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Neue jüdische Presse · 1914-02-27 · Heft 8 (27.2.1914) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 8 (27.2.1914)
Date
1914-02-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Jtr. 8 |Caf 6 Kaiser garten am Opernplatz Erstklassiges Familien-Cafe - Nachmittags Konzerte. _fr, Hanselmann, Besitzer Aus der Lehrerwelt. Burgpreppach. Die Israelit Präparanden- Zchulc „Talmud-Thora" veröffentlicht ihren 38. . ' im Vorbeträgt . , . .. ... ,, 4823 JL >Das Einnahmen- und Ausgabenkonto balanziert mit 121624 JL c N. ROSENAU Englische Herren Schneiderei IO Goetheatraue IO. Vornehme Ausführung. Hiesige Preise. D ■c an;n| .t eÄ ntt. :rt| un, toi tdj»| rde luch and en da anrer :r> erzm ubi äge. ften! neu irbe der! Ltet der ttan| t. tefle] Aus^ der „AgudaS Ztsroel"-Bewegung. Halberstadt. Die erfreulichen Fortschritte der Agudas- Bcwcgung veranlagte den geschäftssührcnden Vorstand des „G r n p p e n v c r b a n d s der A g u d a s I i s r o e l i n Dcntschlan d", an sämtliche Mitglieder der deutschen Ortsgruppen ein Rundschreiben zu richten, worin ausgcsordcrt wird, aus Anlaß des herannaheuden P n r i m - F e st e S sür die AgudaS Jisroel zu spende» und an allen Orten « a in m l n n g e n zu veranstalten. Das Nnndschreiben hat folgenden Wortlaut: „Mit dem Eintritt des Monats Äldar zieht seit zwei Jahrtausenden die Freude in den Kreis des indischen Volkes ein. Dankbar gedenken wir der wunderbaren Waltungswcisheit des Lenkers unserer Geschicke, geloben seinem dem urch der ih» jfeit heiligen Gesetze treueste Gefolgschaft und erneuern unsere Icivig'e Aufgabe, dies Gelöbnis zur lebensvollen Tat zu führen. Die Agndas Jisroel, der Zusammenschluß des 1» der Tauroh geeinten Klall Jisroel ist solch eine Tat, ist die Schöpfung des Judentums unseres Jahrhunderts — sie groß zu machen, sei unsere Losung. Mit den Tagen von Mordechai und Esther ist der Gedanke des Spendens unlöslich verknüpft, und nicht ein Purim geht über die Erde, er habe denn Tausende zur Freudigkeit des Gebens geführt und sie die Not ihrer Brüder mildern lassen. Nicht gilt für uns nur des Einzelnen Wohl, cs gilt „das Glück der Gesamtheit", und ihr laßt uns zu Purim spenden. Ob groß, ob klein — keiner bleibe zurück; der seimig des minder Begüterten wiegt so schwer wie des Reichen Goldstück; verkündet es in den Häusern, cn Schulen, den Vereinen, spendet freudigen Herzens iiiiib rufet Männer und Frauen ans zur: Purzmgabe der Agndas Jisroel. Der OrganisationsfondS der Agndas Jisroel bedarf Zunächst eines .NapitalS von -\k 100 000. Ein Viertel ieser Summe: JL 25 000 oll die Gabe sein, die der 1-4. Adar 567-4 aus der fHand dc-s ^Deutschen Gruppcnverbandes" der Leitung er Agndas Jisroel überreichen soll, und wenn alle, llc freudig hinantreten zur Terumas Purim, o wird cs ein leichtes sein, diese Tcrumoh unserer opfercreiten Liebe darzubringen." Die Spende» sind entweder an den Vorstand der etr. Ortsgruppe oder mittels Zahlkarte an den „Gruppcnerbnnd der AgudaS Jisroel in Deutschland" (Postschekonto Nr. 18901) nach Halbcrstadt einznscnden. Der Gruppcnvcrband regt ferner an, daß die Mitglieder md Freunde der Agnda bei Uebersendnng der Misch äuach.Monaus die Begleitkarten- oder Adressen mit!lgudamarken bekleben. Halberstavt, 20 Febr. In der gestrigen Mitgliederversammlung der Ortsgruppe wurden drei Referate rstattct, 1. über die Tätigkeit des Gruppenvcrbandes, über die Purim-Gabe, 3. über die hiesige Jugendlruppc. Bei dieser Gelegenheit wurden für den Orga- ^isationsfouds weit über 3000 JL gezeichnet. Die ammlung wird sortgesetzt. Berlin. Unsere am 25. Januar gegründete Jugendruppe nimmt täglich an Mitgliedern zu. Von dem Hellen Einfluß, der von der Agudoh ausgeht, legt der instand Zeugnis ab, daß die Leitung des mit uns operierenden „Montesiorc"-Vcreins auf Wunsch der Mgendgruppe - neun unter bewährter Leitung stehende 'chiurim neu eingerichtet hat. Für den.Monat März sind außer den regelmäßigen lurseü folgende Veranstaltungen angekündigt: Sonntag. März: Ausflug; Sonntag, 8. März: Vortrag des errn Dentschländer über „Samson Raphael Hirsch' onntag, den 15. März: gesellige Purim-Feier. Basel. In der Frauen- und Mädchen-Gruppe rach Dr. M.. A scher- Neuchatcl über „Körperpflege, ucht. und Judentum".- l-ao Schweinfest S Damenschneiderei ( empfehle tadellosen Sitz, gute Verarbeitung. . Gr. Eschenheimerstr. 19. I. Telef. 12206. \ Spezialität.; Francke & Weber Gr. Friedbergerstr. 7—11 Tel. Hansa 4095. Frankfurter Israelitisches FamilienÄatt. ^eite 8 FMetm. Ei» Gelübde. Roman aus dem jüdischen Gemeindeleben. Bon S- Laß» Mannheim, (Fortsetzung.) Simon der Acltere hatte vor 75 Jahren mit Miriam Thüringer, der Tochter von Jonas Thüringer ans Ganzcbach, die er nun schon auf mehreren Eholhamoedbällen ausgezeichnet und die er auf seinen Geschäftsgängen, wenn sie ihn nach Ganzebach führten, manchmal aufgesucht hatte,' so oft getanzt und sich so lange mit ihr unterhalten, daß er von ihrem Wesen ganz begeistert war, und in. seiner Erregung hatte er etwas getan, was bei den jungen Männern jener Zeiten etwas ganz Ungewöhnliches war. Er. hatte seinen Eltern nicht Mitteilung gemacht von der Zuneigung, die ihn für Miriam erfaßt hatte, danrit sie mit deren Eltern die Verhandlungen über die eheliche Verbindung führen konnten. Er hatte, kurz entschlossen, feiner geliebten Tänzerin seine Liebe erklärt, und hätte ihr, als sie ihm die Eimvilligung gegeben, versprochen, schon in den nächsten Tagen, jedenfalls noch am Cholhamoed, bei ihreni Vater um ihre Hand anzuhalten. Im Hause von Aron Goitschalk hatte es eine wahre' Bestürzung gegeben, als sie das erftihren, und dann ein Geschrei von Vater und Mutter, sowie von den 5 Schwestern Simons, als er ihnen eröffncte, daß er sich mit Miriam Thüringer so gut wie verlobt habe. Gottschalk hatte viel höhere Pläne, mit seinem einzigen Sohne gehabt, hatte sogar schon unter den Töchtern der Khille seine väterliche Wahl getroffen und lvollte deshalb seinen Sohn durchaus veranlassen, sich ganz der elterlichen Führung zu unterwerfen. Simon berief sich immer wieder auf sein fest gegebenes Wort, das er zu halten gezwungen sei. So oft sein Vater ihm zurief: „Ehre Vater und Mutter bedeutet, daß man seinen Eltern in allem folgen soll," ebenso oft erwiderte Simon: „Den Ausspruch deiner Lippen sollst du halten, steht in derselben Thora." Auch Daniel Heilbrunn, Simons Schwager, der die älteste Schwester Malke geheiratet chatte, hatte sich gegen Simon aufgestellt und wollte ihm cinredcn, daß ein Wort, ohne Wissen und Einwilligung der Eltern gegeben, nicht bindend sei, — aber alles war vergebens. Simon beharrtc darauf, daß er noch während der Cholhamoedtage sein Wort einlösen müsse. Es wurde drei Tage lang im Hause Aron Gottschalks gestritten, geschrieen, gekämpft, gebeten, gebettelt, geweint, aber eine llebereinkunst wurde nicht erzielt. Der vierte Ch'olhamocdtag ging zu Ende. Wenn Simon sein Wort halten wollte, war es die höchste Zeit, es einzulösen. Er machte beim Abendessen nochmals den Versuch, seine Eltern umzustimmcn, aber sein Vater polterte, seine vier unverheirateten Schwestern kreischten und belferten genau noch so lebhaft und entschieden wie am ersten Tage. Da hatte Simon jede Bemühung nach dieser Seite aufgegeben und war anstatt zum Hoschano-Rabbo-Lernen nach Ganzebach gelaufen. Aron Gottschalk und seine Frau Chase schoben die Schuld nicht auf die das ganze Menschenleben, wenn nicht - allein beherrschende, so doch beeinflussende Liebe, nicht auf ihren eigenen Stolz und Eigensinn, der dem Sohne auch nicht das geringste Entgegenkommen zu zeigen bereit war, sondern auf den Cholhamoedball von Lochstadt, den sie selbst und ihre fünf Töchter von da ab in Acht und Bann erklärten und bis an ihr Lebensende mieden. Der alte Leib hätte also auch darin recht, es hatte wirklich schon einmal eine Zeit gegeben, wo eine ganze Familie dem Hauptfamilienfest der Khille fern geblieben war. Josef Heilbrunn war still, als der alte Leib die längst begrabene Geschichte von dem alten Familienzwist andeutete mft den Worten: „Es hat schon einmal ein Simon Gottschalk beim Hoschano-Rabbo-Lernen gefehlt," aber im stillen wurmte es ihn, daß noch im dritten Geschlecht der alte Haß auf ihn übertragen wurde, gerade auf ihn, der sich doch frei von jeder Schuld stählte. Hatte er nicht einst gleich nach dem Tode seiner Tante Perleseinem Onkel Simon das verschlossene Kästchen samt Schlüssel geschickt, noch ehe die irdischen Reste seiner Tante der Erde anvertraut waren? Hatte er nicht sogar gegendessen Sohn Simon, so oft er ihm begegnete, sich als. Aelterer so weit Herabzelasfen, ihm wiederholt seine ( verwandtschaftliche, Zuneigung zu .zeigen? .. - -. Nicht nur ans verwandtschaftlichen Gefühlen war die Zuneigung erwachsen, die er fiir den jungen Mann fühlte, nein, er wollte ihm wohl, well ihm alles, was' er von ihin gehört hatte, so sehr gefallen hatte. Die Geschichten, die David Reinwald bestimmten, Simon wegen seiner Wvrttrene einen Narren zu schelten, hatten Josef gerade für den Jungen begeistert. Josef konnte nach dem Lernen, obgleich er mit seinen Güsten bis drei Uhr morgens zusammengesessen hatte, kein Auge schließen. Es tat ihm weh, daß Rüben, der zweite Parncs und der angesehene Mann, ebenso wie Simon, geflissentlich sein Haus gemieden hatte. Bei Rüben.konnte er sich einen Grund denken, gegen' den hatte er eine Schuld auf sich geladen, und die sollte morgen am Tage gelöscht werden, aber was sollte er mit Simon tun? Ach was, dachte er, Simon habe' ich nie etwas Vöses getan, den lasse ich unbeachtet, bis er sein Unrecht cinsieht und zu mir kommt. Der Gottesdienst am Hoschaiw Rabbo war ganz dazu angetan, Josef in der Versöhnlichkeit gegen Rüben zu bestärken. Da war wie am Jom Kippur vor der heiligen Lade der weiße, silbergestickte Vorhang anfgehängt, die Betpnltc und der Alemmor mit den feierlichen weißen Tcckchen bedeckt, die Thorarollen in die weißen Mäntelchen gehüllt. Ta erschallten aus dem Munde des Borbeters beim Frühgebet dieselben ergreifenden Melodien, die am Rosch Hoschano und am Jom Kippur die Herzen der Beter zur Andacht stimmf tcn, damit sie auch beim Schlußgebet, das zu hen freudigen Festgebeten gehört, und bei dem siebenmaligen Umzug um den Almemor unter Begleitung aller vorhandenen Thorarollen mit gehörigem Ernste in die ■ Bitten um Versöhnung und Hilfe 'einstimmen können. Josef kam gehoben und bestärkt in seinen versöhnlichen Vorsätzen aus der Synagoge zurück nach seinem - Hause. In seinem Wohnzimmer angekommen, setzte er die silberne Esrogdosc, ein altes Erbstück seiner Familie, auf den Tisch, stellte das Lulow in den Tops mit Wasser, der in der Ecke neben dem Glasschrank stand, nahm aus demselben Topfe zwei aus je fünf Zweiglcin der Bachweidesträußchcn und legte sie auf den Tisch. Dann öffnete er die Stubentür und rief hinaus: „Sara! Rahel! Kommt herein, Lulow benschen!" Zuerst nahm Frau Sara den aus Pälmzweig, Myrthc und Bachweide gewundenen Feststrauß in dir. rechte, das Esrog in die linke Hand, betete den üblichen Segenssprnch und legte, nachdem sic den Strauß nach allen vier Seiten, sowie nach oben und unten geschwungen hatte, alles wieder auf den Tisch zurück. Dann tat Rahel das gleiche. „So, jetzt könnt Ihr auch die Hoschaiwth klopfen^ sagte Josef und deutete mit dem Finger auf ein kleingedrucktes Gebet im täglichen Gebetbuch. Die beiden Frauen sprachen in leiser Andacht das gezeigte Gebet und danu schlug Iran Sara mit ihrem Weidenstrauß drei , Mal auf deu Fußboden und legte ihn, die Enden wie einen Reif ineinandersteckend, aus den Tisch, während Rahel mit ihrem Strauß wütend auf die Türklinke losschlng, daß die Blätter zerfetzt ans den Boden sielen. „Rahel," rief Josef vorwurfsvoll, „welche Torheit, begehst Du da wieder? Habe ich Dir nicht erst voriges Jahr erklärt, daß der Gebrauch des Weidenstraußes nur eine liebliche Erinnerung an jene stolzen Zeiten ist, als unsere Ahnen in großen Scharen von ganz Palästina nach dem Tempel wandelten, und den Priestern in Weidenkörben den pflichtgemäßen Teil chrer Obsternte - brachten, bei welcher Gelegenheit sie ihren Korb dreimal; auf den Boden setzten und hoben? Glaubst Du, sie hätten da wie Verrückte mit ihren Körben auf die' -Türklinke geschlagen, daß Korb und Frucht zerfetzt ans den Boden kollerten?" Rahel sah beschämt zu Boden. „Hast Du mir nichr einmal," fuhr Josef in seiner Straftede fort, „sogar ausdrücklich versprochen, daß Du diese Erklärung merken und den törichten Gebrauch, den Bachweidenstrauß zu zerfetzen, aufgeben willst? Hast Du das nicht versprochen?" „Ja," Antwortete Rahel leise. „Na also," rief Josef ärgerlich, „man könnte beinahe glauben, das deutsche Sprichwort hätte recht, das sagt: Ein Mann ein Wort, als wenn ein Frauenwort nicht ebenso gut bindend und heflig wäre wie das Manneswort. Ich sage Dir nochmals, halte Dich an das Bibelwort: Den Ausspruch deines Akundcs mußt du hätten, ganz gleich, ob du Mann oder Frau.bist." Rahel murmelte etwas. ~ „Was brummst Du da'?" fragte Jyseß-ähgerlich^ „In Ganzebäch machen sie es alle so."

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