „Schriftgelehrten", — der kaum wie ein Kappores - Hahn — in einer Tfille lesen kann ... Und gar die Reden der Anlläger, — die grade so wie Schornsteinfeger — uns anschwärzten ganz unverschämt — Und unsere Religion verfemt . . . — Wenn trotzdem Beilis nun gerettet, — bleibt dock das Judentuiir gekettet — im blutgcträiikten Zarenreich, - wo jede Tat ein Hamanstreich ... 6 war in denn bet; fi wellt. 1 eine : alles, meine Sichv! störtei schert. ■■ 'S und durchl Färbc Abglc gen, jedes dieses rein. bestin stimii! gehör schau! gabm heit seiner zum. es l lich-i liche S i e Das Blutdes Juden zu bewerten, — verstehen es die „Aufgeklärten" — auch in Rumänien nicht schlecht: — gewähren ihm das heil'ge Recht, — mit seinem Blut die Erd' zu färben — und für das Vaterland zu sterben! — Im Krieg', da ist mit Recht und Fug — wohl auch . der Jude gut genug; — im Frieden gilt er als Ausländer — nach dem rumänischen Kalender, — wo jegliches Gesetz verrät — die schlimmste AN Hamanität ... Wohl könnte man daraus antworte», — daß hier ganz anders ist wie dorten: — im sortgeschritt'nc» deutschen Reich — sind laut Verfassung alle gleich! - Das wollen gerne wir gestehen, — indes genau bei Licht besehen, — besteht der Freiheit schönste Zier — für uns ja bloß auf dem Papier; — denn trotz bet Gleichheit des Formates — sind wir nur Bürger zweite» Grades — unb spüren trotz Humanität — auf Schritt und Tritt Hamanität , Besonders seit der Hamanismus — benannt ivurd' Antisemitismus — und. Stöcker, christlich „tolerant", - für Judenhaß die Formel fand . . . Seitdem gebrauchen dies Geflunker — Geschästspolitiker und Junker, — die Haman - Stöcker'sche „Mission" — als Mittel zur Agitm tion. — Gewöhnlich wenn es mal passieret, — daß just ein Jude sich blamieret, — dann wird geflissentlich darum — beschimpft das ganze Judentum! — Beinahe wie zu Hamans Zeiten, — die „Antis" jetzt den Haß verbreiten — allüberall in Schrift .und Wort —. ünb neuerdings sogar im Sport. — Denn seit dem Leipz'gei Turnerfcste —. entspringen immersort Proteste — mit sudenseindlichem Geschoß, — die uns verleumden rücksichtslos, — well irgend ein Artikelschreiber — sich arg blamiert als Ucbertreibcr — und dieser schwarzhastr Skribent -7 sich. zufällig nun Pinkus nennt. — Daist die Haman'schc Methode, — die imincrwchr kommt jetzt in' Mode: — zu schmähen unsere Nation — für jeden Mordechai und--Cohn . Und durch des Wandervogels „Helden", — die offen sich als „Antis" .melden, — wird jetzt das Rischus-Element — auch auf di! Jugend ausgedehnt! Im Reichstag, wo „Gewählte" sitzen — und kmnpfesmutig sich erhitzen — bedeutet die Immunität — cm Freibrief für Hamanität! — Gar oft erbrausen stark! Flausen — der zehn Groß-Antis, die dort hausen - seit unsrer letzten Reichstagswahl — entsprechend Hamans Söhnezahl ... —: Erst drei, die sich Reformer schimpfen — und Rassenhaß dem Volk einimpfen: - so Werner-Hersfeld, Gräfe, Brnhn, — ein demagogisch» Tribun, — bei welchem Judenhaß schon chronisch, - man nennt ihn „Wahrhellsbruhn" ironisch» — dieweilj man diesen Humanisten — kennt als Revolver - Journalisten, — und solch verflixten „Wahrheits - Schmuß" - hört -man gär oft im Uebersluß. — Dasselbe gilt amt! Wese wirkt ewig ihm Ganz Mich schrie verfb keine der stuhl noch tritt; ans. getre er, i wähl -,.r Bewi wirb städtl;< 1913' 2036 kurze Neue auch sonst sür einer zu l Neu. eröffnet! Cafe Corso halbi hal führ .nur legt. Me beim bewi daß gestr Leks Kaiserstrasse und Moselstrasse. Franz Krist. Lust

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