Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 6 (13.2.1914)
- Date
- 1914-02-13
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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eerte L Frankfurter Israelitisches Familicnblatt. Wfc 6 I Jbt. 6 j :V-, ] rustenschulen zu richtigen Dorfschulen entwickeln. Und ebenso, wie man das Heranwachsen der jüd. Bauern heute bereits deutlich wahrnehmen kann, ist auch die- Tendenz deutlich bemerkbar, die die Kvlönieschulen immer mehr zu.Dorfschulen werden ' laßt- Damit ist die Uebersicht über die erste Kategorie der palästinensischen Schulen. beendet. Es . find die in ihrer Art neuesten und gcschlossenstzn Schulen, die ich hier besprochen habe. So viele Mängel sie auch besitzen, so große Aufgaben sic noch zu bewältigen haben werden, so — alles in allem — groß und imposant ist die Leistung, die in ihnen vollbracht worden ist, Wenn man aber die volle Größe des Werkes kennt, dys hier geschaffen worden ist, wird man auch davon abfontnten, sie immer nur bekritteln und - anzugreisen und stets auf ihre noch vorhandenen Fehler hinzuweisen. Der Respekt und die Bewunderung vor den Männern, che unter Einsetzung ihrer gesamten Lebensarbeit dieses Werk vollbracht haben, sollte all die, che mit diesen Schulen nicht. einverstanden sind, zu der Erkenntnis bringen, daß solchen Männern intb solchen Leistungen gegenüber eigentlich nur eine Art der Kritik erlaubt ist: die der positiven, ausbauenden, schöpferischen .Kritik. Hsngehen' und Besseres schaffen! das ist das cin- Kge, was die tun Annen, che diese Schulen ablehnen. Der wahrhaft Tüchtige hat noch nie den . Wettkampf gefürchtet. . Verkehrt, ja verwerflich ist es, die großen Leistungen anderer herabzusetzen und zu bekritteln, ohne selbst' die Kraft zu haben, Besseres oder auch nur Gleichwertiges an ihre Stelle zu setzen. Aus -e« Ereignisse» des Tages. tZ t h pt?--- I? it-. k f Cine unverantwortliche Tat. Der Kampf um die hebräische Sprache berginnt immer weitere Kreise zu ziehen, imd je mehr er von seinem ursprünglichen 'Inhalte verliert, umso mehr gewinnt er an Heftigkeit und Schärfe der Form. Der eigenlliche Kampf selbst, der Kamps, der um das Technikum in Haifa und um die Hilfsvcreinsschulen in Palästina ging, ipso gut wie beendet: dies mutz immer wieder mit . aller Schärfe betont werden angesichts dessen, was jetzt innerhalb des deutschen Judentums vor sich gcht. Me Majorität des Kuratoriums des Haifaer Technikums hat sich prinzipiell für das Hebräische ' erllärt, neben den Hllfsverernsschulen sind neue hebräische Schulen begründet worden, und in Palästina selbst ist man bereits aus dem Stadium des Kampfes heransgekommen und ist schon zu dem der ruhigen, positiven.Arbeit am Aufbau der neuen Schulen übergegangen. Somit wäre eigentlich keinerlei Grund mehr vorhanden, auch! in Mutschlaich den Kampf fortznführen, und von zionistischer Seite .denkt auch niemand daran, ihn ' fortzüsetzcn. Es ist im Gegenteil oft von maßgebenden zionistischen Stellen ans betont' worÄSt, daß der Zionismus nichts gegen eine Weiterarbeit des' Hllfsvcreins in Palästina einzüwenden hat, vielmehr seine Kräfte darauf verwenden wird, in 'dem nun einsetzcnden Konkurrenzkampf beider Schulsysteme auch für die Zukunft den Sieg davonzutragcn, wie er ihn sich jetzt im Momente des Kampfes errungen hat. Wenn also jetzt der Sprachenkampf in verschärfter Form weitcrgeführt wird, wenn . er zu Auswüchsen führt, die man nicht scharf genug verurtcllen kann, so muß vor aller Oeffentlichkeit fcstgestcllt werden, daß nicht der Zionismus, .sondern seine Gegner es sind, die allein die Schuld daran tragen. Man beginnt nämlich! jetzt von der Seite des- Hllfsvcreins, eine neue Taktik anzuwenden. Nachdem man sich' in der eigentlichen Frage, die den Kampf hervorgerufen hat, eine so arge Niederlage geholt .hat, sucht man die Schilappe dadurch wieder gut. zu machen, daß man - das Objekt des Kampfes völlig verrückt. Man be- ° ginnt den alten Popanz der. Zionistenfurcht wieder hervörzuholen und will aus dem Kampf um die hebräische Sprache einen Kamps um . den Zionismus machen. Rache am Zionismus! das ist die Parole, unter der die Männer .des Hllssvereins jetzt den Kamps sortsetzen, und /mit dieser Parole war es ihnen leicht, einen ''rührigen Bundesgenossen zu' finden: in dem famosen Antizionistischen Komitee. Rache aber ist ein Produkt .des Hasses, und der Haß blendet bekannllich! auch sonst sehr ruhige und vernünftige Menschen und verführt sie zu Handlungen, deren sie sich bei ruhigem Blute schämen würden. Die neue antiztonistische Phalanx hat sich bereits gleich! zu Beginn ihres Rachefeldzugcs zu einer solchen Handlung hinreißen lassen: sie hat im Annoncenteil von vier bedeuten den allgemeinen liberalen Zeitungen eine Erklärung veröffentlicht, die sich ganz wie ein Chercm liest; sie hat gegen den Zionismus ihren Bannstrahl geschleudert und erklärt, in keiner jüdischen Organisation mehr mit den Zionisten zusammenarbeiten zu können. Wir müssen gestehen, daß wir im ersten Moment, als wir diese Erklärung lasen, aufs höchste erstaunt waren; so sehr wir ' auch die .Rachegefühle, die jetzt die Herren. des Hilfsvereins und des Antizionistischen Komitees beherrschen, verstehen Annen, zu einem solchen Schallte hätten wir sie dennoch nicht, für . fähig gehalten. Man bedenke, was diese. Erklärung bedeutet: im .Annoncenteil nichtjüdischer Zeitungen versucht man die heiligsten jüdischen Fragen zu Äsen; auf denselben Spalten, auf denen Champagnerfirmen die Güte ihrer Produkte ausposaunen und Kinematographen die neueste Rolle,Asta Nielsens annoncieren, versuchen Juden von 3kang und Titel, den größten .und behutsamsten innerjüdischen Kampf, den das moderne Judentum, den das Judentum seit 2000 Jahren überhaupt kennt, auszukämpfcn. Und das tun dieselben Leute, die es dem Zionismus und der Orthodoxie immer znm größten.Vorwurf gemäht haben, daß sie .innerjüdische Angelegenheiten vor ein nichtjudisches Forum bringen; Ms tun dieselben Leute, die bisher in all ihrem jüdischen Tun und Lassen sich nur von einem Motiv leiten ließen: von der Sorge, ja kein „Risches" zu machen. Fürwahr, der Haß dieser -Männer gegen den Zionismus muß sehr, sehr groß sein; .wenn er ihre angeborene Angst vor Mm „Risches" zu unterdrücken vermochte und' ihnen den traurigen. Mut gab, durch Annonceir den Zionismus schädigen oder gar vernichten zu wollen. Und . so verblendet sind sie in ihrem Hasse, daß sie nicht hegreifen, wie sehr sie sich durch solche Schritte entwürdigen, sich und das Judentum,. als dessen legllime Repräsentanten sie leider noch immer bei einem Telle der nichtjüdischen Oeffentlichkeit gelten. Solche Dinge sind in der Tat geeignet, „Risches" zu machen, das Wort „Risches" richtig verstanden. Solche Dinge müssen in der Tat bei allen vornehm denkenden Nichtjuden allen .Respekt vor dem Judentum ertöten. Was für ein Volk müssen doch diese Juden sein, wird", sich der nichtjüdische Leser dieser Annonce sagen müssen, daß seine titulierten Notabeln keinen anderen Weg . kennen, um innerjüdische Kämpfe dds Judentums auszufechten als durch banale, inhaltslose Annoncen? Wie ehrlos aber müssen doch diese' Juden .sein, wird er sich weiter sagen müssen, daß sie Männer als ihre Führer dulden, die vor der nichtjüdischen Welt erklären, alle Bande zwischen sich- und einem großen Teile ihres Volkes zerreißen zu wollen, die sich verpflichten, nirgends mehr zusammenarbeiten zu wollen mit Juden, deren ganzes Bar brechen darllr besteht, daß .sie ihrem Volke die Bedingungen zu. einem gesunden, freien, stolzen Dasein schaffen wollen. Welche Gedanken aber von dem sittlichen Ernst und der Ueberzeugnngstteue dieser Männer müßten ..dem Leser kommen, der wissen ■ würde, wieviel Söhne und Enkel so mancher Unterzeichner dieser Erklärung bereits getauft sind oder sich bald taufen lassen werden.; . . - So sehr wir diese Erklärung als eine Schmach für das Judentum beklagen.müssen, unter einem gewissen Gesichtswinkel gesehen, hat auch sie ihr Gutes. Durch sie hat die Assimilation einen.Schritt weiter getan in ihrer Demaskierung. Sie hat wicdermn bewiesen, was Heute, .da er.mächtig geworden-ist, dü er über diiMerade beste Organisation 'innerhalb der Judentums vcr«eit, dc fügt, da auf seinen Appell hin in wenigeiiDudenst Wochen Hunderttauscnde gespendet werden, da PaDeiertax lästina bereits der Welt zu beweisen.beginnt, daMnd. T es selbständig geworden - ist und dort - bereits dicUZuden Grundlagen geschaffen sind, die es zum jüdischcnmber je! Zentrum der gesamten Welt machen sollen, heute,»aßma da die Assimllation erkennt, daß es ernst wirMande; mit der Gesundung des Judentums, beginnt sie,«cs un den Zionismus zu hassen, beginnt sie, alles füMirgenk zulässig zu halten, was seinen Siegeszug hemmcnDvie so! könnte. „Man darf der Assimllation ihre nnfaireZtreifenk aller Würde und Wahrheit entbehrende Kampfcs-Ials un weise nicht übel nehmen", sagte einmal ein großerlihrem nichtjüdischer Denker, der sich viel mit der Jüden-imit bei ftage befaßt hat; ,;sie . treibt eine Desperadopoli-Iheit kei ttk, sie kämpft ihren letzten Berzweiflungskamps.lReihen Und einem Verzweifelten nimmt man nichts übel."Ifinden Dem Teil der deutschen Jüdenhell, der noch! ® immer an die güten Absichten der Assimilation!^ geglaubt hat, wird diese ihre letzte Heldentat woMmnd! Ofi«An» t«:..v _ die Augen geöffnet haben. Sie wlld ihm gezsigtlßu, haben, wie wenig dieser die Ehre des JüdentmnslT/tzd. f1 gilt, wo es' sich! darum handelt, der fortschreiteii-Isährlich den Gesundung des Judentums einen Stein in den!^"^ Q Weg zu legen. Aus Zionistenhaß' entwürdigen silnial d das Judentum vor aller Welt und beschmutzen ezlmachte durch marktschreierische Annoncen. Itieruno Auf diesem Wege werden diese Männer fort-! nor' schreiten. Nur zu! Sicherer und schneller können! sie nicht den moralischen Bankrott des Assimila-I^^ A tionsjndentums herbeiführen als durch solche Tat-! '1" " e i ttken. I"?" U1 Der große Theodor Herzl hat das Wort cin-I'^e. > mal gesprochen, das die ganze gegenwärttge Situi-!? . > tion. voll erfassen läßt. Er sagte: „Zuerst wird!^.,^ man den Zionismus auslachen, sodann wird man!^"^7, ihn hassen und zuletzt wird.man ihn anerkennen."! ^hrte Die Zeit, da man den Zionismus und seine Ideal» ‘Clt verlachte, ist vorbei;, die Zeit, da man ihn haßt!. J_? nähert sich ihrem Höhepunkte. -Die Stunde b nicht .lange auf sich warten .lassen, da, man ihn! Hj;öen: anerkennen wird. Und. je verblendeter die Gegner! ™ des Zionismus in ihrem Hasse sind, je mehr sie!. , das Judentum durch ihren Rachekampf entwürdi-1.5"^. gen und schädigen, umso rascher wird die Stünde!!^ lp kommen, da alle Juden, die noch die Erhaltung! j(,,n*?t des Judentums wollen, den Zionismus als den! oeansp einzigen Weg. hierzu anerkeimen werden. I., ~ schwatz Brief aus Rumänien. Jassy, Anfang Fxbruar. I nicht auch i Liebes Familienblatt! Du hast gewiß schon!, eine schlechte Meinung von mir bekommen, da ich! solange' schweige. Nicht Faulheit ist es oder schlecht ter Wille gar, — nein!, es ist eine tiefe, schmcr-!' zende Wunde, es ist SchamgeMl. Ich empfinde! k,! Schande darüber, daß ich Dir von dieser großen! -:T.. Judenstadt in so langer Zell nichts Besonderes! mitzutellen hatte. Das jüdische Leben hier, wohin! '.7? ist es verschwunden!? w« m> net unserem Rabbiner auszurufen: bin ich geneigt, will ,Es ist -jüdischer! Tod, aber kein jüdisches Leben!" Zerrüttete! LJÄ ihre größte Gefahr darstellt: die Gesundung des Judentums in Palästina. Solange der Zionismus unbedeutend war, hätte die Assimilation niemals sich solcher Mittel bedient. Sie haßte ihn noch nicht, weil. sie an seine Realisation nicht glaubte, well sie seiner spottete. Gemeindeverhältnisse, oder viel richtiger gar keines Gemeindeorganisation;. jüdische Schalen, wv siid.I Unterricht bitterer und gemessener genossen wird! s als ein Rezept aus der Apotheke; Lehrer und Äeh-I rerinnen Autididccktcn, weil im ganzen Lande kein! b einziges Lehrerseminar existiert; dann aufg:-I blähte Usurpatoren des sogenannten jüd. Elite-»' tums, die entsetzlich gleichgültig gegenüber.'jeder, jüdischen Frage sich verhalten, — sollte ich Dir! von diesem allem ungeniert, schreiben?; ' I Was würde man von uns rumänischen Juden! Geger denken, wenn mach Gott behüte! erfährt, daß wir» selbst Mchtswürdige sind, weil wir nicht begreifen! Das wollen, daß solange wir die eigenen inneren» Mgio Werte zu zerstören nicht zurückschxecken, wir wl-I Konse möglich Anspruch erheben können auf Wettmig» einem seitens unserer Wirtsvölker. Wenn man die Wahr-» Spitz« heit über uns im Auslande erfahren sollte, was» wahr« würde dieses Ausland dazu noch sagen, das immer! iverde Erbarmen und Mitleidsgefühl - für uns, für rmsere! sucher Menschen- und Bürgerrechte zeigt? Die Wahrheit! Gewi nämlich, daß vielleicht nirgends blinder und ünge-I haben rechter Haß /so verbreitet ist wie unter uns, die! des < wir eigentlich! als Leidende mehr Ursache häUen»! zu ve .....