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Neue jüdische Presse · 1914-01-30 · Heft 4 (30.1.1914) · p. Seite 3

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 4 (30.1.1914)
Date
1914-01-30
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Seite 8. 4 5ir. 4 Frankfurter Jsraetitisches KautUierMatt. inzip' lieber küms unischen ischen zuten Prof. nner, lalten chkeit von )aam :ichen Anall- Lymceisen ischen lieht crtodem auch eitihre haben lieuein tgliesich prin- und imon eine deren , ob tandt, da :reten h öe scheiaben, ution ^deutistihiniterestigsmus Itskietung, wenn : des ereilt, Paul verleiden resagt in sie innen lt gedem ' die sein inden und e der tzung imchzu-- than. titive i, ob riunt oder bald schiee so riuin die ringscheileifel im sisltz- 2. Zur Frage »userer Stellung zu d?o pottttsche» Parteien 'Dü BerHandlung über das Bonntagsrnhegesetz im Reichstag, die vor kurzem stattgefunden hat, ■ war in mancher Hinsicht sehr lehrreich. Sic hat die Ansicht über unsere Stellutig zu den politischen Parteien ivieder einmal bestätigt, die von orthodoxer und zionistischer Seite immer ivieder, ausgesprochen, von dein liberal gesinnten Teil der deutschen Judenheit aber heftig bekämpft wird; die Ansicht nLinlich, daß von allen politischen Parteien die Liberalen das geringste Verständnis füir.vnsere religiösen und nationalen Eigenarten und Forderungen besitzen, daß deshalb unser bisher unverbrüchliches Treriverhältnis zum Liberalismus eine Revision und Korrektur erfahren muß. Von allen Rednern, die im Reichstag über die Frage sprachen, hat niemand für die jüdischen Interessen so warnt wie der Zentrumsntann Er Lb erg er gesprochen, niemand aber 'bekämpfte die Ausnahmebcstinlinung zu Gunsten der Inden lebhafter als der Redner der Freisinnigen. Das interessanteste und sympathischste am Ganzett war aber die Begründung, die der freisinnige' Redner seiner Ablehnung der Ausnahmebestimmung gab. Sie sei geeignet — sagte er — den Gegensatz von Juden und Nichtjuden zu verschärfen und Antisemitismus hcrvorzurufen. liebersctzt man dies in die .gewöhnliche Terminologie der liberalen Juden, so heißt dies: Diese Ausnahmebestimmung zu Gunsten der traditionellen Juden kann „Risches" machen. Darum: lieber den traditionellen Juden die Existenz unendlich erschweren, lieber so tmd so viel Wankelmütige zunt Abfall von der Tradition verleiten, als sich der Gefahr ansfetzen, „Risches" zu erregen. Alan sieht, der Gedankengang und die Psychologie, die ihm zugrunde liegt, ist ganz der Psyche der Assimilation entnommen. Auch hier wieder eine Bestätigung der aufgestellten Behauptung, daß lediglich das Assimilationsjudentum innere Verwandtschaft mit dem Liberalisntus hat und gut daran tut, ihm die Treue zu währen. Welches Interesse aber hat das traditionelle und nationale Jitdentum daran, stets den Liberalen nachzulaufen? Wir, deren jüdisches Tun und Lassen nicht vott der Rücksicht auf die anderen diktiert wird, wir, deren jüdische Psyche nicht von der Angst vor „Risches" beherrscht wird, wir, denen die positive Erhaltung unserer jüd. Eigenarten und Traditionen mehr gilt. als alle Gunst der anderen, was sollen ivir unsere materiellen und moralischen Kräfte zur Unterstützung des Liberalisntus aufwenden, dessen innerstes Ziel die Verwischung aller Eigenarten und Vernichtung aller Sondertraditionen ist? Fürwahr, vott Tag zu Tag wird eine Korrektur unserer Stellung zu den politischen Parteien notwendiger. Die große Warrdlung, die das niodcrne Judentum auf allen Gebieten seines inneren Lebens durchgemacht hat, muß auch auf unsere politische Betätigung übcrgreifen und auch hier eine Aenderung unserer bisherigen Anschauungen und Verhalttlngstvcisen herbeiführen. Ein neues Auswandernugsgesetz in Rußland. Petersburg, 20. Januar. Ter Handelsminister hat einen Gesetzentwurf zur Regelung der Auswanderung ausgearbeitet. Die Borlagc enthält große Erleichterungen für russische Häfeit benutzende Ausivanderer. Unter anderen! sollen solche Emigranten ihre Auslandspässe kostenlos erhalten. Die Tendenz des neuen Gesetzes ist die, der russischen Auswanderung über ausländische, namentlich deutsche Hasen ein Ende zu machen. An sich tväre die Vorlage auch für die jüdischen Emigranten, die die Reise nach Amerika gegenwärtig größtenteils über Hamburg und Bremen antreten und, von gewissenlosen Agenten ausgebeutet,, überdies in den Kontrollstationen an der deutschen Grenze vielfach, von übelwollenden Beamten schikaniert werden, von großem Vorteil. Andererseits enthält der Gesetzentwurf jedoch engherzige Bestimmungen aller Art, die die Vorteile illusorisch machen. So sollen den jüdischen. Auswandern, deren Verwandte — und zwar nicht nur etwa nahe; Angehörige — sich der Militärpflicht durch Auswanderung entzogen haben, keilte Pässe verabfolgt werden, wenn sie uicht vorher die für diesett Fall vorgesehene Geldstrafe im Betrage von ^00 Rubel entrichtet haben. Auch sollen die verschiedenen Vergünstigungen nur denjenigen Auswandern gcwährt werden, die mit den .unmodernen, langsamert und schlecht eingerichteten russischen Ozeandampfern direkt bis zum Hafen des Bestimmungslandes, also z. B. bis New Port, reisen und nicht etwa eine Zwischenlandung in England vornehmen. In jüdischen Kreisen glaubt mau darum, daß die Vorlage,, selbst iveitn sic durchgehen sollte, an der gegenwärtigen Richtung des Auswandererverkehrs, soweit die jüdische Emigration in Frage konnnt, uicht viel ändern >vird. Vereinstag der Freien Vereinigung für die Interesse« des orthod. Judentums. Frankfurt, 26. Januar. Gestern fand hier der Bereinstag der Freien Vereinigung statt. Ter von dem Generalsekretär vorgetragene umfassende Bericht verbreitet sich zunächst über die geleisteten organisatorischen und propagandistischen Arbeiten, insbesondere die Bezirkstage, erwähnt dann den zum Regiernngsjubiläum des Kaisers geschaffenen „Kaiser Wil- Helm-Jubiläumsfonds" von 40,000 Mk. sowie sonstige Stiftungen und geht dann zur praktischen Tätigkeit der Vereinigung über, Auf dem Gebiete der Gcsetzgebttng und. Verwaltung beschäftigte sich der Vorstand in erster Reihe mit der Sonntagsruhe-Angelegenheit, der Schechitah und den Staatszuschüssen an leistungsschwache preußische Syltagogengemeindcn. Sehr interessant sind die Mitteilungen über die erreichten Zugeständnisse zu Gunsten der religiösen Lebensführung der jüd. Soldaten. Im Prinzip hat der Kriegsminister anerkannt, daß zu den jüdischen Feiertagen im Sinne der Garnisondienstordnung auch der wöchentliche Sabbat gehört, insbesondere sollen jüdische Soldaten nicht ohne Notwendigkeit zum Schulschießen oder zunr Schreiben am Sabbat herangezogen werden. Des weiteren beschäftigt sich der Bericht mit dein Gesetz über den Erwerb und Verlust der Staatsangehörigkeit sowie mit dent Wahlrecht der Ausländer in den Synagogengemeinden. Hinsichtlich der Erhaltung jüd. Volksschulen . hat die Freie Vereinigung wiederholt eingcgriffen. Das Kapitel über die Tätigkeit der „Kommission für ländliche Wohlfahrtspflege" berichtet über die von der Vereinigung eingerichteten Schiurim und über die Verteilung von guter jüdischer Literatur in den Landgemeinden. Das Organ.der Kommission, der „Jüdische Volksbote", ist regelmäßig erschienen. An Subventionen und sonstigen Auswendungen auf dem Gebiete der „Ländlichen Wohlfahrtspflege" sind in der Berichtsperiode über 20,000 Mark verausgabt worden. Des ausführlicheren beschäftigt sich der Bericht. mit der Tätigkeit der Bereinigung innerhalb der Bewegung zur.Bekämpfung der „Richtlinien", um dann nach Besprechung der Publikationen des „Jüdischen Bolksschristen-Berlages" zu. der Wirksamkeit auf dem Gebiete des religiöseu Pslichtlcbens (Tefillin und Mesusaus, Literatur betreffend Gottesdienst, Mikwaoths?c.) überzugehen. Den Schluß bildet der Bericht über die Palästina-Arbeit, die in finanzieller Beziehung vollkommen gesondert geführt wird und das allgenteine Budget nicht belastet. In warmen Worten gedenkt der Bericht .der Heimgegangenen Vorstands- und Ansschußmitglieder: Jonas Bing-Hamburg, Emanuel Ettinghausen, Koinmerzienrat Louis Feist, Aron Wolf-Frankfurt. Nach Erstattung des Kassenberichtes und Erteilung der Entlastung fanden die Wahlen statt. Die ausscheidenden Ausschuß- und Vorstandsmitglieder wurden einstinrmig. wieder-, sowie neu in den Vorstand' die Herren Jacob Besthoff, Konis.Kahn jr. und Isaak Wolfs-Frankfurt it M. gewählt. Aus aller °Wsll. Deutsches Reich. Berlin. Am 25. Januar fand unter Vorsitz des Herrn Dr. I a m e s 3 i tu o n eine 3 itz » » ei d e c- G eschäf'ts führ enden Au S - s cli >i s s c ■? d e s HilfSvcreins der D e n t s ch e u I u b e >i ' slntl, die außergewöhnlich stark, auch vo» auswärts, besucht war. Anschlust an die vorangegangene Sitzung des Geschnftsführenden Ausschusses wurde nochmals über die aktuelle 3 ch u l r r a g e diskutiert. Das Vorgehen der Leitung fand erneut die einhellige Z n st i m m n it g d e s A u s s ch u s s e s. Es wurde zunächst das B n d g e t für das Schulw c r k in tzöhe von 22ü Ml) Jk bewilligt. Ferner wurden die erforderlichen Mittel für die A u s Wandererfürsorge bereitgestellt. Es wurde beschlossen, auch in Emden ein Büro zu errichten, sobald der geplante Auswandcrerverkehr von den Schiffahrtsgesellschaften dort aufgenommen wird. Bon den weiteren Bewilligungen, die der Geschäftsführende 'Ausschuß vollzog, seien angeführt die Erneuerung der Subvention von 5000 JL für die Zentralstelle für jüdische Wa n d c r a r m e n f n r so r g e und von 2000 -lt. für den Israelitischen Unterst ü tz » n g s v c r c i u für Obdachlose i n tz a nr b n r g. Rußland. Kiew. In F a st o w, zwei Stunden von hier, ist der j üd i sch e Kn n de P as ch k o w e r mordet worden. Es handelt sich ui» einen fingierten „Rituals- Mord. Der Mörder, ein flüchtiger Sträfling, durfte den blonde'. Jungen für einen Christen gehalten haben. . Die ganze Affäre ist auch deswegen besonders im Dunkel gehüllt, weil über die Person des Mörders außer der Tatsache, daß er ein Sträfling ist, nichts Näheres bekannt wurde. Es ist sicherlich keine Beleiidigung für den Verband des russischen Volkes, wenn man annimmt, daß er dies Geheimnis ebenso kennt, wie das Geheimnis von der Ermordung von Hcrzenstein, Jollos, Karawajew und anderer kennt. Unheimlich .ist aber die Stimmung unter de» Juden: „Man muß," sagte der lokale Rabbiner gegenüber eineni 'Ausfrager, „Gott danken, daß der Ermordete einer von nus, ein jüdischer Knabe ist. Wäre es ein christlicher, sowü^. den wir eine neue Affäre Beilis haben. Denken -Tie sich, gerade an jenem ßlbend befand sich ein zugereistes. Rabbiner bei mir, und einige Tage vor dem Verbrechen haben wir ein neues Bethans eingeweiht." Rumänien. Bukarest. Hermann Loeb-Philadelphia hat eine Aktion eingeleitek, rumänische Inden in Texas anznsicdeln. - Die christliche Bevölkerung in Texas bringe dem Plan . große Sympathien entgegen. Lv haben verschiedene Hani delskammern Herrn Loeb Erleichterungen ■ aller Art für die neuen Ansiedler angeboten. Die Eisenbahn- und Bangesellschasren, die Maschinenfabriken usw. wollen den. Einwanderern ebenfalls allerlei Vergünstigungen gewähren. Herr Loeb ist bemüht, in Texas eine Kolonisationsgeselkschaft init ansehnlichem Kapital zu gründen, die die Durchführung des Planes in die Hand, nehmen solt Informat,ons-u.Uebarsetzungs-Buraau: I. W einstein, Lolm^^r tni Landg.-Bex. Frankfnrt a.ÄLa. "Wieabad. Kaiserstraasa N, Franktnrt am Hain, Telephon 9331. Iftnean L d. Tettola nach Bmslani. Uetenatn, AnaWsfte, na. SehiethnndL Pertzonatten u. Kleine Mitteilungen. Berlin. Geh. Regicrnngsrat Prof. Dr. Frank, der Begründer der deutschen Kaliindustrie, feierte seinen 80. G c b n r t s t a g. — Jlmtsgerichtsrat F r a e n k e l, Koinmerzienrat A l - srcd Löwenberg, Rechnnngsrat Mendelsohn, Sanitätsrat Dr. Oliven, Amtsgerichtsrat S a m t e r. Notar Dr. S a in t e r. Amtsgerichtsrat S p r i n z und Justizrat Leopold Dorn l. erhielten den Rnte.n 2l d l e r o r d e n l. 5l l a s s e. Berlin. Dr. James «imon erhielt die Krone zum Roten A d l e r o r d e n 2. Klasse und Kommerzienrat Louis G r n n f e l d - Benthen den Charakter als Geheimer Kommerzienrat. Köln. Am 9 Januar verschied hier im Alter von 00 Jahren I a I o b L e v y. Wer war Jakob Levy'? Nun, wer in den letzten 10 bis lü Jahren dem unterhaltende» Teil der jüdischen Blätter sein Interesse zugeivandt hat, dem war der Heimgegangene kein Fremder. Gibt es doch wenige jüdische Blätter in den Ländern deutscher Zunge, die nicht eine seiner gemütvollen Erzählungen oder eines seiner innigen Märchen gebracht hätten. Ein eigentümlicher Zauber geht von diesen in ein schlichtes. Gewand gekleideten Dichtungen auf den Leser über: es ist der Zauber des jüdischen Familienlebens, das in ihnen allen den Grnndton bildet. Mit der Erinnerung. an sie steigt unwillkürlich ein freundliches, besonders der älteren Lesergeneration recht vertrautes Bild vor uns auf: das Bild des festlich gedeckten Tisches, um den sich am Freitagabend in dem gut jüdischen Hanse die Familie, an ihrer Spitze die ehrfurchtsvoll verehrten Eltern, schart. Besonders glücklich traf Jakob Levy den- Ton des Märchens. Das jüdische Märchen, also das Märchen 'mit spezifisch jüdischem Inhalt, war bisher in der jüdischen Literatur nicht vertreten. Indem Jakob Levy es in glücklichster Form einführte, hat er sich besonders um die an nsm I I

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