Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 6 (13.2.1914)
- Date
- 1914-02-13
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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ir; lg te. Sß jo und len; sieb 11. ng Iff, a 1,4821. rts. nk 27 Legel k zeichapetätion, d Dauerims ad Uiete. Kauf lt ilS taai L10371, Erscheint wöchentlich am Freitag. Srnkgsprris pro Wrrtrljahr: In Frankfurt a. M. Mk. 1 — frei ins Haus. Bei der Post abonniert Sv Pfg., frei ins Haus 4 Pfg. pro Monat mehr. — Bei Zusendung durch Streifband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn Ml. 1.50, für Rutzland 1 Rubel, für alle übrigen Länder Mk. 2.— Einzel - Nummern kosten 1V Pfg. Redaktion und Expedition: Franftfiirt :: Eangcftr. 7. Fernsprecher Amt I. 10507. , X i Aeransgeber: Kalg Geis. Jnsrrtionspreis für die fünfgrfpaltene Petitzeile 25 Pfg.» für die Reklamezeile Mk. 1.—. Bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Stellen-Angebote und -Gesuche, Wohnungsinserate, Heirat s -Annoncen 15 Pfg. die sechsgespaltene Petitzeile ohne jeden Rabatt. Platz- und Datum-Borschrist ohne Berbindlichkeit. Annoncen-Annahme bei der Exped. und in a.Annoncen-Bureaus. Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. M. unter Nr. 4884. 12. Jahrgang. Freitag, den 17. 8oIi>vrit 5674 (13. Februar 1914) Nr. 6. Die Schule« Palästinas. Äon Nachum Goldmann. II. "1. Die rein «ational-hebröischen Schulen. Das Hebräische Gymnasium in Jaffa; das Gymnasium in Jerusalem; die Mädchenschule in Jaffa!; die Kolonieschulen. (Schluß-. Zu denl von diesem Gesichtspunkte gesehenen schwierigen Schülermaterial, das, den wichtigsten Grund für die pädagogische Unvollkommenheit des Jaffaer Gymnasiums bildet, kommt noch ein anderes Moment hinzu: das Fehlen eines Direktors. Ich stehe nicht an, dies für einen schweren Mangel des Gymnasiums zu erklären. Tas Prinzip der Kollegialität und'Gleichberechtigung in allen Ehren: eine Schule muß, einen Direktor haben, eine oberste Autorität. Eine Schule ohne Direktor ist ein Institut ohne Zentrum und deshalb in manchen Hinsichten ohne Einheitlichkeit und Harmonie. Der alljährlich aus dem Kreise der Lehrer neugcwählte Direktor — er mag noch so tüchtig und energisch sein — ist kein Direktor im eigentlichen Sinne des Wortes. Er ist .es weder den Lehrern noch -den Schülern gegenüber., Man empfindet das, wenn man eine kurze Zeit inr Gymnasium geweilt hat. Es fehlt die oberste Instanz, die Autorität, der sich alles fügt. Man mag sonst Republikaner oder Monarchist sein, für die Schule ist doch die konstitutionelle Monarchie diebeste ,Verfassungsform. 9hut darf man allerdings nicht vergessen, daß es außerordentlich schwierig ist, für dieses Gymnasiuni einen Direktor zu finden. Es müßte ein Mann sein, der alle Unterrichtsfächer beherrschte, da er bei der Festsetzung des Unterrichtsplaites das entscheidende Wort mitfprechen müßte, es müßte aber auch ein Mann sein, der den Lehrern gegenüber, die größtenteils keine gewöhnlichen Lehrer, sondern oft durch ihre öffentliche Tätigkeit 'führende Persönlichkeiten des jüdischen Lebens Palästinas sind, sich die nötige Autorität zu erringen wüßte: der Direktor des Jaffaer Gymnasiums müßte ein Großer in Israel sein, eine leitende Persönlichkeit der jüdischen Kultur. Kein Wunder, daß' .er sich bisher noch nicht gefunden hat. Ihn zu finden tut aber' dringend Not. Er erst wird .das Gymnasium zu einem völlig einheitlichen, geschlossenen Gebilde machen. Und noch ein drittes wirkt störend auf die pädagogische Seite des Gymnasiums: der Mange l a n T r a di t i o n. Das Gymnasium: ist die erste Schule ihrer Art; sie stellt einen ersten Typus dar. feinen Anfang, und leidet am .Fehler jedes ErstliNgstypüs: ihm fehlt die Tradition. Das,, was für ' europäische "Schulen als Resultat einer langen Entwicklung bereits fest herausgebildet ist muß das Gymnasium sich selbst jteu schaffen. Sowohl den Unterrichtsplan wie die Schulordnung wie die Prüfungsordnung und. hundert andere Dinge mutz es aus .sich heraus neu festlegen. Es kann in den europäischen Schulen wohl Vorbilder sehen — und tut .es —, aber es kann dennoch nichts sklavisch nachmachen. Es muß alles, was es übernimmt, feinen besonderen Verhältnissen anpassen. Und es ist daher nur natürlich, wenn heute, nach kaum zehnjähriger Existenz, solche Traditionen sich noch nicht fest, und klar herausgebildet haben und vieles noch im Aufbau begriffen ist. Aber all dies sind Fehler, die das Gymnasium nrit allen Anfängen teilt. . Sie zu beseitigen, gibt es' nur ein - Mittel: die Zeit wirken lassen. Mit jedem Tag wird es besser werden. Und nun noch ein Wort über den allgemeinen Geist, der im Gymnasium! herrscht. Es läßt sich, über diesen Geist iticht viel schreiben, man muß im Gymnasium gewesen sein, man muß urrter -den Jungen gelebt haben, um diesen Geist empfinden und verstehen zu können. Man muß aber auch. diese Zöglinge des Gymnasiums gekannt haben, wie sie vor ihrem Eintritt ins Gymnasium waren, um die ganze Wandlung zu erkennen, die ihre neue Erziehung in ihnen bewirkt hat. Sie werden neue Menschen im Gymnasium. Diese engbrüstigen, .bleichsüchtigen, blutarmen Produkke des jüdischen Ghettos Osteuropas mit ihrer erschreckenden- Frühreife, mit ihrem ungesunden Intellektualismus, utit jhrent krankhaften Ernst werden hier zu gesunden, kräftigen, rotwangigen Jungen, die aufrecht marschieren, leidenschaftlich Sport treiben, und mit Begeisterung lustige Lausbubenstreiche anstellen. Und ivie ihr Körper gesundet, so auch ihr Geist ihre jüdische Psyche. Ws hoffende, begeisterte Jungen wachsen sie heran, die ihre Aufgabe kennen. Sie - sind, sich ihres Wertes bewußt; sie wissen, was es. heißt, Schüler des ersten hebräischen. Gymnasiums in Palästina .. zu sein, und sie find entschlossen, die Hoffnungen, die das jüdische Volk auf sie setzt, zu erfüllen. Es ist eine int besten Sinne erhebende und begeisternde Atmosphäre und- Lebensstimmung, von der das Gymnasium beherrscht wird. Vielleicht wird manchem die Begeisterung, in der die Schüler leben, als zu stark, als übertrieben erscheinen. Das Hedad schwebt ihnen immer auf der Zunge. Aber es schadet nichts. Diese Jungen sollen zu Kämpfern erzogen werden, sie sollen die .Garde im Kampfe um unsere Befreiung bilden; ihnen ntuß die Begeisterung flrrs Judentum zum Inhalt ihres Lebens werden; und so sehr die Erziehung im Gymnasium nach Manchen Seiten hin noch - Mängel und Fehler hat, in diesem Punkte — davon sind' alle, die jemals im Gymnasium waren, überzeugt. —, erfüllt es seine Aufgaben voll und ganz. Man muß vom religiösen Standpunkt die Zöglinge des Gymnasiums als unvollkommene Juden ansehen; daß aber die Schüler, die .das Gymnasium entläßt, von dem begeisterten Willen durchdrungen sind, alle ihre Lebensarbeit in den Dienst ihres Volkes zu stellen, das muß auch der schärfste Kritiker und Gegner des Gymnasiums zugeben. Vom rein nationalen Standpunkte*) gescheit — und nur von diesem kann man dem Gymnasium gerecht werden — sind die Jungen und Mädchen, die aus dem Gymnasium hervorgehen, begeisterte Söhne und Töchter ihres Volkes. * Ich habe das Gymnasium so eingehend besprochen, weil es einen Typus darstellt, den Typus der rein hebräischen, rein nationalen Schule Palästinas; und ich kann in diesem Rahmen nur die Typen der palästinensischen Schulen charakterisieren —. In die Kategorie dieser Schulen gehören nun noch eine große Zahl anderer. Neben dem Gymnasium in Jerusalem, dessen Existenz, bereits gesichert ist, das eine vielversprechende Entwicklung nimmt und. sich vom Jaffaer auch in. religiöser Hinsicht unterscheidet, indem es religiösgemäßigter ist als jenes, das aber noch nicht genügend abgeschlossen und fertig ist in seiner Tendenz. und Entwicklung, als daß *) Doch das Nationale darf — selbst vom nationalen Standpunkt — vom Religiösen nicht getrennt werden. D. Redatt. ich es eingehender zu beschreiben brauchte, neben diesem Jerusalemer Gymnasium sei hier vor allem die vom Odessaer Komitee unterhaltene Mädchenschule in Jaffa (beth-seser lebauoth) genannt, au die sich seit zwei. Jahren ein Lehrerinnenseminar angliedert. Man kann diese Schule als die zweifellos beste Schule Palästinas bezeichnen, als eine Schule, die in ihrer pädagogischen Vollkommenheft auch für .europäische Verhältnisse einne Musterschiule wäre. Diese Schule, in ihrem wissenschaftlichen Pensum etwa einer deutschen Mittelschule entsprechend, hat bereits viele der Mängel des Gymnasiums überwunden. Bor allem: sie hat einen Direkror, der schon durch seine Persönlichkeit die hervorragende Qualität der Anstalt garantiert; und uni diesetr 'Direktor gruppiert sich ein Kreis von Lehrern, die zu Len ältesten und besten Pionieren des hebräischen Schulwerks in Palästina zählen; und ferner: sie hat bereits Tradition als — neben der Allianceschule — älteste Schale Jaffas. Wer die außerordentliche Sauberkeit und Präzision wahrgenommen hat, .mit der die Mädchen dieser Schule sich Leiden, wer das ruhige, bescheidene, wohlerzogene Benehmen dieser Schülerinnen bemerL hat und weiß, aus welch ärmlichen Kreisen sic stammen, wird erst den Wert und die Größe der Erziehungsarbeit bemessen, können, die Hier vollbracht worden.ist. Und was den palästinensischen Schulen, besonders den 'Volks- und Mittelschulen und ganz besonders den Mädchenschulen, nottut, ist Jjor allem Erziehung der Zöglinge. Auf sie ist unbedingt mehr . Wert zu, legen als auf das Maß des Wissens, das ihnen beigebracht wftd. Denn was wir in Palästina brauchen, sind gesunde, wohlerzogene Menschen, nicht lebende Lehrbücher und EnzyLopädien. Und darum stellt die >Mäd- $ chenschule in Jaffa ein Vorbild für sämtliche Schn- K len Palästinas dar und. wird auch als solches . im ganzen Lande anerkannt. 4 Es bleibt mir noch übrig, ein Wort über die \l Kolonieschulen git sagen, die gleichfalls in. | diese Kategorie der reinen national-hebräischen ,;? Schulen einzureihen sind. Diese Schulen, die in ihrem Werte sehr verschieden sind, — neben sehr guten wie in Rischon-le-Zion und Rofch-Pinah sehr mangelhafte wie in manchen untergalüäischen Kolio- | nien —vor allem auch in ihrem Lehrprogramm! ziemjfj lich variieren, haben fast alle einen großen Mangel r sie 1] sind keine Kolonieschulen, keine Dorfschulen. fc Noch haben wir in Palästina nicht den Typus 8er A jüdischen 'Dorfschule geschaffen, vielleicht darum, f weil wir noch nicht den Typus des jüd. Bauern ß herangezogen haben. Das eine Große bringen die f: Kolonieschaften bereits fertig: sie erziehen ihre ' | Schüler für Palästina; die Zeit,. da die Schulen zur Auswanderung erzogen, ist vorbei. Bei dem streng nationalen Geiste, von dem auch diese; Schulen meist beherrscht sind, bei der Begeiste-? rung, von der die meisten ihrer Lehrer getragen j werden, haben sie das Ziel bereits erreicht, in f den Kindern die Liebe für das Kolonisationswerk k zu erwecken und sie zur Seßhaftigkeit in den Kolonien zu erziehen. Was fehlt, und was zu jerreichen die dringendste Aufgabe dieser Schulen - \ darstellt, ist, die Kinder nun attch zu Bauern zu erziehen, die sich nicht , scheuen, selbst intensiv * und schwer zu arbeiten. Tie Lösung. dieser .Auf- - l gäbe wird Hand in Hand gehen mit der allge-; meinen Entwicklung der Kolonien. In dem -Maße. als die Kolonisten Palästinas immer mehr znwahr- . hasten Bauern werden, werden sich auch die Kolo- - i