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Neue jüdische Presse · 1914-02-13 · Heft 6 (13.2.1914) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 6 (13.2.1914)
Date
1914-02-13
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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.6 Str- 6 5er fci( gerade in, Liebe zusammenzuhalten. Die Wahrs Per seit, daß nuch in dieser orthodoxen und größten enigeu ZudenstM Rumäniens bis auf die drei hohen « Pa- Feiertage selbst am Sabbath die Synagogen leer t, daß ind. Daß in einer..'Stadt, in der über 30,000 ts die Zuden sind, die Leute so gleichgültig sind, gegendischcn iber jeder jüdischen Sache; jeder Egoist für sich, heute, mß.man keine Organisation seiner Gemeinde zuwird lande zu bringen vermag! Gibt es noch ein krassert sie, :cs und traurigeres Beispiel, jnd. Verfalls? es für Nirgends, liebes Familienblatt, findest Du so viele, Minen vie soll ich sagen, alles Jüdische von sich abnfaire, treifende Atheisten, kurzum..— Moderne Heiden, mpfcsals unter den Juden hier. Fragst Du aber nach großer ihrem hohen Bildungsgrrche, dann begnüge Dich Fudenmit der treuen Versicherung, daß unter der Jüdenropolikampf. übel." : noch ilation t uwhl gezeigt intuurs weiteiiin den 0eit sic Sen es heit keines Landes der Welt mehrere und . dichtere Reihen von absolut vollständigen Ignoranten zu finden sind. Wie anders war cs doch früher, als noch die hiesige Juöenheit inr Zeichen der Orthodoxie stand! Wes konnte man den Orthodoxen vorwerfcn, doch Gleichgültigkeit in jüd. Dingen nicht. Jetzt scheinen sogar die Orthodoxen von dieser gefährlichsten modernen Krankheit, angesteckt zu sein. Und als unser Rabbiner in einer Predigt einmal den anwesenden Greisen bittere Borwürfe machte — indem er mit einer wunderbaren Interpretierung der Erzählung des Talmuds über Nikanor, der auszog, Türen zu holen für das Heiligtum und verzweifelt ausrief: „Wir haben schon eine Tür ins zürnende Meer geschleudert; wir haben schon viel Jüdisches im stürmischen Golus von uns abgestreift, sollen wir auch noch das wringe, was uns blieb, ab werfen?" —war altes, Stalles stark erregt und darüber erstaunt, daß ein t inirh i° junger Mann solche Wahrheiten zu sagen sich nicht scheut. Aber auch das hals nichts. Man kehrte bald wieder in die alltägliche Gleichgültigkeit zurück. Nur so um die Toynbee-Halle herum — dort bei den Zionisten — regt sich etwas jüdisches Leben, Aber was da literarisch produziert wird, ist nicht viel wert. Habe ich Dir somit vom eigentlich jüdischen Leben hier nur blutivenig mitzuteilen, so möchte c - fort* können similae Takrt eut- :d man innen" Ideal, - Mt, t wird in ihn Gegner whr sie twürdicuar. da ich schlechschincrnpfinde großen anderes wohin gt, mil üdifchcr rrüttete r Line v jüd, r wird rd! Leh de kein aufge- Eliter jeder ch Dir aß, wir -greifen inneren ir nw e, was immer unsere Stünde für nur noch einen Augenblick Deine Llufmerklaltmw stmkeit für einiges vom nichtjüdischen Leben ils bcnl beanspruchen. Liebes Faniilienblatt, Deine täglich genug schwatzenden Kolleginnen werden Dir es wohl schon längst verklatscht haben, daß wir hier speziell in Jassy P o g r o m s ch r e ck e n hatten. Es war aber nicht nur der Schrecken allein, sondern viele kamen ,, auch mit blutigen Köpfen davon. In der „Piatzanuite" (Bereinigungsplatz), dem Zentrum der Stadt, wurde .danials jeder vorübergehende Jude mit tüchtigen Stößen nach rechts uild links daran erinnert, daß erst vor wenigen. Monaten ein jüd. Soldat gerade an dieser Stelle eine flammende patriotische Rede hielt vor seinem Regimente, das im Begriff war, den Marsch nach Bulgarien anzutreten. Und die Stöße jetzt warum? Weil — nicht die Juden selbst, ach bewahre! —, sondern weil die hiesigen Sozialdemokraten in einer imposanten Volksversammlung es wagten, Menschenrechte fiir die Juden zu verlangen. Ja, wenn man tot zurückgebracht worden wäre, siehst Du, dann, ja dann hätte man Anspruch aufs rumänische Bürgerrecht. Aber so: frisch und gesund, wodurch sollte denn der Jude plötzlich Mejuches geworden sein? Ter Rumäne hat recht. Für uns Juden gibt es wahrlich keinen anderen Ruhm als die Erinnerung an die längst in der Erde Begrabenen; die Erinnerung an Lie Vergangenheit; denn die Gegenwart ist ach! gar zu trübe. Jirngst fand ein Regierungswechsel statt. Das gemeinschaftlich arbeitende Ministerium Maiorescu-Dake-Jonescu der Konservativen und Konservativ-Demokraten ging ab und inachte einem liberalen Ministerium mit Bratianu an der. Spitze Platz. Eigentlich sind die „Liberalen" der wahre Reaktionsschrecken des Landes. Aber so werden hier oft die Begriffe verwechselt. Versuchen sonst die Demokraten, Ke ein europäisches Gewissen bis zu einem bestimmten Grade doch i unge-I haben, den Juden durch mancherlei Hintertürchen "ch die» des Gesetzes einigermaßen ihre Ausnahmestellung hättenH zu versüßen, so zeigen sich die Liberalen fast nie- Frankfurter Israelitisches Familienblatt. mals dazu geneigt. Im Gegenteil, die wie ein Haufen Mist die rumänische Konstitution beschmutzenden und verpestenden Einschränkungsgefetze gegen „die Fremden", deren Ungerechtigkeit zum Himmel schreit, stammen.meistens von der Legislationsperiode der Liberalen. Sie find auch Grauen erregend konsequent. Denn die Möglichkeit einer Lösung der Judcnfiage, die sich besonders jetzt geradezu als staatsnotwendig erweist, haben diese Liberalen in ihr Programm gar nicht aufnehmen wollen, und es ist stark, zu befürchten, daß sie sie sogar bei der zustande zu kommenden Konstituante totzuschweigen suchen werden. Denn Rumänien ist jetzt stark, und dem Starken wird iiutnec schon von .allen Seiten geschmeichelt. Bon einem Drucke von außen kann also gar keine Rede mehr sein; vorüber sind die Zeiten fiir immer. Liebes Familienblatt, Tu wirst'mich verwundert fragen: ist denn das alles nichtjüdischcs Leben? Das sind ja im Gegenteil Dinge für jeden Juden, interessant und wichtig. Ja, dann fiage ich Dich meinerseits: ist das jüd. Leben Leben überhaupt? Kann man Pogromftimmung und Pogromschrecken, rastlosen, wütenden Antisemifismus und uns versklavenden Reakfionismus — kann man das jüd. Leben nennen? Korresp. Cafe und Conditorei Bütschly Besitzer C. Heim GaUus-Anlage 2. Tel. 201, 316, 278 I. Gleichzeitiger Inhaber von: Hniitoni i Cafe „Perrimoid Rompelnajer“ Baden-Baden. Eigene Erzeugnisse von Pralinees u. Bonbons. Allabendlich famUienhonzect. _(ausser Sonntags.)_ Die Inden in der künftigen türkischen Kammer. Konstanünop'el. Das jungfiirkische Komitee ist zurzeit eifrig mit der Wahlkampagne beschäftigt. Die jüdische Bevölkerung hofft, wiederum vier Abgeordnete zu erhalten, obwohl die Zahl der jüdischen Wähler durch den Fortfall der mazedonischen Provinzen, insbesondere durch den Fortfall Salonikis, erheblich vermindert worden ist. Die Regierung und das Konntee sind geneigt, den Juden wiederum vier Abgeordnete zuzubilligen, doch läßt sich über die Personen noch nichts Bestimmtes sagen. Ursprünglich wünschte das Komitee die Wiederwahl der vier früheren Abgeordneten — F a r a g g i, Mazliach, Carasso und Sasson —. Doch ist ziemlich sicher, daß Faraggi nicht wieder kandidieren wird, obwohl gerade er als eine der besten Arbeitskräfte der Kammer galt. "Auch Sasson dürfte nicht wieder kandidieren, da . er vor einiger Zeit Unterstaatssekretär im Landwirtschaftsnnnisterium geworden ist und als solcher nicht der Kammer aiigehöreu kann. Mazliach und Carasso dagegen werden mit größter Wahrscheinlichkeit ausersehen sein, wiederum .die türkischen Juden im Parlament zu repräsenfieren. Carasso hat erklärt, er wünsche nicht nur als Anhänger der Partei Union et Progrös, sondern auch als offizieller Vertreter der Jüdenheit gewählt zu werden. Die beiden anderen jüdischen Kandidaten sind ttoch unbekannt. Es besteht .die Möglichkeit, daß Jerusalem zum - erstenmal einen jüdischen Abgeordneten erhält. Die Regierung synipathisierl mit diesem Plan, Hessen Verwirklichung von der gesamten jüdischen Bevölkerung des Reiches mit Genugtuung begrüßt würde. Das nette Einwauderuugsgesetz. New Jork, 6. Februar. Nach fünftägiger Debatte wurde gestern im Repräsentantenhaus die Burnettsche Einwandernngs- Vorlage mit 240 gegen 125 Sfimmen angenommen. Den von jüdischer Seite geäußerten Wünschen wurde insofern Rechnung getragen, als der Bild u n g s n a chw e i s, den die Vorlage fiir die Einwanderer vorsieht, ans hie Fähigkeit, irgend eine Sprache — einschließlich die hebräische rmd .die jüdische — lesen (nicht, schreiben) .zu können, beschränkt wird. Leite 3 FRANZÖSISCH, Jede Dam* kam» sieh. I an dem272 monatig. GRATIS ~ KURSUS am Tage oder abends beteiligen. Weserstr. 7 ÜMMil! StilOOl RlMIIll. Tal. 1.12428- Aus aller Well. Petersburg. Drr Ministe ^rat hat auf Grund einer Eingabe nationalistischer Dumaabgeordneter den Justizminister beauftragt, ein Gesetz über das Verbot der jüdischenrituellen S ch l a ch t m e t h 0 d e auszuarbeitcn. MeinungSverschicdenheiteii sollen, wie berichtet wird, 'im Miiiisterrate nur über de» Zeitpunkt der Einführung des Schächtverbotes zutage getreten fein. Kiew. Der Prozeß S chu 1 g in hat äußerüch die Sensationen nicht gebracht, welche von ihm erwartet waren. Er war eigentlich nur eine B e st ä tigu n g all der B e r m u t nu gen, die anläßlich des BeilisprozeffeS ausgesprochen wurden. Eine Reihe von Einzelmomenten haben indes ^inanche Nuance in diese Boraussetzungen hineingebracht. So gab der Angeklagte selbst, ein Konservativer., vom, Scheitel bis zur Sohle, der jedoch die Gerichtsbarkeit der Pokfiik nicht auSgeliefert wissen will, einen erbaulichen Ausspruch des Juftizministers Sch tscherlolvitow wieder. „3§ir müssen." sagte dieser, „den Fall Beilis vor. Gericht bringe», da man uns sonst beschuldigen wird, daß. wir durch jüdisches Geld gekauft sind." Ei» anderer Ausspruch ist charakteristisch für T sch apl i n s ki, de» dainaligen Staatsanwalt und jetzigen Senator. Als die Besichtigung einer Synagoge nicht diejenigen Tatsachen brachte, welche für den rituellen. Charakter der „AWre" notwendig waren, da bemerkte Tschapkinski zu Rrassowski: „Wunderbar, wie doch die Kiewer Polizei erzogen ist: sie will mit dem Gesichtspunkt der Staatsanwaltschaft gar nicht rechnen." Noch deutlicher ^verdolmetscht Tschaptinstis Willen der Gendarmerieoberst Iwanow, der nach einem Rapport Krass 0 wskis über neue Tatsachen diesem zürnst: „Das alles ist nichts, gebt einen Juden her." Jaffa. Palästina. Wir erwarten zwei b e r ü h m t e G ä st e, nämlich Baron Edmund Rothschild und Mendel Beilis. Frank, der Vertreter des Barons und der „Jca". ist — wie jedes Jahr — zur Revision hier eingetrosfen. Aus eineni Gegner ist er ein Freund des neuen jüdischen Lebens in Palästina geworden, und so wird die „Jca" in .Palästina auch weiter kolonisiere». Für den Baron ist in Rischvn-le-Ziou ein Haus in Stand gesetzt worden. Beilis wird von dem Baron in Pethach-Tikwah ein Bauerngut erhalten. Der Reisendenvcrkehr ist sehr lebhaft. Lebhaft ist aber noch eines: die Bautätigkeit. Im jüdischen Viertel Tcl-Awiw sind an ->0 Häuser im Bau.! Robert Grerlaola. Frankfurt am Hain, Mainzerlandstrasse 166 .— . . — Telephon-Amt I, 5375. - Konstu. Bauschlosserei, Eisen-Konstruktionen, Schaa- | fenster-Anlagen, Werkstatt far kunstgewerbliche Metallarbeiten in Eisen. Bronce. Messing. Rap araturarbeiten. Aus der „Agudas Jisroel"-Bewegu«g. Berlin. Auch wir haben jetzt unsere Jugendgrupve. Nach Ansprachen der Herren Dr. med. 33. Hessin a n n, stnd. Phil. Harry Levy, M. A. Loeb und cand. phil. Leo D c u t s ch l ä n d e r in einer Versammlung im großen Saale des Burghvtels fanden sofort mehr a l s 100 Einzcich » u n g c n statt. Da der Montesiore-Berein in ausgiebigster Weise,sür das Lernen sorgt, betreibt die Jngendgruppe Grnppenschiurim, Geschichts- und Sprachkurse, Sport und Geselligkeit. Breslau. Die Generalversammlung der Jngendgruppe wählte die Herren schneller, Jonas und Nelken und die Damen E 0 h n 11. G l 0 g a u c r als Vorstand. Der Rückblick auf die bisherige Tätigkeit ist befriedigend. Schiurim und Vorträge gaben den Mitgliedern jüdische Vertiesung, und Ausslüge stärkten das Gemeinschaftsbewußtsein. Würzburg. In der Jngendgruppe resei reiten Lehrer Al a u «bei nt er - Detteibach über „Jüdische Sprichwörter und Redensarten" und S. B. Bamberger und Lehramtstandidat Sohn über die Frankfurter Tagung. Hatberstaüt. In der Jngendgruppe sprach Dr. Hartwig C a r l c b a ch - Leipzig über „Jehuda H a i c v i". Lemberg. Die Ortsgruvve in Przemysl wählte folgenden Vorstand: Elieser Bomb ach, A. M e i r s d 0 r f, E. 4l. R a p p a p 0 r t (Kassierer) Benjamin N u ß b a n m, Hirsch T e i t e l b a u in (Schriftführer), Jsaac I. Thumim (Vorsitzender), I. Mieses, Jakob Hirschfeld, Joses Rinde,' Josef B i n d i n g e r» Moses Engel, Schimon K a l m a tt, Sch. H nstcr und Samuel Kris. In Z l 0 c z 0 w wurde in einer zahlreich besuchten Versammlung ein Lokalkomitee mit foigenoen Herren gewählt: Rabb. Sam. Schapira (Vorsitzender). Sch. Jmh er (Kassierer), Ch. M. Silber schütz (Sekretär), I. Lwow (Revisor), ferner die Herren E. Preis, Meir Imb er und 41. Lcwins0 hn (Beiräte). ■4 j I i

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