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Neue jüdische Presse · 1914-03-06 · Heft 9 (6.3.1914) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 9 (6.3.1914)
Date
1914-03-06
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Schulwerks in Palästina wurde ein pro vis arisches Schulkomitee eingesetzt, dem zwei Mitglieder des zionistischen Aktionskomitees, zwei Mitglieder der Odessaer Palästinagesellschast und zwei Vertreter der palästinensischen Jüdenheit angehören. Das Budget der zionistischen Lettung für das nächste Geschäftsjahr wurde genehmigt. Küchen-Aussteuern Dauerausstellung moderner praktischer Küchenmöbel. Breitwieser* Franke Frankfurt a. M., Kaiserstrasse 8. Zu den Synodalwahlen in Baden. Ellerbach, 1. März. Ja der auf Heute Vormittag von den Liberalen einbcrufenen Wahlversammlung, in der 'Herr David in stienger Objektivität präsidierte, suchte Lehrer Rosenberg ans Sinsheim durch eine lange Rebe, in der er auch über eine halbe Stunde für die Forderungen der Lehrer sprach, über das Unrecht hinwegzutäuschen, das in der Aufstellung des' Gegenkandidaten gegen den konservativen Blum ans Mosbach liegt. In wirkungsvoller Weise trat ihm Zahnarzt Mayer entgegen und .setzte sich für die Wahl Blums ein; in ruhigen, sachlichen Worten setzte er auseinander, dag' die Rede trotz ihrer äußerst geschickten rhetorischen Form den gemachten und gekünstelten Verteidignngsversuch sofort erkennen lasse. Herr Blum wurde .von der Versammlung in Mosbach im Beisein und mit ausdrücklicher Zustimmung des Herrn Dnhrenheimer ans Neidenstein zum Kandidaten ernannt, und einige Tage später läßt sich Herr Dührenheimer zmn Gegenkandidaten des von ihm selbst Gewählten aufftellen. Dieses wenig mannhafte Verhalten des liberalen Kandidaten beleuchtete Herr Rothschild.aus Mosbach Nachdem sich noch einige Herren zur Sache geäußert und man von liberaler Säte das Bähalten des Herrn D. zu verteidigen gesucht hatte, ergriff OttoSimon- Mannheiin das Wort, uiu in temperamentvollen und überzeugenden Ausführungen darzulegen, von welch hohem Wert die Wahl des konservativen Kandidaten gerade für die Landgemeinden ist, sowohl in materieller, als auch ganz besonders in ideeller Beziehung. Denn gerade die konservativen Vertreter, und mit an erster Stelle der bisherige Abgeordnete des Kreises, Dr. Würzburger, sind sür die Entlastung der Landgemeinden eingetreten; und auch wenn religiöse Fragen in der Synode zur Sprache kämen, werde nur ihre Beantwortung im Sinne der heiligen Tradition zum Wohl« des Judentmns sein. Herr Blum, der auch in der Versammlung anwesend war, beschränkte sich in vornehmer Art darauf, in einigen markanten Worten seinen konservativen Standpunkt zu präzisieren. Es ist zu hoffen, daß die Versammlung mehr für Herrn Blum als für die Einberufer gewirkt hat, und daß der konservative Kandidat. als Sieger aus dem Wahlkampfe Hervorgehen wird. Aus «Her Wett. Deutsches Reich. Hannover. Zu einer Zeit, in der alle Erwervsgruppen das Bestreben zeigen, sich zur Hebung.ihres Standes und zu kräftigerer Vertretung ihrer Interessen zusammen- I zuschließen, hat eine Bereinigung der Gastwirte, des »Gewerbes, das gerade für das gesetzestreue Judentum »von besonderer, vitaler Bedeutung ist, bisher gefehlt. I Um diesem Mangel abzuhelfen, hat sich am 16. Februar >d. F. in Hoffmann's Hotel in Hannover eine „Bereinigung der jüd. Hoteliers und Restaurateure" I gebildet. I . Nachdem zahlreiche Zustimmungsschreiben ans allen »Teilen Deutschlands verlesen worden waren, wurde ein »von Hotelier Joseph Goldschmitt -Travemünde aus- I gearbeiteter Satzungsentwurf einstimmig angenommen. I Die Borstandschaft besteht aus den Herren Gold- Mchmitt-Travemünde (1. Bors.), Wittgen st ein- »Hannover, IeiLel -Kissingen, Wolf-Dortmund und »Strauß-Bad Brückenau. I Nunmehr wurde in Besprechung über das Steuer« »Projekt des Vereins zur Förderung rituel- IIer Speisehäu ser eingetreten. Die.Anwesenden waren »einig in der Verurteilung dieser Maßnahme, die für Idie Wirte, viel Aerger und Zeitversäumnis bedeutet und »nach allgemeiner Ansicht zahlreiche Gäste, die heute rihrell »essen, vertreiben würde. Wcankfarter Israelitisches FamikieMalt. > . 1 . Es wurde beschlossen, an den „Verein zur Förderung ritueller Spcisehäuser" die Forderung zu stellen, daß zwei Wirte im Bereiusvorstand Sitz und Stimme erhalten, daß die 5-Pfenuig-Steuer gänzlich beseitigt wird, daß energisch dagegen protestiert werde, daß die Wirte als dem Verein unterstehend bezeichnet werden, während sie nur den Rabbinern unterstehen, welche sich mit ihren Namen sür die rituelle Führung ihrer Betriebe verbürgen. Es wird die Veröffentlichung der Namen aller derjenigen Restaurateure im Vereinsregister verlangt, welche unter Aufsicht von anerkannt orthodoxen Rabbinern stehen, gleichviel, ob dieselben Vereinsbeitrag zahlen, oder nicht. Schließlich wird verlangt, daß jedem, der ein Verzeichnis der rituellen Speisehauser wünscht, ein solches vom Verein gratis ausgehändigt wird. Für den „Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser" wurden gewählt: Goldschmitt-Travemünde und Brannschweig - Homburg und falls dieser, der nicht bei der Versammlung anwesend war, ablehnen sollte, Hotelier Levy-Bremen. Die Versammlung beschloß, daß, wenn der „Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser" die an ihn zu stellenden Forderungen ablehnt, die Vereinigten Wirte die Streichung ihrer Namen ans dem Vereinsverzeichnis beantragen werden und die Bereinigung die Herausgabe eines eigenen Registers unternehmen wird. Für die rituelle Führung der Betriebe würde der beigedruckte Name des für die Zuverlässigkeit des betreffenden Hauses sich verbürgenden Rabbiners Gewähr leisten. Die Ausgaben für Vorbereitung der Gründungs-Versammlung werden nachträglich genehmigt, ebenso die Ausgaben sür das erste Geschäftsjahr, da deren Feststellung vorerst nicht möglich ist. Weiter wurde beschlossen, daß auch unsererseits ein besonderes Augenmerk darauf gerichtet wird, mehr als bisher für einen fachmännisch ausgebildeten Nachwuchs zuverlässiger Wirte zu sorgen, die auf der Höhe ihres Berufes stehen. Als Tagungsort für die nächste Versammlung wurde Frankfurt a. M. bestinnut. Endlich wurde beschlossen, in eine rege Propaganda zur Erwerbung von Mitgliedern im In- und Auslaude einzutreten. Oesterreich-Ungar». Budapest. In ihrer Generalversammlung vom 26. Febr. besetzte die Ung. Jsr. Literaturgesellschaft die im Vorjahre verwaisten Stellen ihres Präsidenten und ihres Mitvorsitzenden. An die Stelle von Prof. Bacher wurde der Rabbiner Dr. Julius Fischer gewählt, während das Erbe des Baron I. Deutsch de Hatvauy der Staatssekretär im Justizministerium, Dr. Leop. Badaß, antrat, der sich auch bisher schon mehrfach als Jude exponierte. In seiner Rede, mit der er die ihn stolz machende Wahl annahm, sprach er voll Wärme und Liebe vom Judentum, dessen „durch eine taitsendjährige Kultur differenzierte Seele, durch wechselvolle Geschicke und Leiden für jedermann empfänglich gewordenes Herz wir mit Freuden in den Dienst der ungarischen Literatur stellen." Dieser Tage wurde die von der Redaktion des Mult es Jövö" veranstaltete Struck-Ausstellung, die drei Wochen hindurch sämtliche kunstliebende Kreise der Hauptstadt in ihren Hallen versammelte, geschlossen. Der Erfolg war ein materiell und moralisch, überaus großer. 70 Bilder und Zeichnungen des Meisters wurden verkauft, manche auch mehrfach, u. a. kaufte der ung. Staat gleich in den ersten Tagen einige Radierungen für sein kunsthistorisches Museunr an. Die Presse ohne Unterschied widmete der Ausstellung die anerkennendsten Worte und Kritiken, bloß das offizielle Organ der Neologie schwieg die Ausstellung vollständig tot. Wohl weil Herm. Struck die Gelegenheit benutzte, um nebst der Kunst des Radierens. vor vollem Hause auch einen Bortrag über den Misrachi zu halten. Palästina. Jaffa. 13. Februar. Baron Edmund de Rothschild hält seit einigen Tagen die ganze Bevölkerung in Atem. Seit etwa vier 'Tagen sind sämtliche jüdischen Hotels voll von Jerusalemer Rabbinern, Ehachamim und Vorstehern der verschiedenen Institutionen, die sich alle hier einfanden, nm den Baron zn empfangen. Freitag sollte endlich ihr Wunsch in Erfüllung gehen. Die Dacht des Barons ankerte im Hafen. In Tel-Awiw wurden Ehrenpforten errichtet. Eine ungeheure Menschenmenge versammelte sich. Die Makkabäer bildeten die Polizei und hielten die Ordnung ausrecht. Die Wächter der Kolonien Rischonle-Zion und Petach-Tikwah ritten hoch zu Rotz entgegen. Auch die Stadtgemeinde regte' sich. Ueberall wurden die Straßen gefegt, der Schmutz weggeschafft. Die ganze Stadt trug ein östliches' Gewand. Doch plötzlich verbreitete sich die Nachricht, der Baron bleche über Schabbos an Bord. Enttäuscht kehrte Groß und Klein heim. 15. Februar. Endlich ist der Baron gelandet. Er begab sich zunächst nach der Kolonie Petach-Tikwah; gegen 5 Uhr kehrte er nach Jaffa zurück und besuchte Tel-Awiw, wo er van einem vieltausendköpfigen Publikum unter Hedadrufen und Händeklatschen empfangen wurde. Es war ein überwältigender Anblick. "Die Straßen Tel- Awiws sind mit Blumen. und- Kränzen geschmückt. Jung und Alt war ans ben Beinen. Stundenlang stand 'die Menge Kopf an Kopf gedrängt. Inden, Araber und Christen: niemand wollt« sich die Gelegenheit entgehen lassen. Endlich kamen die uniformierten Wächter Petach- Tikwahs in vollem Galopp geritten, dahinter ein bejahrter, sympathischer Mann und dessen Frau. Beide grüßten freundlich nach allen Seiten. Bor dem aufgestellten Triumphbogen hielt der Wagen inne, und der Bürgermeister Tel-Awiws hielt eine herzliche Ansprache ' _ Seite 3 in hebräischer Sprache, welche ins Französische, übersetzt wurde. Mit Blumen und Bittgesuch mr geradezu bombardiert, durchlief der Wagen die Straßen Tel-Äwiws und geleitete daun den Gast — den „jüdischen Sultan", wie ihn die Araber nennen —, zmn Hafen» wo er auf eigner Nacht von den Mühen des Tages Rühe und Erholung suchte. Z. B. A Perso«alie» tu Siebte Wittellmrge«. Berlla. Dr. Ernst Cafsirer, Privatdozent der Philosophie, erhielt den Titel Professor. «I») RSaeuwalde. Albert Rnbenfohn. Mitinhaber der Firma S. Borchardt, ist zum schwedischen Konsul ernannt worden. Budapest. Inden Vorstand der jüd. Gemeinde wurden gewählt: Dr. Isidor Glaß» 2krzt, und Bela Wahl, Großkaufmann. Sonftanttnopel. In den Staats rat, die höchste Verwaltungsbehörde des Reiches, wird zmn ersten Mal ein Jude berufen werden: der Richter Zeki bey Albala. Albala hat ein lebhaftes jüdisches Interesse. Bologna [Italien). Roüolfo Mondolfo ist zum Professor der Philosophie an der hiesigen Universüät ernannt worden. Mit ihm zählt die hiesige Universität acht jüdische Professoren. Rew-Aork. Dr. Goldwäter. Direkwr des jüd. „Mount Smai"-Hospital, ist zum Chef des 'Sanitätsdepartements von Grotz-Rewhork ernannt worden. A«s der zio»istische» Bewegtmg. Berlin. Am vergangenen Sonnabend veranstaltete die Misrachi-Grnppe einen Diskussionsabend über das Thema„UnsereStelkung zum Sprachenstreit und zu dem neuen hebräischen Schulwerk in Palästina." In seinem Referat präzisierte Referendar Barth die Forderungen, die an das hebräische Schulwerk zu stelleu seien, nachdem er die Stellungnahme zum Sprachenstreit als selbstverständlich sehr kurz behandelt hatte. Während der Debatte erschien der gerade in Berlin weilende Herr David 2)ellin und erklärte sich bereit, ans die in der Debatte vorgebrachten Gesichtspunkte einzugehen. In drei Reden, die alle-schon durch daS meisterhafte Hebräisch Dellins die größte Aufmerksamkeit der Hörer erregte, nahm er zu dem Thema Stellung. Der Abend war dadurch einer der genußreichsten, die wir seit langem hatten. Konstaniluopel. Der wachsende Einfluß ber zionistischen Bewegung zeigte sich auch bei den diesmaligen Wahlen des Medschliß uuiuut, der Rationalversmmnlung der türkischen Judenhett, Dieser wählte in den kettenden Ausschuß, den Medschliß dschismani. neben zwei neutraleir Persönlichkeiten sieben ausgesprochene Nationaljuden, zum Teil Zionisten. Aus der „Agndas Jisroel"-Beweg««g. Kiel. Nach einer Rede Rabbiners DukaSz-Altona und Predigers Goldberg - hier ist hier eine Ortsgruppe gegründet worden. Langenselbold bei Hanau Hier ist eine Mädchengruppe gegründet worden. Die Referate in der gut besuchten Versammlung erstatteten Frl. Jentilla JeidelFrankfurt und Lehrer Ein st S d ter-Frankfurt. Homburg, 23. Febr. Auf Einladung der Hamburger und Altonaer Agudas-Jisroel- Ortsgruppen sprach gestern in ungewöhnlich gut besuchter Versammlung Direktor Dr. Lauge-Frankfurt a. M. über „Naturwissenschaftliche Hypothesen und die ersten Blätter des Pentateuchs". In klarer,uud tiefdringender Weise behandelte Redner die Ergebnisse moderner Naturwissenschaft im Lichte der Berichte der Tauroh über die Schöpfung, die Sintflut usw. Am Schlüsse wies der Redner auf die Bedeutung der Agudah hin und hob besonders hervor, daß es die Aufgabe der Führer und Lehrer sei, der schulentlassenen Jugend in ihrem Ringen um eine echt jüdische Weltanschauung beizustehen. Zn diesem Zwecke empfahl er die Einrichtung von Kursen, in denen erfahrene Naturwissenschaftler die Jugend aufklären, beraten und zu bewußt glaubensstarken Männern heranbilden sollten. Bofä. Cand. jur. Marcus Coh« ist es gelungen, einen Stndenten-Berein- ,Jabne" zu gründen, der wöchentlich zweimal zu mehrstündigem Gemoro-Schiur zusammenkommt. E l i j o h u- B o t s ch k o in Basel, der früher in der Jeschwah Nowogrudok tättg war» ertellt den Schiur im hiesigen Bethamidrasch. Derneue Verein wird sich dem B- I. A. S.» der auf dem Boden der Agudas Jisroel steht, anschließen. Ein Gelübde. Roman aus dem jüdischen Gemembelebrn. Don S. L«ß» Mannheim, üffiiflefon. ü (Fortsetzung.) 9. Kapitel. Zu seinem Plane, noch an diesem Tage wenigstens mit Rüben Stern eine versöhnliche Aussprache herbeizuführen, sollte sich ihm rascher und Bequemer* tafe er selbst gchacht hatte, Gelegenheit bieten, denu kaum hatte

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