Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 8 (27.2.1914)
- Date
- 1914-02-27
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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«eitt s Empfehlungen als Grundlage folgende Beschlüsse gefacht: ß ,1. a) Gleich von Anfang an werden Muthemntik und Physik in hebräischer Sprache unterrichtet, d) In neu abzuschließenden Verträgen mit Lehrern wird ein Passus ausgenommen, laut dem sie sich verpflichten, vier Jahre nach ihrer Anstellung das Hebräische zu. beherrschen. ch Nach Ablauf des ersten vierjährigen Kursus am Technikum wird-Ms Kuratorium in Beratung treten, welche Gegenstände nach, der derzeitigen Entwicklung der hebräischen Sprache und der hebräischen UnterrichtsmittÄ der hebr. Sprache nberwiesen werden Simen. § 2 Bei Anstellung von Lehrern müssen sämtliche Mitglieder des Geschästssührenden Ausschusses befragt werden. Die Entscheidung fAlt mit Majorität. § 3. Ins Kuratorium werden statt der drei ausgeschiedenen Mitglieder drei andere Zionisten kooptiert, von denen zwei dem Geschäftsführenden Ausschuß angehören. Bars« Cdmrmd Rothschild in Palästina. Jaffa- Baron Edmund.Rothschild, Paris, weilt seit vierzehn Zähren zum ersten Mal wieder hier. jEr will sich durch den Augenschein von den Fortschritten des jüd. Sickluugstverkes überzeugen. Ium Teil gilt seine Palästinareise auch einem ^bedeutenden wissenschaftlichen Zwecke. Er hat nämlich von der tüEschen Regierung die Erlaubnis eichalten, im Ophel in ^ruschem, südöstlich vom Tempelplatz, Ausgrabungen vorzunehmen, die seit einigen Wochen im Gange Ind. Wie verlautet, find dfe bisher erzielten wissenschaftlichen Ergebniffe sehr w«ckvoll. Baron Edmund Rothschild traf mit seiner Gemahlin am Freitag, den 13. Februar, in Jaffa ein und wurde von der gesamten jüdischen Bevölkerung enthusiastisch begrüßt. Am Sonntag, dem 15. ds. Mts., besuchte er die Kolonie Pethach- Tillcah, dann das jüdische Stadtviertel . Tel-Awiw bä Jaffa. Zehntausende von Personen waren in den Straßen zusammengeströmt. Ach 16. Februar wohnte er dem Unterricht rm Hebräischen Gymnasium bei und äußerte ferne Befriedigung über die ungeahnte Entwicklung der hebräischen Sprache in Palästina. Am selben Tage reiste er nach .den Kolonien' Mschon-Le-Zion und Rechobäth ab. Von hier begab er sich nach Jerusalem zu zweitägigem -Aufenthalt. Letzten Keitag ist er nach Eäsaräa, Haffa und der Kolonie Sichron-Jakob gefahren. Brief aus Rumänien. Die Parlamentswahlen sind im vollen Gange. Da in der bevorstehenden Session eine Revision der Verfassung durchgeführt werden soll, so haben die Antisemiten bereits eine wüste Agitation im ganzen Lande eingeleitet, um zu verhindern, daß die Kammer zugleich mit der Reform der Wahbordnrmg auch eine Abänderung des § 7 der Verfassung beschließe, der den „Fremden" — worunter bekanntlich hauptsächlich die Juden verstanden werden — das Bürgerrecht nur individuell durch Pärlamentsbeschluß gewährt. Acker Kandidat muß .seine Stellung zn.dieser Frage unzweideutig präzisieren, und die ^Verdächtigen" müssen ein förmliches Versprechen abgeben, an dem gehÄigten § 7 nicht rütteln zu lassen. '. Dabei kommt es vor, daß bekannte „Judenfceunbe", vor die Qual der Wahl. gestellt, ihre früheren freisinnigen Bekenntnisse förmlich desavouieren: ein Sitz im Senate oder in der Kammer gilt eben mehr äls die .Freundschaft der Juden. An eine auch nur einigermaßen befriedigende Lösung der Judeufrage tzenkt keiner der maßgebenden politisch,«» Faktoren.. Daher die schon jetzt sich bemerkbar machende, für das Mihjahr geplante WLs.fenausWanderung der jüdrschenBevölkerung. Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Nur die „Bereinigung. der eingeborenen Juden" gibt sich noch trügerischen Hoffnungen hin. Sie will der Regierung und den gesetzgebenden Körperschaften eine Denkschrift überreichen, öffentliche Versammlungen in Bukarest und der Provinz einberufen und Propaganda- Broschüren verbreiten; auch! plant sie die Einberufung, eines außerordentlichen Kongresses der eingeborenen Juden. Brief aus Rußland. Der Beilis-Prozeß, der die Drangsalen der russischen Inden in sich gewissermaßen konzentriert hatte, hw noch seine starken Nachwirkungen. Die Agitation der „Schwarzen Hundert dauert fort.. Einem' Zeugen, der für Beilis zeugte, dem Rechtsanwalt Margolin, wurde die weitere Praxis verboten. Beilis' Verteidiger Grusenberg wird dem Bericht übergeben. Schulgin, der nationalistische Abgeordnete, wurde für seinen Artikel gegen die Inszenierung des Beilis-Prozesses zn 3 Monaten Gefängnishast verurteilt. Schulgin, der noch vor 3 Jahren eine Pogromrede in der Duma, hielt, und der jetzt das glänzendste Wort gegen den Beilis--Prozeß gesagt hat, muß nunmehr die Früchte genießen, die die von ihm verteidigte Politik gezeitigt hat. Die Agitation der „Schwarzen Hundert" hat eine neue „Ritual-Affäre" ins Leben gerufen, die ihrem Gang nach den Beilis-Prozeß zn wiederholen scheint. In Fastow, einem kleinen Ort bei Kiew, wurde der 12 jährige Jossel Paschkow, der Sohn eines jüdischen Schneiders, ermordet. Als vermeintlicher Mörder wurde der altbekannte Verbrecher Gvntscharuk verhaftet, als plötzlich ein Lärm erhoben wurde, ' der Ermordete sei ein Christenkind, während Jossel Paschkow nach Amerika gegangen sei. Die Leiche wurde ausgegraben und nach Kiew transportiert, und die Unsinnigkeit der Behauptung sogleich festlestellt, dann wurden Jossels Vater, Froim Paschkow und sein Lehrling Gutharz als „Ritualmörder" verhaftet, dann kamen Erzählungen von verschwundenen Christenkindern. Obwohl die „Ritualmörder" schon wieder befreit sind, wird immer noch geschrieen und gelärmt. Während wir russischen Juden tagtäglich neue Ueberraschungen erwarten können, 'hat ein Regierungswechsel stattgefrrnden. Kein Kabinettwechsel nach westeuropäischer Art, sondern nur die Abdankung des Ministerpräsidenten K o k o w z o w. Kvkowzow war 10 Jahre lang Finanzminister und 2i/» Jahre (feit der Ermordung Stolypins) Ministerpräsident. Kvkowzow war kein übler Kenner der Finanzfragen, obwohl er selbstredend nicht mit einem Witte verglichen werden kann, aber als Premier hätte er fast gar keine Rolle gespielt. Während er persönlich kein Reaktionär genannt werden kann, ging während seiner' Präsidentschaft alles seinen alten Weg fort, vielleicht oft gegen feinen eigenen Willen. Der Unterschied zwischen seiner und Stolypins Politik bestand nur in der Form: Stolypin liebte tühne und effektvolle Gewalt- und Staatsstreiche, Kokowzow war vorsichtiger. In Wirklichkeit änderte sich nichts, ein jeder Minister tat, was er wollte, Kasso stellte die Schulen und Universitäten auf den Kopf. Schtschegolowitow inszenierte den Beilis-Prozeß. Und er mußte alles als Zuschauer mitansehen und weckte nur Lachen durch seinen kindischen Optimismus. Und wenn man ihm ein Verdienst nachsagen kann, so waren es seine korrekten Beziehungen zu der Duma und der äußere Schein eines europäischen Premiers, den er so gerne trug. Als Stolypin ermordet wurde, legte die Kiewer jüdische Gemeinde auf sein Grab einen Kranz nieder. Ein jeder verstand, baß dieses Niederknieen vor den sterblichen Resten des ärgsten Jnüenhassers seiner Zeit von der Notwendigkeit und der Furcht vor Pogromen diktiert worden war. Dem gestürzten Kokowzow können wir Juden — wie seltsam es auch klingt — einige aufrichtige Worte nachsagcn. Er verhinderte den Pogrom in Kiew im Jahre 1811, er ließ die Natioualisation des Handels nicht zn, er protestierte, als man den Bodenerwerb von Aktionsgesellschaften, die Juden unter ihren Mitgliedern zählen, beschränken wollte. Nicht aus Judenfreundschaft wohl, nein, er als Finanzminister konnte die materiellen Interessen Rußlands nicht dem Judenhaß zum Opfer bringen. Aber die reaktionären Parteien haßten,ihn dafür, und nun, da er mit dem' Grafentitel in der Tasche heimgehen muß, wird seine Abdankung als Sieg der Rechten betrachtet. Der neue Ministerpräsident Goremykin war schon früher Minister des Innern und zur Zeit der 1. Duma Ministerpräsident. Dieser 75 jährige Greis, ist als Erzreaktionär, gleichzeitig aber als völlig unbegabte Persönlichkeit bekannt. Seine Ernennung soll nur einen zeitlichen Charakter haben, da man sonst niemand gefunden hatte. Als Ministerpräsident ohne Portefeuille wird er wahrscheinlich keine politische Rolle spielen. Der neue Fininzminister Bark war früher Bank-' direktor und Bizeminister des Handels. (Manche behaupten, er sei ein getaufter Jude; ob es wahr ist, ist schwer festzustellen.) In dem Reskript des Zaren wird von ihm eine völlige Aenderung der Finanzpolitik und die Bekämpfung der Trunksucht verlangt. Die progressiven Dumadeputierten glauben zwar nicht, daß der Plan gelingen wird, da seine Ausführung nur bei einer Aenderung der gesamten Politik möglich sei. Um die Aenderung der Finanzpolitik zn unterstreichen, haben alle 3 Vizeminister der Finanz die Abdankung erhalten. Ob die beiden neuen Minister persönlich gegen uns - neue Pläne bauen werden oder nicht, wissen wir nicht: Jedenfalls bedeutet bedeutet der Regierungswechsel eine Wendung nach rechts, und wir Juden haben nichts Ant genehmes zu erwarten. L. K. Jtt. 8 Mas aller Wett. Deutsches Reich. Karlsruhe. Die Generalversammlung des Vereins zur Wahrung der Interessen degcsetzestreuen Judentums in Baden war aus allen Teilen des Landes gut besucht. In lebhafter und eingehender Debatte wurden de jüdischen Angelegenheiten des Landes vom Standpunkt degesetzestreuen Judentums aus erörtert, wobei der ernst, Wille zu eifriger Arbeit im Interesse unserer Emum! deutlich hervortrat. Mt lebhaftem Bedauern nahm die Versammlung^davon .Kenntnis, daß die beiden Vorstandsmitglieder Aroi Ettlinger-Mannheim und Dr. Würzburger-Rap penau ihre Acmter infolge Wegzugs aus Baden niederlege, .mußten, bezw. eine Neuwahl nicht mehr annehmen konnte» Herr Ettlinger zieht nach Hamburg und Herr Dr. Würzburger, dessen Gemeinde leider kein Minjan mehr hat nach Heilbronn. Durch beit Wegzug beider Herren erleid« der Verein einen schweren Verlust. Mit großer Lieb, und Hingabe hat Herr Ettlinger seit der Gründunz die Geschäfte des Vereins im Sinne des unverfälschte« Judentums geleitet, und auch die Arbeitsfreude und reiche Erfahrung des Herrn Dr. Würzburger wird schwei zn ersetzen sein. Als Ersatz für diese Herren wurden Bankbtrektol Rosenbaum-Mannheim und Jnl. Kaufmann Iß Ladenburg gewählt. _ Stuttgart. Hier fand die gut besucht« General .Versammlung des Württembg. Lan desverband für die Jüterc sah! 107 Du •211 ( Al Be! »G D < Or »cs All 31 ii essen des gesetzestrenen Judentums statt. Heinrich Herz-Hall erstattete den Geschäfts und Reiß-Heilbronn den Kassenbericht. Rabb. Dr. Ansbacher- Heilbronn sprach sodann über das Thema: „Beweise des göttlichen Ursprungs der Tora". Eine längere Diskussion entspann sich über die Art und Weise, wie das Lernen ans dem Lande angeregt und anregend gestaltet werden kann, stern- Niederstetten sprach über die immer mißlicher werdende Lage der Landjuden. Die wirtschaftliche Lage' der Landjnden müsse durch neue mögliche Erwerbszweige gehoben und den Juden im allgenreinen neue Beamtenlansbahne» mittlerer. Art eröffnet. werden. Leider. legten die maßgebenden' jüd. Kreise ihren Schwerpunkt einzig und allein auf den „Reservelentnant". Die.Wahlen ergaben die Wiederwahl des alte» Gesamtvorstandes per Akklamation. Information«- u.Uebemtzungs-Bureu: I. Weinstein, Do?mÄ lör Landg.-Bes. Frankfurt a.M. n. Wiesbia. Kaisers trasse II, Frsnktnrt am Hain, Telephon 8831. I. Bnren f. 1 Verkehr nach Sgsilui. Vehenett, AuHafte, nie. Sehretbnuä. Personalien «. Kleine Mitteilungen. Russisches Bo wc (ei cw sük der sc gr> Ge ein zu, ihr dci hei K dei dci IUI 8 (L.) Pose». Justizrat Smos zew er ist zum Notar ernannt worden. In Nakel wurde Kaufmann Jtzig zum Ratsherr gewählt und in Ex in Justizrat Loewy zum Stadtvcrordnetenvorstehcr. Wien. Eine tragikomische Gertchtsveo handln u g fand vor dem hiesigen Berufungssenat statt. Kläger war Hofrat Schick, Beklagter Direktor Robert Pick. Es handelte sich um einen Wortwechsel der beiden, in dem der Herr Hofrat seinen Glaubensgenossen Direktor Pick mit „Judcnjnnge" titulierte. Direktor Pick bezeichnete diese Aeußerung als eine Gemeinheit und wurde dafür von dem Hofrat verklagt; — jetzt ist er auch in letzter Instanz freigesprochen worden. Petersburg. Im Jahre 1912 traten in Rußland 136-2 Inden zur griechisch-katholischen Kirche über. Warschau. In der Stadt Grosno sprach hei da Behörde eine Anzahl Bauern vor, die zur Auswanderung nach Amerika den Paß verlangten. Ans ihren Papieren erwies sich, daß sie zum Judentum über- 'getreten waren. Auf eine Frage des Beamten erklärten sie, daß sie nach reiflicher Ueberlegung zur Ueberzeugung gekommen seien, daß nur der jüdische Glaube den Menschen seelische Beruhigung zu bieten vermöge. Sie erzählte» auch, daß in den umliegenden Ortschaften die Zahl dieser Bauern, die das Judentum angenommen haben, eine sehr-große sei. Nach dieser Enthüllung wurde den Bauern die Auslandspässe verweigert, und in der .ganzen Angelegenheit eine strenge Untersuchung eingeleitet. Kouftanttuopel. Jsaac Jessua Bey, Chef der Generalinspektion der Gendarmerie, wurde vom Sultan zum Offizier des Medgige-Orden ernannt. Rew-Aork. Selig Magulesko, der beliebtest! Komiker des jüdischen Theaters, ist — 56 Jahre alt - verschieden. Vuenos-Aires. R o o s e v e l t. der frühere Präsident der Bereinigten Staaten, empfing auf seiner Reise durch Südamerika in unserer Stadt eine Abordnung der Juden, die ihm eine Plakette überreichte, um ihn für seine gegen die Juden stets bewiesene Gerechtigkeit zn ehren. Roosevelt erwiderte in herzlichen Worten. Deeors t i on s bl u men Brautkränze, Brautschleier Arrangements für Festlichkeiten geschmackvollst und billiget.' Krankfurter Kunstblumenn. Kranzfabrik Wolsehendorff & Meissner 88 TSngeBgasse 88. .